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Von Bärbel Hilbig
Ausgerechnet die Schüler, die das Abitur als Erste schon nach
zwölf Jahren ablegen, müssen sich in besonders vollen Klassen
darauf vorbereiten. Nächstes Schuljahr, also in der zehnten Klasse,
beginnt für die jetzigen Neuntklässler die Vorbereitungsstufe
für das Abitur. Sie werden dann mit bis zu 32 Schülern in einer
Klasse sitzen: Die Lernbedingungen sind deutlich erschwert. Für die
jetzigen Zehntklässler, die dann im elften Jahrgang sind, gilt dagegen
eine Klassenobergrenze von 26 Schülern. Beide Jahrgänge machen
gleichzeitig das Abitur, die Älteren haben aber ein Jahr länger
Zeit zum Lernen.
Das ist einfach ungerecht. Das Problem brennt vielen Eltern unter
den Nägeln, denn die Neuntklässler sind durch die verkürzte
Zeit bis zum Abitur ohnehin stärker belastet, sagt Cordula
Dietrich vom Stadtelternrat Hannover. Das Kultusministerium habe offenbar
noch nicht realisiert, dass die zehnte Klasse in Zukunft zur Oberstufe
gehört. Ich weiß nicht, ob man das bewusst oder unbewusst
übersehen hat, sagt Dietrich. Der Stadtelternrat hält
32 Schüler pro Klasse in der Abiturvorbereitungsphase nicht für
akzeptabel und will sich mit einem Brief an das Kultusministerium wenden,
den der Arbeitskreis Gymnasien der Interessenvertretung gerade vorbereitet.
Die Eltern gehen auch davon aus, dass die Klassen in Hannover tatsächlich
in den meisten Gymnasien bis auf den letzten Platz gefüllt sein werden.
Die Klassen dieses Jahrgangs wurden schon beim Start im Gymnasium
recht vollgepackt, sagt Dietrich. Im zehnten Jahrgang werden dann
noch zahlreiche Schüler hinzukommen, die von der Realschule auf das
Gymnasium wechseln.
Eine weitere Schwierigkeit kommt hinzu: Bisher haben viele Schüler
das Jahr für einen Auslandsaufenthalt genutzt und übersprangen
so ein Schuljahr in Deutschland. Auch so wurden die Klassen kleiner.
Diese Entlastung fällt jetzt weg. Das Kultusministerium sagt
ganz klar, dass Schüler, die ein ganzes Jahr wegbleiben, die Klasse
wiederholen müssen, sagt Elternvertreterin Dietrich.
Auch die Zeit nach dem Abitur bereitet vielen Eltern Bauchschmerzen, weil
dann zwei Jahrgänge auf den Markt drängen. In manchen
Studienfächern wird der Numerus Clausus sicher anziehen, sagt
Dietrich. Und auch für Realschüler dürfte das Doppelabitur
Folgen haben. Wenn mehr Abiturienten eine Ausbildung beginnen, haben
Real- und Hauptschüler schlechtere Karten.
Aktion Schul-Zeit: Was für Erfahrungen haben Sie mit der verkürzten
Schulzeit an den Gymnasien gesammelt? In der HAZ wollen wir kurze Texte
von Schülern, Eltern, Lehrern und anderen Betroffenen veröffentlichen.
Bitte schicken Sie uns Ihre Beiträge mit vollständigem Namen
und Telefonnummer für Rückfragen möglichst bald an:
Hannoversche Allgemeine Zeitung
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