ABI NACH 12 / 08.02.2008 - Doku des Stadtelternrates Hannover
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>> PRESSESPIEGEL Feb 2008 Neuntklässler erwarten besonders große Klassen im nächsten Schuljahr - "das ist ganz einfach ungerecht"
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HAZ, 08.02.2008, Dicht gedrängt zum Abitur
HAZ, 08.02.2008, Freizeit ist ein knappes Gut
HAZ, 08.02.2008, Auch Eltern leiden unter Schulstress
HAZ, 08.02.2008, Der freie Sonnabend rückt ins Visier
Dicht gedrängt zum Abitur Ausgerechnet die Schüler, die das Abitur als Erste schon nach zwölf Jahren ablegen, müssen sich in besonders vollen Klassen darauf vorbereiten. ... Beide Jahrgänge machen gleichzeitig das Abitur, die Älteren haben aber ein Jahr länger Zeit zum Lernen.
„Das ist einfach ungerecht. Das Problem brennt vielen Eltern unter den Nägeln, denn die Neuntklässler sind durch die verkürzte Zeit bis zum Abitur ohnehin stärker belastet“, sagt Cordula Dietrich vom Stadtelternrat Hannover
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>> Stellungnahmen des Stadtelternrates
>> Abi nach 12 Jahren - vom "Turboabi" bis zum Schulstress 2008
 
HAZ, 08.02.2008 Dicht gedrängt zum Abitur
Das erhöhte Arbeitspensum an den Gymnasien macht Schülern, Eltern und selbst Vereinen zu schaffen. Dass sie in besonders vollen Klassen lernen sollen, ist für die Jugendlichen ein zusätzliches Problem.

Von Bärbel Hilbig
Ausgerechnet die Schüler, die das Abitur als Erste schon nach zwölf Jahren ablegen, müssen sich in besonders vollen Klassen darauf vorbereiten. Nächstes Schuljahr, also in der zehnten Klasse, beginnt für die jetzigen Neuntklässler die Vorbereitungsstufe für das Abitur. Sie werden dann mit bis zu 32 Schülern in einer Klasse sitzen: Die Lernbedingungen sind deutlich erschwert. Für die jetzigen Zehntklässler, die dann im elften Jahrgang sind, gilt dagegen eine Klassenobergrenze von 26 Schülern. Beide Jahrgänge machen gleichzeitig das Abitur, die Älteren haben aber ein Jahr länger Zeit zum Lernen.
„Das ist einfach ungerecht. Das Problem brennt vielen Eltern unter den Nägeln, denn die Neuntklässler sind durch die verkürzte Zeit bis zum Abitur ohnehin stärker belastet“, sagt Cordula Dietrich vom Stadtelternrat Hannover
. Das Kultusministerium habe offenbar noch nicht realisiert, dass die zehnte Klasse in Zukunft zur Oberstufe gehört. „Ich weiß nicht, ob man das bewusst oder unbewusst übersehen hat“, sagt Dietrich. Der Stadtelternrat hält 32 Schüler pro Klasse in der Abiturvorbereitungsphase nicht für akzeptabel und will sich mit einem Brief an das Kultusministerium wenden, den der Arbeitskreis Gymnasien der Interessenvertretung gerade vorbereitet.
Die Eltern gehen auch davon aus, dass die Klassen in Hannover tatsächlich in den meisten Gymnasien bis auf den letzten Platz gefüllt sein werden
. „Die Klassen dieses Jahrgangs wurden schon beim Start im Gymnasium recht vollgepackt“, sagt Dietrich. Im zehnten Jahrgang werden dann noch zahlreiche Schüler hinzukommen, die von der Realschule auf das Gymnasium wechseln.
Eine weitere Schwierigkeit kommt hinzu: Bisher haben viele Schüler das Jahr für einen Auslandsaufenthalt genutzt und übersprangen so ein Schuljahr in Deutschland. Auch so wurden die Klassen kleiner. Diese Entlastung fällt jetzt weg. „Das Kultusministerium sagt ganz klar, dass Schüler, die ein ganzes Jahr wegbleiben, die Klasse wiederholen müssen“, sagt Elternvertreterin Dietrich.
Auch die Zeit nach dem Abitur bereitet vielen Eltern Bauchschmerzen, weil dann zwei Jahrgänge auf den Markt dränge
n. „In manchen Studienfächern wird der Numerus Clausus sicher anziehen“, sagt Dietrich. Und auch für Realschüler dürfte das Doppelabitur Folgen haben. „Wenn mehr Abiturienten eine Ausbildung beginnen, haben Real- und Hauptschüler schlechtere Karten.“
Aktion Schul-Zeit: Was für Erfahrungen haben Sie mit der verkürzten Schulzeit an den Gymnasien gesammelt? In der HAZ wollen wir kurze Texte von Schülern, Eltern, Lehrern und anderen Betroffenen veröffentlichen. Bitte schicken Sie uns Ihre Beiträge mit vollständigem Namen und Telefonnummer für Rückfragen möglichst bald an:

Hannoversche Allgemeine Zeitung
Stichwort Schul-Zeit
30148 Hannover
Fax: (05 11) 5 18-28 73
E-Mail: hannover@haz.de

 
HAZ, 08.02.2008 Freizeit ist ein knappes Gut

Die um ein Jahr verkürzte Zeit bis zum Abitur wirkt sich auch außerhalb der Schulen aus. Die gestiegene Arbeitsbelastung an den Gymnasien macht sich zum Beispiel bereits in manchen Sportvereinen bemerkbar. „Da die Kinder oft bis nachmittags in der Schule sind, wird es schwierig für sie, danach noch Reitstunden zu nehmen“, sagt August Schmidt, Vorsitzender des Reitvereins Hannover. Die Trainingsstunden für Kinder liegen in der Zeit von 14 bis 17 Uhr. Das kollidiert mit dem Schulunterricht, der zum Teil bis 15 oder sogar 16 Uhr dauert. „Am Spätnachmittag kommen bei uns aber die Besitzer privater Pferde an die Reihe, weil die Erwachsenen dann Feierabend haben“, sagt Schmidt.
Beim Deutschen Hockey-Club Hannover (DHC) kommt es inzwischen häufiger vor, dass Jugendliche einen Trainingstag ausfallen lassen müssen,
weil sie noch in der Schule sind oder zu Hause lernen müssen. „Wir machen uns Gedanken, wie es weitergehen soll“, sagt ein Trainer. Man wolle überlegen, in Zukunft vielleicht verstärkt Hockey in den Schulen anzubieten.
Anders scheint es dagegen bisher beim TSV Kirchrode auszusehen. „Wir haben keine Nachwuchsprobleme. Wir haben sogar den Eindruck, dass der Bewegungsdrang der Kinder durch den schulischen Leistungsdruck zunimmt“, sagt der Vereinsvorsitzende Peter Schrader. Die Eltern achteten jetzt mehr darauf, dass ihre Kinder regelmäßig Sport treiben. „Und auch für die Kinder selbst ist der Sport, besonders Mannschaftssport, offenbar sehr wichtig.“ Auch an der Musikschule Hannover scheint sich die Situation aus Sicht der Musiklehrer in der letzten Zeit offenbar nicht sehr stark verändert zu haben. „Es gab zwar die eine oder andere Abmeldung, aber das gab es früher auch schon“, sagt die stellvertretende Leiterin Verena Tschira. bil

 
HAZ, 08.02.2008 Auch Eltern leiden unter Schulstress

Von Bärbel Hilbig
Schulstress belastet nicht nur Schüler, sondern auch ihre Eltern immer stärker.
„Eigentlich habe ich das Problem. Ich sehe, dass mein Sohn keine Lust hat, dieses enorme Pensum zu bewältigen“, berichtete eine Mutter diese Woche auf einer Veranstaltung an der Lutherschule. Ihr Sohn, ein Achtklässler, leide selbst nicht unter seinen schlechten Leistungen. „Dafür versuche ich, seinen Kram zu machen“, sagte die Mutter. Sie stehe unter Druck, weil ihr Kind angesichts der Anforderungen aktiver und motivierter werden müsse.
Der Schulelternrat der Lutherschule hatte den Abend auch für Eltern anderer Schulen angeboten.
Auf das geschilderte Problem konnte auch Beate Schatten von der pädagogisch-therapeutischen Praxis Schatten&Blome keine schnelle Antwort geben. Die Fachfrau stellte vor rund 60 Eltern Beratungs- und Therapiemöglichkeiten vor. „Wenn Kinder einen Tick entwickeln und zum Beispiel permanent die Haare aufdrehen, ist das ein Stresssymptom.“ Auch bei Prüfungsängsten oder Kommunikationsstörungen riet sie dringend zu einer Beratung. „Viele Eltern kommen viel zu spät.“
Beate Schatten riet dazu, Stressabbau durch Bewegung zu suchen – und auch Lücken im Wochenablauf einzuplanen
. „Kinder wollen auch Zeit vertrödeln. Zwei freie Nachmittage sind ratsam.“ Außerdem empfahl sie Entspannungstechniken wie Yoga. „Die Kinder lernen so, sich selbst zu beruhigen, nicht in Panik zu verfallen.“ Doch das stieß bei manchen Eltern auf Skepsis. „Auch das ist ein Zeitproblem. Wie sollen sie das noch schaffen?“, fragte eine Zuhörerin. Eine andere Mutter bilanzierte: „35 Wochenstunden Schule und dann vielleicht noch ein Hobby. Da sind viele Zwänge, die wir nicht beeinflussen können.“

 
HAZ, 08.02.2008 Der freie Sonnabend rückt ins Visier
Unterricht an sechs Tagen? Busemann lässt Niedersachsens Schulen freie Hand / Wirbel um Senatorin in Hamburg

Von Jörg Kallmeyer und Karl Doeleke
Hannover/Hamburg. Eine Horrorvorstellung für Eltern und Schüler – oder vielmehr eine pragmatische Lösung für das Abitur nach zwölf Jahren? Der Unterricht am Sonnabend, eigentlich längst abgehakt, rückt wieder in der Blick, seit sich in der Bildungspolitik alles um die Überlastung der Gymnasiasten dreht. Wenn den Schülern schon so viel zugemutet werde, so meint mancher Bildungspolitiker, dann sollte das Programm wenigstens auf sechs Tage verteilt werden.
Mit dem Sonnabendunterricht könnten sich Schulen auch der lästigen Organisation des Nachmittagsprogramms und der Mittagsverpflegung entledigen.
So weit die Theorie. In der politischen Praxis allerdings ist das Thema heikel: Lehrer haben in der Regel wenig Interesse, auch am Sonnabend in die Schule zu gehen – und die meisten Eltern fürchten um das freie Wochenende mit den Kindern. Und überhaupt: Haben nicht auch die gestressten Schüler ein Recht darauf, sich nach fünf Tagen von der Schule zu erholen?
Dass es sich um vermintes Gelände handelt, musste Hamburgs Schulsenatorin Alexandra Dinges-Dierig gestern erleben.
Die CDU-Politikerin hatte sich in einem Zeitungsinterview für die Wiedereinführung des Sonnabendunterrichts ausgesprochen – sehr zum Ärger von Regierungschef Ole von Beust, der am 24. Februar Landtagswahlen zu bestehen hat. Hamburgs Erster Bürgermeister pfiff seine Schulexpertin gestern mit harschen Worten zurück. Der Vorstoß sei nicht abgesprochen und daher eine „Privatmeinung“, sagte Beust. „Die Entscheidungskompetenz in dieser Sache habe ich.“
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff hat den freien Sonnabend auch schon einmal in den Blick genommen,
Entscheidungskompetenz in dieser Sache hat er allerdings nicht. Niedersachsens Schulen haben als „Eigenverantwortliche Schulen“ seit vergangenem Sommer die Möglichkeit, den bisherigen Erlass des Kultusministeriums zum Thema in den Papierkorb zu werfen. Ob eine Schule den freien Sonnabend opfert, entscheidet allein der Schulvorstand. In diesem Gremium sind Lehrer zu 50 Prozent sowie Eltern und Schüler zu jeweils 25 Prozent vertreten – spannende Debatten sind also garantiert, eine Mehrheit für den Sonnabendunterricht allerdings dürfte nur schwer zu finden sein. Hinzu kommt der Hinweis von den Kommunen als Schulträger, dass auf dem Land der Schülertransport in den Bussen geregelt sein muss.
Kultusminister Bernd Busemann kann sich bei dem Thema also zurücklehnen.
„Die Schulen haben völlig freie Hand“, sagt der CDU-Politiker. „Persönlich sehe ich den Sonnabendunterricht eher skeptisch.“