CHANCENGLEICHHEIT   - Doku des Stadtelternrates Hannover
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HAZ, 27.01.2007 Schüler unter Beobachtung Lehrer sollen neuerdings Stärken und Schwächen ihrer Schüler genau dokumentieren und jedes Kind ganz individuell fördern. Doch angesichts von Lehrermangel fehlt dazu oft die Zeit. .... >> Lernstandsberichte >> Förderunterricht

HAZ, 27.01.2007 Eltern wollen mehr Förderunterricht "Die Unterrichtsversorgung ist überall schlecht. Dabei bräuchten die Schulen Zusatzstunden für die Förderung der Schüler", sagt Elternvertreterin Eichholz. ... >> Förderunterricht >> Lernstandsberichte

 
AK "Chancengleichheit für alle" gegründet

Mo, 13.03.2006, 19:30 Uhr, Johanna-Friesen-Schule (Friesenstr. 26)


An der Johanna Friesen Schule Hannover hat sich heute der Arbeitskreis "Chancengleichheit für alle" gegründet. Auf Initiative von Martina Bailey und Torsten Hahn wird sich der Arbeitskreis mit der Finanzierung von schulischen Arbeitsmaterialien und Projekten beschäftigen.

Zu den Kosten der Schulbuchausleihe kommen weitere Ausgaben für Arbeitsmaterialien, wie (Arbeits-) Hefte, Tuschkästen, Atlanten, Taschenrechner etc. Diese Kosten müssen von allen Eltern, egal wie viele schulpflichtige Kinder sie haben, in voller Höhe selbst finanziert werden. Hinzu kommen schulische Veranstaltungen wie Theaterbesuche, Projekte oder Klassenfahrten sowie ggf. anfallender Nachhilfeunterricht.

Der Arbeitskreis will nach einer "Bestandsaufnahme" mit Fördervereinen, Schule und Politik Lösungsmöglichkeiten erarbeiten.

Alle hannoverschen Eltern sind zum ersten Treffen des AK am 13.03.06 um 19.30 Uhr in der Johanna-Friesen-Schule (Friesenstr. 26) herzlich eingeladen.
Die weiteren AK-Termine sind auf der Homepage www.frieseneltern.de veröffentlicht.

Der AK bittet Eltern, eigene Erfahrungsberichte einzubringen bzw. uns per Mail zuzusenden, z.B. Nichtteilnahme an Klassenfahrten.
Interessant für uns wäre auch zu wissen, wie die einzelnen Schulleitungen und Fördervereine mit dieser Problematik umgehen.
Gibt es z.B. eine schulinterne Liste von "Bedürftigen" für die der Förderverein/die Schule automatisch einspringt.

Torsten Hahn
Telefon (0511) 353 999 - 0
Telefax (0511) 353 999 - 29
mailto:torsten.hahn@frieseneltern.de
www.frieseneltern.de

HAZ, 01.11.2005   Niedersachsens Eltern fordern Förderstunden  Neue Pisa-Auswertung entfacht Bildungsdebatte: Wie kann Schülern aus sozial schwachen Familien geholfen werden?
HAZ, 01.11.2005   "Eltern müssen helfen"   Kinder aus Arbeiterfamilien haben schlechtere Chancen, es bis zum Abitur zu schaffen – dieses Ergebnis der neuen Pisa-Studie ist für die Lehrerschaft in Hannover keine Überraschung. „Dazu brauche ich keine Pisa-Studie
NP, 01.11.2005   PISA-Studie: Busemann nimmt Eltern in die Pflicht   Minister: Sie sind in erster Linie zuständig für Bildung ihres Kindes. SPD und Grüne fordern Schulreform 
NP, 01.11.2005   Pisa: Wo gehts raus aus der Krise ?  Mehr Förderung für Schüler.   Der Weg aus dem Pisa-Tal dauert für den Kultusminister noch zehn Jahre. Andere fordern daher eine radikale Bildungsreform.
NP, 01.11.2005   "Mindestens zehn Milliarden in die Vorschulförderung"     Erziehungswissenschaftler Dieter Lenzen, Präsident der Freien Uni Berlin, fordert im NP-Interview Förderprogramme für den Vorschulbereich.
NP, 01.11.2005   "Grüne rügen "bayerischen Holzweg"    Die Opposition im Landtag hat als Reaktion auf die neuen Pisa-Ergebnisse eine Korrektur der Bildungspolitik gefordert.
HAZ, 31.10.2005   Pisa-Studie: Chancengleichheit ungenügend  Deutsches Schulsystem versagt bei der Förderung von Arbeiter- und auch Migrantenkindern.   Von Karl-Heinz Reith     Berlin. Die deutsche Schule hat erneut ein vernichtendes Pisa-Zeugnis erhalten: Chancengleichheit ungenügend. Die soziale Herkunft entscheidet in Deutschland immer stärker über den Schulerfolg eines Kindes.
NP, 31.10.2005   Neuer Pisa-Schock: Arme Kinder haben kaum eine Chance  Wieder ein Pisa-Schock: Die soziale Herkunft entscheidet in Deutschland immer stärker über den Schulerfolg eines Kindes. ...Danach hat selbst bei gleichem Wissensstand und Lernvermögen ein 15-jähriger Schüler aus reichem Elternhaus eine viermal so große Chance, das Gymnasium zu besuchen und damit das Abitur zu erlangen, wie ein Gleichaltriger aus einer ärmeren Familie. ..
 
HAZ, 01.11.2005   Niedersachsens Eltern fordern Förderstunden 
Neue Pisa-Auswertung entfacht Bildungsdebatte: Wie kann Schülern aus sozial schwachen Familien geholfen werden?      Von Jörg Kallmeyer      
Hannover. Gerade einmal dreieinhalb Monate sind vergangen. Mit der Botschaft „Deutschlands Schulen holen auf“ wurden Schüler, Lehrer und Eltern von den Pisa-Forschern in die Sommerferien geschickt; nach den Herbstferien nun werden alle wieder von der allgemeinen Pisa-Depression eingeholt: In Deutschlands Schulen gebe es keine Chancengleichheit, melden die Bildungsexperten. Die soziale Herkunft entscheide zu sehr über den Erfolg der Schüler.
Ein Widerspruch? Es handelt sich vielmehr um zwei Seiten einer Medaille: Seit dem miserablen Abschneiden beim ersten Pisa-Test strengt man sich in den Schulen allgemein mehr an. Mit Erfolg: Der Abstand zu den Pisa-Siegern ist etwas geringer geworden. Bei der Frage nach der Chancengleichheit tat sich dagegen wenig. Schon im Juli wiesen die Forscher darauf hin, dass Deutschland bei der Förderung von sozial schwachen Schülern hinter Ländern wie Bulgarien hinterherhinke. Bestätigt wurde diese Einschätzung nun durch die Detailauswertung der Studie für die einzelnen Bundesländer. Demnach hat ein 15-jähriger Schüler aus einem reichem Elternhaus bei gleicher Intelligenz und gleichem Wissensstand durchschnittlich eine viermal so große Chance, das Gymnasium zu besuchen und das Abitur zu erlangen, wie ein Altersgenosse aus einer ärmeren Familie. Anders gesagt: Die Schule funktioniert oftmals nur dann, wenn das Elternhaus unterstützend hinzutritt. Fehlt in den „bildungsfernen Schichten“ diese Hilfe, sind die Aussichten in der Schule eher düster.
In Niedersachsen liegt der „soziale Faktor“ deutlich unter dem Durchschnitt (2,6) – zur Freude von Kultusminister Bernd Busemann. Das Land schöpfe mit seinem gegliederten Schulsystem Begabungsreserven besser aus als die meisten übrigen Bundesländer, sagte der CDU-Politiker am Montag. Es gebe allerdings keinen Grund zum Zurücklehnen. Vor allem bei der frühkindlichen Bildung müsse mehr getan werden, sagte Busemann.
Die Elternvertreter allerdings wollen den Minister so leicht nicht aus der Pflicht nehmen. „Wir können die soziale Ungleichheit nur überwinden, wenn es mehr Förderstunden in den Klassen gibt“, sagte der Vorsitzende des Landeselternrates, Hans-Jürgen Vogel, der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Man sei dem Kultusminister bei vielen Reformen gefolgt, jetzt werde es Zeit für eine Gegenleistung. „Die Politik muss einsehen, dass eine bessere Bildung auch mehr Geld kostet“, sagte Vogel.
SPD und Grüne im Landtag nahmen die neue Studie zum Anlass, erneut die Systemfrage zu stellen: Im gegliederten Schulwesen nach bayerischem Vorbild bleibe die individuelle Förderung der Schüler auf der Strecke. Dies geht aus einem neuen Pisa-Bundesländer-Vergleich hervor, den die Kultusminister an diesem Donnerstag in Berlin vorstellen.


HAZ, 01.11.2005   "Eltern müssen helfen"    
Pisa-Studie bestätigt Erfahrungen der Lehrer     Von Bärbel Hilbig
Kinder aus Arbeiterfamilien haben schlechtere Chancen, es bis zum Abitur zu schaffen – dieses Ergebnis der neuen Pisa-Studie ist für die Lehrerschaft in Hannover keine Überraschung. „Dazu brauche ich keine Pisa-Studie“, sagt Jürgen Buchhagen, Leiter der Helene-Lange-Schule. Buchhagen kennt die Situation auch als Vater: Seine Tochter geht in die fünfte Klasse eines Gymnasiums. „Wenn die Eltern nicht dahinter sitzen, sind die Kinder den Anforderungen nicht gewachsen.“ Eltern, die selbst wenig gebildet seien, könnten ihren Kindern jedoch meist nicht helfen.
„Mich stimmt es traurig, dass sich in den vergangenen 30 Jahren so wenig verändert hat“, sagt Grundschulleiterin Inge Fasold. Bereits in ihrem Studium sei die Förderung von Arbeiterkindern ein wichtiges Thema gewesen. An der Hinrich-Wilhelm-Kopf-Schule helfen Freiwillige des Vereins Mentor Kindern, die Schwierigkeiten beim Lesenlernen haben. Auch Mütter gehen für die Leseförderung in die Schule. „Aber unsere Förderstunden von Lehrern gehen im zweiten Halbjahr alle für die vorschulischen Deutschkurse weg.“
Christine Baumgart, Leiterin der Grundschule am Sandberge, erinnert daran, dass die Stadt die Hausaufgabenhilfe an Schulen gestrichen hat. „Für schwächere Schüler gab es das bei uns dreimal pro Woche.“ An Gymnasien sei Förderung jedoch meist gar nicht vorgesehen. Kinder, deren Eltern keine Nachhilfe zahlen könnten, würden allein gelassen. „Dabei könnten die Lehrer dort statt einer AG doch auch Hausaufgabenhilfe anbieten.“
An der Tellkampfschule gibt es das bereits. Das Gymnasium baut in den unteren Jahrgängen ein Ganztagsangebot mit Hausaufgabenbetreuung auf. „Wir machen das ehrenamtlich. Das geht auf die Kräfte“, sagt der stellvertretende Schulleiter Bernhard Bock. Neben Ganztagsunterricht hält Bock die noch recht neue Deutschförderung vor der Einschulung für wichtig. „Wir versuchen auch, unsere Schüler individuell zu unterstützen. Doch in den größer gewordenen Klassen ist das schwieriger.“ Für Bock bestätigt die Pisa-Studie, was auch die OECD bereits festgestellt hat: Es fehlt hier zu Lande an Geld für Bildung. „Und das kann natürlich nicht jede einzelne Schule allein lösen.“

 
NP, 01.11.2005   PISA-Studie: Busemann nimmt Eltern in die Pflicht    
Minister: Sie sind in erster Linie zuständig für Bildung ihres Kindes. SPD und Grüne fordern Schulreform  
VON ALEXANDER DAHL
HANNOVER. Nach dem neuen Pisa-Schock setzt Niedersachsens Kultusminister Bernd Busemann (CDU) auf verantwortungsvolle Erziehung. „Die Eltern sind die ersten Partner ihres Kindes und auch für dessen Bildung zuständig“, erklärte der 53-Jährige der NP.
Laut einer am Wochenende bekannt gewordenen Pisa-Schülerstudie ist die Chance für Kinder aus wohlhabenden Elternhäusern, ein Gymnasium zu besuchen, viermal so hoch wie für Kinder ärmerer Eltern. Schon seit dem Jahr 2000 sei klar, dass man es in Deutschland nur unzureichend schaffe, Kinder aus bildungsfernen Schichten zu hohen Schulabschlüssen zu führen, so Busemann. Daher müssten Kitas und Schulen, aber auch Eltern ihre Kinder vernünftig betreuen und erziehen. „Das fängt mit ordentlicher Ernährung an und geht bis hin zu täglichem Vorlesen. Das zwei-, dreijährige Kind dankt den Eltern das später mit besseren Schulleistungen“, erklärt Busemann. Viele Eltern müssten erkennen, „dass Erziehung am ersten Tag nach der Geburt anfängt“.
SPD und Grüne betonten, nur eine Reform des Schulsystems verbessere Bildungschancen.

 
Busemann in GSNP, 01.11.2005   Pisa: Wo gehts raus aus der Krise ?    
Mehr Förderung für Schüler
Der Weg aus dem Pisa-Tal dauert für den Kultusminister noch zehn Jahre. Andere fordern daher eine radikale Bildungsreform.
VON ALEXANDER DAHL
HANNOVER. Noch ist Pisa ein Gleichnis für schlechte Nachrichten aus dem deutschen Schulwesen. Ab etwa 2015 soll das anders sein. „Man braucht ein Jahrzehnt, um ein Schulwesen vom Kopf auf die Füße zu stellen und messbar gute Ergebnisse zu bekommen“, erklärt Kultusminister Bernd Busemann (CDU).
Vorerst attestiert die Schülerstudie Pisa das, was auch der gleichnamige Turm in Italien symbolisiert: Es läuft etwas schief im deutschen Schulwesen. In Deutschland bestimmt die soziale Herkunft zu stark, ob Kinder gute Bildungschancen wahrnehmen, so die Pisa-Schulforscher im aktuellen Bericht. Niedersachsen steht noch ganz gut da: Kinder aus der Oberschicht haben hier eine 2,63-mal größere Chance, das Gymnasium zu besuchen und die Reifeprüfung abzulegen, als Schüler aus Arbeiter-Haushalten. Noch besser ist nur Brandenburg, Schlusslicht ist Bayern.
Busemann ist der Meinung, dass in Niedersachsen schon heute „die Pfeile deutlich nach oben zeigen“. So gebe sein Ministerium rund 50 Millionen Euro jährlich für Förderunterricht aus. Und: „Ein ganz wichtiger Schlüssel zum Erfolg sind die individuellen Förderpläne für die Schüler der Klassen eins bis zehn. Dieses Jahr erproben wir das neue System an 100 Pilotschulen; nächstes Jahr wird es flächendeckend eingeführt.“ Bei der Förderung von Kindern könnten alle miteinander besser werden, „das schließt besonders die Zuwendung zum einzelnen Kind mit ein“, sagt Busemann.
Schulische Erfolge unabhängig vom Wohlstandsniveau der Eltern soll auch die bessere Förderung der Kinder in den Kitas bringen. „Dort werden Kinder heute auf die Schule vorbereitet; die Kitas sind nicht mehr nur eine im wohlverstandenen Sinne verstandene Betreuungs- und Aufbewahrungsinstitution“, so Busemann. Vorschulische Sprachförderung stelle zudem seit 2004 die Einschulungsfähigkeit bei vielen Kindern her. Und weil die Stundenzahl in Deutsch, Mathematik und Naturwissenschaften heraufgesetzt worden sei, sei Niedersachsen dort im Pisa-Test schon von Platz elf auf Platz neun vorgerückt.
Eines will Busemann nicht: eine neue Debatte über die Schulstruktur. „Die haben wir 30 Jahre gehabt, gebessert hat sich die Situation an den Schulen nicht“, sagt er.
Bei der Lehrergewerkschaft GEW setzt man dagegen auf eine radikale Bildungsreform. „Wir brauchen länderübergreifende Förderprogramme statt eitler Kleinstaaterei“, erklärten GEW-Chef Ulrich Thöne und GEW-Pisa-Expertin Marianne Demmer. Die „starke Benachteiligung von Arbeiter- und Migrantenkindern“ sei ein „Schandfleck des deutschen Schulsystems“.
LEISTUNGSANREIZE: Kultusminister Bernd Busemann (CDU), hier in einer Grundschule in Garbsen (Region Hannover), will mit individueller Förderung die Bildungschancen von Ausländer- und Aussiedlerkindern deutlich erhöhen. Foto: dpa


NP, 01.11.2005   "Mindestens zehn Milliarden in die Vorschulförderung"    
Erziehungswissenschaftler Dieter Lenzen, Präsident der Freien Uni Berlin, fordert im NP-Interview Förderprogramme für den Vorschulbereich.
VON MARTIN RÜCKER
Schüler aus reichen Familien haben im deutschen Bildungssystem deutlich bessere Chancen als Schüler aus armen Familien. Warum?
Entscheidend ist nicht, ob das Elternhaus arm oder reich ist – sondern ob das Kind aus bildungsnahen oder -fernen Schichten kommt. Die Bereitschaft der Eltern, sich um die Bildung des Kindes zu bemühen, ist entscheidend. Heute hat aber das Sicherheitsdenken stark zugenommen: Manche Menschen greifen lieber das Naheliegende als zu sagen: Mein Kind soll den langen Weg zum Abitur gehen.
Welchen Einfluss haben die Lehrer?
Ein ganz wichtiger Punkt ist die soziale Selektion. Gehört ein Kind zu einer bestimmten sozialen Schicht, dann löst das bei Lehrern die unbewusste Neigung aus zu sagen: Der schafft das, oder der schafft das nicht. Das spielt am Übergang von der Grundschule auf die weiterführenden Schulen eine Rolle. Darin steckt aber eine erhebliche Fehleinschätzung: Mehr als 50 Prozent der Schüler, die entgegen dem Grundschulgutachten doch aufs Gymnasium gehen, schaffen trotzdem ihr Abitur. Wir brauchen also andere Instrumente als nur die Beobachtung der Lehrer. Es gibt bereits Tests, die die Basiskompetenzen messen, die auch Pisa zu Grunde legt.
Müssen Kinder aus ausländischen und einkommensschwachen Familien mehr gefördert werden?
Wir brauchen Förderprogramme für lernschwache Kinder – egal, woher sie kommen. 20 Prozent jedes Jahrgangs sind nicht berufsbildungsfähig, diese können keine Lehre machen, weil sie nicht wissen, was man von ihnen will. In der Regel sind Sprachdefizite das Problem. Wir können das in Gang bringen durch Förderprogramme für den Vorschulbereich. Da müssen wir sehr viel Geld reinstecken, mindestens zehn Milliarden Euro.
Der Philologenverband sieht einen dramatischen Lehrermangel auf uns zukommen. Wird das die Situation noch verschlechtern, wenn zum Beispiel Klassen größer werden müssen?
Pisa hat gezeigt: Die Klassengröße steht in keinem Zusammenhang mit den Leistungsergebnissen. Ich war gerade erst in China, dort habe ich hervorragenden Unterricht gesehen – und es waren 60 Kinder in der Klasse. Das Entscheidende ist: Was tun sie in der Stunde? Finnland macht es uns vor. Da sind neben den Lehrern auch Hilfslehrer und Praktikanten in der Klasse, die assistieren.

 
NP, 01.11.2005   "Grüne rügen "bayerischen Holzweg"    
HANNOVER. Die Opposition im Landtag hat als Reaktion auf die neuen Pisa-Ergebnisse eine Korrektur der Bildungspolitik gefordert.
Die frühkindliche Förderung sei der Schlüssel für mehr Chancengleichheit in der Bildung, erklärte Ingrid Eckel, schulpolitische Expertin der SPD. Kultusminister Bernd Busemann (CDU) habe „in diesem Bereich außer schönen Reden nichts vorzuweisen“. Ina Korter, Bildungsexpertin der Grünen sagte, Busemann müsse die Orientierung an Baden-Württemberg und Bayern aufgeben. Mit der „Verschärfung des dreigliedrigen Schulsystems begebe sich die schwarz-gelbe Landesregierung auf den bayerischen Holzweg“.
Die CDU im Landtag erklärte hingegen, gerade die Verfestigung der Dreigliedrigkeit stärke die Bildung. „Wir wollen den Anteil der Schüler mit höherem Schulabschluss deutlich erhöhen“, sagte der schulpolitische Experte, Karl-Heinz Klare (CDU). dl

 
HAZ, 31.10.2005   Pisa-Studie: Chancengleichheit ungenügend 
Deutsches Schulsystem versagt bei der Förderung von Arbeiter- und auch Migrantenkindern.  
Von Karl-Heinz Reith    
Berlin.
Die deutsche Schule hat erneut ein vernichtendes Pisa-Zeugnis erhalten: Chancengleichheit ungenügend. Die soziale Herkunft entscheidet in Deutschland immer stärker über den Schulerfolg eines Kindes. Dies geht aus einem neuen Pisa-Bundesländer-Vergleich hervor, den die Kultusminister an diesem Donnerstag in Berlin vorstellen.
Danach hat selbst bei gleichem Wissensstand und Lernvermögen ein 15-jähriger Schüler aus reichem Elternhaus eine vier Mal so große Chance, das Gymnasium zu besuchen und damit das Abitur zu erlangen, wie ein Gleichaltriger aus einer ärmeren Familie.
Insgesamt ist der Wissensvorsprung der 15-jährigen Schüler aus der Oberschicht (Akademiker, Führungskräfte) laut der neuen Untersuchung im Vergleich mit dem ersten Test aus dem Jahr 2000 noch deutlich gewachsen. In Mathematik und Naturwissenschaften sind diese Schüler inzwischen Gleichaltrigen aus Arbeiterfamilien im Bundesdurchschnitt mehr als 100 Pisa-Punkte voraus – was einem Lernfortschritt von deutlich mehr als zwei Schuljahren entspricht.
Zur „Oberschicht“ zählten die Pisa-Forscher Akademikereltern und Führungskräfte. Die Kinder verfügen in der Regel über ein eigenes Zimmer mit Schreibtisch für Hausaufgaben, Computer und Internetzugang. Selbstverständlich ist der Bücherschrank im Wohnzimmer mit Lexika wohlbestückt.
Der zweite Befund zielt auf die Abschlüsse ab: Bei gleicher Intelligenz und Lernbereitschaft hat ein 15-jähriges Oberschichtkind in Bayern eine 6,65-mal größere Chance, das Gymnasium zu besuchen und das Abitur abzulegen, als ein Facharbeiterkind. Im Bundesdurchschnitt ist die Chance 4,01-mal so groß.
Auf dem Weg zum Abitur ist in Bayern die Chancenungleichheit besonders stark ausgeprägt. Kinder aus der Oberschicht haben dort eine 6,65 Mal größere Chance, das Gymnasium zu besuchen und die Reifeprüfung abzulegen als Schüler aus einem Facharbeiterhaushalt. Für diesen Vergleich wurden nur die 15-Jährigen herangezogen, die über gleiche Fähigkeiten in Mathematik und in der Basisqualifikation Lesen/Textverständnis verfügen. In Bayern legen nur 21,6 Prozent eines Jahrgangs das Abitur ab. Im Bundesschnitt sind es 27 Prozent, in einigen Ländern über 30 Prozent.
Ins Auge springt das schlechte Abscheiden von Nordrhein-Westfalen, wo Kinder aus reichen Familien eine 4,35-mal größere Abiturchance haben. Mit der forcierten Gründung von Gesamtschulen hatte das bevölkerungsreichste Bundesland versucht, den engen Zusammenhang von Schulerfolg und sozialer Herkunft aufzubrechen.
Zieht man jetzt für die Bewertung der 16 Schulsysteme in den Bundesländern sowohl die reinen Schülerleistungen als auch die soziale Förderung heran, so gilt Sachsen als der eigentliche deutsche Sieger des zweiten Pisa-Schultests. Der Chancen-Vorteil für Kinder aus reichen Familien ist dort 2,79 Mal so hoch. Auch Arbeiterkinder haben damit eine relativ gute Chance, die Hochschulreife zu erlangen.
Vergleichsweise sozial ausgewogen präsentieren sich bei diesem Vergleich auch die Schulen in Niedersachsen (2,63), Hessen (2,71) und Schleswig-Holstein (2,88). Am besten schneidet Brandenburg mit einem Wert von 2,38 ab


NP, 31.10.2005   Neuer Pisa-Schock:   Arme Kinder haben kaum eine Chance  
BERLIN. Wieder ein Pisa-Schock: Die soziale Herkunft entscheidet in Deutschland immer stärker über den Schulerfolg eines Kindes. Dies geht nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus dem zweiten Pisa-Bundesländer-Vergleich hervor, den die Kultusminister am Donnerstag in Berlin vorstellen werden.
Danach hat selbst bei gleichem Wissensstand und Lernvermögen ein 15-jähriger Schüler aus reichem Elternhaus eine viermal so große Chance, das Gymnasium zu besuchen und damit das Abitur zu erlangen, wie ein Gleichaltriger aus einer ärmeren Familie.
Insgesamt ist der Wissensvorsprung der 15-jährigen Schüler aus der Oberschicht (Akademiker, Führungskräfte) laut der neuen Pisa-Untersuchung im Vergleich dem ersten Test aus dem Jahr 2000 noch deutlich gewachsen. In Mathematik und Naturwissenschaften sind diese Schüler inzwischen Gleichaltrigen aus Arbeiterfamilien im Bundesdurchschnitt mehr als 100 Pisa-Punkte voraus – was einem Lernfortschritt von deutlich mehr als zwei Schuljahren entspricht.
Auf dem Weg zum Abitur ist in Bayern die Chancenungleichheit besonders stark ausgeprägt. Kinder aus der Oberschicht haben dort eine 6,65 Mal größere Chance, das Gymnasium zu besuchen und die Reifeprüfung abzulegen, als Schüler aus einem Facharbeiterhaushalt. Niedersachsen schneidet hier endlich mal besser ab: Hier stehen die Chancen der Akademikerkinder „nur“ 2,63 Mal besser. Danach geht es nur noch in Brandenburg (2,38 Mal) ein wenig sozialer zu.
Allerdings bescheinigen die Pisa-Forscher den bayerischen Schulen, Kinder aus bildungsferneren Schichten zumindest zu einem guten Hauptschulabschluss zu führen – und das erheblich besser als in anderen Bundesländern.
PISA   Pisa steht für „Programme for International Student Assessment“. 41 Nationen hatten an dem weltweit größten Schulleistungstest der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) 2003 teilgenommen. Untersucht wird nicht nur das Wissen der Schüler, sondern auch ihre Fähigkeit, es bei der Lösung lebensnaher Aufgaben anzuwenden. Neben den Leistungen werden familiärer, sozialer und schulischer Hintergrund erfasst sowie Daten über Motivation, Lernmethoden und Unterstützung durch die Lehrer erhoben. dpa

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