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HAZ, 11.07.2001 
Die meisten Schüler haben zuhause Computer 
Die Schulen werden der technischen Entwicklung immer hinterherlaufen. Zu Hause dagegen sind die Schüler auf dem neuesten Stand, hat jetzt eine Untersuchung der Universität Hannover ergeben. Der Vorschlag der Forscher: Der häusliche PC sollte in den Unterricht eingebunden werden.

    Hannover. Mal ist es der Laptop im Tornister, mal der Internetanschluss für das Lehrerzimmer - die Forderung nach einer besseren Computerausstattung und nach einer Vernetzung der Schulen eint derzeit die Politiker. In Niedersachsen legen sich Landesregierung und Wirtschaft gemeinsam mächtig ins Zeug. Im Rahmen der Initiative "n-21" fließen allein in diesem Jahr 30 Millionen Mark in die Förderung von 750 Schulen, die besondere Projekte entwickelt haben.
    Für Ministerpräsident Sigmar Gabriel ist die Computerausstattung der Schulen eine Frage von sozialer Gerechtigkeit und Chancengleichheit: Wer als Schüler keinen Zugang zu den modernen Technologien habe, verliere den Anschluss an die Zukunft. "Die Nutzung des Internets soll in den niedersächsischen Schulen ein Stück Alltagskultur werden, das sind wir den Kindern schuldig", sagt der SPD-Politiker.
    Im Prinzip habe Gabriel schon Recht, meint Dieter Lohse, Leiter der Kontaktstelle Universität und Schule an der Uni Hannover (uniKIK). Aber der Ministerpräsident gehe von der Annahme aus, dass die Schüler zu Hause keinen ausreichenden Zugang zu den neuen Kommunikationstechnologien haben. "Und das ist schlichtweg falsch", sagt Lohse.
    Der Leiter der Uni-Kontaktstelle hat jetzt 6081 Schüler aus 300 Klassen in Niedersachsen nach der PC-Ausstattung im Elternhaus befragt. Das Ergebnis ist zumindest bei den Gymnasialschülern eindeutig: Im Vergleich zu den Kinderzimmern steht in den Klassenräumen eher technologisch überholte Hardware. Und: Ein Schüler ohne heimischen PC mit Internetzugang ist die große Ausnahme. Die durchschnittliche PC-Ausstattungsquote beträgt 93 Prozent, bei den Gymnasien sogar 95 Prozent. 75 Prozent der Schüler haben einen Internetzugang. 
    Die Unterschiede zwischen den Klassenstufen sind nicht sehr groß, an Gymnasien allerdings sind die unteren Klassen besonders gut ausgestattet: Die Schüler der 7. Klassen sind zu Hause praktisch vollständig mit Computern versorgt. In den folgenden Klassenstufen findet man Schüler ohne heimischen PC noch am ehesten in der Großstadt - die Schüler in kleinstädtischen oder ländlichen Regionen haben generell mehr Technik. Die Computerausstattung der Kinderzimmer ist offenbar zudem weit weniger von sozialen Faktoren abhängig als angenommen. Vielmehr gehöre der PC für die Jugendlichen dazu wie einst bei den Eltern der Stabilbaukasten oder die elektrische Eisenbahn.
    Nach Ansicht der Uni-Experten müssen angesichts der guten häuslichen Ressourcen Konsequenzen gezogen werden. "Wir dürfen den heimischen PC nicht Spielen und Chats überlassen, er muss fester Bestandteil des Unterrichts werden", fordert Lohse. In den Schulen sollten jeder Lehrerplatz durch einen PC mit einem fest installiertem Beamer und Internet-Zugang ausgestattet werden. Aufgaben könnten den Schüler nach Hause geschickt und interaktiv erledigt werden. Statt immer neue Computer für die Klassenzimmer zu kaufen, sollte man sich mehr Gedanken über die Lernsoftware machen, die dann auch von den Schülern am heimischen PC genutzt werden könne. Lernen müssten zuvor auch die Lehrer. "Es ist unerlässlich, die Lehrerschaft umgehend in der Handhabung und im Einsatz der Software zu schulen", heißt es in der Studie.

Jörg Kallmeyer
11.07.2001 17:19 


 
Dieter Lohse 
PC-Ausstattung und Internetzugang
Eine Erhebung zur häuslichen Ausstattung der Schüler der Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen in Niedersachsen im Mai 2001

1. Ziel der Erhebung
2. Das Ergebnis und Folgerungen

Juli 2001, © copyright 2001, Dr. Dieter Lohse, Leiter uniKIK, Universität Hannover, Welfengarten 1, D-30167 Hannover, Tel.: 0511 762- 8796, Fax: 0511 762- 2851, e-Mail: lohse@unikik.de
uniKIK : Einrichtung der Universität Hannover für   Kommunikation, Innovation und Kooperation zwischen Schule und Universität. www.uni-hannover.de/unikik       www.unikik.de
Bemerkung: Der besseren Lesbarkeit wegen und zur Vermeidung von Redundanz wird in den achfolgenden Ausführungen stets nur „Schüler“ und „Lehrer“ verwendet. Gleichwohl ist in allen Fällen, wo nicht eine Gruppen- , Funktions- oder Berufsbezeichnung in Rede steht auch ausdrücklich das andere Geschlecht gemeint.

1. Ziel der Erhebung
Zur Zeit findet eine breite Diskussion statt über den Einsatz moderner Technologien im Unterricht, Aktionen wie "Schulen ans Netz", "n-21" und so weiter.  Für die "Bildungslandschaften" Schule und Universität stellen sich in diesem Zusammenhang aber auch weiterreichende und substantielle Fragen. Einige der Kernfragen werden
dabei sein:
Können wir insbesondere an den Schulen den „technologischen Wettlauf“ in Sachen häusliche PC-Ausstattung und Internetzugang überhaupt gewinnen?
Wie weit sollen/müssen wir die Bildungsanstalten für die Absolventen eigentlich technisch ausstatten?
Wie stark können wir heute schon auf die häuslichen Ressourcen zurückgreifen?
Eröffnen sich im Falle einer hinreichenden häuslichen Versorgung nicht völlig neue Perspektiven moderner Lehrformen?
Die Entwicklung zeitgemäßer und neuer Unterrichtskonzepte kann deshalb die "häusliche technologische Versorgung" der Absolventen nicht unberücksichtigt lassen.
Mehr noch: Es sollte für neue Pilotprojekte im Schulbereich gerade die häusliche PC-Ausstattung der Schüler - ausreichenden Versorgung voraussetzbar - einbezogen werden.
Zur Gewinnung eines aktuellen Überblicks habe wir den in Abschnitt 6 angegebenen Fragebogen versandt.
Die Versendung des e-Mail-Fragebogens erfolgte am 2. Mai 2001 über einen e-mail-Verteiler von uniKIK. Die Zielpersonen (Lehrer aus Niedersachsen) waren Teilnehmer an den uniKIK-Veranstaltungen Didaktischer Arbeitskreis Schule – Universität (DASU), Niedersächsischen T³-Regionaltagungen, Fortbildungsveranstaltungen sowie Freunde und Förderer der uniKIK-Aktivitäten. Als Rücklaufzeit hatten wir uns etwa 4 Wochen vorgegeben.
An dieser Stelle sei Manuela Ptak, Studierende des Gymnasiallehramtes, gedankt für Ihre Mithilfe beim Übertragen des Datenmaterials in eine EDV-zugängliche Form.

2. Das Ergebnis und Folgerungen
Bis zum Redaktionsschluß am 8. Juni 2001 waren Rückläufe mit Angaben über 6081 Schüler aus Niedersachsen eingegangen aus den Schulformen Gymnasium, BBS/FG/FOS und aus den zu einer Gruppe zusammengefaßten KGS/OS/Realschule.
 
Gymnasium (4968) 81,7
BBS/FG/FOS (797) 13,1
KGS/OS/Real (316) 5,2

Aspekte der Gesamtauswertung: 
 
1. Die durchschnittliche PC-Ausstattungsquote beträgt 93%, bei Gymnasien 95%, Ausstattungsquote beträgt 93%, bei Gymnasien 95%, davon haben 75% einen Internetz davon haben 75% einen Internetzugang
2.  In 50% der Klassen hat jeder Schüler PC ( -Zugang), bei Gymnasien sogar 55%. 
3.  In 80% der Klassen haben höchstens 2 Schüler keinen PC ( 2 Schüler keinen PC (-Zugang), bei Gymnasien sogar 84%. 
4.  Die Unterschiede zwischen den Klassenstufen sind auf hohem Niveau nicht nicht sehr groß, aber an Gymnasien sind die unteren Klassen besonders gut ausgestattet, d.h. die 7. Klassen sind praktisch vollständig versorgt: 60% aller 7. Klassen waren zu 100 Prozent mit häuslichem PC ( waren zu 100 Prozent mit häuslichem PC (- Zugang) ausgestattet!
5.  Bei der Unterscheidung nach Schulformen zeigt sich eine besonders gute Ausstattung bei den Gymnasien.
6.  Eine Unterscheidung nach Regionen zeigt eine besonder besonders gute Ausstattung der Schulen in kleinstädtischer/ländlicher Region. 

Folgerungen aus dem hohen häuslichen PC - Ausstattungsstand: 
Für die Jugendlichen ist die PC-Nutzung flächendeckend zur Selbstverständlichkeit geworden.
D.h., wir müssen die Jugendlichen genau dort „abholen“ wo sie sind und dürfen in einer Zeit, wo der PC den Stabilbaukasten und die elektrische Eisenbahn ihrer Eltern abgelöst hat, die großen Chancen der Nutzung des PCs und des Internets nicht den hochtechnisierten Spielen und Chats überlassen.
Es muß umgehend vorrangiges Ziel fachdidaktischer Anstrengungen werden, die häuslichen PC-Ressourcen in die schulische Ausbildung einzubeziehen und zur Selbstverständlichkeit werden zu lassen.
Die technische „Hochrüstung“ der Schulen mit immer neuen PC-Räumen kann auf ein etwa für den Informatikunterricht zugeschnittenes Mindestmaß beschränkt werden unter Ausnutzung der häuslichen Ressourcen. (Damit reduzieren sich auch die allgegenwärtigen permanenten Probleme des Unterhalts, der Vernetzung und der Betreuung dieser Gerät-schaften.) 
Sinnvoller erscheint vor dem Versorgungsgrad der Schüler eine Umgestaltung möglichst vieler Klassenräume in der Weise, daß der Lehrerplatz durch einen PC ergänzt wird, der mit einem dauerhaft etwa an der Decke montierten Beamer verkabelt ist und Zugang zum Internet besitzt. Dadurch kann der Unterricht ergänzt werden mit modernem Lehrmaterial und Software, wie sie in der Mathematik mit Euklid (Dynageo), Geonext, Derive, Maple etc. schon hinreichend zur Verfügung stehen. Der Zugang zum Internet stellt die Verbindung zum häuslichen PC her, wodurch interaktiv Aufgaben und Probleme erarbeitet werden können. Und: Man kommt ein Stück weg von Kreide und Papier zu dem in der Wirtschaft und Umwelt schon lange praktizierten PC-Gebrauch.
(uniKIK hat in Kooperation mit dem Verband der Metallindustriellen Niedersachsens e.V. und der Wilhelm-Raabe-Schule in Hannover einen wie zuvor geschilderten Fachraum für multimediagestützten Unterricht im Frühjahr 2001 als Pilotprojekt an dieser Schule eingerichtet mit äußerst positiven Erfahrungen. Siehe auch: www.unikik.de unter Schulprojekte.)
Angesichts des hohen Ausstattungsgrades der Schüler und der nahezu vollständig ausgestatteten
Siebtkläßler dürften die heutigen Schüler erheblich besser ausgestattet sein als der „Durchschnittslehrer“ und im allgemeinen auch diesem in der Handhabung überlegen sein. Der Schüler ist auf diesem Sektor somit wohl zum Lehrer des Lehrers avanciert.
Es ist deshalb unerläßlich, die Lehrerschaft umgehend wenigstens in der Handhabung und im Einsatz allgemein eingesetzter und zugänglicher Software zu schulen. Durch die aktive Teilnahme am unumkehrbaren Einsatz des PC in allen nur denkbaren Bereichen gelingt dem Lehrer ein Schritt zurück ins Zentrum fachlicher und gesellschaftlicher Kompetenz und Akzeptanz.
Bemerkung: Wegen des heute leicht erkennbaren Prestigewertes der PC-Ausstattung Jugendlicher ist möglicherweise von einigen Schülern der PC-Zugang „zu positiv“ dargestellt worden. Trotzdem dürften die aufgrund des Zahlenmaterials gewonnen Erkenntnisse zutreffend sein, zumal die „PC-Aufrüstung“ wohl unaufhaltsam fortschreitet.

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