SER SALZMANNSCHULE "Eigenverantwortliche Schule"
 
Stellungnahme des SER der GS Salzmannstraße vom 30.05.06
 
Grundschule Salzmannstraße
Salzmannstraße 3, 30451 Hannover
Schulelternrat

c/o Wolfgang Scharna, Marianne-Adrian-Weg 38, 30449 Hannover, Tel/Fax: 0511/2108007, e-mail wscharna@htp-tel.de

An den
Kultusminister des Landes Niedersachsen
Herrn Bernd Busemann und den
Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen
Herrn Christian Wulff sowie die
Fraktionsvorsitzenden der Fraktionen des
Niedersächsischen Landtages

Stellungnahme zur eigenverantwortlichen Schule

Sehr geehrter Herr Busemann,
sehr geehrter Herr Wulff,
sehr geehrte Damen und Herren,

auch wir halten es für dringend notwendig, dass die Schulen sich weiterentwickeln.
Eine Ihren Vorstellungen entsprechende "Eigenverantwortliche Schule" kann von uns aber aus fol-genden Gründen nicht befürwortet werden.

Sie schränken die Möglichkeiten der Mitbestimmung ein, da Sie den bisher gültigen demokratischen Grundsatz der Allzuständigkeit der Gesamtkonferenz auf die SchulleiterInnen verlagern. Wir wün-schen uns eine demokratische Schule für Alle, in der alle Beteiligten gemeinsam und gleichberechtigt die Verantwortung tragen. Der Bildungserfolg unserer Kinder kann nicht der alleinigen Verantwortlich-keit einer Schulleiterin/eines Schulleiters untergeordnet werden. Bildung ist ein gesamtgesellschaftli-cher Auftrag, der auf möglichst viele Schultern verteilt werden muss. Auch wenn im jetzt vorliegenden Entwurf in diesem Punkt nochmals Änderungen vorgenommen wurden, ist wirkliche Mitbestimmung der Eltern nach wie vor nicht gegeben.
Ganz nebenbei bekommt die Schulleitung auch noch die Verantwortung für Gebäude und Materialien. Mögliche unvorhersehbare Budgetposten oder womöglich Fehlplanungen muss sie dann an anderer Stelle wieder ausgleichen. Wir befürchten, mangels anderer Alternativen wohl an der Unterrichtsquali-tät.

Schulbildung darf nicht von rein ökonomischen Gesichtspunkten bestimmt werden. Wir wollen nicht, dass unseren Kindern die Schulpausen von "Müller-Milch versüßt", und der "Sportunterricht von Adi-das" und der "Deutschunterricht von Langenscheidt präsentiert" werden.
Zudem verlangen Sie von den Schulen, die Verantwortung für die Folgen eines zu knapp bemessenen Budgets zu übernehmen und dieses durch die Sammlung von Sponsorengeldern auszugleichen. Dadurch macht sich die Schule abhängig von Privatinteressen und dem Wohlwollen möglicher Sponso-ren. Wir befürchten hier außerdem die Gefahr, dass zum Zwecke des "Wohlwollens" der möglichen Sponsoren die Unterrichtsinhalte mehr und mehr den Interessen und Wünschen der Sponsoren un-tergeordnet werden könnten. So dürften z.B. namhafte Lebensmittelkonzerne kein ausgesprochen großes Interesse an der Vermittlung der Gefahren der Gentechnologie haben.

Weiterhin befürworten Sie den unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten geführten Wettbewerb einzelner Schulen untereinander, obwohl bei einem solchen Wettbewerb unterschiedliche Umfeldbedingungen nicht berücksichtigt werden und der grundgesetzlich garantierte Gleichheitsgrundsatz in der Bildung hierdurch mehr und mehr ausgehöhlt wird. Es ist z.B. zu befürchten, dass die Klassen in Schulen, die nur in geringem Maße von außen unterstützt werden, größer werden, denn große Klassen sind billiger als kleine.
Ökonomisch orientierter Wettbewerb führt zu mehr Ungleichheit in der Bildung und hierum ist es in Deutschland bereits jetzt äußerst schlecht bestellt wie die jüngste Untersuchung der OECD zum Thema Bildungschancen für Migrantenkinder in Deutschland beweist. Als VertreterInnen einer Schule in einem sozial gemischten Wohngebiet mit hohem Migrationsanteil und vielfältigen sozialen Problemen (Armut und hohe Arbeitslosigkeit) sehen wir genau das als problematisch an, da die Schule hier nur sehr begrenzte Möglichkeiten auf das Einwerben von Sponsorengeldern haben wird, gleichzeitig der Förderbedarf aufgrund des sozialen Gefüges aber ungleich höher sein dürfte als in vergleichbaren Stadtteilen mit weniger starken sozialen Problemen. Hier haben wir überhaupt keine Aussagen dazu finden können, wie diese Ungleichheit im Sinne des Grundsatzes der Chancengleichheit ausgeglichen werden soll. Es wird u.E. billigend in Kauf genommen, das über kurz oder lang eine Zwei-Klassen-Bildung entstehen wird.
Eltern, die es sich leisten können, werden versuchen, ihre Kinder auf die Schule zu schicken, die im Wettbewerb am Besten abschneidet. Das führt mehr und mehr dazu, dass andere Schulen sich zu Restschulen entwickeln und im schlimmsten Fall sogar schließen müssen. Diese Praxis besteht auch jetzt schon zumindest in Hannover, wo es Schulen mit "gutem" und solche mit "weniger gutem Ruf" gibt, die von vielen Eltern trotz objektiv guter pädagogischer Arbeit und Konzepten mehr und mehr gemieden werden und sich zunehmend zu Restschulen entwickeln auf denen nur noch die "Problem-fälle" landen, die dann auch später kaum noch Chancen haben.

Die Umstrukturierung der Schule im Sinne des jetzt vorliegenden Gesetzesentwurfs führt u.E. vor Allem auch zu mehr statt weniger Bürokratisierung. Die Kernaufgabe der Schule, Wissensvermittlung und Persönlichkeitsentwicklung geht auf Kosten standardisierter Tests und Unmengen von nicht mehr nachvollziehbarer Datenerfassung mehr und mehr verloren.
Wir wollen Bildung für unsere Kinder statt noch mehr Bürokratie.
In diesem Zusammenhang werden unsere Kinder zur Teilnahme an statistischen Erhebungen verpflichtet. Damit wird das Recht auf informelle Selbstbestimmung, das auch unsere Kinder haben, für den Schulbereich faktisch abgeschafft. Von den Gefahren des Missbrauchs einmal ganz zu schwei-gen. Auch dieser Punkt wird von uns abgelehnt.

Aus den vorgenannten Gründen fordern wir Eltern der Grundschule Salzmannstrasse in Hannover Sie auf, die "Eigenverantwortliche Schule" nicht in der von Ihnen geplanten Form einzuführen und ent-sprechende Änderungen des NSchG nicht weiter zu verfolgen.

Hannover, den 30.05.06

Mit freundlichen Grüßen

gez. Wolfgang Scharna
für den Schulelternrat der
Grundschule Salzmannstrasse Hannover

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