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HANNOVER - NACHRICHTEN
Die Landesregierung hat angekündigt, die Zahl der Ganztagsschulen
zu verdoppeln – in Hannover hocken die
ersten Schulen bereits in den Startlöchern. Die Emil-Berliner-Schuleund
die Fridtjof-Nansen-Schule wollen
einen Antrag stellen. „Sobald wir Genaueres wissen, legen wir los“, sagt
Helmut Grupe, Leiter der Emil-Berliner-Schule. Die
Stöckener Realschule hatte bereits einmal versucht, zur Ganztagsschule
zu werden. Das wurde abgelehnt. Aber bis vor zwei Jahren ließ
das Ministerium es zu, dass die Schule für die siebten und achten
Klassen Mittagessen, Hausaufgabenhilfe und Arbeitsgemeinschaften anbot.
„Gut 70 Prozent der Schüler haben das genutzt.“ Die
Emil-Berliner-Schule hat möglicherweise gute Karten, denn sie kooperiert
mit der benachbarten Hauptschule. Und die Landesregierung will vor
allem Schulverbünde in der Sekundarstufe I unterstützen.
Doch in Hannover wollen auch einige Grundschulen ganztags unterrichten.
Die Grundschule Tresckowstraße hat bereits beim Kultusministerium
vorgefühlt. Die Schule bietet jetzt mit einer ABM-Kraft Nachmittagsbetreuung
bis 16 Uhr. „Aber wir brauchen mehr Zeit zum Lernen“, sagt Schulleiterin
Ulrike Nötel. In Wettbergen-West nehme der Anteil weniger
gut gestellter Familien zu. Viele Aussiedlerfamilien lebten in dem Neubaugebiet.
Nötel fühlt sich mit ihrem Anliegen von der Pisa-Studie bestätigt.
In den erfolgreichen Ländern sind Ganztagsschulen gang und gäbe.
„Der Erziehungsauftrag wird im Elternhaus häufig nicht mehr erfüllt,
wenn Kinder vor dem Fernseher sitzen und Gespräche nicht mehr stattfinden“,
sagt Irmgard Fiala, Sprecherin der Grundschulleiter. Etliche
Grundschulen hätten Interesse am Ganztagesunterricht. Die Leiterin
der Brüder-Grimm-Schule in der List würde auch für
ihre Schule einen Antrag stellen, wenn Grundschulen berücksichtigt
würden. Gisbert Selke, Sprecher der Hauptschulen,
warnt jedoch vor einer Billiglösung. „Ganztagsangebote sind nicht
mit stundenweisen Kräften zu haben. Das Land muss dafür ausreichend
Personal bereitstellen.“ Hermann Städtler, Leiter
der Fridtjof-Nansen-Schule, hofft, dass das Ministerium, wie es
angekündigt hat, Anträge von Grundschulen in sozialen Brennpunkten
berücksichtigt. „Wenn wir Pisa ernst nehmen, ist in einigen
Stadtteilen ein Ganztagsbetrieb notwendig, um Benachteiligungen auszugleichen
und den Kindern eine vernünftige Ernährung zu geben.“ An
seiner Schule in Vahrenheide werden im Sommer 30 ausländische Kinder
eingeschult, die kaum Deutsch sprechen. „Für solche Kinder ist es
wichtig, nicht schon mittags wieder in eine fremdsprachliche Umgebung
zu kommen.“ Die Stadt befürworte diese Anträge
grundsätzlich, sagt Hannes Schott, stellvertretender Schulamtsleiter.
Doch für die finanzschwache Stadt dürften dabei keine größeren
Kosten entstehen. „Neue Mensen können wir nicht bauen.“ bil
Veröffentlicht 14.03.2002 22:35 UHR Zuletzt aktualisiert 14.03.2002
22:29 UHRZum Bild
Seit Jahren gute Erfahrungen:In der Herschelschule gibt es mittags
Essen für die Schüler, nachmittags stehen Unterricht, Arbeits-
gemeinschaften, Musikstunden, Fördergruppen und Hausaufgabenhilfe
auf dem Programm.
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