ERNÄHRUNG  - Doku des Stadtelternrates Hannover
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Stadt-Anzeiger West, 19.03.2003   ErnährungSchulen im Westen Hannovers: Oberricklingen: Kinder kommen hungrig zur Schule      15 Eltern der Wilhelm-Busch-Grundschule in Oberricklingen bereiten für die Schüler in der Pause ein gesundes Frühstück zu.   Pausenbrote sind Mangelware.  ... Die Lebensmittel für das kostenlose Frühstück liefert einmal pro Woche die „Hannoverschen Initiative obdachloser Bürger“ (HIoB) im Rahmen des Projektes „Hilfe für hungernde Kinder in Hannover“.   mehr .... 
HAZ, 11.04.2005 Abnehmen mit Sport und Spaß  Präventionsprogramm „Happj kids 2005“ für dicke Jungen und Mädchen startet / Angebote auch im Kinderkrankenhaus       Für Kinder, die ihr Übergewicht los werden möchten, startet jetzt wieder das städtische Adipositas-Präventionsprogramm „Happj kids 2005“. Am Mittwoch können sich Mädchen und Jungen zwischen neun und elf Jahren gemeinsam mit ihren Eltern im Haus der Jugend in der Maschstraße 22 von 18 Uhr an über das Programm und die verschiedenen Kurse informieren, die Übungsleiter kennen lernen und sich anmelden.
Bei den sportlichen Angeboten des Präventionsprogramms steht nicht das Kräftemessen im Vordergrund, sondern vielmehr die Bewegung. Ob auf Rollen oder barfuß, mit Ball und Bogen, im Wasser oder auf der Tanzfläche – Ziel der verschiedenen Aktivitäten ist es, dass die Kinder Zutrauen zu ihrem Körper und der eigenen Fähigkeiten entwickeln. Für Mädchen gibt es mit „happj girls only“ ein spezielles Angebot.       „Happj kids 2005“ wird von städtischen Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit und den Bädern getragen. „Happj kids“ läuft bis Oktober, die Teilnahme kostet 40 Euro. Die Gebühr muss bei der Anmeldung entrichtet werden. Finanziell wird das Programm von den Hannover Indians und der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) unterstützt. Weitere Informationen gibt es bei Michael Lockmann, Sportkoordinator im Fachbereich Jugend und Familie, unter der Telefonnummer (05 11) 1 68-4 10 82.       Auch das Kinderkrankenhaus auf der Bult will übergewichtigen Kindern und Jugendlichen zwischen acht und 16 Jahren seit Anfang des Jahres mit einem speziellen Programm helfen, ihre Ernährung umzustellen, sich zu bewegen und gesünder zu leben. Die nach den Richtlinien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung entwickelte Adipositas-Schulung dauert ein Jahr und kostet rund 1000 Euro. Viele Krankenkassen übernehmen diese Kosten. Die Eltern müssen jedoch eine Vorleistung in Höhe von 165 Euro erbringen, die bei regelmäßiger Teilnahme von der Krankenkasse zurückerstattet werden kann. Nähere Auskünfte erteilt das Kinderkrankenhaus auf der Bult unter Telefon (05 11) 8 11 53 40.

Kinder kommen hungrig zur Schule
Stadt-Anzeiger West, 19.03.2003  Ernährung   Oberricklingen: Kinder kommen hungrig zur Schule      15 Eltern der Wilhelm-Busch-Grundschule in Oberricklingen bereiten für die Schüler in der Pause ein gesundes Frühstück zu.          Pausenbrote sind Mangelware. „Viele Kinder kommen ohne etwas Essbares und ohne gefrühstückt zu haben in die Schule“, klagt Michael Strümpel, Leiter der Wilhelm-Busch-Schule in Oberricklingen. Aus diesem Grund bereiten seit etwa einem halben Jahr 15 freiwillige Eltern der Grundschule in wechselnden Zweiergruppen allmorgendlich in der ersten großen Pause ein Frühstück zu. Auf zwei Tischen im Foyer der Schule wird ein kleines Büfett mit Cornflakes, Butterbroten, Gemüse und Obst angerichtet.            Die Lebensmittel für das kostenlose Frühstück liefert einmal pro Woche die „Hannoverschen Initiative obdachloser Bürger“ (HIoB) im Rahmen des Projektes „Hilfe für hungernde Kinder in Hannover“.Zu der so genannten Schulspeisung kommen nach Aussage des Schulleiters täglich etwa 30 bis 40 Schüler. Um die Anonymität der vernachlässigten Kinder zu wahren, dürfen alle Kinder der Grundschule bei dem Büfett zugreifen. „Wir wollen verhindern, dass die betroffenen Kinder stigmatisiert werden“, erklärt Michael Strümpel und betont: „Ein gutes Frühstück ist wichtig für die Lernleistung der Kinder“. Er stelle bereits seit einigen Jahren fest, dass immer mehr Schüler von ihren Eltern nicht ausreichend ernährt werden. „Anfangs haben wir gezielt mit den Eltern gesprochen“, erzählt der Schulleiter, „doch nur mit wenig Erfolg“. Deshalb habe   er im vergangenen Sommer beschlossen, mit Unterstützung von „HIoB“ die Schulspeisung zu organisieren.        Der 1993 gegründete Verein kümmert sich neben dem Engagement für Wohnungslose bereits seit zwei Jahren auch um vernachlässigte Kinder in Hannover. So versorgt die Initiative mittlerweile vier Schulen, eine Kindertagesstätte, einen Nachbarschaftstreff und eine therapeutische Einrichtung mit Essen.  Die Nahrung kauft „HIoB“ zu etwa 90 Prozent von Spendengeldern. Außerdem wird das Projekt von der Initiative „Hannöversche Tafel“ mit Lebensmitteln versorgt, die von Bäckern und anderen Lebensmittelhändlern überschüssige Ware einsammelt.          „Wir würden gerne noch mehr Schulen in das Projekt aufnehmen“, sagt Kornelia Rust-Bulmahn, die Vorsitzende von „HIoB“. Es gebe bereits zwei Anfragen - darunter eine Schule in Mühlenberg. Wegen Geldmangels musste „HIoB“ jedoch zunächst absagen.
   Trotz des großen Erfolges der Aktion an seiner Schule fordert Strümpel die Eltern auf, sich mehr um ihre Kinder zu kümmern. „Es reicht nicht, dass man den Kindern einen Euro in die Hand drückt und sie zum Kiosk schickt, wo sie sich Kartoffelchips kaufen.“ Leser, die das Projekt „Hilfe für hungernde Kinder in Hannover“ unterstützen wollen, können sich unter der Telefonnummer 5 85 99 49 näher darüber informieren.     isk       Veröffentlicht 19.03.2003 15:37 UHR 
oErnährung: Jeder zehnte Erstklässler zu dick

 Pommes, Currywurst, Döner, Hamburger. Was lecker schmeckt, macht auf Dauer fett.
 40 Prozent aller Bürger leiden unter Übergewicht, zehn Prozent aller hannoverschen
 Erstklässler sind zu dick.
 
 

 Die Gewichtsprobleme bei Grundschülern – der städtische Sozialbericht belegt sie.
 Elke Sauermann von der Koordinationsstelle Sozialplanung sagt: „Fast-Food und
 Bewegungsmangel sind schuld.“

 In den USA (dort sind 60 Prozent aller Einwohner übergewichtig) werden bereits
 „Junk-Food-Verbote“ in Schulen vorbereitet, außerdem eine „Kalorien-Steuer“ für
 Fast-Food (NP berichtete).
 
 

 In Deutschland wäre so was unmöglich. Frank Woesthoff, Sprecher des
 niedersächsischen Justizministeriums: „Dafür gibt es zu hohe verfassungsrechtliche
 Hürden. Es ist alles erlaubt, was laut Verfassung nicht verboten ist.“ Gesetze gegen
 Fast-Food seien nur dann möglich, wenn man nachweisen könne, das die Nahrung
 gesundheitsschädlich sei.
 
 

 Die Gesellschaft für Ernährung hat ermittelt, dass 64 Millionen Deutsche Essen außer
 Haus zu sich nehmen – und das an jedem zweiten Tag. Wissenschaftler fanden
 heraus: Nur in einem Drittel der Haushalte wird täglich gekocht. Je jünger und kleiner
 die Familie, desto geringer die Kochkenntnisse. 80 Prozent der Männer kochen nur
 unzureichend.

 Hintergrund: Neue Arbeits- und Freizeitbedingungen sowie Individualisierung und
 neue Familienstrukturen haben die Esskultur verändert. Zwang und Fähigkeit,
 Speisen zuzubereiten, nehmen ab. Fertiggerichte müssen nur noch erwärmt werden.
 Auch Emanzipation spielt eine Rolle: Frauen stehen nicht mehr nur am Herd. Männer
 konsumieren oft Fertiggerichte, essen häufig außer Haus. 
 
 

 Für Ernährungs-Spezialisten enthält Fast-Food zu wenig Vitamine und Mineralstoffe.
 Wer dennoch zulangt, sollte am Besten auch Fruchtsaft trinken oder Salat essen.
 
 

 Aber dafür fehle es in vielen hannoverschen Haushalten durch die Arbeitslosigkeit der
 Eltern an Geld, sagt Elke Sauermann. Folge: In Stadtteilen mit „hoher sozialer
 Belastung“ gibt es überdurchschnittlich viele übergewichtige Kinder. Der höchste Wert
 (19,8 Prozent) wird in Linden-Süd erreicht. Hohe Werte meldet der Sozialbericht auch
 für Oberricklingen mit 15 Prozent. Ausländische Kinder, die kein Deutsch sprechen,
 sind besonders rundlich. Für sie hat die Untersuchung einen Prozentsatz von 25,2
 ermittelt.
 
 

 Sauermann: „Eine Frage einer anderen Kultur.“ Wohlgenährte Kinder seien für viele
 Ausländer Symbol dafür, dass es der Familie gut gehe.
 

 HANNOVER, VON STEFAN FLEER UND KLAUS GEMBOLIS

Region: Armut ungleich verteilt

 Genau 55.300 Menschen in der Region sind auf Sozialhilfe angewiesen. 65 Prozent
 von ihnen wohnen in der Stadt Hannover. Mit einem Datenvergleich belegt die
 Region, wie ungleich Armut verteilt ist.
 
 

 Nicht genug Geld für seinen Lebensunterhalt hat in der Landeshauptstadt jeder 14.
 Bürger. 7,38 Prozent der Stadtbevölkerung beziehen Hilfe zum Lebensunterhalt
 (HLU). Im Umland dagegen sind es im Durchschnitt nur halb so viel – 3,26 Prozent.
 
 

 Von den 20 Gemeinden des ehemaligen Landkreises liegt in fünf die Armutsquote
 höher als vier Prozent. Das sind Seelze (4,67 Prozent), Garbsen (4,40 Prozent),
 Laatzen (4,22 Prozent), Burgdorf (4,05 Prozent) und Neustadt (4,02 Prozent).
 Weniger als zwei Prozent sozial Bedürftige haben die Wedemark (1,22 Prozent),
 Pattensen (1,37 Prozent), Gehrden (1,54 Prozent) und Isernhagen (1,64 Prozent).
 
 

 Mehr als die Hälfte der hannoverschen Sozialhilfeempfänger braucht die staatliche
 Hilfe, weil sie keine Arbeit hat – in Isernhagen dagegen ist Arbeitslosigkeit nur bei
 4,5 Prozent der Hilfe suchenden Ursache der Notlage.
 
 

 Höchst unterschiedlich sind auch die Kosten pro Sozialhilfeempfänger. Spitzenreiter
 Sehnde unterstützte im Vorjahr jeden Sozialhilfehilfeempfänger mit 6104,38 Mark. In
 Burgwedel dagegen reichten 4103,77 Mark.

 Trotz der großen Unterschiede in der Sozialstruktur sollen bei der Geldvergabe und
 vor allem bei der Beschäftigung von Sozialhilfeempfängern gleiche Regeln in der
 Region Hannover gelten. Die Sozialverwaltung arbeitet an einem entsprechenden
 Konzept.
 
 

 Der Sozialdezernent der Region, Erwin Jordan, will, dass Sozialhilfeempfänger in
 reguläre Jobs vermittelt werden. Der zweite Arbeitsmarkt, die Vermittlung an
 gemeinnützige oder kommunale Einrichtungen, soll auch in der Stadt Hannover nur
 eine Nebenrolle spielen. 

46 200 sind ohne Arbeit – immer mehr Insolvenzen

 „Die Mai-Zahlen und der Jahresverlauf sind absolut nicht zufrieden stellend“, sagte
 gestern Hannovers Arbeitamtschef Gerd-Dieter Brüggemann. In der Region Hannover
 springe die Wirtschaft nicht an; deshalb werde auch nicht eingestellt.
 
 

 Weitere Tiefschläge für die Arbeitsverwaltung: Es gibt immer mehr Insolvenzen.
 Diejenigen, die arbeitslos sind und einen neuen Job finden, werden immer weniger.

 Wo gibt es Hoffnung? „Da muss man lange gucken“, sagt Brüggemann. Er verzichtet
 auf Zweckoptimismus: „In diesem Jahr rechne ich nicht mit einer größeren Abnahme
 von Arbeitslosigkeit.“
 
 

 Fatal: Brüggemanns Etat stimme, und auch die geeigneten Instrumente seien
 vorhanden, aber: „Von einer Frühjahrs-Belebung im klassischen Sinn ist bei uns
 nichts zu spüren.“
 
 

 Wie groß die Anstrengungen in der Brühlstraße sind, Menschen in die Arbeit zu
 bringen, macht eine einzige Zahl deutlich: In Hannover wurden im vergangenen Jahr
 137 Millionen Euro für die aktive Arbeitsförderung eingesetzt.
 
 

 „Wir haben keine Indikatoren dafür, dass sich bei den großen Produktionsbetrieben
 etwas zum Positiven ändert“, sagen die Fachleute im Arbeitsamt. Sie setzen deshalb
 auf Beschäftigungspotenziale in kleineren und mittleren Betrieben – und lassen sich
 dabei etwas einfallen: So wurden jüngst 2000 Arbeitgeber angeschrieben und mit den
 Möglichkeiten eines speziellen Stellenservices vertraut gemacht.

 Wichtiger aber noch ist eine Projektgruppe, deren Mitglieder sich auf die Socken
 machen und den persönlichen Kontakt mit kleinen Betrieben suchen. Das hat sich
 gelohnt: Von Januar bis April wurden 1200 neue Jobs geschaffen.
 

 HANNOVER, VON KARL-R. WÜRGER

NP, 09.06.2002

Wer häufig Schule schwänzt: Bußgeld
   Niedersachsen geht gegen Schulschwänzer vor: „Eltern werden künftig sofort per Telefon benachrichtigt, wenn ein Kind nicht in der Schule auftaucht”, kündigte Kultusministerin Renate Jürgens-Pieper (SPD) an.
    Das eineinhalbjährige Modellprojekt startet ab 1. August – in den Kreisen Friesland und Osnabrück, sowie in Delmenhorst und Hannover. Hannovers Schüler sind landesweit Spitzenreiter beim Schuleschwänzen: 17,9 Prozent haben schon einmal den Unterricht sausen lassen. „Jede kriminelle Karriere beginnt mit Schwänzen”, warnte Justizminister Christian Pfeiffer (SPD), Mitinitiator des Projektes. Allein die Drohung, Eltern sofort anzurufen, wenn das Kind beim Zählappel in der Schule nicht da ist, senke die Schwänzer-Quote dramatisch. „Das zeigen Studien aus England deutlich.”
    Auch die Polizei ist in das Projekt eingebunden: Sie soll auf ihren Streifen herumstreunende Schüler aufsammeln. Eltern, gute Schüler oder Studenten sollen zudem ehrenamtlich Nachhilfe leisten, um schwache Schwänzer wieder in die Schule zu integrieren. Hartnäckige Schulverweigerer will Pfeiffer mit Bußgeldern zu Räson bringen – „aber nur als letztes Mittel”. 
   Laut Pfeiffer liegen Ursachen des Schwänzens in Leistungsängsten, Familienproblemen, Drogensucht oder Mobbing und Erpressung an Schulen. Im disziplinorientierten Osten schwänzten weniger Schüler als im Westen.
 HANNOVER, VON ALEXANDER DAHL  (NP, 06.06.2002)
HAZ,  18.05.2002  ->Schwänzen
Wer zehnmal schwänzt
Was erlauben wir an unseren Schulen – und was können sich Schüler erlauben? Die Diskussion ist nicht erst seit den Todeschüssen von Erfurt entbrannt. In der Region Hannover haben es zumindest Schulschwänzer nicht so leicht. Ihnen droht ein hohes Bußgeld.
   Für die meisten Kommunen der Region ist es neu, Bußgelder für hartnäckige Schulverweigerer zu verhängen, weil das früher der Landkreis erledigte. Hannover hat sich seit jeher selbst um die Schwänzer gekümmert. „Wir haben uns in der Region abgestimmt, damit Nachbarn nicht völlig unterschiedliche Bußgelder zu zahlen haben”, sagt Klaus Dostatny, der im Ordnungsamt für Schulpflichtverletzungen zuständig ist. Die Städte hätten zumeist die Bußgeldsätze Hannovers übernommen.

   In der Landeshauptstadt werden beide Eltern und Schüler von 14 Jahren an mit Bußgeldbescheiden zur Kasse gebeten – im vergangenen Jahr 721-mal. „Bei den Eltern gehen wir davon aus, dass sie fahrlässig gehandelt haben. Ein Schüler, der wegbleibt, macht das vorsätzlich”, sagt Dostatny. Schulschwänzen ist eine Ordnungswidrigkeit. Und wenn sie mit Vorsatz begangen wird, schreibt das Ordnungswidrigkeitengesetz fünf Euro als Mindestbuße vor. Eltern, die nur fahrlässig waren, zahlen pro Person drei Euro pro Tag, den ihr Kind unentschuldigt fehlt, Berufsschüler mit eigenem Einkommen sogar 25 Euro. Dazu kommen fünf Prozent des Bußgeldes als Verwaltungsgebühr und 5,62  Euro Zustellkosten.

   „Wenn ein Elternteil nicht im selben Haushalt wie das Kind lebt, erfährt er nicht unbedingt, ob sein Kind zur Schule geht”, sagt Dostatny. Dann wird er nicht belangt. Vielen Eltern gelinge es auch so, sich während des Verfahrens zu
entlasten. „Manche schicken ihre Kinder ja zur Schule und merken nicht, dass  sie dort nicht auftauchen.”

   Die Schulen sollten frühestens eine Meldung ans Ordnungsamt schicken, wenn ein Schüler zehn Tage geschwänzt hat. „Die Lehrer versuchen vorher zu ergründen, woran es liegt. Bei familiären Problemen wenden sie sich an den Sozialdienst. Eine Anzeige sollte eigentlich der letzte Weg sein”, sagt Dostatny. Nach beispielsweise zehn Fehltagen sind immerhin je 30 Euro Bußgeld für Vater und Mutter sowie 50 Euro für den Schüler aufgelaufen. Doch manchmal summieren sich die Bußgelder auf deutlich höhere Summen: Im vergangenen Jahr hat Dostatny in einigen Fällen den Bußgeldrahmen von 500 Euro ausgeschöpft. Wenn nicht gezahlt wird, können die Jugendlichen auch zu gemeinnützigen Arbeiten herangezogen oder die Eltern in Erzwingungshaft genommen werden. Das kommt durchaus vor. 

   Besonders in Berufsschulen, die Jugendliche ohne Ausbildungsplatz unterrichten, ist Schulverweigerung ein Problem, sagt Dostatny. Dort machten Sozialarbeiter Hausbesuche, sobald ein Schüler einen Tag fehlt. „Es ist allerdings schwierig, jemanden zu motivieren, der keinen Ausbildungsplatz hat, und trotzdem die Schulpflicht erfüllen soll.”     Bärbel Hilbig      Veröffentlicht 17.05.2002 21:18 UHR

HAZ,  08.11.2001  ->Schwänzen
Helfer besuchen Schulen
Justizminister Pfeiffer setzt Kampf gegen Schwänzen fort
   CELLE ( gör)     14 Prozent der Schüler schwänzen fünf bis zehn Tage im Schuljahr den Unterricht, sechs Prozent gar mehr als 20 Tage - diese und viele andere Zahlen präsentierte  Justizminister Christian Pfeiffer am Mittwoch in Celle den 700 Teilnehmern einer Tagung zum Thema Gewaltprävention. Die Verantwortung für das unentschuldigte Fehlen gibt Pfeiffer zum Teil den Lehrern. "Die Hälfte der Schüler gab in einer Untersuchung des Kriminologischen Forschungsinstituts an, dass die Schule auf ihr Fernbleiben überhaupt nicht reagiert hat." Für den Justizminister ist das auch deshalb ein unhaltbarer Zustand, weil es einen Zusammenhang zwischen Schwänzen und Ladendiebstählen sowie Gewaltdelikten gebe.
    Mit der Frage, was gegen Jugendgewalt zu tun ist, beschäftigten sich seit sechs Jahren Präventionsräte in vielen Kommunen. Polizisten, Juristen, Lehrer, Sozialarbeiter und engagierte Bürger aus diesen mittlerweile 120 niedersächsischen Präventionsräten informierten sich in Celle über mögliche Lösungen.
    Sechs Prozent aller deutschen und 24 Prozent alle türkischen Kinder und Jugendlichen gaben bei der von Pfeiffer präsentierten Befragung an, von den Eltern misshandelt worden zu sein. "Wer mit Gewalt aufwächst, hat ein niedriges Selbstwertgefühl und versucht seine Probleme eher als andere auch mit Gewalt zu lösen." Nur ganz wenige der misshandelten Kinder wendeten sich an Lehrer, Behörden oder den Kinderschutzbund - aus Angst davor, dass die Eltern alles erfahren und sie noch mehr schlagen.

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