FINNLAND  -  Dokumentation des Stadtelternrates Hannover
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So, 06.11.2005, 10:30 Uhr, auch im Cinemax Nikolaistr. , "Wie Schulen gelingen - kostenlose Kinovorführungen"  als  pdf , 412 KB   "Eine Schule, die gelingt. Enja Riegel und die Helene-Lange-Schule"  und "Spitze. Schulen am Wendekreis der Pädagogik" Der Eintritt ist kostenlos. Bitte reservieren Sie Ihre Karten bis zum Freitag, den 4.11.2005, 15 Uhr, über www.bildungscent.de. Sie erhalten dann eine E-Mail, die als Eintrittskarte gilt.  mehr zur Vorführung ...  mehr zur Helene-Lange-Schule ...   mehr zu finnischen Schulen ...

Sächsische Zeitung, 10.11.2004
Sachsen
Was Wäre, Wenn ...?  ...  Die Schule ist für Schüler da - nicht umgekehrt; zur neunjährigen einheitlichen Ganztagsschule gibt es keine Alternative - Kinder können nirgendwohin abgeschoben werden; die Schule ist für Finnen die Grundlage der Zivilisation - es fällt nicht eine Unterrichtsstunde aus.     .... 
PISA  / Schulstrukturreform  / Finnland:   Finnland: Gnadenlos pragmatisch   Nicht nur bei Pisa Nummer eins: In Europa gilt Finnland inzwischen als das wettbewerbsfähigste Land.   ...  Rund 240 Kilometer westlich von Helsinki liegt Uusikaupunki. Die einspurige Landstraße in das 17000 Einwohner zählende Küstennest verläuft schnurgerade, es geht vorbei an Birken, grün-braunem Gesträuch und Schildern, die vor Elchen warnen. Ausgerechnet hier, mitten im Wald und nahe am Hafen, steht auf 210 Hektar eines der modernsten europäischen Automobilwerke – die Valmet Automotive Inc.      Von dem finnischen Unternehmen (an dem die deutsche ThyssenKrupp Automotive zehn Prozent hält) lässt Porsche bereits seit 1997 seinen Boxster montieren. ...    Porsche ist nicht das einzige deutsche Unternehmen, das in Finnland vertreten ist. ... Der nur 5,2 Millionen Einwohner zählende Staat am äußersten Nordzipfel der EU hat in den vergangenen zehn Jahren einen steilen ökonomischen Aufstieg erlebt. Im jüngsten Ranking der weltweit wettbewerbsfähigsten Staaten, jährlich vom International Institute for Management Development (IMD) in Lausanne erstellt, ist Finnland, seit 1995 EU-Mitglied, europäischer Spitzenreiter, nur die USA schneiden noch besser ab. Deutschland dagegen folgt erst mit großem Abstand auf Platz 15. Ein im September veröffentlichter ähnlicher Vergleich des World Economic Forum sieht Finnland in diesem Jahr sogar ganz oben auf dem Siegertreppchen. Die Pluspunkte: hohe Produktivität, offene Märkte, sehr gute Infrastruktur und technisches Know-how sowie hervorragende Leistungen bei Forschung und Bildung. Nicht zu vergessen das jüngste Ranking von Transparency International: Danach hat Finnland weltweit die geringste Korruption.  ....  mehr ...   (Wirtschaftswoche, 02.11.2002)
Finnland: Gnadenlos pragmatisch
PISA  / Schulstrukturreform  / Finnland:   Finnland: Gnadenlos pragmatisch   Nicht nur bei Pisa Nummer eins: In Europa gilt Finnland inzwischen als das wettbewerbsfähigste Land.     Rund 240 Kilometer westlich von Helsinki liegt Uusikaupunki. Die einspurige Landstraße in das 17000 Einwohner zählende Küstennest verläuft schnurgerade, es geht vorbei an Birken, grün-braunem Gesträuch und Schildern, die vor Elchen warnen. Ausgerechnet hier, mitten im Wald und nahe am Hafen, steht auf 210 Hektar eines der modernsten europäischen Automobilwerke – die Valmet Automotive Inc. 
     Von dem finnischen Unternehmen (an dem die deutsche ThyssenKrupp Automotive zehn Prozent hält) lässt Porsche bereits seit 1997 seinen Boxster montieren. Allein 2001 liefen in Uusikaupunki über 23000 Nobelkarossen vom Band. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking schätzt nicht nur die moderaten Arbeitskosten – nach Angaben eines Valmet-Managers liegen diese mehr als 30 Prozent unter Zuffenhausen-Niveau – sondern auch die Flexibilität der Finnen. Der Porsche-Chef: „Die Zusammenarbeit hat sich bewährt.“
     Porsche ist nicht das einzige deutsche Unternehmen, das in Finnland vertreten ist. Über 150 Firmen sind mittlerweile vor Ort, Tendenz steigend. Dass sich immer mehr Unternehmen für das Land der 1000 Seen interessieren, hat seinen Grund: Vorbei ist die Zeit, in der das Finnlandbild im Ausland geprägt war vom „Klischeedreieck aus Sauna, höchster Selbstmordrate und schnapsdurchtränkten Kaurismäki-Filmen“(„Spiegel online“). Der nur 5,2 Millionen Einwohner zählende Staat am äußersten Nordzipfel der EU hat in den vergangenen zehn Jahren einen steilen ökonomischen Aufstieg erlebt. Im jüngsten Ranking der weltweit wettbewerbsfähigsten Staaten, jährlich vom International Institute for Management Development (IMD) in Lausanne erstellt, ist Finnland, seit 1995 EU-Mitglied, europäischer Spitzenreiter, nur die USA schneiden noch besser ab. Deutschland dagegen folgt erst mit großem Abstand auf Platz 15. Ein im September veröffentlichter ähnlicher Vergleich des World Economic Forum sieht Finnland in diesem Jahr sogar ganz oben auf dem Siegertreppchen. Die Pluspunkte: hohe Produktivität, offene Märkte, sehr gute Infrastruktur und technisches Know-how sowie hervorragende Leistungen bei Forschung und Bildung. Nicht zu vergessen das jüngste Ranking von Transparency International: Danach hat Finnland weltweit die geringste Korruption. 
    Der Wirtschaftsministerin Sinikka Mönkäre ist das alles eher peinlich. „Wir haben noch viele Probleme“, sagt die Sozialdemokratin, deren Partei zusammen mit drei Koalitionspartnern von links und rechts das Land regiert. Diese Probleme freilich hätten andere Staaten gerne: Während Deutschland selbst 2006 noch keinen ausgeglichenen Haushalt vorweisen dürfte, erwirtschaftet Finnland bereits seit fünf Jahren Budgetüberschüsse von im Schnitt 3,4 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von 1995 bis 2000 um durchschnittlich 4,8 Prozent, mehr schafften in der EU nur Irland und Luxemburg. 
    Aktuell läuft es zwar nicht mehr so ganz rund. Die schwache Weltkonjunktur und vor allem die Exportprobleme der IT-Industrie, Finnlands wichtigstem Industriezweig, haben das Wachstum 2001 auf 0,7 Prozent absacken lassen. „2002 dürften es aber immerhin wieder 1,3 Prozent werden“, prognostiziert Ministerin Mönkäre. Und die Zukunftsaussichten sind gut: Die Produktion der finnischen Elektronikindustrie etwa liegt derzeit um 28 Prozent über dem Vorjahr. Anthony de Carvalho, Ökonom beim Forschungsinstitut der finnischen Wirtschaft (Etla), schätzt, dass das BIP in den kommenden Jahren zwischen drei und vier Prozent zulegen wird. 
    Angefangen hat die Erfolgsgeschichte mit einer schlimmen Rezession. Zu Beginn der Neunzigerjahre, nach dem Zusammenbruch der osteuropäischen Märkte schrumpfte die Wirtschaft vier Jahre in Folge. Von High Tech keine Spur: Wichtigstes Standbein der Wirtschaft war die Holzindustrie, Nokia produzierte Papier, Gummistiefel und Autoreifen. 
    In dieser Situation traf die Politik eine folgenreiche Grundsatzentscheidung. Um den maroden Haushalt zu sanieren, privatisierte die Regierung eine Reihe von Staatsbetrieben und sparte an den Sozialausgaben, etwa bei der Arbeitslosenunterstützung und im Gesundheitswesen. Mönkäre: „Eine schwierige Entscheidung – aber wir hatten keine andere Wahl.“ Heute liegen die Sozialausgaben fast 30 Prozent niedriger als vor zehn Jahren, ihr Anteil am BIP sank von 33,6 Prozent (1992) auf 25,2 Prozent im Jahr 2000. Bei den Pro-Kopf-Sozialausgaben rangiert Finnland in der EU damit auf Rang zehn. 
    Gleichzeitig aber stellte die Regierung neue Weichen – und investierte massiv und über Jahre hinweg in Bildung und Forschung. Mönkäre: „Das war ein weise Entscheidung, deren Früchte wir heute ernten können.“ Der BIP-Anteil der Forschungsausgaben von Staat und Wirtschaft liegt heute bei über drei Prozent und damit weit über dem EU-Schnitt von 1,9 Prozent. 

    Das Ergebnis: Kein anderes Land der Erde hat den Marsch ins Informationszeitalter so strammen Schrittes vollzogen wie Finnland. „Die Finnen sind geradezu besessen von neuer Technik“, beobachtet Christian Röhr, Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Finnischen Handelskammer in Helsinki. In Tampere wurde schon 1991 das erste mobile Telefonat der Welt geführt, in Helsinki entstand 1995 das erste Internetcafe. Nirgendwo auf der Welt ist die Handydichte bezogen auf die Bevölkerung so hoch. Fast 60 Prozent der Haushalte haben Internetanschluss, ein Drittel mehr als in Deutschland. Von zu Hause oder an einem der 1000 öffentlichen Internetterminals können Finnen mithilfe einer digitalen Signatur Behördengänge erledigen, für die man sich hier zu Lande meist immer noch in tristen Amtsstuben anstellen muss. 
    Vor allem aber gibt es in Finnland heute ein dichtes und effizient arbeitendes Netzwerk von Hochschulen, Unternehmen und staatlicher Forschungsförderung. In Oulu, Tampere, Turku und dem Großraum Helsinki haben sich ökonomische Cluster gebildet, in denen Wissenschaft und Privatwirtschaft eng kooperieren. Speziell in Tampere, wo der Multi Nokia sein Forschungszentrum unterhält, sind viele Studienprogramme auf die Bedürfnisse der High-Tech-Industrie zugeschnitten. Die wiederum lässt sich nicht lumpen: Im vergangenen Jahr schraubte die finnische Industrie die F&E-Ausgaben um 17 Prozent in die Höhe, in diesem Jahr wird ein neuerlicher Zuwachs von rund zehn Prozent erwartet. 
    „Wissenschaft und Wirtschaft haben in Finnland keine Berührungsängste“, lobt Jouko Suokas, Direktor beim Technical Research Center (VTT). Der wissenschaftliche Think Tank und seine 3000 Mitarbeiter betreiben im Staatsauftrag Grundlagenforschung, arbeiten aber auch für die Wirtschaft; rund zwei Drittel seines Umsatzes erzielt das Institut am freien Markt. Firmen können sich hier externes Know-how einkaufen, Produkte entwickeln und Messreihen laufen lassen, etwa in den Bereichen Biotechnologie, Elektronik, Bau- und Umwelttechnik. 
    Die starke High-Tech-Fokussierung hat Finnland wieder nach oben gebracht, sie hat aber auch eine Kehrseite. Das Wohl und Wehe der Volkswirtschaft hängt eng mit dem Geschäftsverlauf des Nokia-Konzerns und seiner Zulieferer zusammen. Der Weltmarktführer für Handys bestreitet allein fast 27 Prozent aller finnischen Exporte und rund fünf Prozent des BIP. Heftiger als andere Staaten hat Finnland daher im vergangenen Jahr die weltweite Krise der IT- und Telekom-Branche getroffen. Kritiker mahnen daher immer lauter eine stärkere Diversifizierung und Mittelstandsorientierung der finnischen Wirtschaft an.
    Deshalb sind für das Land gerade Firmen wie Suunto so wichtig. In Vantaa, wenige Fahrminuten von Helsinki entfernt, produziert das Unternehmen Minicomputer für das Handgelenk. Mit den Geräten können sich Segler, Taucher, Skifahrer und Bergsteiger mit Umweltinformationen – etwa: Höhe, Wind, Luftdruck – versorgen. Das Unternehmen lebt von seinen Innovationen. Firmenchef Dan Colliander hat daher die Forschungsabteilung in den vergangenen drei Jahren von 8 auf 55 Mitarbeiter aufgestockt, im gleichen Zeitraum schnellte der Umsatz um 40 Prozent auf 83,4 Millionen Euro nach oben. Derzeit tüfteln die Suuntu-Techniker an einem neuartigen Ski, der bei Lawinengefahr automatisch Warnsignale sendet. Und um die Höhenmesser zu optimieren, hat die Firma kurzerhand Veikka Gustavsson ins Forscherteam geholt, Finnlands berühmtesten Bergsteiger. 
    Indes:Ein Wirtschaftsparadies ist auch Finnland nicht. „Ich kann mir durchaus vorstellen, irgendwann im Ausland zu produzieren“, sagt Colliander mit Blick auf die hohe Steuerlast. Der Spitzensteuersatz liegt bei 56 Prozent, die Lebenshaltungskosten sind wegen eines Mehrwertsteuersatzes von 22 Prozent unerfreulich hoch. Und trotz aller Sparmaßnahmen im Sozialbereich ist Finnland immer noch ein umverteilender Wohlfahrtsstaat skandinavischer Prägung, in dem sogar die Bußgelder für Verkehrssünder einkommensabhängig sind (ein Nokia-Manager, der auf seiner Harley-Davidson 25 Stundenkilometer zu schnell fuhr, sollte im vergangenen Jahr 100 000 Euro bezahlen). Das überwiegend staatlich finanzierte Gesundheitssystem produziert zunehmend Wartezeiten, die Arbeitslosigkeit hat sich zwar gegenüber 1994 fast halbiert, liegt aber immer noch bei rund neun Prozent.
    Dennoch kann Finnland für Deutschland Vorbildfunktion haben – nicht nur wegen seiner Technologieorientierung. „Was die Deutschen von den Finnen lernen können: Hier werden Probleme gnadenlos pragmatisch gelöst. Ist eine Entscheidung gefallen, wird die auch durchgezogen und nicht von Interessengruppen blockiert“, sagt Kammerchef Röhr. „Eine blockierte Republik ist hier nicht zu erwarten.“
    Das scheint offenbar auch Porsche so zu sehen. Der Produktionsvertrag mit Valmet in Uusikaupunki wurde im vergangenen Jahr vorzeitig bis zum Jahr 2008 verlängert.      Von Bert Losse      (Wirtschaftswoche, 02.11.2002)
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