HANNOVER - SCHULSTRUKTUR - 08.03.2007 
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NP + HAZ, 08.03.2007

Kritisches Echo auf Schulpläne

NP, 08.03.2007 Busemanns Appell an Weil Die Schulpläne von OB Stephan Weil lösen heftige Diskussionen aus. Kultusminister Bernd Busemann empfiehlt dem OB einen Blick ins Schulgesetz und warnt im NP-Interview vor getarnten IGS-Neugründungen. Kritik kommt von den Gymnasien. Und die Gesamtschulchefs wehren sich gegen weit entfernte Außenstellen.

NP, 08.03.2007 Kritisches Echo auf Schulpläne Oswald Nachtwey, Leiter der IGS List, kann dem Vorschlag, für seine Schule eine Zweigstelle im Fössefeld (Linden) zu errichten, wenig abgewinnen: „Wir IGS-Schulleiter halten das aus verschiedenen Gründen für völlig abwegig.“ Die IGS List habe im letzten Jahr 99 angemeldete Schüler ablehnen müssen

NP, 08.03.2007 SPD signalisiert Zustimmung CDU kämpft gegen Entwurf „Wir werden den Schulentwicklungsplan sehr ausführlich im Detail diskutieren“, kündigt SPD-Fraktionschefin Christine Kastning an ...

NP, 08.03.2007 „Keine Angst vor einer Klage“ .. "Viele Gesamtschulen können auch mit der bestehenden Gesetzeslage mehr Parallelklassen einrichten, als sie das derzeit tun. Da braucht es keine Neugründung" ...

HAZ, 08.03.2007 Was wird aus den Schulen? .. „Die Verwaltung macht es sich sehr einfach. Sie geht nur danach, wo noch Räume frei sind“, sagt Garnet Eichholz vom Stadtelternrat Hannover. ...Der Stadtelternrat fordert Anbauten, wo das am Haupthaus möglich ist, und ein weiteres Gymnasium...

HAZ, 08.03.2007 Leserbrief: Deutscher Schulpreis .. Alle Gesamtschulen in Hannover, wenige Hauptschulen und ein Gymnasium sind immer wieder als „berufswahlfreundliche Schule“ ausgezeichnet worden

NP, 08.03.2007

Busemanns Appell an Weil

Die Schulpläne von OB Stephan Weil lösen heftige Diskussionen aus. Kultusminister Bernd Busemann empfiehlt dem OB einen Blick ins Schulgesetz und warnt im NP-Interview vor getarnten IGS-Neugründungen. Kritik kommt von den Gymnasien. Und die Gesamtschulchefs wehren sich gegen weit entfernte Außenstellen.

NP, 08.03.2007

Kritisches Echo auf Schulpläne

VON PHILIPP LACKNER UND MICHAEL KRISCHE
HANNOVER. Durchweg skeptisch reagieren die Vertreter von Stadtelternrat, Gymnasien und Hauptschulen auf die Schulpläne von OB Stephan Weil. Demnach sollen drei Hauptschulen und zwei Realschulen aufgelöst werden. Für neun von 13 Gymnasiumsaußenstellen soll das Aus kommen. Gegen weit entfernte IGS-Außenstellen regt sich sogar im Gesamtschullager Widerstand.
„Die IGS zu Lasten der Haupt- und Realschulen auszuweiten, halte ich für ein großes Problem“, sagt Ferdinand Holst vom Stadtelternrat.
Die Gesamtschulen seien nicht darauf vorbereitet, so viele Haupt- und Realschüler aufzunehmen. Dafür fehle es an Fördermitteln. „Das ist Politik auf den Rücken der Kinder.“
Auch was die Schließung der neun Gymnasialaußenstellen angeht, hat Holst Bedenken.
Ursprünglich hatte der Stadtelternrat sogar ein 17. Gymnasium gefordert. Holst: „Wir nehmen es zur Kenntnis.“
Oswald Nachtwey, Leiter der IGS List, kann dem Vorschlag, für seine Schule eine Zweigstelle im Fössefeld (Linden) zu errichten, wenig abgewinnen: „Wir IGS-Schulleiter halten das aus verschiedenen Gründen für völlig abwegig.
Die IGS List habe im letzten Jahr 99 angemeldete Schüler ablehnen müssen: „Viele kommen vor allem aus den Bereichen Vahrenwald, List, Nordstadt, Buchholz und Bothfeld. Die können wir nicht nach Linden oder Limmer verfrachten.“ Stattdessen würden Schüler aus dem Einzugsgebiet der IGS Linden abgezogen, die bisher die Nachfrage dort voll befriedigen könne.
Martin Stupperich, Direktor der Leibnizschule, ärgert sich über die geplante Aufgabe von neun Gymnasiumszweigstellen, auch die der eigenen Schule in der Gartenheimstraße (Bothfeld)
: „Wir müssten jedes zweite Schuljahr zwei volle Klassen abschulen. Das ist nicht akzeptabel.“ Mit 950 Schülern gehört die Leibnizschule zu den größten Gymnasien der Stadt. „Wir werden noch viele Jahre lang zusätzlichen Raumbedarf haben“, so Stupperich. Die Zweigstelle bediene außerdem ein traditionelles Einzugsgebiet.
„Sollte unsere Außenstelle geschlossen werden, hätten wir künftig mehr Anmeldungen, als wir Schüler aufnehmen könnten“
, sagt Jürgen Buchhagen, Rektor des Helene-Lange-Gymnasiums.
Und auch Petra Günther, Vize der Peter-Ustinov- Schule, ist mit den Plänen aus dem Rathaus nicht einverstanden. Geht es nach dem Willen der Politik, soll die Hauptschule in Ricklingen geschlossen werden. „Wir sammeln Argumente, die für die Schule sprechen, um den Standort zu sichern.“>> Hannover Schulstruktur 2007

NP, 08.03.2007

SPD signalisiert Zustimmung CDU kämpft gegen Entwurf

Das sagen die Ratspolitiker: „Wir werden den Schulentwicklungsplan sehr ausführlich im Detail diskutieren“, kündigt SPD-Fraktionschefin Christine Kastning an. Grundsätzlich signalisiert sie Zustimmung: „Die Ausweitung der Gesamtschulen ist ein vernünftiges Konzept, denn die Elternnachfrage ist da.“
Dass die IGS-Schulleiter Sorge haben wegen der praktischen Probleme, die mit Außenstellen verbunden sind, kann Kastning nachvollziehen, „aber wir müssen auch sehen, wie wir die vorhandenen Gebäude nutzen“.
Sie sehe keine Schwächung der Gymnasien: „Nach Prognosen der Verwaltung können auch künftig alle Schüler aufgenommen werden.“
„Man kann nur hoffen, dass dieser Entwurf so nicht umgesetzt wird“, erklärte dagegen die schulpolitische Sprecherin der CDU-Ratsfraktion, Barbara Frank
. Sie fordert: „Kein Ausbau der Gesamtschulen auf Kosten der Gymnasien!“
Die CDU kritisiert, dass auch gut funktionierende Real- und Hauptschulen geschlossen oder verkleinert werden sollen.
„Unausgegoren“ nennt Frank die geplante Filiale der IGS List im fernen Linden: „Kompletter Unsinn.“ Es gehe offenbar darum, durch die Hintertür eine neue IGS zu gründen.
Dagegen meint Grünen-Fraktionschef Lothar Schlieckau: „Mehr Kapazitäten für die Gesamtschulen sind wegen der großen Elternnachfrage unerlässlich. Was die geplante Zweigstelle der IGS List in Linden angeht, werden wir uns die Argumente anhören. Für sinnvolle Alternativen sind wir offen.“
FDP-Schulexperte Jens Meyburg bedauert die Auflösung von Hauptschulen: „Das Konzept des Landes für praxisnahe Ausbildung hat offenbar noch nicht gegriffen.
Langfristig geht es darum, etwas gegen den Facharbeitermangel von morgen zu tun.“ Die Schließung gymnasialer Außenstellen sei dagegen sinnvoll: „Schüler sollen im Haupthaus einer Schule unterrichtet werden. Deshalb sehe ich auch die Einrichtung von IGS-Zweigstellen kritisch. Allenfalls mehr Züge am Hauptsitz wären akzeptabel.“ mk. >> Hannover Schulstruktur 2007

NP, 08.03.2007

„Keine Angst vor einer Klage“

Einer möglichen Klage der Stadt Hannover sieht Kultusminister Bernd Busemann (CDU) gelassen entgegen.

VON HEIKO RANDERMANN
Die Stadt Hannover plant die Gründung von IGS-Außenstellen – werden Sie die genehmigen?
Das muss man erstmal sehen. Noch wurde ja gar kein Antrag gestellt, den warten wir erstmal ab.
Die Zweigstelle der IGS List soll sechs Kilometer vom Hauptstandort entfernt liegen – ist das erlaubt?
Da drängt sich zumindest der Gedanke auf, dass hier von einer Außenstelle gesprochen wird, aber eine Neugründung gemeint ist. Das wäre dann nach dem Gesetz nicht erlaubt.
Herr Weil hat bereits angekündigt zu klagen, wenn das Land die Genehmigung ablehnt.
Dem sehe ich gelassen entgegen. Ich bin seit 1979 Anwalt, ich habe doch keine Angst vor einer Klage. Ich appelliere aber an Herrn Weil, noch einmal ins Gesetz zu schauen und zu sehen, was erlaubt ist. Viele Gesamtschulen können auch mit der bestehenden Gesetzeslage mehr Parallelklassen einrichten, als sie das derzeit tun. Da braucht es keine Neugründung
Herr Weil nennt das Gesetz anachronistisch.
Gesetz ist Gesetz, das gilt für alle. Wer es ändern will, muss sich dafür die Mehrheiten beschaffen. Ich würde mir wünschen, dass so kurz vor der Landtagswahl niemand den Streit um des Streites willen sucht...>> Hannover Schulstruktur 2007

HAZ, 08.03.2007

Was wird aus den Schulen?

Die Stadt will Haupt- und Realschulen schließen, manche Gymnasien verkleinern und Gesamtschulen erweitern – die Vorschläge sorgen für Diskussionen.

Von Bärbel Hilbig
Die Idee der Stadt, der Integrierten Gesamtschule (IGS) List eine Außenstelle in Limmer zu geben, stößt selbst bei den Leitern der Gesamtschulen auf wenig Gegenliebe. „Man muss sehen, wo wirklich Nachfrage da ist“, sagt Oswald Nachtwey, Leiter der IGS List. Seine Schule lehne jedes Jahr rund 100 Kinder ab, die aber meist aus Vahrenwald-List kommen. Eine Außenstelle in diesem Bereich sei deshalb sinnvoll.

„Wir verstehen, dass die Stadt mehr Platz an Gesamtschulen schaffen will“, sagt Christoph Walther, Leiter der IGS Linden und Sprecher der Gesamtschulleiter. Bei den Anmeldungen für die fünften und auch für die elften Klassen der Gesamtschulen gingen jedes Jahr etliche Schüler leer aus. „Aber nur, weil zufällig in einem Stadtteil möglicherweise ein Schulgebäude frei wird, ist das nicht der richtige Standort.“ Ein oder zwei neue Gesamtschulen, zum Beispiel in der Nordstadt, seien denkbar. Das Schulgesetz verbietet IGS-Neugründungen jedoch.
Barbara Frank, schulpolitische Sprecherin der CDU-Ratsfraktion, kritisiert, der Entwurf würde Gesamtschulen bevorzugen und das gegliederte Schulwesen – besonders die Gymnasien – schwächen.
„Wenn an den Gymnasien die Zahl der Klassen pro Jahrgang eingeschränkt wird, können die Schüler nicht mehr nach Neigungen und Fähigkeiten eine Schule auswählen.“
An den Haupt- und Realschulen, die zur Schließung vorgeschlagen sind, setzt man noch auf die weiteren Diskussionen,
beurteilt die Lage allerdings dennoch meist pessimistisch. „Wir machen gute pädagogische Arbeit“, sagt Ursula Schmidt-Lamontain, Leiterin der Haupt- und Realschule im Fössefeld. Die sei mit nur noch einer Klasse im Hauptschulzweig allerdings nicht mehr zu halten. Allein im Südwesten von Hannover gebe es je vier Haupt- und vier Realschulen – das sei angesichts der Schülerzahlen unstrittig zu viel. Auch an der Freiherr-vom-Stein-Schule seien die niedrigen Schülerzahlen ein Problem. „Dabei sind wir die einzige Ganztags-Realschule in Hannover“, sagt Schulleiterin Angela Paulus.
An etlichen Gymnasien und vereinzelt an Realschulen wird es nach Vorstellungen der Verwaltung eine oder sogar zwei Klassen pro Jahrgang weniger geben, damit ab 2012 alle Schüler im Hauptgebäude Platz finden. Nur Humboldtschule, Ricarda-Huch-Schule, Goetheschule und Sophienschule sollen ihre Außenstellen behalten, weil diese sehr nahe liegen oder dringend gebraucht werden.
„Die Verwaltung macht es sich sehr einfach. Sie geht nur danach, wo noch Räume frei sind“, sagt Garnet Eichholz vom Stadtelternrat Hannover. Schulen, die gut angewählt werden, weil Eltern Schulprogramm und Inhalte schätzten, sollten nun verkleinert werden. „Damit hemmt man klar die Qualitätsentwicklung an Schulen“, kritisiert Eichholz. Wenn die stadtweite Anzahl der Klassen pro Jahrgang verringert werde, bekämen viele Schüler keinen Platz mehr auf dem Gymnasium ihrer Wahl. Der Stadtelternrat fordert Anbauten, wo das am Haupthaus möglich ist, und ein weiteres Gymnasium.
Die Stadtverwaltung sieht ihre Vorschläge als Diskussionsgrundlage. Sie will mit den Betroffenen bis zum Sommer debattieren. Wenn der Rat Anfang 2008 entscheidet, würden Schulen, bei denen sich die Anzahl der Klassen pro Jahrgang ändert, ab Sommer 2008 weniger oder mehr Kinder aufnehmen...>> Hannover Schulstruktur 2007

Trist: Das Gebäude des Schulzentrums Ahlem soll abgerissen werden. Fender
 

HAZ, 08.03.2007

Leserbrief: Leichtere Ranzen

Zu dem Bericht „Ich wundere mich, was Kinder alles schleppen“ vom 20. Februar:

Wenn es doch so einfach wäre: Wir Eltern bestehen nicht mehr darauf, dass unsere Kinder das komplette Arbeitsmaterial mit nach Hause bringen. Die Kinder lernen, sich besser zu organisieren. Und schon sind die Ranzen nicht mehr zu schwer!
Es ist leicht abzuwiegen und auszurechnen, dass das gar nicht möglich ist: Unser Sohn (40 Kilo) besucht die sechste Klasse des Gymnasiums. Auf seinem Stundenplan stehen pro Tag fünf bis sechs verschiedene Fächer. Wenn er nur einpackt, was er für einen Sechs-Stundentag braucht, hat er mindestens sieben Kilo zu tragen, also fast das Doppelte des empfohlenen Gewichts. Im nächsten Schuljahr wird noch mehr Verpflegung dazukommen, weil dann Nachmittagsunterricht stattfindet, ohne dass ausreichende Verpflegung, geschweige denn eine Mittagspause vorgesehen ist.
Neustadt Andrea Korte...>> Hannover Schulstruktur 2007

 

HAZ, 08.03.2007

Leserbrief: Rad nicht neu erfunden

Zu dem Bericht „IGS-Außenstellen sind problematisch“ vom 27. Februar:

Hannover war die einzige Kommune in der Bundesrepublik, die zwei bis drei Mitarbeiter des Schulamts in den siebziger und achtziger Jahren dafür abstellte, Praktikumsplätze für die beiden letzten Hauptschuljahrgänge in den Betrieben zu organisieren – eine große Hilfe für die Schulen und Lehrkräfte des Fachbereichs Arbeit-Wirtschaft-Technik, den es bekanntlich damals gab. Herr Busemann tut so, als sei er der Vater der Berufsorientierung im Sekundarbereich I. Historische Recherchen würden auch hier ergeben: Nein, das Rad wurde nicht neu erfunden.
Hannover Matthias Stenzel...>> Hannover Schulstruktur 2007

HAZ, 08.03.2007

Leserbrief: Deutscher Schulpreis

Wer oder was hindert eigentlich einen Kultusminister, die Augen aufzumachen und sich zu informieren? Berufsorientierung findet nicht nur in Hauptschulen statt. Alle Gesamtschulen in Hannover, wenige Hauptschulen und ein Gymnasium sind immer wieder als „berufswahlfreundliche Schule“ ausgezeichnet worden. Vielleicht kann sich Herr Busemann auch noch daran erinnern, dass er erst vor Kurzem bei der Preisverleihung in der IGS Franzsches Feld in Braunschweig war. Die IGS hat gemeinsam mit drei anderen Gesamtschulen und einer Grundschule den Deutschen Schulpreis 2006 der Bosch-Stiftung für innovative Schulen bekommen.
Ein Kultusminister sollte es auch als seine Aufgabe empfinden, dem Elternwillen zu entsprechen
und sich dafür einzusetzen, dass Städte und Gemeinden entsprechend den Anmeldezahlen neue Gesamtschulen einrichten dürfen. Unsere Kinder brauchen gute Schulen.
Hannover Hans-Dieter Keil-Süllow
.>> Hannover Schulstruktur 2007