HANNOVER - SCHULSTRUKTUR - 09.+10.03.2007 
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NP + HAZ, 09.+ 10. 03.2007

Schulen wollen nicht schrumpfen

NP, 10.03.2007 Macht OB Weils neuer Vorstoß doch (Gesamt-)Schule? Streitpunkt: Kultusminister Bernd Busemann (CDU) verbietet Neugründungen von Gesamtschulen. ... die logische Konsequenz wäre, dass man auf die Abstimmung der Eltern auch entsprechend reagiert. Das hat zumindest Weil erkannt.

HAZ, 10.03.2007 Philologen kritisieren die Stadt Der Philologenverband Niedersachsen kritisiert den Vorschlag der Stadt, fünf Haupt- und Realschulen sowie neun Außenstellen von Gymnasien zu schließen ...Martinsen betont dagegen, auch weiterhin werde jedes Kind in Hannover, das ans Gymnasium wolle, dort auch einen Platz bekommen

HAZ, 09.03.2007 Schulen wollen nicht schrumpfen In fast allen Klassen an Gymnasien würden in Zukunft voraussichtlich jeweils 31 bis 32 Kinder lernen, wenn der Vorschlag der Verwaltung durchkäme, die Anzahl der Klassen pro Jahrgang stadtweit auf durchschnittlich 61,5 zu senken. ....

NP, 10.03.2007

Macht OB Weils neuer Vorstoß doch (Gesamt-)Schule?

VON NORA LYSK
Der Oberbürgermeister macht Ernst. Vor wenigen Tagen kündigte Stephan Weil an, notfalls mit juristischen Mitteln den Ausbau der Gesamtschulen in Hannover durchzusetzen.
Streitpunkt: Kultusminister Bernd Busemann (CDU) verbietet Neugründungen von Gesamtschulen. Auch der in Hannover geplante Ausbau bereits bestehender Gesamtschulen müsse vor diesem Hintergrund genau geprüft werden, so der Minister zu den Plänen der Stadt. Hinter Zweigstellen, die mehrere Kilometer entfernt von ihrem eigentlichen Standort liegen, vermute er Neugründungen – geschickt durch die Hintertür. Doch genau das plant Weil und positioniert sich gegen die Schulpolitik des Landes.
Wegen sinkender Schülerzahlen sollen die Haupt- und Realschule Fössefeld (Linden), die Kronsbergschule (Bemerode) und die Peter-Ustinov-Hauptschule (Ricklingen) aufgegeben werden
. In das Gebäude Im Fössefeld soll eine Zweigstelle der IGS List einziehen – mehrere Kilometer würden Außenstelle und Hauptstandort trennen.
Auch für die IGS Kronsberg gibt es Pläne: IGS-Schüler sollen im frei werdenden Schulzentrum Bemerode eine neue Heimat finden – schon 2008. Anträge wurden bisher noch nicht formuliert. Weil nennt das Reformprogramm bisher noch „eine Diskussions-grundlage“ und bezieht deutlich Stellung kontra Busemann.
Doch Weil ist damit nicht allein. Seit Jahren verlangen die Eltern ein größeres Angebot an Gesamtschulplätzen – jährlich wird nach der vierten Klasse neu darüber abgestimmt.
Verlierer sind seit Jahren die Hauptschulen. Gewinner sind Gymnasien und Gesamtschulen, die auf Grund von Platzmangel immer mehr Schüler abweisen müssen.
Es ist durchschaubar, dass Politiker an dieser Wahlfreiheit nichts ändern wollen. Doch die logische Konsequenz wäre, dass man auf die Abstimmung der Eltern auch entsprechend reagiert. Das hat zumindest Weil erkannt.

HAZ, 10.03.2007

Philologen kritisieren die Stadt

Kritik an Plänen der Stadt

Von Bärbel Hilbig
Der Philologenverband Niedersachsen kritisiert den Vorschlag der Stadt, fünf Haupt- und Realschulen sowie neun Außenstellen von Gymnasien zu schließen. Damit solle Platz und Geld für neue Integrierte Gesamtschulen freigemacht werden, die als Außenstellen von bestehenden IGS getarnt würden, sagt Geschäftsführer Roland Neßler. Die Stadt hat, wie berichtet, die Schließung des Schulzentrums Bemerode mit Haupt- und Realschule sowie der Haupt- und Realschule im Fössefeld (Limmer) vorgeschlagen. Die Gebäude sollen dann als IGS-Außenstellen dienen.
Petra Martinsen, Leiterin des Fachbereichs Schule, weist die Vorwürfe zurück. „Gerade in Bemerode und Limmer hat ja eine Abstimmung der Eltern mit den Füßen stattgefunden. Obwohl beide Haupt- und Realschulen Ganztagsbetrieb bieten, sind sie nicht angenommen worden.“
Die Außenstellen der meisten Gymnasien sollen ab 2012 aufgegeben werden. „Wir wollen damit die missliche Situation beenden, dass Schüler und Lehrer einer Schule zwischen zwei Gebäuden pendeln müssen.“
Neßler plädiert jetzt dafür, Außenstellen weiter zu halten, wenn sonst Schüler abgelehnt werden müssten.
„Wenn die Außenstelle gut erreichbar ist und die Schule trotzdem ihr Zusammengehörigkeitsgefühl bewahrt, spricht nichts dagegen.“
Der Philologenverband, Interessenvertretung der Gymnasiallehrer, befürwortet außerdem den Vorschlag des Stadtelternrats, ein weiteres Gymnasium einzurichten.
„Man muss diesen Wunsch ernst nehmen und bei einer Ablehnung eine schlüssige Begründung geben, statt das gleich abzutun.“ Wenn die Stadt die Jahrgänge an Gymnasien verkleinere, schränke das die Wahlmöglichkeit der Schüler in der Oberstufe ein. „Das ist ein gezielter Angriff auf die Attraktivität der Schulform Gymnasium“, sagt Neßler.
Martinsen betont dagegen, auch weiterhin werde jedes Kind in Hannover, das ans Gymnasium wolle, dort auch einen Platz bekommen.
„Der Elternwille ist laut Gesetz als Anrecht auf die gewünschte Schulform definiert. Der Wunsch nach einem Platz an einem bestimmten Gymnasium ist damit nicht gemeint.“

HAZ, 09.03.2007

Schulen wollen nicht schrumpfen

Kritik an Plänen der Stadt

In fast allen Klassen an Gymnasien würden in Zukunft voraussichtlich jeweils 31 bis 32 Kinder lernen, wenn der Vorschlag der Verwaltung durchkäme, die Anzahl der Klassen pro Jahrgang stadtweit auf durchschnittlich 61,5 zu senken. „Wir mussten die Vorschläge vor dem Hintergrund erarbeiten, dass das Budget der Stadt beschränkt ist und wir abgängige Gebäude haben“, sagt Petra Martinsen, Leiterin des Fachbereichs Schule. Schüler, die im Umland wohnen, hätten als Konsequenz geringere Chancen, ein Gymnasium in Hannover zu besuchen.
Ziel der Pläne ist es, von 2012 an auf die meisten Außenstellen zu verzichten. Generell beklagen Lehrer und Eltern, dass durch das Pendeln zwischen zwei Gebäuden Zeit für Unterricht und pädagogische Gespräche verloren geh
t. Damit der Platz im Haupthaus ausreicht, sollen einige Schulen auf ein oder sogar zwei Klassen pro Jahrgang verzichten.
Viele Betroffene sind damit nicht einverstanden – und setzen auf die angekündigten Diskussionen.
„Mein Verständnis hält sich in Grenzen, wenn eine gut nachgefragte Schule wie unsere verkleinert werden soll“, sagt Gerd Köhncke, Leiter der Käthe-Kollwitz-Schule. Sein Gymnasium hat jetzt vier bis fünf Klassen pro Jahrgang und soll laut Vorschlag nur noch je drei Klassen aufmachen. „Bevor das passiert, würden wir auch darüber diskutieren, unsere Außenstelle noch zu behalten.“
Viel Wert auf die Außenstelle seines Gymnasiums legt Martin Stupperich, Leiter der Leibnizschule. „Ich habe Sorge, dass uns ohne sie unser Einzugsgebiet wegbricht.“
Die Außenstelle liegt in Bothfeld, wohnortnah für viele Fünft- und Sechstklässler des Lister Gymnasiums. Die Dietrich-Bonhoeffer-Realschule hat jetzt drei bis vier Klassen pro Jahrgang und soll auf zwei Klassen schrumpfen. „Das geht extrem an den Wünschen von Eltern und Schülern vorbei“, sagt Schulleiter Enno Dargatz. Die ungeliebte Außenstelle will er aber auf jeden Fall loswerden – und hofft auf näher liegende Gebäude. bil >> Hannover Schulstruktur 2007