Dokumentation des Stadtelternrates Hannover
HAZ/NP    Stadt-Anzeiger West       Donnerstag, 11. Mai 2000


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WESTLICHE STADTTEILE / Stadtelternrat zum Unterrichtsausfall:
"Verlässliche Grundschulen ziehen in Hannover Stunden ab"

Musik, Religion, Sport - weil es an Lehrern mangelt, unterrichtet manche Grundschule diese Fächer nur noch gelegentlich.  Betroffen sind auch die Schulen in den westlichen Stadtteilen. Während schon im vergangenen Schuljahr immer weniger Unterricht erteilt wurde, befürchtet der Stadtelternrat für das kommende Schuljahr einen noch größeren Stundenausfall.
Einen Grund dafür sieht der Vorsitzende des Stadtelternrates, Hans-Dieter Keil-Süllow, in der zunehmenden Zahl von "Verlässlichen Grundschulen" in Niedersachsen. Diese Grundschule betreut die Kinder täglich fünf Stunden lang. "Um das zu erreichen, werden an anderen Schulen Lehrerstunden abgezogen", sagt Keil-Süllow. Bereits heute sei die Versorgung mit Unterricht in Hannover schlechter als im Umland, weil es dort mehr "Verlässliche Grundschulen" gebe. In Hannover jedoch werde die erste "Verlässliche Grundschule" frühestens zum Schuljahr 2001/2002 eingerichtet.
Auch die zusätzlichen Lehrkräfte, die das Kultusministerium zum nächsten Schuljahr einstellen will, reichen nach den Worten Keil-Süllows nicht aus, um ausreichend Unterrichtsversorgung sicherzustellen. "An jeder zweiten Grundschule wird derzeit der Musikunterricht nicht in voller Stundenzahl erteilt". Sobald ein Lehrer erkranke, müssten viele Grundschüler auch auf den Religios- und den Sportunterricht verzichten.
Die 320 Schüler der Egestorffschue mussten sogar schon ohne Deutsch- und Mathematikunterricht auskommen. Wenn nicht genug Lehrer da seien, werde der Unterrichtsausfall gleichmäßig auf alle Fächer verteilt, sagt Schulleiterin Hannelore Oelkers. Gelegentlich mussten auch Klassen geteilt und die Schüler in anderen Klassen untergebracht werden.
Die Leidtragenden des Unterrichtsausfalls seien die Kinder, kritisiert der Vorsitzende des Stadtelternrates. "Insbesondere schwache Schüler lernen weniger."  Wenn Schüler unregelmäßig unterrichtet werden, leiste das dem Schwänzen Vorschub.
Zu den Spitzenreitern beim Unterrichtsausfall in den westlichen Stadtteilen gehören auch die Grundschulen Kastanienhof (2,2 Prozent Versorgung), Wettbergen (92,6), Mühlenberg (93,1), Tresckowstr (93,3) und Ahlem (93,8).
Eine Schule, die zu 100 Prozent mit Unterricht versorgt ist, gibt es laut Keil-Süllow in Hannover nicht.
Auch weiterführende Schulen sind betroffen. In Hannover gebe es sogar eine Realschule, an der eine Französischlehrerin Englisch erteile, weil die Kollegin fehle. Zusätzliche Feuerwehrlehrkräfte könnten die Situation an den Schulen entschärfen, meint Keil-Süllow. Sie übernehmen den Unterricht immer dann, wenn erkrankte Lehrer nicht von ihren Kollegen erstetzt werden können.                 ren

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