WESTLICHE
STADTTEILE / Stadtelternrat zum Unterrichtsausfall:
"Verlässliche
Grundschulen ziehen in Hannover Stunden ab"
Musik, Religion, Sport - weil es
an Lehrern mangelt, unterrichtet manche Grundschule diese Fächer nur
noch gelegentlich. Betroffen sind auch die Schulen in den westlichen
Stadtteilen. Während schon im vergangenen Schuljahr immer weniger
Unterricht erteilt wurde, befürchtet der Stadtelternrat für das
kommende Schuljahr einen noch größeren Stundenausfall.
Einen Grund dafür sieht der
Vorsitzende des Stadtelternrates, Hans-Dieter Keil-Süllow, in der
zunehmenden Zahl von "Verlässlichen Grundschulen" in Niedersachsen.
Diese Grundschule betreut die Kinder täglich fünf Stunden lang.
"Um das zu erreichen, werden an anderen Schulen Lehrerstunden abgezogen",
sagt Keil-Süllow. Bereits heute sei die Versorgung mit Unterricht
in Hannover schlechter als im Umland, weil es dort mehr "Verlässliche
Grundschulen" gebe. In Hannover jedoch werde die erste "Verlässliche
Grundschule" frühestens zum Schuljahr 2001/2002 eingerichtet.
Auch die zusätzlichen Lehrkräfte,
die das Kultusministerium zum nächsten Schuljahr einstellen will,
reichen nach den Worten Keil-Süllows nicht aus, um ausreichend Unterrichtsversorgung
sicherzustellen. "An jeder zweiten Grundschule wird derzeit der Musikunterricht
nicht in voller Stundenzahl erteilt". Sobald ein Lehrer erkranke, müssten
viele Grundschüler auch auf den Religios- und den Sportunterricht
verzichten.
Die 320 Schüler der Egestorffschue
mussten sogar schon ohne Deutsch- und Mathematikunterricht auskommen. Wenn
nicht genug Lehrer da seien, werde der Unterrichtsausfall gleichmäßig
auf alle Fächer verteilt, sagt Schulleiterin Hannelore Oelkers. Gelegentlich
mussten auch Klassen geteilt und die Schüler in anderen Klassen untergebracht
werden.
Die Leidtragenden des Unterrichtsausfalls
seien die Kinder, kritisiert der Vorsitzende des Stadtelternrates. "Insbesondere
schwache Schüler lernen weniger." Wenn Schüler unregelmäßig
unterrichtet werden, leiste das dem Schwänzen Vorschub.
Zu den Spitzenreitern beim Unterrichtsausfall
in den westlichen Stadtteilen gehören auch die Grundschulen Kastanienhof
(2,2 Prozent Versorgung), Wettbergen (92,6), Mühlenberg (93,1), Tresckowstr
(93,3) und Ahlem (93,8).
Eine Schule, die zu 100 Prozent
mit Unterricht versorgt ist, gibt es laut Keil-Süllow in Hannover
nicht.
Auch weiterführende Schulen
sind betroffen. In Hannover gebe es sogar eine Realschule, an der eine
Französischlehrerin Englisch erteile, weil die Kollegin fehle. Zusätzliche
Feuerwehrlehrkräfte könnten die Situation an den Schulen entschärfen,
meint Keil-Süllow. Sie übernehmen den Unterricht immer dann,
wenn erkrankte Lehrer nicht von ihren Kollegen erstetzt werden können.
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