INKLUSIVE SCHULEN  -  Doku des Stadtelternrates
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Integration an der IGS Hannover-Linden  http://www.schulelternrat.de/integration.htm
 
HAZ, 09.01.2009 Grüne wollen Förderschulen abschaffen - Eltern von behinderten Kindern müssen um Platz in Integrationsklasse betteln . >> Integration behinderter Schüler
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HAZ, 09.01.2009, >> Grüne wollen Förderschulen abschaffen - Eltern von behinderten Kindern müssen um Platz in Integraionsklasse betteln ... „Gemeinsamer Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern muss die Regel, nicht die Ausnahme sein“ ...
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HAZ, 09.01.2009, >> Stichwort Integration: Möglichst viel gemeinsamer Unterricht ... Derzeit besuchen nur 4,7 Prozent der Schüler mit Förderbedarf eine reguläre Schule. Damit ist Niedersachsen bundesweit Schlusslicht..
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HAZ, 30.09.2008, >> Kein Problem: Geistig behindert und Gymnasiast ...In Bad Harzburg lebt eine 7. Klasse mit vier Down-Syndrom-Kindern mit einem Vorzeigemodell vor, was Integration wirklich heißt.
Antrag der Grünen zur Inklusiven Schule (pdf, 37 kb)
Gesetzentwurf der Grünen zur Inklusiven Schule (pdf, 38 kb)
13.02.2010, HAZ Modellprojekte für Integration beantragt
Schulen für alle Kinder

Zwei weiterführende Schulen in Hannover wollen in Kooperation mit Förderschulen die Integration behinderter Kinder weiter vorantreiben. Die Integrierte Gesamtschule Linden und die IGS Stöcken haben beim Kultusministerium unterschiedliche Modellprojekte beantragt, in denen sie behinderte und nicht behinderte Schüler gemeinsam unterrichten wollen. Die IGS Linden beschränkt sich dabei zunächst auf lernbehinderte Kinder, die IGS Stöcken will von Anfang an auch geistig behinderte Schüler einbeziehen.
Beide Schulen wollen sich zu inklusiven Einrichtungen entwickeln, die alle Kinder trotz unterschiedlicher Voraussetzungen aufnehmen.

Die Stadt unterstützt die Vorhaben. „Wir sind sehr froh, dass die ersten Schulen beginnen wollen“, sagt Schuldezernentin Marlis Drevermann. In der gesamten Region gebe es an städtischen und regionseigenen Förderschulen rund 4000 Schüler, die mittelfristig möglichst reguläre Schulen besuchen sollen. Die in Deutschland seit Anfang 2009 geltende UN-Behindertenkonvention fordert ein inklusives Schulsystem, in dem behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam wohnortnah unterrichtet werden.
Niedersachsen bildete im Bildungsbericht der Kultusministerkonferenz 2008 das Schlusslicht mit einer Integrationsquote von 4,7 Prozent. In Bremen lag die Quote bei 45 Prozent.

28.02.2009 „Offen macht anders - Freundschaft macht Schule“
Gemeinsames Leben und Lernen mit beeinträchtigten Kindern u. Jugendlichen

9:00- 9:20 Begrüßung : Herzliches Willkommen von ERIK Goslar, Begrüßung durch den Landrat
9:30-10:15 Einführungsreferat: „Alle sind Verschieden und davon profitieren alle“ Prof. Dr.Jutta Schöler
11:00-12:30 Seminarblock I:
"Warum grenzen Menschen aus - und kann unser Gehirn auch Toleranz und Vielfalt lernen?"
Neurologische Grundlagen menschlicher Gemeinschaft Dr. phil. Benno Baumann
„Schlüsselelemente inklusiver Pädagogik“ Prof. Dr. Andreas Hinz, Ines Boban
15:30-17:00 Seminarblock II:
„Qualitätskriterien für eine funktionierende Integration“ Herr Wilhelm Behrendt; Dr. Inge Krämer-Kilic
„Unterricht im Spannungsfeld zwischen individueller Förderung und verbindlichen Lernstandards“
Ines Boban, Prof. Dr.Jutta Schöler , (Dr. Peter Wachtel MK)
18:30-20:00 Podiumsdiskussion:
„Inklusive Schulen, die Regelschulen der Zukunft! Chancen, Stolpersteine und Ziele“
Moderator: Frank Heine, Prof. Dr.Jutta Schöler und weitere Referenten, Dr. Peter Wachtel(MK), Hubert Hüppe (MdB, CDU), Dörthe Weddige-Degenhard (MdL, SPD), Ina Korter (MdL,Bündes 90/ Die Grünen).
Praktische Beispiele aus dem Landkreis Goslar- Fragerunde mit Akteuren:
10:30 -11:00 Kunterbunte Kindergartengruppe (Beispiel Kindergarten St. Trinitatis )
14:00 -14:45 Integrativer Unterricht in einer Grundschulklasse (Frau Kohl)
17:30 – 18:15 Integration geistig- und lernbehinderter Schüler in der Sek I (Frau Lorenz, Herr Eberts, Herr Bollmann)
13:00-14:00 Integrative Freizeitangebote (Sylvia Dörries)
Beiprogramm: Beratungsangebot für Eltern zu folgenden Themenschwerpunkten (jeweils eine Stunde):
13:30 Ablauf bei der Anmeldung für einen integrativen Krippen-/Kindergartenplatz (LK Goslar Gesundheitsamt, Frau Bode LK Goslar-Familie, Jugend & Soziales )
14:30 Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfes (Integrationsberaterin Frau Niebaum)
15:30 Antragsverfahren für eine integrative Beschulung (Landesschulbehörde- Frau Albers)
16:30 Schulbegleiter/Einzelfallhelfer (LK Goslar-Hilfe f. kranke u. behinderte Menschen, Familien entlastender Dienst-Lebenshilfe Goslar)
17:30 ADHS/Legasthenie/Dyskalkulie (LK Goslar-Beratungsstelle f. Eltern, Kinder u. Jugendliche)
17:00 - 17:30 Vorführung Karate
12:30-14:00 Angebote zum Essen Ganztags Angebot zur Kinderbetreuung
Begleitende Ausstellung:
Integration im LK Goslar : Kindergärten/Schulen/Klassen stellen in Form kleiner Info-Stände ihre Arbeit in der Integration vor. (ev. mit Bildern, Filmen, Dias etc. aus der praktischen Tätigkeit)
FED/Lebenshilfe - Infostand über die Arbeit der Schulbegleiter
ERIK Goslar stellt sich vor
Veranstaltungsort: Kreisgebäude, Klubgartenstr. 6, 38640 Goslar
Kooperationspartner: Kreiselternrat und gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugendlichen im Rahmen des Programms “Vielfalt tut Gut. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“.

 
HAZ, 09.01.2009 Grüne wollen Förderschulen abschaffen - Eltern von behinderten Kindern müssen um Platz in Integrationsklasse betteln

Hannover. Zweieinhalb Jahre hat Birgit Feickert aus Langelsheim für ihre Tochter Amelie einen Platz an einer weiterführenden Schule gesucht. Zusammen mit den Eltern von drei anderen geistig behinderten Kindern hat die Mutter an jeder weiterführenden Schule im Landkreis Goslar angefragt, an Haupt- und Realschulen genauso wie an Gymnasien. „Immer wieder Klinken putzen, immer wieder erklären und betteln“, sagt Feickert.

Diese Betteltour der Eltern soll nach dem Willen der niedersächsischen Grünen ein Ende haben. In einem gestern vorgestellten Gesetzentwurf fordern sie ab 2010 die sukzessive Abschaffung der Förderschulen und die Übernahme von Kindern mit Handicaps an reguläre Schulen. „Gemeinsamer Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern muss die Regel, nicht die Ausnahme sein“, sagte die bildungspolitische Sprecherin Ina Korter. Man habe 20 Jahre vergeblich auf das Prinzip der Freiwilligkeit gesetzt.

Hintergrund der Grünen-Initiative ist die UN-Konvention über die Rechte Behinderter, die Berlin ratifiziert hat und die seit Januar geltendes Recht ist. Die Konvention verlangt, dass behinderte Kinder Regelschulen besuchen.

Schulen können in Niedersachsen die Einrichtung einer Integrationsklasse ablehnen, wenn organisatorische, personelle oder finanzielle Gründe dagegen sprechen. „Dieser Vorbehalt muss raus aus dem Schulgesetz“, findet Korter. Gemeinsamer Unterricht stärke das Selbstbewusstsein und führe zu besseren Lernerfolgen.

Auch Eltern setzen große Hoffnung auf die UN-Konvention: „Es wäre schön, wenn Eltern nicht immer wieder kämpfen müssten“, sagt Frank Hehlgans, Vater einer geistig behinderten Tochter aus Goslar. „Manche geben auf, wenn sie an zwei Schulen abgeblitzt sind.“ Hehlgans und Feickert waren hartnäckiger. Ihre Töchter besuchen seit zwei Jahren das Werner-von-Siemens-Gymnasium in Bad Harzburg - eine Ausnahme.

 
HAZ, 09.01.2009 STICHWORT INTEGRATION: Möglichst viel gemeinsamer Unterricht

Jedes Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf hat in Niedersachsen Anspruch auf Unterstützung. Es kann entweder an einer Förderschule unterrichtet werden oder eine reguläre Schule besuchen. Landesweit gab es 2007 insgesamt 290 sogenannte Integrationsklassen an 153 Schulen. Hier werden Behinderte so weit wie möglich mit nicht behinderten Schülern zusammen unterrichtet.
Je nach Grad der Behinderung gibt es zusätzliche Förderstunden, in denen die Kinder von Sonderpädagogen betreut werden. Zudem gibt es „Integrationshelfer“,
die sich um die Schüler mit Handicap kümmern. Sie sind die gesamte Unterrichtszeit dabei. Die erste Integrationsklasse ist 1986 eingerichtet worden. Derzeit besuchen nur 4,7 Prozent der Schüler mit Förderbedarf eine reguläre Schule. Damit ist Niedersachsen bundesweit Schlusslicht. dö

 
HAZ, 30.09.2008 Kein Problem: Geistig behindert und Gymnasiast
In Bad Harzburg lebt eine 7. Klasse mit vier Down-Syndrom-Kindern mit einem Vorzeigemodell vor, was Integration wirklich heißt.
Sonderpädagogin Gabriele Krusche hat sich einen Rucksack bäuchlings umgebunden und erklärt Andre ganz praktisch, wie ein Akkordeon funktioniert. Derweil lässt Musiklehrer Arne Spohr Marvin seine Querflöte ausprobieren. Mitschülerin Amelie ist mit vier anderen Mädchen ins Gespräch über Bigbands und Streichquartette vertieft. Muntere Szenen wie diese sind Alltag in der Klasse 7a des Werner-von-Siemens-Gymnasiums in Bad Harzburg. Daran, dass der Lärmpegel ein bisschen höher ist als in anderen Klassen, haben sich Schüler und Lehrer längst gewöhnt.

Amelie, Astrid, Marvin und Andre sind geistig behindert – und Gymnasiasten. Damit sind die vier Down-Syndrom-Kinder eine Ausnahmeerscheinung im bundesdeutschen Bildungssystem. Derzeit gibt es nur noch ein Gymnasium in der Nähe von Nürnberg, das in einer Integrationsklasse auch geistig behinderte Kinder unterrichtet. „Vielleicht verkraften Gymnasien das sogar besser als Hauptschulen, denn dort gibt es oft noch ganz andere Probleme“, meint Wilfried Eberts, Konrektor am Werner-von-Siemens-Gymnasium, der die Klasse anfangs als Klassenlehrer betreut hat. „Sicher gab es am Anfang Ängste, man ist für so etwas eigentlich gar nicht ausgebildet“, erinnert sich der Pädagoge.

20 Stunden in der Woche kommen zusätzlich im Wechsel zwei Förderschullehrerinnen in die Klasse, die Amelie, Astrid, Marvin und Andre in einigen Fächern auch in einem angrenzenden kleinen Raum extra betreuen. Andere Stunden wie Sport, Musik, Religion und Biologie werden im Klassenverbund unterrichtet. Die beiden Integrationshelfer Christian Sund und Sünja Glatthor sind während des gesamten Unterrichts anwesend, und sie sind nicht nur für die vier Behinderten vertraute Ansprechpartner, sondern auch für die anderen Kinder.

Die 7a ist im Lehrplan genauso weit wie ihre Parallelklassen. Der Druck durch das Turboabitur ist auch hier spürbar, aber auch die Rücksicht, die die 27 Schüler aufeinander nehmen. Natürlich gebe es eine Lernschere zwischen den behinderten und nicht behinderten Kindern, die mit dem zunehmend komplizierteren Stoff auch immer größer werde, sagt die neue Klassenlehrerin Ina Samel. „Es gibt Grenzen, die muss man sehen“, meint auch ihr Vorgänger Eberts. Nach zwei Jahren als Klassenlehrer fällt seine Bilanz nur positiv aus: „Der gemeinsame Unterricht bringt allen Vorteile, die soziale Integration läuft ganz toll.“

Die behinderten Mitschüler sind längst Freunde geworden, mit denen man Geburtstag feiert oder ins Kino geht. Und die man vermisst, wenn sie nicht da sind. „Astrid fehlt“, sagt ein Mädchen und zieht bedauernd die Schultern hoch. „Sie merkt immer gleich, dass man traurig ist und umarmt einen, ohne dass man was sagen muss.“

Die zwölfjährige Astrid muss sich nach einer Operation zu Hause in Goslar auskurieren. Für ihren Vater Frank Hehlgans war es von Anfang an selbstverständlich, dass seine Tochter, die eine nicht behinderte Zwillingsschwester hat, so normal wie möglich aufwächst. Von „Schonräumen für Behinderte“ hält er nicht viel: „Das bedeutet auch immer Isolierung.“ Astrid soll sich selbstständig zurechtfinden können in der normalen Welt.

An dumme Sprüche wie die Frage, ob denn seine Tochter auch Abitur machen soll, hat sich Frank Hehlgans gewöhnt – und begegnet ihnen mit einem Achselzucken. „Astrid kann nicht lesen und schreiben.“

Egal was sie können und was nicht, in der Klasse 7a sind die vier behinderten Kinder längst angekommen. Astrid genauso wie Andre, der gar nicht mehr so schweigsam ist wie am Anfang, Marvin mit seinem herzöffnenden Lächeln und Amelie, die sich oft meldet und in der Pause mit ihren Freundinnen kichernd tuschelt. Von Berührungsängsten keine Spur. „Wir können uns gar nicht vorstellen, dass die vier irgendwann nicht mehr in unsere Klasse gehen, die gehören doch dazu“, sagt eine Mitschülerin.

von Saskia Döhner

 
>> PRESSESPIEGEL Feb 2008 In Integrationsklassen fehlen die Lehrer
.
HAZ, 07.02.2008, Integration: In Integrationsklassen fehlen die Lehrer
HAZ, 07.02.2008, Integration: Langer Weg durch die Gerichte
HAZ, 07.02.2008, Integration: Kommentar: "Bitte ehrlich"
>> Integration
 
HAZ, 07.02.2008 In Integrationsklassen fehlen die Lehrer

Von Saskia Döhner
Hannover/Göttingen. Ein ehrgeiziges kooperatives Lernprojekt steht in Göttingen auf der Kippe: Für fünf Fünftklässler der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule in Göttingen-Geismar könnte das Experiment Integrationsklasse nach nur einem Schuljahr in diesem Sommer schon wieder vorbei sein. Die behinderten Kinder müssten dann zu einer reinen Förderschule wechseln. "Wir werden unsere Integrationsklasse im fünften Jahrgang wahrscheinlich schließen müssen", sagt Wolfgang Vogelsaenger, der Leiter der Integrierten Gesamtschule. Einen entsprechenden Beschluss der Gesamtkonferenz und des Schulvorstandes gibt es bereits.
"Uns fehlen einfach die Lehrer, aber auch die pädagogischen Kräfte", sagt Vogelsaenger, "wir können die lern- und geistig behinderten Kinder nicht angemessen fördern."
Die ersten Integrationsklassen an der Lichtenberg-Schule seien noch von jeweils zwei Lehrern betreut worden. Doch die Zeit der Doppelbesetzung ist längst vorbei. Heute ist genau festgelegt, wie viele Zusatzstunden invidueller Förderung durch einen Sonderschullehrer einem behinderten Schüler zustehen. Für Lernbehinderte sind es drei, für geistig Behinderte fünf Stunden in der Woche.
"Bei einem Ganztagsbetrieb mit 36 bis 38 Stunden in der Woche reicht das hinten und vorn nicht",
klagt Sigrid Windhorst, stellvertretende Leiterin der Geschwister-Scholl-Schule in Göttingen. Auch die Kooperative Gesamtschule fürchtet um die Zukunft ihrer Integrationsklassen. Ob beim Mittagessen, beim Sport, beim Weg zur Toilette und im Werkunterricht - behinderte Kinder brauchen zusätzliche Hilfe. Um sie angemessen betreuen zu können, werden diese nach Windhorsts Angaben jetzt zwölf Stunden in der Woche aus den Integrationsklassen herausgenommen und von einem Sonderschullehrer unterrichtet. Mit der Idee des integrativen Lernens hat diese Aufteilung wenig zu tun.
Beim Kultusministerium in Hannover stößt der Sonderunterricht denn auch auf massive Kritik.
"Man kann nicht Kinder instrumentalisieren, um von der Landesregierung mehr Unterricht zu erzwingen", sagt Georg Weßling, Sprecher von Minister Bernd Busemann (CDU).
In der KGS, die von Marion Jüttner-Hötker, der Frau des SPD-Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Jüttner, geleitet wird, weist man diesen Vorwurf vehement zurück
. "Wir können doch gar nicht anders", sagt die stellvertretende Leiterin Windhorst. Zunächst habe man die Kinder einer Klasse stundenweise, später freitags nach Hause geschickt, weil Lehrer fehlten. Doch von der Landesschulbehörde kam die Anweisung, dass alle Schüler grundsätzlich jeden Wochentag in die Schule gehen müssten. Da bleibe nur der Weg des Sonderunterrichts.
Das Problem: Nicht nur Förderschullehrer fehlen, sondern auch pädagogische Kräfte wie Erzieher.
Bislang sind sie eingesprungen, wenn die Förderlehrerstunden ausgeschöpft waren. Doch einen Rechtsanspruch darauf gibt es nicht. "Den wird es auch nie geben", sagt Ministeriumssprecher Weßling.
Besonders dramatisch sei die Lage in Integrationsklassen mit geistig behinderten Kindern, sagt IGS-Leiter Vogelsaenger.
"Wie soll eine Lehrkraft allein mit 24 Kindern Sport machen und gleichzeitig einem Schüler beim Umziehen helfen?" Im Kultusministerium versteht man die Klagen aus Göttingen nicht: "Die beiden Schulen haben im Vergleich der landesweit 246 Integrationsklassen eine Ausstattung de luxe."
Auch andere niedersächsische Schulen klagen über einen Mangel an Förderlehrerstunden.
Die IGS Franzsches Feld in Braunschweig hat in diesem Schuljahr im fünften Jahrgang keine Integrationsklasse angeboten, weil sie keine Doppelbesetzung gewährleisten konnte.

 
HAZ, 07.02.2008 Langer Weg durch die Gerichte

Hannover (jö). In der Geschichte der Integration von behinderten Kindern stand Göttingen schon einmal im Mittelpunkt: Ruth Sancken, ein 13-jähriges Mädchen aus Bovenden, fand im Jahr 1997 bundesweit viel Beachtung. Die behinderte Schülerin klagte durch alle Instanzen, weil sie nach der Grundschule nicht in eine Sonderschule geschickt werden wollte. Die Integrierte Gesamtschule in Göttingen-Geismar hatte das Mädchen im Rollstuhl abgelehnt, die Behörden stellten "sonderpädagogischen Förderbedarf" fest. Der Fall ging bis vor das Bundesverfassungsgericht. Die Richter gaben Ruth in einer einstweiligen Verfügung zunächst Recht. Ein halbes Jahr später korrigierte sich Karlsruhe in seiner Entscheidung: Es müssten auch die Voraussetzungen für eine Integration in den Schulen gegeben sein. Für Ruth war inzwischen eine Lösung in einer anderen Schule als der IGS gefunden worden - für viele Eltern war ihre Geschichte das Aufbruchsignal, für Integration zu kämpfen.

 
HAZ, 07.02.2008 Kommentar: Bitte ehrlich

Behinderte Kinder sollen gemeinsamen mit nichtbehinderten Kindern in einer Klasse sitzen, beide sollten voneinander lernen - es klingt so schön, dass es schon gar nicht mehr in unsere Zeit passen mag. Und tatsächlich: Nach Pisa und immer neuen Leistungsanforderungen ist es still geworden um die Integration von behinderten Kindern in herkömmlichen Schulen. Weil in manchem Fall auch persönliche Enttäuschungen hinzukamen, verschwand das Thema stillschweigend von der Tagesordnung. Schulen scheuen den Aufwand selbst dann, wenn sie die Integration im Namen tragen. Und die Schulbehörden stehlen sich wegen der Kosten aus der Verantwortung. Versprechen und Wirklichkeit passen schon lange nicht mehr zusammen. Es ist an der Zeit, eine Bestandsaufnahme der bisherigen Integrationsbemühungen zu machen - und Eltern von behinderten Kindern dann ehrlich zu sagen, was möglich und vor allem was gewollt ist. Jörg Kallmeyer

Behinderte Kinder verschiedener Jahrgangsstufen werden von Förderschullehrer Holger Theiß an der KGS Göttingen in einer Extraklasse unterrichtet. Hinzmann
 
Goslarsche Zeitung, 18.01.2007
„Flaggschiff Werner-von-Siemens-Gymnasium“

Marsch durch Köpfe und Instanzen - Integration: Veranstaltung mit Prof. Schöler im Bürgerhaus Seesen


Von Heinz-Georg Breuer

Wenn Forschung und Lehre auf die Ministerialbürokratie treffen, geht das selten gut. Am Dienstag aber war die Konstellation Garant für eine muntere Info-Veranstaltung zur schulischen Integration behinderter und nicht behinderter Kinder im Bürgerhaus Seesen. Auf Einladung des Elternvereins ERIK (Eltern für ein regionales Integrationskonzept) Goslar sprachen Prof. Dr. Jutta Schöler von der TU Berlin und Dr. Peter Wachtel, seit acht Jahren im niedersächsischen Kultusministerium zuständiger Referent für den Bereich „sonderpädagogische Förderung“.

„Traum seit 25 Jahren“

Vor rund 150 Besuchern im vollen Bürgersaal konnte zunächst die Wissenschaftlerin ihr Glück kaum fassen, das sie in Bad Harzburg erlebt hatte. Am dortigen Werner-von-Siemens-Gymnasium besuchen seit Beginn dieses Schuljahres auch vier behinderte Kinder eine 5. Klasse. Schöler sagte: „Integration am Gymnasium, das ist mein Traum seit 25 Jahren, es ist die Fortsetzung meiner beruflichen Tätigkeit im ersten Jahr der Pensionierung.“ Die 66-Jährige bezeichnete das WvS-Gymnasium als „bundesweites Flaggschiff“ und ließ keinen Zweifel an der Richtigkeit der Maßnahme: „Bei weiterführenden Schulen gehören Behinderte ans Gymnasium, wegen des sozial stabilen Umfelds von ,normalen’ Schülern.“ Charmant, aber deutlich weniger euphorisch präsentierte sich Referent Wachtel. Er skizzierte die sonderpädagogischen Möglichkeiten in Niedersachsen (siehe unten) und sprach sich dafür aus, Pluralität zuzulassen. Die Konzepte müssten qualitativ weiterentwickelt werden, und das möglichst wohnortnah. Keinesfalls dürfe man etwas von oben herab programmatisch durchsetzen. Und: „Sonderschulen werden deshalb nicht überflüsssig.“ Das missfiel der streitbaren Professorin sichtlich, die von Beispielen in Berlin und Basel berichtete, wo aus Sonderschulen Integrationschulen wurden. Deutschland sei „Entwicklungsland“, einen Rechtsanspruch auf Integration gebe es nicht. Wohl aber die umgekehrte Richtung, basierend auf dem Reichsschulpflichtgesetz von 1938, dessen Bestimmungen die (Alt-)Bundesländer übernahmen.

Instanz Eltern

Einig waren sich Schöler und Wachtel („Evolution statt Revolution“), dass es Zeit braucht, die Entwicklung voranzubringen, in den Köpfen der Menschen wie auch in den Schaltstellen der Instanzen. Die Wissenschaftlerin forderte Druck auf die Politik, das Schulsystem insgesamt besser auszustatten, denn: „Deutsche Lehrer werden für miserable Arbeitsbedingungen relativ hoch bestochen.“ Kostengründe führte Schöler auch an, um ein dauerndes Nebeneinander der – etwa gleich teuren – Sonderschulen und Integrationsmodelle abzulehnen. Und dann: „Solange es beide Systeme gibt, sind die *Eltern die einzige Instanz, die über die ,Miseren‘ entscheiden darf.“ Das löste tosenden Beifall aus , den aber Wachtel nicht mehr hörte, der sich aufgemacht hatte, um seinen Zug nach Osnabrück zu erreichen.

 

Der Schulelternrat des Werner-von-Siemens-Gymnasiums (WvSG) hat im Sommer 2006 (damals war Wolfgang Kuert Vorsitzender des Schulelternrates) in einer Schulelternratssitzung lange und sehr offen mit zwei Elternteilen der behinderten Kinder in einer Schulelternratssitzung diskutiert. Wolfgang Kuert berichtet in einer Mail: "Ich hatte mich damals zu Beginn der Sitzung bei den Eltern der behinderten Kinder bedankt, dass sie das WvSG als künftige Schule ihrer Kinder ausgesucht haben und damit der Schulleitung, den Lehrkräften, den Eltern und Schülerinnen und Schülern die soziale Kompetenz zutrauten, ihre Kinder am WvSG integrativ beschulen zu lassen. In der erforderlichen Abstimmung sprach sich der Schulelternrat mit 82 % dafür aus, eine Integrationsklasse einzurichten."
 
Goslarsche Zeitung, 18.01.2007
Seit 1993 im Schulgesetz Regelintegration ist in Niedersachsen kein Selbstläufer, sondern bedarf eines Antrags

Unter der SPD-Alleinregierung von Gerhard Schröder wurde die Regelintegration 1993 in das Niedersächsische Schulgesetz aufgenommen (§ 4). Sie lief zunächst unter dem Schlagwort „Lernen unter einem Dach“ und hatte zum Ziel, möglichst umfassend nicht behinderte und behinderte Kinder – diese haben einen sonderpädagogischen Förderbedarf – gemeinsam zu unterrichten. Die CDU/FDP-Landesregierung hat 2006 einen Grundsatzerlass herausgebracht. Zur Umsetzung des Gesetzes richtete man eine Rahmenplanung ein, deren Kernstück die regionalen Integrationskonzepte sind. Hintergrund: Da die Bedingungen und der Bedarf von Region zu Region unterschiedlich sind, sollen Schulträger, Lehrkräfte, Schulleitungen und -behörden vor Ort in enger Kooperation die passenden Konzepte erarbeiten. Es gibt eine ganze Palette von Möglichkeiten: A Förderschulen (frühere Sonderschulen) A Integrationsklassen A Kooperationsklassen A Mobile Dienste A Sonderpädagogische Grundversorgung. A Als ältere Förderformen kennt Niedersachsen noch die Sprachheilklassen und die Tagesbildungsstätten (mit freien Trägern). Das größte Interesse seitens der Elternschaft gilt den Integrationsklassen, die im Landkreis Goslar mittlerweile an fünf Grundschulen und am Bad Harzburger Werner-von-Siemens-Gymnasium eingerichtet sind. Auch wenn der Name „Regelintegration“ es nahe legt – einen Rechtsanspruch und einen Automatismus gibt es nicht. Integrationsklassen können eingerichtet werden aufgrund eines Antrags von Schule, Schulträger oder Schulelternrat. Einzelne Eltern haben kein Antragsrecht.hgb

 
NP, 08.05.2005 Jordan will weniger Förderschulen


Von Nora Lysk

NNOVER. Kinder mit Sprach- und Lernschwierigkeiten sollen in der Region künftig nicht nur in Förderschulen unterrichtet werden. Sozialdezernent Erwin Jordan begründet diese Entscheidung mit einer „Überversorgung an Förderschulen“. Und er verweist auf das Schulgesetz, nach dem jeder Schüler vor Ort unterrichtet werden sollen – auch solche mit Auffälligkeiten.
„Sonderpädagogische Förderung ist nicht nur eine Angelegenheit einiger Spezialisten, sondern eine Aufgabe der Lehrkräfte aller Schulen“, sagte Jordan in der Sitzung des Schulausschusses der Region.
Jedes Jahr empfehlen Grundschullehrer Schülern mit Verhaltensauffälligkeiten, Sprach- oder Lernproblemen den Besuch einer Förderschule. Und das werden immer mehr. Noch vor vier Jahren mussten die Lehrer der Förderschule auf der Bult 70 dieser Empfehlungen prüfen. Dieses Jahr sind es mehr als 200. Doch die Schule kann nicht mehr als 60 Kinder im Jahr aufnehmen, die anderen bleiben in den Grundschulen. Für sie schwebt Jordan die Ausweitung des Mobilen Dienstes von Sozialpädagogen vor, die den Schülern vor Ort helfen sollen.
Denn weitaus wichtiger, als immer mehr Förderschulplätze zu schaffen, sei die Integration dieser Kinder in den normalen Schulalltag, sagt Jordan. Mit Hilfe von Sozialpädagogen sollen Schüler mit Lern- oder Sprachschwierigkeiten in den allgemein bildenden Schulen gefördert werden. An dieser Stelle sei das Land aufgefordert, die personellen Kapazitäten bereitzustellen. „Das Kultusministerium hat bereits signalisiert, dass es unsere Pläne unterstützt“, sagt Jordan.
Derzeit beraten die Fraktionen über das neue Förderschulkonzept. Zur Abstimmung kommt es am 11. Mai. Jordan hofft, dass auch die Städte und Gemeinden kooperieren werden

 
HAZ,18.12.2004 Basteln statt lernen – Eltern sind sauer

Kürzungen in Vollen Halbtagsschulen und bei der Integration


Immer mehr Unterricht an Vollen Halbtagsschulen fällt aus / Kürzungen an Integrationsschulen geplant        Stadtelternrat und Regionselternrat sind verärgert: Stundenkürzungen in Grundschulen haben zu massivem Unterrichtsausfall und dem Wegfall von Förderangeboten geführt. Seit bei den Vollen Halbtagsschulen die Vertretungsreserve gestrichen wurde, werden dort meist Klassen zusammengelegt, wenn Lehrer krank werden. Ursprünglich waren die Vollen Halbtagsschulen besser mit Lehrerstunden versorgt als andere Grundschulen. „Das war sinnvoll, weil viele dieser Schulen in sozialen Brennpunkten liegen“, sagte eine Mutter bei einem Treffen von Elternvertretern am Donnerstagabend.           Zweiter Kritikpunkt der Eltern: Auch in Schulen, die Sonderschüler für Lernhilfe integrieren, sollen zum Schulhalbjahr Lehrer abgezogen werden. In den sieben Schulen, die zum „Regionalen Integrationskonzept Hannover-Nordwest“ gehören, fallen dann 80 Stunden weg. „Bisher können diese Grundschulen sozial benachteiligte Kinder frühzeitig fördern und halten ihnen damit Bildungschancen offen“, sagt Richard Lochte vom Stadtelternrat. Genau das finde laut Pisa-Studie in Deutschland bisher viel zu wenig statt.             „So viel Unterrichtsausfall wie in diesem Herbst haben wir noch nie erlebt. Die vierten Klassen wurden tageweise nach Hause geschickt“, sagt ein Vater, dessen Schule von den Kürzungen doppelt betroffen ist. Die Schulleitung versuche alles, was möglich ist. „Aber wenn drei Lehrer krank werden, lässt sich das nicht mehr ausgleichen.“ In einer Vollen Halbtagsschule waren kurzfristig fünf von 15 Lehrern erkrankt und zwei weitere bei einer Pflichtfortbildung.                 Eltern aus anderen Schulen berichten, dass es durch die Klassenzusammenlegungen zu tief greifenden Konflikten unter den Schülern kommt. „Die Lehrer können das in Klassen mit 40 Kindern nicht mehr auffangen. Einzelne Eltern beschuldigen jetzt öffentlich die Schule.“ Eine andere Mutter beklagt, dass die Viertklässler seit vier Wochen nur noch basteln statt auf die weiterführenden Schulen vorbereitet zu werden. Manche Schulen setzen Eltern als Aufsicht ein. „Ich stehe hinter dem Ehrenamt. Aber wenn ich Kinder fördern will, brauche ich eine qualifizierte Ausbildung“, sagt Garnet Eichholz vom Stadtelternrat.
Die Eltern von 24 der 27 Vollen Halbtagsschulen in der Region haben nahezu geschlossen einen Protestbrief an das Kultusministerium geschickt. Ein zweiter Brief wendet sich gegen die Kürzungen an den Integrationsschulen. bil >> Volle Halbtagsschulen
>> Integration

 
Stadtelternrat, 16.12.2004 Stellungnahme zu Kürzungen beim "Regionalen Integrationskonzept"


Stellungnahme Volle Regionales IntegrationskonzeptIIm Original:

Stellungnahme zu
Kürzungen der Stundenzuweisung im "Regionalen Integrationskonzept Hannover Nordwest"
(16.12.2004, PDF 30 KB)
Stellungnahme der Schulelternräte von 24 Vollen Halbtagsschulen, des Arbeitskreises Grundschulen im Stadtelternrat Hannover und des Arbeitskreises Grundschulen im Regionselternrat Hannover.

Dazu gibt es eine Powerpoint-Darstellung als pdf  umgewandelt.
Größe: 1,4 MB !!!

l >> Volle Halbtagsschulen >> Integration

 
NP, 18.12.2004 Offener Brief an Busemann gegen Kürzungen an Vollen Halbtagsschulen und am Regionalen Integrationskonzept Nordwest

Offener Brief an Busemann   HANNOVER. Protest-Post für Bernd Busemann (CDU): Niedersachsens Kultusminister erhält in diesen Tagen zwei offene Briefe von verärgerten Eltern. Es geht um die Kürzungen der Lehrerstunden an den Vollen Halbtagsschulen (VHTS) und bei dem so genannten „Regionalen Integrationskonzept Hannover-Nordwest“.         Die Kritik kommt von der breiten Basis: Die Schulelternräte von 24 Vollen Halbtagsschulen in Stadt und Region, der Stadtelternrat und der Regionselternrat wollen gegen die Sparmaßnahmen an den Vollen Halbtagsschulen vorgehen.          Die Kürzungen seien so massiv, dass die Schulen „ihrem pädagogischen Auftrag nicht mehr gerecht werden könnten“, heißt es in dem Brief. Die Folgen: Unterrichtsausfall, Klassen werden aufgeteilt oder zusammengelegt, AGs und Klassenfahrten fallen aus.      Hintergrund: Das Konzept der VHTS sieht eine bessere Lehrerversorgung und mehr Förderunterricht vor. In der Unterrichtszeit (bis mittags) kümmern sich nur ausgebildete Pädagogen um die Kinder. Durch die Stundenkürzung fürchten die Eltern, dass dieses Schulmodell demontiert werden soll. Auch die Sparmaßnahmen bei dem so genannten „Regionalen Integrationskonzept Hannover-Nordwest“ stößt auf heftige Kritik. Dieses Modell unterstützt und begleitet besonders benachteiligte Schüler in sozialen Brennpunkten. Das verhindere in vielen Fällen eine Überweisung in Förderschulen, so Richard Lochte vom Stadtelternrat. „Außerdem sinkt damit das Bildungsniveau weiter, und auf lange Sicht steigt die Jugendkriminalität. Dagegen wollen wir uns wehren.“ Die Eltern hoffen nun auf eine Antwort von Busemann. KaSch

 
StadtAnzeiger West . 30.12.2002 IGS Linden / Lehrer sollen bleiben

Die Integrierte Gesamtschule sorgt sich um ihr Integrationsmodell – etliche Pädagogen sind nur abgeordnet.   ...  Bislang sind diese Lehrer offiziell an verschiedenen Sonderschulen beschäftigt  und lediglich zum Dienst an der Gesamtschule „abgeordnet“. ... Derzeit besuchen die IGS 40 Kinder, die eine Körperbehinderung aufweisen  oder besondere Schwierigkeiten beim Lernen, im Sozialverhalten oder beim  Spracherwerb haben. Dank der besonderen Betreuung – das zeigt ein Blick in die Statistik – schaffen die meisten von ihnen wenigstens den Hauptschulabschluss >> mehr / >>Integration /  >>Schulen im Westen Hannovers

 
HAZ, 24.11.2002 Behindert ? Die sind doch völlig normal

Sie basteln gemeinsam, sie lernen gemeinsam – und  voneinander: Die Wilhelm-Schade-Schule schickt ihre geistig behinderten Schüler in mehrere Grundschulen der Stadt. Das Konzept zur Integration geht auf. ...   „Es kommt immer auf die einzelnen Kinder an, ob sie Kontakt zueinander aufnehmen“, sagt Sonderschullehrerin Helga Graff.  ...   Aber die insgesamt sechs Sonderschüler haben in der Grundschule auch noch einen eigenen Klassenraum für sich. ...    An diesem Tag wird auch in der 2a an Weihnachtsdekoration gebastelt. ...    Auch Sonderschullehrer Hans-Dieter Krull sieht in dem Modell nur Vorteile. Für die geistig behinderten Kinder bringe der Umgang mit den anderen Schülern sehr viele sprachliche Anregungen.   mehr ...

StadtAnzeiger West . 30.12.2002 IGS Linden / Lehrer sollen bleiben

Die Integrierte Gesamtschule sorgt sich um ihr Integrationsmodell – etliche Pädagogen sind nur abgeordnet.       Die Integrierte Gesamtschule Linden (IGS) will ihre sonderpädagogische Förderung langfristig sichern. Um einer möglichen Personalnot vorzubeugen,  möchte die IGS bei den niedersächsischen Schulbehörden erreichen, dass die sechs eingesetzten Sonderpädagogen eine feste Stelle in Linden bekommen.      Bislang sind diese Lehrer offiziell an verschiedenen Sonderschulen beschäftigt  und lediglich zum Dienst an der Gesamtschule „abgeordnet“. Ziel sei es, den  „status quo“ zu halten, sagt Erich Schuler, Rektor an der IGS. Rückendeckung  bekommt die Gesamtschule auch vom Bezirksrat Linden-Limmer: Das Stadtteilgremium hat in seiner vergangenen Sitzung beantragt, dass sich die Stadt für die gewünschte Stellenzuweisung stark macht. 
    Bei der bestehenden Konstellation wäre es prinzipiell möglich, dass die  zuständige Bezirksregierung die Lehrer nach Ablauf eines Schuljahres  zurückbeordert. Das könnte das Aus für das Integrationsmodell der IGS  bedeuten: Seit sechs Jahren werden Kinder mit besonderem Förderbedarf dort  gemeinsam mit den übrigen Schülern unterrichtet. Dafür stehen der Schule zusätzlich pro Jahrgang und Woche 25,5 Förderstunden zur Verfügung, die von Sonderschullehrern abgedeckt werden. 

    Derzeit besuchen die IGS 40 Kinder, die eine Körperbehinderung aufweisen  oder besondere Schwierigkeiten beim Lernen, im Sozialverhalten oder beim  Spracherwerb haben. Dank der besonderen Betreuung – das zeigt ein Blick in die Statistik – schaffen die meisten von ihnen wenigstens den Hauptschulabschluss.     jre    Veröffentlicht 30.12.2002 15:44 UHR

 
HAZ, 24.11.2002 Behindert ? Die sind doch völlig normal

DEs stört sich niemand aneinander": Der behinderte Arkadius hat seinen Grundschulelehrer Karl Azocar um Hilfe gebeten. Ufuk (links) wartet so lange ab, und Seda (rechts) ist mit ihrer eigenen Basteilei beschäftigt.
Sie basteln gemeinsam, sie lernen gemeinsam –und  voneinander: Die Wilhelm-Schade-Schule schickt ihre geistig behinderten Schüler in mehrere Grundschulen der Stadt. Das Konzept zur Integration geht auf. Ein Schulbesuch.  Seda ist stolz auf sich. „Ich habe Arkadius gezeigt, wie es geht.“ Der blasse Junge stanzt nun konzentriert einen Tannenbaum aus der grünen Pappe aus, während die siebenjährige Seda weiter an ihrem Pergamentbild arbeitet. Sie weiß, dass Arkadius mehr Hilfe als andere braucht, sie kennt ihn seit dem ersten    Schuljahr. Der Achtjährige und zwei weitere geistig behinderte Kinder, Darwin und Charlotte, nehmen täglich für mindestens zwei Stunden am Unterricht in der Klasse 2b der Grundschule Am Stöckener Bach teil. Drei weitere geistig behinderte Kinder besuchen die Klasse 2a.   Der neunjährige Turan hat zu seinem Mitschüler Arkadius allerdings ein zwiespältiges Verhältnis, denn der behinderte Junge kann auch ein richtiger Rabauke sein. „Manchmal ärgert er mich.“ Mit Darwin sei das ganz anders. „Das ist mein Freund. Der ärgert mich nicht“, stellt Turan fest – und beide strahlen. Mitschüler Ufuk sieht das Miteinander mit den behinderten Kindern einfacher. „Sie sind meistens nett. Manchmal leihen sie mir was aus, oder wir spielen zusammen Fußball.“ 
   „Es kommt immer auf die einzelnen Kinder an, ob sie Kontakt zueinander aufnehmen“, sagt Sonderschullehrerin Helga Graff. Meist laufe das „einfach so“.  In etlichen Fächern wie Sport, Musik, Kunst, Sachunterricht und bisher auch noch Mathe und Deutsch haben die Grundschüler und die Sonderschüler gemeinsamen Unterricht. „Im ersten Schuljahr konnten wir zusammen die Buchstaben lernen. Jetzt geht die Entwicklung der Kinder schon auseinander“, sagt Graff. Ihre eigenen Schüler seien noch mit einzelnen Worten und Silben beschäftigt, die Zweitklässler lesen bereits Geschichten. Das ist möglich, weil sich beim gemeinsamen Unterricht zwei Lehrer um die Kinder kümmern „Es stört sich niemand aneinander“, sagt der Klassenlehrer der 2b, Karl Azocar. In Mathe helfen die Grundschüler den behinderten Kindern, beim Basteln gebe es in beiden Gruppen Geschickte und Ungeschickte. 
   Aber die insgesamt sechs Sonderschüler haben in der Grundschule auch noch einen eigenen Klassenraum für sich. Dort richten Helga Graff und ihr Kollege Hans-Dieter Krull den Unterricht auf die Bedürfnisse ihrer Schüler aus. Die Inhalte aus den gemeinsamen Stunden mit den Grundschülern werden vorbereitet oder noch einmal geübt. Es gibt eine Küchenzeile, so dass Lehrer und Schüler ein gemeinsames Frühstück und Mittagessen vorbereiten können.  Dieses „lebenspraktische Lernen“ ist Standard in Sonderschulen – und die Klasse und ihre Lehrer gehören auch tatsächlich zur WIlhelm-Schade-Schule für geistig Behinderte, in der Grundschule sind sie zu Gast. Nach der vierten Klasse  wechseln die Kinder in das Gebäude der Sonderschule.
   An diesem Tag wird auch in der 2a an Weihnachtsdekoration gebastelt.  Klassenlehrerin Anne Höcker hat den Grundschülern morgens erzählt, dass  heute Journalisten zu Besuch kommen, die über die behinderten Kinder berichten wollen. „Die Schüler haben mich gefragt, wen ich denn meine. Sieempfinden ihre behinderten Mitschüler als normal“, sagt Höcker. Und damit sei ein wichtiges Ziel erreicht. In ihrer Klasse gebe es sehr viele Kinder zu  integrieren – die Schüler unterscheidet ihr kultureller Hintergrund, ihr Verhalten oder auch ihr Leistungsstand. „Es ist deshalb sehr angenehm, dass sich der Sonderschulkollege beim gemeinsamen Unterricht auch um unsere schwierigen Kinder kümmert.“
   Auch Sonderschullehrer Hans-Dieter Krull sieht in dem Modell nur Vorteile. Für die geistig behinderten Kinder bringe der Umgang mit den anderen Schülern sehr viele sprachliche Anregungen. „Und gerade die schwachen Grundschüler erleben, dass es immer auch andere gibt, denen sie helfen können.“ Krull zeigt Severin gerade, wie er Goldsterne für einen Adventskranz ausschneiden kann. Seyma, die heute neben Severin sitzt, guckt neugierig zu. Aber als die Siebenjährige Severin zeigen soll, wie es weitergeht, ziert sie sich. Krull nimmt das gelassen hin. „Sie mag gar keine Jungs, egal ob behindert oder nicht.“  Einen Bonus für Behinderte gibt es nicht. Auch das gehört zur Normalität dazu.   Bärbel Hilbig   Veröffentlicht 24.11.2002 17:59 UHR