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Fernes
Land rückt ganz nah So ganz genau kann sich Hanne an die Eröffnungsrede
nicht mehr erinnern. ·Es war schrecklich aufregend·,
erzählt die 18-jährige Schülerin des Kurt-Schwitters-Gymnasiums,
die ihre Ansprache in Den Haag als Ambassador·, also Botschafterin,
halten musste. Gemeinsam mit 3500 Mitschülern aus mehr als 90
Nationen war die Misburgerin in die holländische Metropole gereist,
um im dortigen Kongresszentrum in die Rolle von Diplomaten aus der ganzen
Welt zu schlüpfen. Immerhin 95
waschechte Botschafter hatten sich zum Auftakt der einwöchigen Veranstaltung
akkreditieren lassen, um ihrem potenziellen Nachwuchs über die Schulter
zu schauen.
Thimun·, die Abkürzung von ·The Hague International
United Nations·, heißt das UNO-Rollenspiel, bei dem die Schüler
ihre in englischer Sprache verfassten Resolutionen vortragen. Die
vertretenden Länder können nicht frei gewählt werden, sondern
werden von Den Haag aus per Losverfahren vergeben. Für die Misburger
Gymnasiasten war das in diesem Jahr eine ganz besondere Herausforderung:
Sie vertraten die Interessen Kirgistans, der Schnittstelle zwischen Russland
und China. ·Für die Schüler bedeutete das zwar eine Menge
Vorbereitungsarbeit, aber sie waren mit Begeisterung dabei·, sagt
Oberstudienrat Udo Wassmann, der die Teilnahme hannoverscher Gymnasien
an dem Spiel vor 16 Jahren initiiert hat. Im Vorfeld hatten sich
die sieben Schützlinge Wassmanns gründlich über Geschichte
und Kultur Kirgistans informiert und in Arbeitsgruppen Fakten und Forderungen
erarbeitet. ·Dabei haben wir erfahren, dass das Land oberhalb eines
Flusses liegt und einen Wasserkonflikt mit den Nachbarn austrägt·,
erzählt die 16-jährige Julia. ·Wenn die das Wasser oben
stauen, bekommen andere nichts.· Beeindruckt erzählt
sie die Geschichte eines jungen Inders, der in Den Haag in die Rolle des
Feindes schlüpfen und sich als Vertreter Pakistans Gedanken über
den Kaschmir-Konflikt machen musste. ·Die Jugendlichen gewinnen
ganz neue Eindrücke und erfahren, dass Politik nicht nur aus dem
Blickwinkel des eigenen Landes betrachtet werden darf·, sagt Wassmann. So
haben die angehenden Diplomaten ihre Resolutionen zu unterschiedlichen
Themen vorgetragen und ihre Standpunkte debattiert. ·Man muss mit
möglichst vielen anderen Volksvertretern einen Konsens erlangen,
um anschließend eine gute Gesamtresolution präsentieren zu
können·, weiß Hanne. Verständigungsprobleme kennen
die Schüler nicht. Immer, wenn das eigene Wohlbefinden gestört
ist oder man etwas nicht mitbekommen hat, wird die mehrstündige Konferenz
unterbrochen, berichtet der 17-jährige Irenäus. Mit etwas
Glück gehen die Resolutionen in das Thimun-Handbuch der Haager Konferenz
ein. ·Vergangenes Jahr hat sogar Generalsekretär Kofi Annan
vorbeigeschaut·, erzählt Udo Wassmann. ·Ein Zeichen
dafür, dass vielleicht tatsächlich mal eine interessante
Schüler-Idee verwirklicht wird.· pst Veröffentlicht
07.03.2003 11:00 UHR >> Thema Rollenspiel
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