Stadtelternrat Bad Harzburg          Montag   7. Mai 2001


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Stadtelternrat Bad Harzburg lud ein:
"Qualitätsentwicklung an niedersächsischen Schulen"
am Montag, 07.05.2001, 19.00 Uhr, Aula Werner-von-Siemens-Gymnasium, Bad Harzburg, Herzog-Wilhelm-Str. 25, Referent:  Referatsleiter 204, Innovation - Evaluation - Qualitätsentwicklung, Herrn Armin Lohmann  mehr ...
Mehr "Lohmänner" braucht das Land (STER Bad Harzburg, 12.05.01)   
Bald soll es Zeugnisse für Dienstleister "Schule" geben (Goslarsche Zeitung 09.05.01)  
Kultusministerin startet Qualitätsoffensive
Zensuren für alle - das schottische Modell
Der Antreiber: Wie Armin Lohmann aus seiner Schule ein Vorzeigeprojekt machte über Armin Lohmann (Die Zeit 36/1999)
Grußworte der Bundeselternratsvorsitzenden zu der Bad Harzburger Stadtelternratsveranstaltung am 07.05.01 am Werner-von-Siemens-Gymnasium zum Thema "Qualitätsentwicklung an nds. Schulen"

Kultusministerin startet Qualitätsoffensive
Zensuren für alle - das schottische Modell
Pressemitteilung des Stadtelternrates Bad Harzburg
Mehr "Lohmänner" braucht das Land
Gemäß Bericht der GZ über die Bad Harzburger Stadtelternratsveranstaltung (STER) zum Thema "Qualitätsentwicklung an nds. Schulen" vom 07.05.2001 heißt hierzu das Zauberwort "Evaluation". Der STER hat das im Vorfeld auch so gesehen und hat die Veranstaltung von seinen Gästen evaluieren lassen. Das Ergebnis der Auswertung ( Benotung wie bei Schulnoten von 1 - 6 ) bestätigt den GZ-Bericht bzgl. des Referenten Armin Lohmann, der eine hervorragende 1,4 erhielt. Der Inhalt des Vortrages wurde mit 1,8 beurteilt, die Realisierungsmöglichkeit im Schulalltag mit 2,6. Die Arbeit des Bad Harzburger STERes erhielt eine 1,8, der Informationsgehalt der Einladungsunterlagen eine 1,9. Neben der Beurteilung der Diskussion mit 2,7 reichte es für die schulbezogene Arbeit des Kultusministeriums nur zu der Note 3,2. Für den STER-Vorsitzenden Wolfgang Kuert sind die STER-Noten 1,8 und 1,9 Ansporn, den Lohmannwert von 1,4 zu erreichen. Der STER sieht die Benotung des Inhalts der Qualitätsinitiative und die zur Person von Lohmann als Bereitsschaft der STER-Gäste, sich den vorgestellten Qualitätsanforderungen zu stellen. Bei einer KM-Benotung von 3,2 kann man Frau Ministerin Jürgens-Pieper nur die Anregung geben, mehr "Lohmänner" für die schulbezogene Arbeit einzustellen.
Goslarsche Zeitung vom 09.05.2001
Bald soll es Zeugnisse für "Dienstleiter Schule" geben
Informationsveranstaltung über "Qualitätsoffensive" ein - Zauberwort heißt "Evaluation"
BAD HARZBURG (hos) Ein Dienstleister muss über den eigenen Tellerrand schauen und sich mit Mitbewerbern vergleichen. Ergo: Die Schule, wird sie als Dienstleister verstanden, muss gleiches tun. Dies ist ein Kernpunkt der neuen "Qualitätsoffensive", die das Kultusministerium startet und die jetzt der Harzburger Stadtelternrat sich und den Lehrern der Region vorstellen ließ.
   "Lehrer sehen nur die eigene Belastung, ihnen und der ganzen Schule fehlt der Bezug zum Gesamtsystem". Harte Worte, die Referent Armin Lohmann fand. Allerdings nahm sich der Referatsleiter des Kultusministeriums bei seinem Informationsvortrag auch diese Freiheit heraus, war er doch selbst lange Jahre Direktor einer Schule. Diese, "seine" Schule nahm er auch in seinem Referat stets gern als Beispiel dafür, wie die "Qualitätsoffensive" seiner Ministerin Renate Jürgens-Pieper aussehen würde: Lohmanns Kollegium "evaluierte", die Lehrer bewerteten sich selbst. Wie lehren wir? Wie ist unser Unterricht? Wie das Schulleben? Erst gab es Widerstände, doch bald wurde die Qualität verbessert. Heute lässt sich die Schule von außen benoten, und das auch noch regelmäßig. Diese Methode auf viele miteinander vernetzte Bildungsstätten angewendet und die Schule verbessert sich.
    Klingt leicht, muss aber natürlich einer kompetenten Lehrerschar fundiert erklärt werden. Gerade wenn das Ziel eine landesweite Qualitätskontrolle (und -verbesserung) ist. Und so erläuterte Lohmann das Werk seines Ministeriums, dass im August mit ersten Schritten realisiert wird, geduldig und ausführlich. Da gäbe es zum Beispiel die harten, schnell kontrollierbaren Fakten: Wie hoch ist die Durchfallquote? Wie hoch die Zahl der Kinder, die die Schulform verlassen müssen? Und: Kümmert es, was aus den Abbrechern wird? Das sind Daten, die schnell mit einen anderer Schulen verglichen werden können. "Evaluiert" werden muss jedoch halt beispielsweise auch das Schulklima, ebenso wie die Chancen, die man den Schülern einräumt, sich im Sinne der Demokratie äußern zu können. Und natürlich auch die Professionalität der Lehrer. Letztere ließe sich zudem durch Bilanzgespräche ( in jeder Firma an der Tagesordnung ) verbessern.
     Selbstverständlich erwartet niemand, dass jede Schule von heute auf morgen mit kompletten Qualitätsbewertungen loslegt. Aber Schrittweise anhand (selbst)ausgewählter Kriterien ließe sich ein Anfang machen. Denn immer wieder brachte Lohmann die Kernsätze: "Die Schule arbeitet als Betrieb sehr allein" und "Wir bringen Dienstleistungen gegenüber den Eltern".
     Ein Instrument, das das Ministerium dem Dienstleister Schule an die Hand geben möchte ist das der "Schulprogramme". Von allen Beteiligten ausgearbeitet, stellen sie eine Art Vertrag zwischen Schule und Eltern (und Kindern) dar. 40 Prozent der Schulen arbeiten bereits mit derartigen "Verträgen", jedoch mit unterschiedlichen Konzepten von unterschiedlichen Beratern. Lohmann: "Es gibt sogar schon Consulting Unternehmen, die ihre Dienste (für Geld) anbieten."
    Stattdessen will das Kultusministerium mit den Betroffenen zusammen die Maßnahmen erarbeiten. Der ganze Prozess mit allen Schulen dürfte sich laut Lohmann einige Jahre hinziehen. Ein Weg dorthin sind Informationsabende wie der in Bad Harzburg. Als konkreterer erster Schritt ist dann erst einmal die Bildung eines kleinen Netzwerkes Niedersächsischer Schulen ( pro Regierungsbezirk 16 ) geplant, in dem auch die gegenseitige Evaluation von statten gehen kann. Aber es müsse etwas geschehen. Denn: Viel habe sich seit den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nicht verändert.
 

Der Stadtelternrat Bad Harzburg lädt Sie ein zu einer öffentlichen Elternveranstaltung zum Thema
"Qualitätsentwicklung an niedersächsischen Schulen"

am Montag, 07.05.2001, 19.00 Uhr, Aula Werner-von-Siemens-Gymnasium, Bad
Harzburg, Herzog-Wilhelm-Str. 25

Wolfgang Kuert
Tel./Fax: 05322 / 86363/988024
E-Mail:  Kuert@t-online.de <mailto:Kuert@t-online.de>
16. März 2001

E i n l a d u n g

Sehr geehrte Damen und Herren,

nach der Veröffentlichung der TIMSS-Studie und Abnehmerkritik am Leistungsstand der Schulabgänger befasste sich bereits am 09. 11.1998 der Bad Harzburger Stadtelternrat auch mit dem Thema Qualität an niedersächsischen Schulen. Eine Kernaussage vom damaligen Podiumsmitglied und Referatsleiter Gymnasien im Kultusministerium, Ministerialrat Rolf Bade, war: "Ändern wir uns nicht, stellen wir nicht die Frage ob das, was wir in den Schulen unterrichten und wie wir es unterrichten die richtige Art und Weise ist und der richtige Inhalt, dann nutzt uns auch keine 100 oder 105 %ige Unterrichtversorgung!" Wie sich bereits bei dem "Internationalen Bildungskongress" im Februar andeutete, kündigte Frau Ministerin Renate Jürgens-Pieper am 05.03.2001 eine "Qualitätsoffensive" ( siehe KM-Info auf der Rückseite) für niedersächsische Schulen an.

Als Referenten konnten wir mit demReferatsleiter 204, Innovation - Evaluation - Qualitätsentwicklung, Herrn Armin Lohmann, den Mann gewinnen, der mit seinen Mitarbeitern diese neuen Qualitätsnormen für das Kultusministerium erarbeitet. Nutzen sie die Chance, sich die künftigen Qualitätsanforderungen von ihm erläutern zu lassen. Besonders freuen wir uns darauf, diese dann mit ihnen und weiteren Gästen aus Elternkreisen, Schulen, Verbänden und Schulträgern zu diskutieren und die "Machbarkeit im Schulalltag" zu hinterfragen. Ganz im Stil der neuen Zeit ist es für Herrn Lohmann und dem Stadtelternrat selbstverständlich, dass wir uns bei dieser Veranstaltung evaluieren lassen. Die Veranstaltung wird für das Regionalfernsehen aufgezeichnet. Wir hoffen, dass sie unser Gast sein werden und verbleiben mit freundlichen Grüßen

K u e r t , Vorsitzender



Kultusministerium 06.03.01
Kultusministerin Renate Jürgens-Pieper startet Qualitätsoffensive
27 / 01
5. März 2001

"Die Ergebnisse des Internationalen Bildungskongresses im Februar 2001 anlässlich der Bildungsmesse in Hannover werden zu einer Qualitätsoffensive führen, die am 1. August 2001 mit ersten konkreten Maßnahmen gestartet wird", erklärte Kultusministerin Renate Jürgens-Pieper am (heutigen) Montagabend in Hannover. Die Stärkung der Eigenverantwortung und der Gestaltungsfreiheit einzelner Schulen wird jetzt ergänzt um die Pflicht zur Evaluation und die Pflicht zur
Rechenschaftslegung.

Folgende Qualitätsbereiche sollen künftig evaluiert werden:
Lernergebnisse und Erfolg der Schule
Lernkultur und Unterricht, 
Schulleben und Kooperationen mit außerschulischen Partnern,
Schulmanagement und Führungshandeln,
Schulethos und Schulklima, Erziehungskonsens und gemeinsames Leitbild
Lehrerprofessionalität und Personalentwicklung 
Qualitätssicherung der Einzelschule durch regionale und landesweite Abgleiche.

Möglichst noch in diesem Jahr sollen an den Schulen die Daten mit Steuerungswirkung (Schul-abschluss-, Abbrecher-, und Wiederholerquoten sowie eingesetzte Personalressourcen) erhoben werden. Über deren Veröffentlichung können die Schulen dann selbst entscheiden. Auch die Auswertung der Leistungsüberprüfungen am Ende der Sekundarstufe I kann
wichtige Aufschlüsse geben.
Die Schulen sollen den Elternräten diese Erhebungen zur Verfügung stellen. Außerdem soll ein regionaler Abgleich zwischen der Einzelschule und den Schulen der Region nach **schottischem Vorbild mehr Qualitätsbewusstsein ermöglichen. Außerdem sollen 2001 die Grundsätze des Schulprogramms von 1998 fortgeschrieben, die Beratung der Schulen systematisch professionalisiert und der Umbau des Niedersächsischen Fortbildungsinstituts zu einem Schulentwicklungsinstitut vorangebracht werden. Außerdem wird noch im Jahr 2001 ein Handbuch zu den einzelnen Qualitätsbereichen, die evaluiert werden sollen, herausgeben.

Für das Jahr 2002 ist geplant, je Bezirksregierung ein Qualitätsnetzwerk zu schaffen. Zudem soll die Selbstevaluation von Schulen und die Zertifizierung von Schulen mit dem Arbeitstitel ("Schule mit bester Praxis in Niedersachsen - Qualitätsschule") beginnen. Denkbar ist, dass eine solche Zertifizierung von entsprechend geschulten Gutachterteams
oder einer künftigen Evaluations-Einrichtung des Landes ausgeführt wird. Hier sind Betriebe, Stiftungen, unsere Hochschulen und andere an der Qualität von Bildung Interessierte aufgefordert, dabei zu helfen, die Zertifizierung für die Schulen attraktiv zu gestalten.

Ab 2003 soll den Schulen das Angebot einer Fremdevaluation gemacht werden mit dem Qualitätscheck für "Best practice in Niedersachsen". "Wir wollen einen konstruktiven Wettbewerb im Schulwesen und mehr Qualitätsbewusstsein erreichen. Mit der nächsten Schulgesetznovelle soll das Schulprogramm verpflichtend für alle Schulen werden, damit wir die
Grundlagen schaffen für ein neues Steuerungsmodell für Schule und Bildungsverwaltung", sagte Renate Jürgens-Pieper abschließend.

** Siehe Bericht aus der Wirtschaftswoche (Hinweis des STERes)



Abschrift aus der "Wirtschaftswoche"
Heft Nr. 50, 9.12.1999,
Redakteurin Silke Wettach
Zensuren für alle
Schottische Lehrer praktizieren Benchmarking.

Selbst Lehrer finden das gut.

Eine glatte Fünf: "Der Direktor ist seit der Gründung der Schule vor 24 Jahren auf seinem Posten", heißt es in dem elfseitigen Bericht über die Hallglen Primary School im Osten Schottlands, "seine Führung der Schule ist nicht zufriedenstellend." Schulalltag in Schottland - Noten gibt es hier nicht nur für Schüler, sondern auch für Schulen und Direktoren. In
regelmäßigen Abständen besuchen staatliche Inspektoren die Bildungsstätten, beurteilen sie nach einheitlichen Kriterien und
veröffentlichen die Ergebnisse ihrer Untersuchungen. Die Broschüren gehen an alle betroffenen Eltern, aber auch an die Presse. Bei schlechten Noten ist die Negativschlagzeile garantiert. Transparenz total - mit dem Benchmarking in Schottland können andere Länder kaum mithalten. Nirgendwo sonst wissen Schulen so gut über ihre Stärken und Schwächen Bescheid. "Unternehmen, die sich nicht an den anderen messen, werden von der Konkurrenz überholt", sagt Chief Inspector Archie
McGlynn. "Bei Schulen ist das genauso." Mit ihrem Feldzug für mehr Marktwirtschaft im öffentlichen Dienst hat die damalige britische Premierministerin Margaret Thatcher Mitte der achtziger Jahre die Evaluierung angestoßen. "Die Frage, was der Steuerzahler für sein Geld in der Bildung zurückbekommt, ist legitim", sagt McGlynn zurückblickend.
Ironie der Geschichte: Nur die Schotten entwickelten ein praktikables System des Bildungsbenchmarking. Den englischen Nachbarn fehlte die klare Linie. Nun will New Labour die englischen Schulen nach dem schottischem Vorbild umkrempeln.
Das dortige Erfolgsgeheimnis: DieReformen wurden langsam, aber systematisch eingeführt.
"Anfangs war die Angst vor einer Ökonomisierung der Schulen groß", sagt McGlynn. Als 1985 eine Abteilung für Benchmarking entstand, bekam sie einen unverfänglichen Namen, ehe sie 1992 zur Audit Unit wurde. "Ein Begriff wie Wirtschaftsprüfung hätte abschreckend gewirkt", sagt McGlynn, von 1992 bis 1997 Chef der Abteilung. Als erstes arbeiteten die Mitarbeiter
der Audit Unit einen einheitlichen Kriterienkatalog aus. Wenn die Inspektoren heute die Schulen besuchen, vergeben sie etwa für die Leistungen der Schüler, die Ausstattung der Räume und die Fächerverteilung der Lehrer Noten zwischen "sehr gut" und "nicht zufriendenstellend". So heißt es im Bericht über die Hallglen Primary School: "Die Schüler konnten Schottland nicht auf der Europakarte finden." Und: "Die Temperatur der Klassenzimmer sollte besser kontrolliert werden." So viel Gründlichkeit braucht Zeit: Neun bis zwölf Tage benötigen die Inspektoren, um eine Schule zu besuchen und den Bericht zu verfassen. "Natürlich haben die Lehrer Angst, wenn die Inspektoren kommen", sagt Kathleen Gibbons, Direktorin von St.  Kentigern's Academy in Blackburn, einer Sekundarschule mit rund 1000 Schülern 20 Kilometer westlich von Edinburgh. "Aber der Besuch gibt uns auch die Gelegenheit zu zeigen, was wir leisten." St. Kentigern's hat gut abgeschnitten: Keine ungenügende Note haben die Inspektoren vergeben. Wo sie Kritik übten, kam sie für die Direktorin nicht überraschend. "Es ist gut, von außen noch einmal zu hören, was man ohnehin schon denkt", meint Gibbons. Die Inspektoren wirken wie
Unternehmensberater: Sie erleichtern den Verantwortlichen Veränderungen.
Bei aller Gründlichkeit bieten die Inspektoren allerdings immer nur eine Momentaufnahme. "Neben den Schnappschüssen brauchen wir kontinuierliche Bilder, um einen Film zu erhalten", sagt Bill Clark, Chef der Audit Unit. Dazu gehört, dass Jahr für Jahr die Ergebnisse der Abschlußklassen veröffentlicht werden. Und, seit dem Beginn der neunziger Jahre, die
Selbstevaluation der Schulen. Diese stellen sich dabei drei Fragen: Wie gut sind wir? Wie finden wir es heraus? Was lernen wir daraus? Auch Eltern und Schüler werden in diesem Prozeß um ihre Meinung gefragt - eine kleine Revolution für ein Schulsystem, in dem die Prügelstrafe erst in den siebziger Jahren abgeschafft wurde. Die Befragten antworteten
gerne. "178 von 180 Fragebögen kamen ausgefüllt zurück", berichtet Kathleen Gibbons von der St. Kentigern's über die jüngste Übersicht.
Auch die Lehrer müssen ihre eigene Arbeit kritisch beurteilen. "Am Anfang hieß es, dazu haben wir keine Zeit", erinnert sich Gibbons an die Stimmung, als sie vor vier Jahren an ihre Schule kam. Aber allmählich erkennen auch die widerstrebensten Kollegen den Sinn der Übung. Das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern profitiert davon. "Wir werden hier ernstgenommen", sagt der 16jährige Paul Wedlock. "Ich habe das Gefühl, daß sich die Lehrer für mich interessieren." St.Kentigern's ist für ihn und seine Mitschüler mehr als nur der Ort, in dem er Mathe-Formeln lernt und Aufsätze schreibt. Anders als in Deutschland, wo die Jugendlichen ihre Schule nach dem letzten Klingeln schleunigst verlassen, ist für Paul und seine Mitschüler die Schule der Lebensmittelpunkt. Nach Schulschluß um 16 Uhr bleiben die älteren freiwillig, um mit der Jazzband zu üben und an ihrer Erfindung für den Technikwettbewerb zu basteln. Oder sie betreuen einen jüngeren Schüler
mit Leseschwierigkeiten in der "study support group". Das stärkt die Identifikation - und läßt beispielsweise Vandalismus erst gar nicht aufkommen. In Klassenzimmern und Laboren gibt es Grafitti genausowenig wie Kritzeleien. Als Kathleen Gibbons neu an die Schule kam, ließ sie die düsteren braunen Gänge bunt übermalen: Es ist wichtig, daß sich alle hier wohl fühlen." Im Gegensatz zu ihren deutschen Kollegen kann sie über ihre Finanzen relativ frei entscheiden. 80 Prozent ihres Haushaltes
verwalten schottische Schulleiter seit Beginn der neunziger Jahre eigenständig. "Früher entschied eine Behörde in Edinburgh, ob ein kaputtes Fenster repariert wurde", erzählt Inspektor Archie McGlynn.
Heute durchforstet Gibbons ihre Zahlenkolonnen, um Geld dorthin zu kanalisieren, wo es die größte Wirkung erzielt. Sie sucht beispielsweise nach Wegen, Strom zu sparen, um dann einen neuen Computer kaufen zu können. "Wir machen das nicht anders als BMW mit seinen Produktionsstätten", vergleicht Archie McGlynn, " wir geben die Ziele vor, und die Entscheider vor Ort wählen den Weg, um dorthin zu kommen:" Der Weg etwa führt über neue Mitarbeiter.

40 Prozent der Lehrer hat Kathleen Gibbons ausgetauscht, seit sie an der St. Kentigern's Academy ist.
"Die Lehrer sind Dreh- und Angelpunkt der Schule", sagt die Pädagogin, "wir wählen sie genau aus." Die Hälfte der Bewerber wird in die Schule eingeladen. Nicht nur die Direktorin, sondern auch Kollegen unterhalten sich mit dem Kandidaten. Gibbons: "Rechnen kann jeder Mathe-Lehrer, da erwarten wir schon ein bißchen mehr." Gibbons Strategie scheint den Eltern zu gefallen. Seit sie St. Kentigern's leitet, ist die Zahl der Schüler stetig gestiegen, mittlerweile gibt es eine Warteliste.
Und das, obwohl die Schule in einem sozialen Brennpunkt liegt. "Bei vielen zu Hause stehen keine Bücher", vermutet Gibbons. Nicht Kuschelpädagogik, sondern Transparenz - das zeigt sich in Schottland - wirkt sozial. Ohne Kosten kann sich jeder informieren, wo seine Kinder die beste Ausbildung bekommen. Dadurch können auch Schulen, die anderswo wegen ihrer sozialen Umgebung verschrieen wären, ihre Qualität beweisen. Wahrscheinlich ist es die wichtigste Entdeckung der
schottischen Qualitätsfahnder, daß der soziale Hintergrund der Schüler zwar der wichtigste Faktor für die Leistungsfähigkeit einer Schule ist, daß aber Schulen mit einem identischen Schülerprofil nicht dasselbe leisten.

"Soziale Benachteiligung darf nicht als Alibi für schlechte Lehrerleistungen herhalten", sagt Inspektor Archie McGlynn. Umgekehrt kann viel Geld nicht unbedingt die beste Bildung erkaufen. Das private Internat, das Prinz Charles und seine Brüder besuchten, taucht in der
schottischen Tabelle auch auf. An letzter Stelle.



Grußworte der Bundeselternratsvorsitzenden zu der Bad Harzburger Stadtelternratsveranstaltung am 07.05.01 am Werner-von-Siemens-Gymnasium zum Thema "Qualitätsentwicklung an nds. Schulen":

24.04.2001

Lieber Herr Kuert,

Als Vorsitzende des Bundeselternrats freue ich mich sehr, dass die Eltern von Bad Harzburg an der Basis, dort wo Schule gelebt wird, sich so aktiv in die Diskussion um eine Verbesserung von Schulen mit einbringen.

Schule lebt immer von den aktiven und gestaltenden Persönlichkeiten. Alle Grundsatzerklärungen und Resolutionen bleiben Worthülsen, wenn nicht Menschen das Anliegen zu ihrem machen und sich damit den politischen Aussage dieser Erklärungen verpflichtet fühlen und versuchen diese auch umzusetzen.

Ich wünsche den Eltern von Bad Harzburg einen intensiven Diskurs zur Qualitätssicherung in den Schulen. Die tatsächliche Qualität der Schulen können Eltern aufgrund der Erfahrungen und Berichte, die sie täglich von ihren Kindern mit nach Hause gebracht bekommen recht gut nachempfinden.

Jede Form der Qualitätssicherung benötigt Allianzen mit den Beteiligten. Dies sind vor allem die Lehrer und Lehrerinnen an den Schulen. Wenn es uns Eltern gelingt, zu transportieren, dass Qualitätssicherung etwas ist, dass auch Lehrer und Lehrerinnen entlastet, ihnen neue Freiräume gibt, ihnen den Diskurs mit den Kollegen ermöglicht, Situationen schafft, in denen sie die eigenen Stärken erleben und anderen helfen können, dann ist Schule auf dem Weg zu einer positiven Veränderung ein gutes Stück weiter gekommen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen bei Ihrem neuen Unternehmen viel Erfolg und ich bin mir sicher, dass bei der tatkräftigen und guten Moderation durch den Stadtelternrat die Ergebnisse wieder beeindruckend sein werden. Ich sehe Bad Harzburg auf dem Weg der Entwicklung einer vorbildlichen Oase der kommunlabezogenen Elternarbeit, die eigentlich ausgezeichnet werden müßte.

Mit lieben Grüßen vom Rhein in den Norden

Ihre Renate Hendricks

Vorsitzende des Bundeselternrates
 

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