MUTTERSPRACHLICHER UNTERRICHT
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"Hand in Hand - Für unsere Muttersprache"
Demo der Elterninitiative der Migranten in Niedersachsen

Sa, 11.03.2006, 11:00 Uhr, Demo ab Klagesmarkt                          ->  Presseerklärung der Initiative
Türkischer Elternverband Niedersachsen, Griechische Gemeinde Hannover , Türkisch-Deutscher Unternehmerverein Hannover .....  mehr ...


HAZ, 10.03.2006  Wie viel Muttersprache darf es sein ?
Land streicht Unterricht in Herkunftssprache für Einwandererkinder ab fünfter Klasse / Neue Aufgaben für Lehrer nicht klar
Von Bärbel Hilbig
Das Land hat bereits zum 1. Februar den muttersprachlichen Unterricht ab der fünften Klasse für Kinder aus Einwandererfamilien gestrichen. Ausländische Elternvereine sind empört – auch weil sie vor vollendete Tatsachen gestellt worden seien. „In Zeiten, wo dauernd von Mehrsprachigkeit und frühem Fremdsprachenerwerb geredet wird, ist es absurd, wenn die Sprachkompetenz unserer Kinder nicht unterstützt wird“, sagt Havva Mermertas vom Türkischen Elternverband Niedersachsen. Eine gute Beherrschung der Muttersprache sei für Einwanderer oft ihr Kapital, sagt Francisca Sanchez vom Spanischen Elternverein. Und das könne nur in der Schule vermittelt werden. Vassilios Vassis vom Griechischen Elternverein warnt gar vor einer neuen Isolation, wenn die Einwanderergruppen den Sprachunterricht selbst organisieren müssten.
Das Kultusministerium weist die Kritik zurück. „Wir wollen den Schwerpunkt stärker auf die Sprachförderung im Deutschen verschieben“, sagt ein Sprecher. Ob sich Muttersprachen- gegen Deutschunterricht aufrechnen lässt, wird unter Pädagogen allerdings stark bezweifelt. „Wer seine Muttersprache nur schlecht beherrscht, lernt in der Regel auch nicht gut Deutsch“, sagt Bernd Steinkamp, Leiter der Integrierten Gesamtschule Roderbruch.
In der Grundschule läuft der muttersprachliche Unterricht gekürzt weiter, wenn sich genügend große Gruppen finden. Von der fünften Klasse an können die Schulen gemeinsame Sprachkurse für Muttersprachler und andere Schüler anbieten. Die Neigung dazu ist allerdings meist gering, weil sich dafür genug Interessenten an einer Schule finden müssten. Und die gibt es für Serbisch oder Portugiesisch eher nicht. Zum muttersprachlichen Unterricht am Nachmittag kamen Kinder aus verschiedenen Schulen. Die Goetheschule hat Russisch vor einiger Zeit eingefroren – die deutschen Schüler hatten neben den perfekt russisch sprechenden Kindern keine Chance. Da die Sprachkenntnisse der jüngeren russischen Kinder nachlassen, will das Gymnasium das Angebot wohl wieder beleben.
Unklar ist bisher, wie die unbefristet angestellten Muttersprachenlehrer ihre überschüssigen Stunden nun verwenden sollen. An der IGS Roderbruch arbeiten zwei Lehrer für Griechisch und Kurdisch. „Sie haben keine andere Qualifikation. Ich würde mir eine angemessene Fortbildung für sie wünschen“, sagt der Schulleiter. Das Ministerium betont dagegen, es gebe viele Einsatzmöglichkeiten, wie die Beratung von Eltern, mehrsprachige AGs oder interkulturelle Projekte. „Und Fortbildungen stehen natürlich allen Lehrern offen.“
HAZ, 10.03.2006  "Die Kürzung ist ein Fehler"
nachgefragt ... ... bei Prof. Hans Bickes, Sprachwissenschaftler an der Uni Hannover

Ist es sinnvoll, dass Einwandererkinder ihre Muttersprache in der Schule lernen? Sollten sie nicht eher in Deutsch gefördert werden?
Die Kinder sollten natürlich massiv Förderunterricht in Deutsch bekommen. Aber gute Kenntnisse in der Muttersprache sind eine Grundvoraussetzung für die Entwicklung von Denkstrukturen. Die Bildungskarriere der Kinder ist beeinträchtigt, wenn sie in ihrer Muttersprache ein bestimmtes Niveau nicht erreichen.
Reicht es nicht, dass die Kinder zu Hause in der Muttersprache sprechen?
Gerade in der zweiten oder dritten Generation sind sie in der Familie oft mit einer Sprache konfrontiert, die ihnen im Herkunftsland oder beruflich nicht weiterhilft. Abgesehen davon lernen auch deutsche Kinder zu Hause nicht Schreiben und Grammatikregeln. Das kann nur im Bildungssystem geschehen.
Und bis zu welcher Klassenstufe halten sie das für notwendig?
Der Europäische Referenzrahmen für Sprachen, der von allen EU-Ländern gebilligt wurde, um Mehrsprachigkeit zu fördern, sieht sicher nicht eine Vernachlässigung der Muttersprache im Schulsystem vor. Die Kinder bringen natürliche Ansätze für eine Sprachkompetenz mit, die für ein mehrsprachiges Europa genutzt werden sollte. Auch ökonomisch betrachtet ist die Kürzung ein Fehler, weil sich große Probleme ergeben, wenn Kinder in der Schule scheitern.
Der neue Erlass sieht Sprachkurse für Muttersprachler und deutsche Schüler vor.
Das geht nur mit Kontinuität und mit gut ausgebildeten Lehrkräften, und die werden im Moment an den Hochschulen zu wenig ausgebildet.

Interview: Bärbel Hilbig
Eltern fordern Sprachkurse

NP, 17.01.2004  Muttersprachlicher Unterricht:  Eltern fordern Sprachkurse   Ein neuer Erlass des Kultusministeriums sorgt für Unmut bei ausländischen Eltern. Der muttersprachliche Unterricht für Kinder aus Einwandererfamilien soll ausgedünnt werden. Der Türkische Elternverband plant deshalb eine Unterschriftenaktion. „In der Wirtschaft wird die Mehrsprachigkeit zum Teil sogar gefordert“, sagt Verbandsvorsitzende Havva Mermertas. Der muttersprachliche Unterricht habe einen hohen Stellenwert für die Persönlichkeitsentwicklung und Integration der Schüler aus Einwandererfamilien.        Ministeriumssprecher Georg Weßling bestätigt, dass im Moment keine neuen Lehrkräfte eingestellt werden. Geht ein Lehrer in Pension, bleibt seine Stelle unbesetzt. bil      Der Türkische Elternverband sammelt heute von 11 Uhr an in der Nordmannpassage und am kommenden Sonnabend am Kröpcke Unterschriften gegen die Sparpläne.

Land schränkt Unterricht in Heimatsprachen ein

HAZ, 06.01.2004  Muttersprachlicher Unterricht:  Türkische Eltern sind empört  Land schränkt Unterricht in Heimatsprachen ein       Hannover (mbb). Rund 18 000 Schüler, deren Eltern aus dem Ausland stammen, bekommen derzeit nachmittags Unterricht in ihrer Heimatsprache. Mehr als die Hälfte davon sind Türken. Doch wegen der Finanzkrise schränkt das Land dieses Lernangebot ein, wie Carl Othmer aus dem Kultusministerium bestätigte. So werden 37 Lehrerstellen bis ins Jahr 2005 für diesen Bereich wegfallen - 34 von insgesamt 265 Lehrerstellen für den muttersprachlichen Unterricht, der in sechzehn Sprachen gegeben wird.      Bereits Ende September 2003 hat das Kultusministerium nach Othmers Angaben einen entsprechenden Erlass herausgegeben, der aber jetzt erst hohe Wogen schlägt. Vor allem türkische Elternverbände kündigen Proteste an. Sie befürchten, dass das Land sich vollständig von diesem zusätzlichen Angebot verabschieden will, was Othmer energisch bestreitet. „Wir lassen schlicht befristete Verträge von Lehrern auslaufen - zehn liefen im vergangenen Jahr aus, 17 in 2004 und sieben in 2005.“ Auch das Kultusministerium müsse einen Sparbeitrag leisten. Da habe man eben hier angesetzt, zumal man ohnehin eine bessere Verzahnung zwischen deutschem und muttersprachlichen Unterricht wünsche.   Die türkischen Elternvereine aus Niedersachsen fühlen sich indes überrumpelt. Ohne öffentliche Diskussion sei hier einfach auf dem Erlassweg „ein wichtiger Beitrag zur Integration unserer Kinder“ infrage gestellt worden, heißt es in einer Pressemitteilung des Türkischen Elternverbandes Niedersachsen. „Wir werden dieser Entwicklung nicht tatenlos zusehen.“         Othmer versichert, dass das Land keinesfalls beabsichtige, das Angebot ganz zu streichen. Schließlich sei die überwiegende Zahl der Lehrer mit unbefristeten Verträgen beschäftigt. „Wir werden auch darauf achten, dass es nicht zu Ungerechtigkeiten kommt, etwa, wenn bei einer Sprache gleich mehrere unbefristete Verträge auslaufen.“       Die Mehrzahl der ausländischen Kinder bekommt heimatsprachlichen Unterricht in Türkisch. Daneben werden nach Othmers Angaben noch fünfzehn weitere Sprachen unterrichtet: von Italienisch bis zur im Iran und in Afghanistan verwendeten Sprache Farsi. 
NP, 06.01.2004   Sparen für die Sprachkurse HANNOVER. Das Kultusministerium speckt beim muttersprachlichen Unterricht für ausländische Schüler ab: 37 befristete Verträge für Sprachlehrer sollen bis 2006 nach und nach auslaufen, was rund 1,5 Millionen Euro spart.    Auch muttersprachliche Lehrerstellen, die durch Pensionierungen frei werden, will das Ministerium nicht wieder besetzen. Hintergrund ist das 22 Millionen Euro teure Sprachförderprogramm für ausländische Kinder im Fach Deutsch, dessen Finanzierung Kultusminister Bernd Busemann (CDU) durch Einsparungen an anderer Stelle bewältigen muss.   Bisher beschäftigt das Land 265 Lehrer, die 17 000 bis 18 000 Schüler muttersprachlichen Unterricht in 16 Sprachen erteilen. In den meisten Fällen wird türkisch, griechisch und italienisch gelehrt, aber auch das im Iran gebräuchliche Farsi. Und zwei Kinder lernen vietnamesisch. dl


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