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Von Jörg Kallmeyer Hannover. So ändern
sich die Zeiten: Als Ende 2001 die erste Pisa-Studie über die Lage
in den deutschen Schulen vorgestellt wurde, machten die Experten um das
Thema ausländische Kinder einen großen Bogen. Man
müsse sich vor Diskriminierungen hüten, hieß es damals.
Heute ist Integration das große Thema der Gesellschaft und
Präsentationen von Schulstudien klingen ganz anders: Die Bildungsforscher
der OECD, die den Pisa-Test verantworten, legten gestern in Berlin eine
Sonderauswertung ihrer Daten ausschließlich über die Schulergebnisse
von Ausländerkindern vor. Dass die Kinder von Einwanderern in
Deutschland besonders schlechte Zukunftsaussichten haben, überrascht
inzwischen nicht mehr. Es hat sich herumgesprochen, dass das deutsche
Schulsystem bei der Förderung von Migrantenkindern versagt. Aufhorchen
lässt ein anderer Befund aus den Daten des Jahres 2003: Besondere
Probleme haben nicht unbedingt die Jungen und Mädchen von Einwanderern,
die gerade nach Deutschland gekommen sind. Schwierigkeiten bekommen eher
diejenigen, die schon in Deutschland geboren sind. Die zweite
Generation kann deutlich schlechter lesen und rechnen als die erste Generation,
sagt die OECD-Bildungsforscherin Barbara Ischinger. In den anderen Industrieländern
und vor allem in den klassischen Einwanderernationen ist
es genau umgekehrt. Dort verbessern sich die Schulleistungen bei den Kindern
im Laufe der Zeit. In Kanada zum Beispiel sind die Leistungen der 15-Jährigen
aus der zweiten Generation ihren Altersgenossen aus Deutschland um gut
drei Schuljahre voraus.
Allerdings: Pisa ist keine Langzeitstudie, sondern eine Momentaufnahme.
So stammen die getesteten Kinder der ersten Generation vor allem aus Aussiedlerfamilien
aus Osteuropa die Kinder der zweiten Generation dagegen aus türkischstämmigen
Familien. Hier gibt es ein besonderes Integrationsproblem.
Die Politik bemühte sich gestern eher müde um eine Antwort.
Man habe in jüngster Zeit mit Sprachtests und Deutschkursen schon
vor der Schule nachjustiert, hieß es bei der Kultusministerkonferenz
(KMK). Nach den neuen Pisa-Ergebnissen aber steht die Frage im Raum, ob
diese Bemühungen ausreichend sind. Bundesbildungsministerin Annette
Schavan (CDU) kündigte eine Gesamtstrategie von Bund
und Ländern an und ließ die Bereitschaft erkennen, über
eine Neuauflage des Ganztagsschulprogramms zu verhandeln. Einig sind
sich alle Parteien, dass die Sprachförderung schon im Kindergarten
verbessert werden muss. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber
(CSU) forderte, ausländische Eltern, die ihre Kinder nicht an Deutschkursen
teilnehmen ließen, müssten künftig mit staatlichen
Konsequenzen rechnen.
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