| RAUCHEN - Doku des Stadtelternrates Hannover |
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| Was steht im Erlass des Ministeriums Der Erlass zum „Rauchen und Konsum alkoholischer Getränke in der Schule“ verbietet seit dem 31. Juli 2005 Zigaretten- und Alkoholkonsum im Schulgebäude und auf dem Schulgelände sowie bei Schulveranstaltungen, die außerhalb der Schule angeboten werden. Der letzte Punkt betrifft Klassen- und Studienfahrten. Ausnahmen sind nur vom Verbot alkoholischer Getränke und unter „Anlegung eines strengen Maßstabes“ möglich. Die Schule muss außerdem ein Präventivkonzept entwickeln, um „die zukünftige Generation vor den gesundheitlichen, gesellschaftlichen, umweltrelevanten und wirtschaftlichen Folgen des Tabak- und Alkoholkonsums sowie des Passivrauchens zu schützen“. nl |
| Wer muss sich nach dem Erlass richten Vom Rauchverbot an Schulen sind grundsätzlich alle betroffen, die sich auf dem Schulgelände und im Schulgebäude aufhalten und an schulischen Veranstaltungen teilnehmen. Das Verbot gilt also nicht nur für alle Schülern, sondern auch für Lehrer, Hausmeister oder die Schulassistenten. Das heißt: Auch im Lehrerzimmer und in den Aufenthaltsräumen darf seit Beginn dieses Schuljahres nicht mehr geraucht werden. Auch bei der Entwicklung der Präventivkonzepte zum Schutz vor den Folgen des Tabak- und Alkoholkonsums ist nicht nur die Schulleitung gefragt. Schülerschaft und Erziehungsberechtigte sind mit einzubeziehen. Am Ende muss der Schulelternrat zustimmen. nl Keine Klassenfahrten wegen des Rauchverbots? Sagen Sie uns Ihre Meinung per Fax (05 11/52 45 54), Brief (NP direkt, 30148 Hannover) oder Mail (direkt@neuepresse.de). |
| NEUE
PRESSE, 09.09.2005 Schüler, Lehrer,
Nachbarn - Allen stinkt Rauchverbot an Schulen
VON K. SCHREITER, F. MAST UND H.
RANDERMANN
HANNOVER/NEUSTADT/BARSINGHAU-SEN. Erst
kam das Rauchverbot – und jetzt herrscht dicke Luft an Niedersachsens
Schulen: Weil die Schüler nicht mehr auf den
Pausenhöfen rauchen dürfen, gehen sie auf anliegende
Straßen und Parkplätze. Die Folge:
Viele Anwohner sind genervt von Lärm und weggeworfenen
Zigarettenstummeln auf Gehwegen und in Vorgärten. Selbst die Lehrer sind mittlerweile wieder
für die Abschaffung des Rauchverbots. Es „verletzt die
Persönlichkeitsrechte“ der Pädagogen, beklagt sich Gitta
Franke-Zöllmer, Chefin des Vereins Bildung und Erziehung
(VBE). „Eimerweise Kippen“ will ein Neustädter von
seiner Hofeinfahrt an der Friedrich-Brandt-Straße bei der
Berufsschule bereits aufgesammelt haben. In Barsinghausen ein
ähnliches Bild: Etliche Zigarettenstummel pflastern den
Fußweg am Schulhof. „Wir haben uns schon mit einem Brief bei der
Stadt beschwert, aber es hat nicht geholfen“, sagt eine Nachbarin. Der Berufsschullehrerverband Niedersachsen
(BVN) fordert Kultusminister Bernd Busemann auf, das Rauchverbot
zurückzunehmen: „Es sollte wieder Raucherecken auf den
Schulhöfen geben“, so BVN-Chef Heinz
Ameskamp. Busemann
zufolge betrifft das Problem nur wenige der 264 Berufsschulen. „Ich
werde die Linie nicht ändern, mich aber um jeden einzelnen Fall
kümmern“, sagte er gestern gegenüber der NP. |
| NEUE
PRESSE, 09.09.2005 Das sagen die Eltern
„Ein Verbot macht eher
neugierig“, befürchtet Garnet Eichholz vom Stadtelternrat Hannover.
„Außerdem
ist das Thema durch den Erlass nicht aus dem Blickfeld gerückt.
Vor allem nicht für die jüngeren Schüler. Die Kleinen sehen nun die Großen auf
der Straße rauchen, wenn sie vom Schwimmunterricht oder
der Turnhalle kommen, wenn sie zum Unterricht gehen oder Schulschluss
haben“, so Eichholz. „Und die Lehrer treffen sich häufig bei den Hausmeistern, die auf dem Schulgelände wohnen. Das ist Privatbereich, und da ist Rauchen gestattet.“ |
| EUE
PRESSE, 09.09.2005 Schall und Rauch
VON HEIKO RANDERMANN Der Erlass liest sich einfach: An
allen Schulen in Niedersachsen ist seit diesem Halbjahr das Rauchen
verboten – sowohl in den Gebäuden als auch auf dem Gelände,
für Lehrer und für Schüler, ohne Ausnahme. Dass
damit natürlich tausende Schüler nicht plötzlich das
Rauchen aufgeben, sondern stattdessen quatschend und qualmend auf die
Straße gehen, steht zwar nicht im Erlass – doch man hätte es
sich wohl denken können. So sind auf einmal die Anwohner der
Schulen zu den Leidtragenden geworden und haben sich in den Streit um
Schall und Rauch eingeschaltet: Hebt das Qualmverbot auf, fordern sie.
Unterstützt werden sie dabei von vielen Lehrern, die sich vom
Anti-Raucher-Erlass gegängelt fühlen.
Die Wut ist verständlich, doch auf eine Rücknahme sollte sich
das Kultusministerium nicht einlassen. Das Rauchverbot ist richtig und
muss beibehalten werden. Es gibt kein Recht auf Rauchen, und wenn die
Schule auch keine Möglichkeit hat, das Rauchen ihrer Schüler
ganz zu verhindern, heißt das nicht, dass sie es ihnen
ermöglichen muss. Viele Raucher haben auf dem Pausenhof ihre erste
Zigarette probiert – ein Lernerfolg, auf den keine Schule stolz sein
kann. Rauchverbote auf dem Schulhof sind zu Recht in fast allen
europäischen Ländern eine
Selbstverständlichkeit. Die Anwohner wird das
wenig trösten. Sie können sich aber darauf freuen, dass die
Gruppe der Raucher vor ihrem Haus kleiner wird, wenn der Winter kommt.
Und ein ein simpler Aschenbecher auf der Straße könnte das
Problem entschärfen – und die Wut verrauchen lassen. Dicke Luft vor den Schultüren Das Rauchverbot treibt viele Schüler auf die Straße. Vor allem die Berufsschüler sammeln sich in den Pausen zum Qualmen und Quatschen vor der Tür – zum Ärger mancher Anwohner. Aber auch bei Lehrern stößt der Erlass nicht nur auf Verständnis. Fabian Mast, Heiko Randermann und Katrin Schreiter haben sich in der Region umgehört. Anwohner ärgern sich über Kippen HANNOVER. Die Qual mit dem Qualmverbot: Der neue Anti-Raucher-Erlass des Niedersächsischen Kultusministeriums bringt Bewegung in die Schulen. Statt auf dem Pausenhof rauchen erwachsene Schüler auf der Straße. Nach der Pause ziehen sie von dannen – zurück bleiben haufenweise Zigarettenkippen. Passanten sind genervt, Anwohner stocksauer: „So kann das nicht weitergehen“, sagt ein ehemaliger Lehrer, der wenige Meter vom Pausenhof des Schulzentrums Spalterhals entfernt wohnt. Seine Beschwerde bei der Schulleitung hat bislang nicht gefruchtet – wie auch? „Außerhalb des Schulgeländes haben wir keine Möglichkeit einzuschreiten“, sagt Manfred Franke, stellvertretender Leiter des Gymnasiums. „Der Erlass ist sinnlos.“ „Ich kann den Ärger von Anwohnern verstehen. In der alten Raucherecke hatten wir einen Aschenbecher, an der Straße nicht“, sagt Schülerin Janine Herrmann (18). Auf Anfrage der NP räumte die Stadtverwaltung ein, das Problem nicht gekannt zu haben. „Wir werden das beobachten und mit der Schule eine Lösung erarbeiten“, sagte Ernst Paulsen, Fachbereichsleiter Bildung, Kultur und Jugend. Kippenflut auch in Neustadt: Zwar war das Gelände der Berufsbildenden Schulen wohl nie so sauber wie heute. „Dafür hat sich das Problem verlagert“, sagt Vize-Leiter Fritz Michler. Zum Beispiel zu den Bushaltestellen. „Mittags mache ich hier sauber, abends sieht es wieder aus wie vorher“, sagt eine Reinigungskraft des Bauhofs. „Der Erlass ist sinnlos, mit Rauchen hört deswegen keiner auf“, meint Schülerin Annika Malcherek (19). Schulhof wird kaum genutzt „Seit die Ferien zu Ende sind, stehen die Schüler zum Rauchen auf der Straße“, berichtet ein Anwohner der IGS Linden. Es sei dadurch erheblich lauter geworden, auch weil einige Schüler bei ihrer Raucherpause das Autoradio laufen lassen. „Und es liegen überall Kippen herum.“ Schüler-Wanderung auch an der BBS 14 (Roderbruch): „Nicht nur die Raucher, auch ihre Freunde gehen in der Pause vor die Tür“, sagt Schüler Ferhat Ayar. „Das sind mehr als die Hälfte“, schätzt der 20-Jährige. Kornelia Küchler, stellvertretende Schulleiterin, bestätigt: „Etwa 500 Schüler stehen in der Pause draußen. Unser Schulhof wird kaum noch genutzt.“ Für die Polizei bislang kein Thema: Nur die Behinderung des Radweges an der Lavesallee führte bislang zu Beschwerden. |
| NEUE
PRESSE, 09.09.2005 „Die meisten Lehrer stehen hinter dem
Erlass“ Die NP sprach mit Kultusminister Bernd Busemann (CDU) über den Ärger mit der neuen Vorschrift und über ein Lob an der Lehrerschaft. Aus einigen Schulen kommt Kritik am Erlass. Viel Rauch um nichts? Ach, wissen Sie, ich war doch nicht so naiv und habe gedacht, dass alles gleich glatt gehen wird. Natürlich müssen auch Präventivmaßnahmen greifen. Nur die Aschenbecher wegräumen – das bringt es nicht. Auch Lehrer schimpfen ... ... nur einzelne, bei denen die Sucht sehr groß ist. Aber die meisten stehen hinter dem Erlass. Ein Lob an die Lehrerschaft. Schüler treffen sich zum Rauchen auf der Straße, Anwohner beschweren sich. Kippen in Nachbars Garten – das ist rücksichtslos, so darf man nicht sein Recht einfordern. Da versteh ich die Anwohner, wenn sie sich ärgern. Doch bei den Gymnasien, Haupt- und Realschulen gibt es diese Schwierigkeiten kaum. Nur bei einigen Berufsschulen. Ich werde meine Linie nicht ändern, mich aber um jeden einzelnen Fall kümmern. Gab es bereits Sanktionen gegen qualmende Lehrer oder Schüler? Da ist mir nichts bekannt. KaSch |
| NEUE
PRESSE, 09.09.2005 „Zumutung für erwachsene
Menschen“ Auch Lehrer dürfen
in der Schule nicht mehr rauchen. Die Wut in den Kollegien ist
groß. HANNOVER. Unmut unter den
Lehrern: Vor allem die Raucher fühlen sich durch das Verbot in
ihrer Freiheit beschnitten.
„Das sind Maßnahmen, die stark in das Persönlichkeitsrecht
eingreifen“, meint Gitta Franke-Zöllmer, Chefin des
niedersächsischen Vereins Bildung und Erziehung. „So werden
erwachsene Menschen gegängelt.“ Generell sei man natürlich
gegen das Rauchen, stellt Gitta Franke-Zöllmer klar. „Wir
begrüßen den Ansatz. Aber solange noch Zigarettenautomaten
vor den Schulen stehen, bringt dieser Erlass nichts. Da muss man
gesamtgesellschaftlich ran.“ Für die Schüler sei das Verbot „total unpädagogisch“, nun zünde man sich erst recht eine an. Außerhalb des Geländes, wo nun auch viele rauchende Lehrer stehen. In vielen Schulen sammelten sich die Lehrer auch beim Hausmeister. Franke-Zöllmer: „Dort ist Rauchen erlaubt. Denn seine Wohnung untersteht nicht dem Kultusminister ...“ Oder sie gehen einmal heimlich um die Ecke, wie die Lehrer der Haupt- und Realschule Fössefeld. „Eine Zumutung für erwachsene Menschen und einfach lächerlich“, findet Lehrerin Birgid Schellenwald, die zu den zwei Dritteln Nichtrauchern im Kollegenkreis gehört. „Trotzdem nervt mich das tierisch. Jeder sollte seine Pause so gestalten, wie er möchte, und nicht in die Illegalität getrieben werden.“ Diese unnötige Diskussion lenke nur von den wirklichen Problemen ab, die das Schulwesen zurzeit habe. Aus der Not eine Tugend macht Johannes Strobel. Sobald der Deutschlehrer am Barsinghäuser Schulzentrum Spalterhals eine Freistunde hat, setzt er sich in seinen Lupo, die Pfeife in der Tasche und fährt die Einsteinstraße hinauf. „Von dort aus hat man einen fantastischen Blick bis nach Hannover“, sagt der Wennigser. Und dann: Motor aus, Musik an und genießen. Kürzer treten muss Strobel allerdings in den kleinen und großen Pausen. Dann fehlt die Zeit für einen kleinen Ausflug: „Das fällt nicht leicht“, sagt er. |
| HAZ,
08.03.2003
Gymnasium
verbietet Rauchen Als erstes
hannoversches Gymnasium wird die Herschelschule zur komplett
rauchfreien Zone: Sowohl Schüler als auch Lehrer dürfen vom
kommenden Schuljahr an im Gebäude und auf dem Hof nicht mehr zur
Zigarette greifen.
„Wir wollen die Schüler zu einem verantwortungsbewussten Umgang
mit ihrem Körper und ihrer Gesundheit erziehen“, sagt Leiter
Werner Heisterberg, „und dabei klare Spielregeln vorgeben.“ Das Verbot kam nach
dreijähriger Diskussion mit großer Mehrheit von Eltern und
Lehrern zu Stande, allerdings gegen die Stimmen der
Schülervertreter. In einer Abstimmung hatten sich zuvor
rund 60 Prozent für die alte Regelung ausgesprochen, die eine
Raucherecke für die älteren Schüler und ein
Raucherzimmer für die Lehrer vorsah. Dennoch ist Heisterberg
optimistisch, dass sich das Verbot durchsetzen lässt: „Man muss es
versuchen.“
Wer erwischt wird, muss sich
zunächst ein „ermahnendes Gespräch“ gefallen lassen.
Im Extremfall droht der Schulverweis. Schülersprecher Dimitrij
Iwanov glaubt nicht, dass es dazu kommen wird: „Die meisten haben sich
damit abgefunden.“ Im Unterricht will Heisterberg das Verbot durch
Projekte zu den Folgen des Rauchens ergänzen. „Wir müssen die
Jüngeren davon abhalten, den Älteren nachzueifern.“ Die
Herschelschule liegt in Vahrenheide und ist eine Ganztagsschule. 65
Lehrer unterrichten dort 600
Schüler.
Mit ihrem konsequenten
Rauchverbot bleibt die Herschelschule möglicherweise nicht lange
allein. „Wir werden uns ganz sicher anschließen, sobald es
erste positive Erfahrungen gibt“, kündigt der Leiter der
Goetheschule, Wilhelm Bredthauer, an. „Das ist eine Diskussion,
die wir bei uns aufnehmen sollten“, meint sein Kollege Martin
Stupperich von der Leibnizschule. Auch an der IGS List könnte das
Beispiel Schule machen. Wie an allen Schulen, die nur bis zur zehnten
Klasse reichen, herrscht dort für die Schüler ohnehin
komplettes Rauchverbot. Jetzt diskutieren die Lehrer, ob auch sie ihr
Raucherzimmer aufgeben. Es gibt allerdings auch skeptische
Stimmen. „Die Schule als komplett rauchfreie Zone ist unrealistisch“,
sagt Lothar Köhncke von der Schulleitung der IGS Roderbruch. Ein
solches Verbot lasse sich nicht vollständig durchsetzen. Letztlich
würde Schüler damit nur in Bereiche gedrängt, in denen
sie sich nicht mehr kontrollieren ließen.
tof Veröffentlicht 07.03.2003 21:21 UHR |
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