RAUCHEN  - Doku des Stadtelternrates Hannover
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HAZ, 26.10.2005   Lehrer drohen mit Klassenfahrt-Stopp   Pädagogen der IGS LInden und berufsbildender Schulen wollen Rauchverbot nicht "wie Sheriffs" überwachen  VON BÄRBEL HILBIG
An der Integrierten Gesamtschule Linden sorgt das landesweite Rauchverbot an Schulen für Ärger – trotz der Herbstferien. Die Lehrer der elften Klassen wollen keine Klassenfahrten mehr machen. „Eltern schaffen es nicht, dass ihre Kinder eine Woche lang nicht rauchen. Aber von uns Lehrern wird erwartet, dass wir den Schülern wie Sheriffs hinterherrennen“, sagt Walther Engel, Leiter der Oberstufe in der Beethovenstraße.
Engel überlegt auch, das jährliche Sommerfest der Oberstufe abzusagen. „Wir haben jedes Mal rund tausend Gäste, es kommen viele Ehemalige und Nachbarn. Wie soll ich garantieren, dass nicht geraucht wird?“ Das Rauchverbot auf dem Schulgelände führt im Alltag dazu, dass etwa 70 Schüler in den Pausen vor dem Schulgebäude rauchen und reden – zum Ärger mancher Nachbarn. „Wir hatten es in jahrelanger Kleinarbeit geschafft, dass die Schüler nicht mehr auf dem Bürgersteig rauchen, und dann kam der Erlass“, sagt Engel. Einige Anwohner beschweren sich nun über Lärm und Müll – und sammeln Unterschriften. „Wir wollen erreichen, dass ein Teil des Schulhofs zur öffentlichen Fläche wird. Dann könnten die Schüler dort rauchen, und allen wäre geholfen“, sagt Nachbar Manfred Böttcher.
Diskussionen über das Rauchverbot gibt es auch an der Berufsbildenden Schule 3 für Berufe am Bau in der Ohestraße. „Wir haben fast nur erwachsene Schüler. Es ist nicht sinnvoll, die Nikotinsüchtigen einfach nur räumlich auszugrenzen“, sagt Schulleiter Manfred Huschka. Der Schulvorstand sorge sich, dass Schüler, die zum Rauchen das Schulgelände verlassen, leichter mit anderen Drogen in Kontakt kämen. Die Schule plant ein umfassendes Präventionskonzept. „Doch dafür brauchen wir Zeit“, sagt der Schulleiter. Nach den Herbstferien wollen Huschka und die Leiter der drei anderen Berufsschulen am Waterlooplatz ihr gemeinsames Vorgehen beraten. Ein Vorschlag wird auch hier darin bestehen, einen Teil des Schulhofs zur öffentlichen Fläche zu erklären, damit die Raucher dort bleiben.
Wenig Verständnis zeigen Schulleiter jedoch für den Plan der IGS Linden, wegen des Rauchverbots Klassenfahrten einzuschränken. Ein Schulleiter nennt die Idee „albern“. Andere verweisen darauf, dass Lehrer und Schüler auch auf Klassenfahrten Freizeit haben. Das betont auch Matthias Gleitze, Leiter der berufsbildenden Alice-Salomon-Schule in Kleefeld. „Wir sehen das realistisch. Wenn Schüler nikotinsüchtig sind, können wir ihnen nicht ununterbrochen auf der Klassenfahrt hinterherlaufen.“ Im Kultusministerium wird das ähnlich gesehen. „Die Schule entscheidet unter pädagogischen Gesichtspunkten, wie sie damit umgeht. Wir setzen voll und ganz auf die pädagogische Fachkompetenz unserer Schulleiter und Lehrer“, sagt ein Sprecher.


NEUE PRESSE, 26.10.2005   Rauchverbot   Schule stoppt Klassenfahrten   IGS Linden kippt auch Schulfest - Stadtelternrat hält Erlass für unausgegoren -  Kultusministerium hält an Regelung fest     VON NORA LYSK
HANNOVER. Das Rauchverbot an Schulen sorgt weiter für dicke Luft: An der IGS Linden fallen jetzt sogar die Klassenfahrten der Oberstufe aus – weil das Verbot während der Reise nicht kontrolliert werden kann.
„Solange wir keine klare Aussage aus dem Ministerium haben, wie wir auf Klassenfahrten mit dem neuen Erlass umzugehen haben, werden wir auch nicht fahren“, kündigt Walther Engel, Sekundarstufe-II-Leiter der IGS Linden an. Hintergrund: Das Nikotinverbot gilt für alle – auch für Lehrer. Und laut Erlass ist Rauchen nicht nur auf dem Schulgelände verboten, sondern auch auf auswärtigen Schulveranstaltungen. Hierzu zählen auch Klassen- und Studienfahrten.
„Wir brauchen klare Aussagen“, fordert Engel. Er könne erwachsene Schüler schließlich nicht 24 Stunden am Tag kontrollieren. „Es ist unwürdig für einen Lehrer, dauernd mit erhobenem Zeigefinger herumzulaufen“, ärgert er sich. Und kündigt eine weitere Maßnahme an: „Das Schulfest fällt auch aus.“ Denn seit Anfang des Schuljahres dürfe laut Ministerium auch kein Alkohol auf derartigen Veranstaltungen mehr ausgeschänkt werden.
Der Stadtelternratsvorsitzende Richard Lochte versteht die Wut. „Der Erlass ist völlig unausgegoren“, sagt er.
Aber Kultusministeriumssprecher Georg Weßling sieht keinen Anlass für Nachbesserungen: „Wir vertrauen auf die pädagogischen Fähigkeiten der Lehrer bei der Umsetzung des Rauchverbots.“ An der IGS Roderbruch gibt es dabei noch keine Probleme: „Es gilt das Rauchverbot. Auch auf Klassenfahrten“, sagt Schulleiter Bernd Steinkamp.


Was steht im Erlass des Ministeriums
Der Erlass zum „Rauchen und Konsum alkoholischer Getränke in der Schule“ verbietet seit dem 31. Juli 2005 Zigaretten- und Alkoholkonsum im Schulgebäude und auf dem Schulgelände sowie bei Schulveranstaltungen, die außerhalb der Schule angeboten werden. Der letzte Punkt betrifft Klassen- und Studienfahrten. Ausnahmen sind nur vom Verbot alkoholischer Getränke und unter „Anlegung eines strengen Maßstabes“ möglich. Die Schule muss außerdem ein Präventivkonzept entwickeln, um „die zukünftige Generation vor den gesundheitlichen, gesellschaftlichen, umweltrelevanten und wirtschaftlichen Folgen des Tabak- und Alkoholkonsums sowie des Passivrauchens zu schützen“. nl

Wer muss sich nach dem Erlass richten
Vom Rauchverbot an Schulen sind grundsätzlich alle betroffen, die sich auf dem Schulgelände und im Schulgebäude aufhalten und an schulischen Veranstaltungen teilnehmen. Das Verbot gilt also nicht nur für alle Schülern, sondern auch für Lehrer, Hausmeister oder die Schulassistenten. Das heißt: Auch im Lehrerzimmer und in den Aufenthaltsräumen darf seit Beginn dieses Schuljahres nicht mehr geraucht werden.
Auch bei der Entwicklung der Präventivkonzepte zum Schutz vor den Folgen des Tabak- und Alkoholkonsums ist nicht nur die Schulleitung gefragt. Schülerschaft und Erziehungsberechtigte sind mit einzubeziehen. Am Ende muss der Schulelternrat zustimmen. nl

Keine Klassenfahrten wegen des Rauchverbots? Sagen Sie uns Ihre Meinung per Fax (05 11/52 45 54), Brief (NP direkt, 30148 Hannover) oder Mail (direkt@neuepresse.de).

NEUE PRESSE, 09.09.2005     Schüler, Lehrer, Nachbarn  -  Allen stinkt Rauchverbot an Schulen    VON K. SCHREITER, F. MAST UND H. RANDERMANN      HANNOVER/NEUSTADT/BARSINGHAU-SEN. Erst kam das Rauchverbot – und jetzt herrscht dicke Luft an Niedersachsens Schulen: Weil die Schüler nicht mehr auf den Pausenhöfen rauchen dürfen, gehen sie auf anliegende Straßen und Parkplätze.     Die Folge: Viele Anwohner sind genervt von Lärm und weggeworfenen Zigarettenstummeln auf Gehwegen und in Vorgärten. Selbst die Lehrer sind mittlerweile wieder für die Abschaffung des Rauchverbots. Es „verletzt die Persönlichkeitsrechte“ der Pädagogen, beklagt sich Gitta Franke-Zöllmer, Chefin des Vereins Bildung und Erziehung (VBE).   „Eimerweise Kippen“ will ein Neustädter von seiner Hofeinfahrt an der Friedrich-Brandt-Straße bei der Berufsschule bereits aufgesammelt haben. In Barsinghausen ein ähnliches Bild: Etliche Zigarettenstummel pflastern den Fußweg am Schulhof. „Wir haben uns schon mit einem Brief bei der Stadt beschwert, aber es hat nicht geholfen“, sagt eine Nachbarin. Der Berufsschullehrerverband Niedersachsen (BVN) fordert Kultusminister Bernd Busemann auf, das Rauchverbot zurückzunehmen: „Es sollte wieder Raucherecken auf den Schulhöfen geben“, so BVN-Chef Heinz Ameskamp.         Busemann zufolge betrifft das Problem nur wenige der 264 Berufsschulen. „Ich werde die Linie nicht ändern, mich aber um jeden einzelnen Fall kümmern“, sagte er gestern gegenüber der NP.
NEUE PRESSE, 09.09.2005    Das sagen die Eltern  „Ein Verbot macht eher neugierig“, befürchtet Garnet Eichholz vom Stadtelternrat Hannover.  „Außerdem ist das Thema durch den Erlass nicht aus dem Blickfeld gerückt. Vor allem nicht für die jüngeren Schüler. Die Kleinen sehen nun die Großen auf der Straße rauchen, wenn sie vom Schwimmunterricht oder der Turnhalle kommen, wenn sie zum Unterricht gehen oder Schulschluss haben“, so Eichholz.
Und die Lehrer treffen sich häufig bei den Hausmeistern, die auf dem Schulgelände wohnen. Das ist Privatbereich, und da ist Rauchen gestattet.“
EUE PRESSE, 09.09.2005    Schall und Rauch  VON HEIKO RANDERMANN    Der Erlass liest sich einfach: An allen Schulen in Niedersachsen ist seit diesem Halbjahr das Rauchen verboten – sowohl in den Gebäuden als auch auf dem Gelände, für Lehrer und für Schüler, ohne Ausnahme. Dass damit natürlich tausende Schüler nicht plötzlich das Rauchen aufgeben, sondern stattdessen quatschend und qualmend auf die Straße gehen, steht zwar nicht im Erlass – doch man hätte es sich wohl denken können.    So sind auf einmal die Anwohner der Schulen zu den Leidtragenden geworden und haben sich in den Streit um Schall und Rauch eingeschaltet: Hebt das Qualmverbot auf, fordern sie. Unterstützt werden sie dabei von vielen Lehrern, die sich vom Anti-Raucher-Erlass gegängelt fühlen.       Die Wut ist verständlich, doch auf eine Rücknahme sollte sich das Kultusministerium nicht einlassen. Das Rauchverbot ist richtig und muss beibehalten werden. Es gibt kein Recht auf Rauchen, und wenn die Schule auch keine Möglichkeit hat, das Rauchen ihrer Schüler ganz zu verhindern, heißt das nicht, dass sie es ihnen ermöglichen muss. Viele Raucher haben auf dem Pausenhof ihre erste Zigarette probiert – ein Lernerfolg, auf den keine Schule stolz sein kann. Rauchverbote auf dem Schulhof sind zu Recht in fast allen europäischen Ländern eine Selbstverständlichkeit.    Die Anwohner wird das wenig trösten. Sie können sich aber darauf freuen, dass die Gruppe der Raucher vor ihrem Haus kleiner wird, wenn der Winter kommt. Und ein ein simpler Aschenbecher auf der Straße könnte das Problem entschärfen – und die Wut verrauchen lassen.
Dicke Luft vor den Schultüren     Das Rauchverbot treibt viele Schüler auf die Straße. Vor allem die Berufsschüler sammeln sich in den Pausen zum Qualmen und Quatschen vor der Tür – zum Ärger mancher Anwohner. Aber auch bei Lehrern stößt der Erlass nicht nur auf Verständnis. Fabian Mast, Heiko Randermann und Katrin Schreiter haben sich in der Region umgehört.
Anwohner ärgern sich über Kippen   HANNOVER. Die Qual mit dem Qualmverbot: Der neue Anti-Raucher-Erlass des Niedersächsischen Kultusministeriums bringt Bewegung in die Schulen. Statt auf dem Pausenhof rauchen erwachsene Schüler auf der Straße. Nach der Pause ziehen sie von dannen – zurück bleiben haufenweise Zigarettenkippen.       Passanten sind genervt, Anwohner stocksauer: „So kann das nicht weitergehen“, sagt ein ehemaliger Lehrer, der wenige Meter vom Pausenhof des Schulzentrums Spalterhals entfernt wohnt. Seine Beschwerde bei der Schulleitung hat bislang nicht gefruchtet – wie auch? „Außerhalb des Schulgeländes haben wir keine Möglichkeit einzuschreiten“, sagt Manfred Franke, stellvertretender Leiter des Gymnasiums.
„Der Erlass ist sinnlos.“ „Ich kann den Ärger von Anwohnern verstehen. In der alten Raucherecke hatten wir einen Aschenbecher, an der Straße nicht“, sagt Schülerin Janine Herrmann (18). Auf Anfrage der NP räumte die Stadtverwaltung ein, das Problem nicht gekannt zu haben. „Wir werden das beobachten und mit der Schule eine Lösung erarbeiten“, sagte Ernst Paulsen, Fachbereichsleiter Bildung, Kultur und Jugend.       Kippenflut auch in Neustadt: Zwar war das Gelände der Berufsbildenden Schulen wohl nie so sauber wie heute. „Dafür hat sich das Problem verlagert“, sagt Vize-Leiter Fritz Michler. Zum Beispiel zu den Bushaltestellen. „Mittags mache ich hier sauber, abends sieht es wieder aus wie vorher“, sagt eine Reinigungskraft des Bauhofs. „Der Erlass ist sinnlos, mit Rauchen hört deswegen keiner auf“, meint Schülerin Annika Malcherek (19).
Schulhof wird kaum genutzt   „Seit die Ferien zu Ende sind, stehen die Schüler zum Rauchen auf der Straße“, berichtet ein Anwohner der IGS Linden. Es sei dadurch erheblich lauter geworden, auch weil einige Schüler bei ihrer Raucherpause das Autoradio laufen lassen. „Und es liegen überall Kippen herum.“     Schüler-Wanderung auch an der BBS 14 (Roderbruch): „Nicht nur die Raucher, auch ihre Freunde gehen in der Pause vor die Tür“, sagt Schüler Ferhat Ayar. „Das sind mehr als die Hälfte“, schätzt der 20-Jährige. Kornelia Küchler, stellvertretende Schulleiterin, bestätigt: „Etwa 500 Schüler stehen in der Pause draußen. Unser Schulhof wird kaum noch genutzt.“     Für die Polizei bislang kein Thema: Nur die Behinderung des Radweges an der Lavesallee führte bislang zu Beschwerden.


NEUE PRESSE, 09.09.2005   „Die meisten Lehrer stehen hinter dem Erlass“ 
Die NP sprach mit Kultusminister Bernd Busemann (CDU) über den Ärger mit der neuen Vorschrift und über ein Lob an der Lehrerschaft.
Aus einigen Schulen kommt Kritik am Erlass. Viel Rauch um nichts?
Ach, wissen Sie, ich war doch nicht so naiv und habe gedacht, dass alles gleich glatt gehen wird. Natürlich müssen auch Präventivmaßnahmen greifen. Nur die Aschenbecher wegräumen – das bringt es nicht.
Auch Lehrer schimpfen ...
... nur einzelne, bei denen die Sucht sehr groß ist. Aber die meisten stehen hinter dem Erlass. Ein Lob an die Lehrerschaft.
Schüler treffen sich zum Rauchen auf der Straße, Anwohner beschweren sich.
Kippen in Nachbars Garten – das ist rücksichtslos, so darf man nicht sein Recht einfordern. Da versteh ich die Anwohner, wenn sie sich ärgern. Doch bei den Gymnasien, Haupt- und Realschulen gibt es diese Schwierigkeiten kaum. Nur bei einigen Berufsschulen. Ich werde meine Linie nicht ändern, mich aber um jeden einzelnen Fall kümmern.
Gab es bereits Sanktionen gegen qualmende Lehrer oder Schüler?
Da ist mir nichts bekannt. KaSch


NEUE PRESSE, 09.09.2005     „Zumutung für erwachsene Menschen“   Auch Lehrer dürfen in der Schule nicht mehr rauchen. Die Wut in den Kollegien ist groß.      HANNOVER. Unmut unter den Lehrern: Vor allem die Raucher fühlen sich durch das Verbot in ihrer Freiheit beschnitten.        „Das sind Maßnahmen, die stark in das Persönlichkeitsrecht eingreifen“, meint Gitta Franke-Zöllmer, Chefin des niedersächsischen Vereins Bildung und Erziehung. „So werden erwachsene Menschen gegängelt.“ Generell sei man natürlich gegen das Rauchen, stellt Gitta Franke-Zöllmer klar. „Wir begrüßen den Ansatz. Aber solange noch Zigarettenautomaten vor den Schulen stehen, bringt dieser Erlass nichts. Da muss man gesamtgesellschaftlich ran.“
Für die Schüler sei das Verbot „total unpädagogisch“, nun zünde man sich erst recht eine an. Außerhalb des Geländes, wo nun auch viele rauchende Lehrer stehen.          In vielen Schulen sammelten sich die Lehrer auch beim Hausmeister. Franke-Zöllmer: „Dort ist Rauchen erlaubt. Denn seine Wohnung untersteht nicht dem Kultusminister ...“ Oder sie gehen einmal heimlich um die Ecke, wie die Lehrer der Haupt- und Realschule Fössefeld. „Eine Zumutung für erwachsene Menschen und einfach lächerlich“, findet Lehrerin Birgid Schellenwald, die zu den zwei Dritteln Nichtrauchern im Kollegenkreis gehört.         „Trotzdem nervt mich das tierisch. Jeder sollte seine Pause so gestalten, wie er möchte, und nicht in die Illegalität getrieben werden.“ Diese unnötige Diskussion lenke nur von den wirklichen Problemen ab, die das Schulwesen zurzeit habe.       Aus der Not eine Tugend macht Johannes Strobel. Sobald der Deutschlehrer am Barsinghäuser Schulzentrum Spalterhals eine Freistunde hat, setzt er sich in seinen Lupo, die Pfeife in der Tasche und fährt die Einsteinstraße hinauf. „Von dort aus hat man einen fantastischen Blick bis nach Hannover“, sagt der Wennigser. Und dann: Motor aus, Musik an und genießen.        Kürzer treten muss Strobel allerdings in den kleinen und großen Pausen. Dann fehlt die Zeit für einen kleinen Ausflug: „Das fällt nicht leicht“, sagt er.


HAZ, 08.03.2003       Gymnasium verbietet Rauchen   Als erstes hannoversches Gymnasium wird die Herschelschule zur komplett rauchfreien Zone: Sowohl Schüler als auch Lehrer dürfen vom kommenden Schuljahr an im Gebäude und auf dem Hof nicht mehr zur Zigarette greifen.       „Wir wollen die Schüler zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit ihrem Körper und ihrer Gesundheit erziehen“, sagt Leiter Werner Heisterberg, „und dabei klare Spielregeln vorgeben.“          Das Verbot kam nach dreijähriger Diskussion mit großer Mehrheit von Eltern und Lehrern zu Stande, allerdings gegen die Stimmen der Schülervertreter. In einer Abstimmung hatten sich zuvor rund 60 Prozent für die alte Regelung ausgesprochen, die eine Raucherecke für die älteren Schüler und ein Raucherzimmer für die Lehrer vorsah. Dennoch ist Heisterberg optimistisch, dass sich das Verbot durchsetzen lässt: „Man muss es versuchen.“           Wer erwischt wird, muss sich zunächst ein „ermahnendes Gespräch“ gefallen lassen. Im Extremfall droht der Schulverweis. Schülersprecher Dimitrij Iwanov glaubt nicht, dass es dazu kommen wird: „Die meisten haben sich damit abgefunden.“ Im Unterricht will Heisterberg das Verbot durch Projekte zu den Folgen des Rauchens ergänzen. „Wir müssen die Jüngeren davon abhalten, den  Älteren nachzueifern.“ Die Herschelschule liegt in Vahrenheide und ist eine Ganztagsschule. 65 Lehrer unterrichten dort 600 Schüler.            Mit ihrem konsequenten Rauchverbot bleibt die Herschelschule möglicherweise nicht lange allein. „Wir werden uns ganz sicher anschließen, sobald es erste positive Erfahrungen gibt“, kündigt der Leiter der Goetheschule, Wilhelm  Bredthauer, an. „Das ist eine Diskussion, die wir bei uns aufnehmen sollten“, meint sein Kollege Martin Stupperich von der Leibnizschule. Auch an der IGS List könnte das Beispiel Schule machen. Wie an allen Schulen, die nur bis zur zehnten Klasse reichen, herrscht dort für die Schüler ohnehin komplettes Rauchverbot. Jetzt diskutieren die Lehrer, ob auch sie ihr Raucherzimmer aufgeben.       Es gibt allerdings auch skeptische Stimmen. „Die Schule als komplett rauchfreie Zone ist unrealistisch“, sagt Lothar Köhncke von der Schulleitung der IGS Roderbruch. Ein solches Verbot lasse sich nicht vollständig durchsetzen. Letztlich würde Schüler damit nur in Bereiche gedrängt, in denen sie sich nicht mehr kontrollieren ließen.    tof   Veröffentlicht 07.03.2003 21:21 UHR
 


 










HAZ, 08.03.2003  Gymnasium verbietet Rauchen
         Als erstes hannoversches Gymnasium wird die
         Herschelschule zur komplett rauchfreien Zone: Sowohl
         Schüler als auch Lehrer dürfen vom kommenden Schuljahr an
         im Gebäude und auf dem Hof nicht mehr zur Zigarette greifen.
 

   „Wir wollen die Schüler zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit ihrem
   Körper und ihrer Gesundheit erziehen“, sagt Leiter Werner Heisterberg, „und
   dabei klare Spielregeln vorgeben.“

   Das Verbot kam nach dreijähriger Diskussion mit großer Mehrheit von Eltern
   und Lehrern zu Stande, allerdings gegen die Stimmen der Schülervertreter. In
   einer Abstimmung hatten sich zuvor rund 60 Prozent für die alte Regelung
   ausgesprochen, die eine Raucherecke für die älteren Schüler und ein
   Raucherzimmer für die Lehrer vorsah. Dennoch ist Heisterberg optimistisch,
   dass sich das Verbot durchsetzen lässt: „Man muss es versuchen.“ 

   Wer erwischt wird, muss sich zunächst ein „ermahnendes Gespräch“ gefallen
   lassen. Im Extremfall droht der Schulverweis. Schülersprecher Dimitrij Iwanov
   glaubt nicht, dass es dazu kommen wird: „Die meisten haben sich damit
   abgefunden.“ Im Unterricht will Heisterberg das Verbot durch Projekte zu den
   Folgen des Rauchens ergänzen. „Wir müssen die Jüngeren davon abhalten, den
   Älteren nachzueifern.“ Die Herschelschule liegt in Vahrenheide und ist eine
   Ganztagsschule. 65 Lehrer unterrichten dort 600 Schüler.

   Mit ihrem konsequenten Rauchverbot bleibt die Herschelschule möglicherweise
   nicht lange allein. „Wir werden uns ganz sicher anschließen, sobald es erste
   positive Erfahrungen gibt“, kündigt der Leiter der Goetheschule, Wilhelm
   Bredthauer, an. „Das ist eine Diskussion, die wir bei uns aufnehmen sollten“,
   meint sein Kollege Martin Stupperich von der Leibnizschule. Auch an der IGS
   List könnte das Beispiel Schule machen. Wie an allen Schulen, die nur bis zur
   zehnten Klasse reichen, herrscht dort für die Schüler ohnehin komplettes
   Rauchverbot. Jetzt diskutieren die Lehrer, ob auch sie ihr Raucherzimmer
   aufgeben.

   Es gibt allerdings auch skeptische Stimmen. „Die Schule als komplett rauchfreie
   Zone ist unrealistisch“, sagt Lothar Köhncke von der Schulleitung der IGS
   Roderbruch. Ein solches Verbot lasse sich nicht vollständig durchsetzen.
   Letztlich würde Schüler damit nur in Bereiche gedrängt, in denen sie sich nicht
   mehr kontrollieren ließen. 
 

   tof

   Veröffentlicht 07.03.2003 21:21 UHR
   Zuletzt aktualisiert 07.03.2003 21:25 UHR

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