REINIGUNG  - Dokumentation des Stadtelternrates Hannover
 

BRIEF, 04.03.2008

Brief des Kollegiums der GS Hägewiesen

Sehr geehrte Frau Drevermann, hiermit möchten wir uns für Ihre Auskunft bezüglich unseres Schreibens bedanken und
antworten.

Das 8,6 Mio. Euro für Reinigungskosten an städtischen Schulen aufgewendet werden, ist eine beeindruckende Information, dennoch ändert es nichts an der von uns beschriebenen Situation; dass das derzeitige "Leistungsverzeichnis" bereits seit Anfang der 90-iger Jahre unverändert geblieben ist, hat uns sehr überrascht.
Der "Ortstermin" an unserer Schule am 11.12. 2007 war für uns insofern relativ 'früh', als wir die Leistungen der neuen Reinigungsfirma zwar als gravierende Verschlechterung der Situation wahrgenommen haben,
jedoch erst mal auch einen Termin zum Austausch über diese Veränderung finden mussten. Wie Sie sicher wissen, haben z. Zt. insbesondere die Grundschulen durch neue Curricula, etc. sehr viel zusätzliche Arbeit.
Feststellen lässt sich, dass die frühere Reinigungsfirma "Schmalstieg" trotz des gleich gebliebenen "Leistungsverzeichnisses" die Arbeit zufriedenstellend erledigen konnte, während die neu beauftragte Firma "Helms" dies eindeutig nicht mehr tut.
Sicherlich ist diese Firma deutlich billiger, hat aber auch deutlich weniger Personal und deutlich weniger aufzuwendende Arbeitsstunden veranschlagt:

3 Reinigungskräfte statt bisher 5 und pro Reinigungskraft 4 Arbeitsstunden zu vorher 3,25 d.h. insgesamt 12 Stunden für unser gesamtes Schulgebäude. Unsere Schule ist groß: Unterrichtsräume, etliche Fachräume (Küche, Bewegungsraum, Computerraum, Internetraum, Kunstraum, Musikraum, Lehrerzimmer, Schulkindergarten, Turnhalle, Geräteraum, Duschen, Förderräume, Büros, Werkraum, Filmraum, Lehrmittelraum, etc., plus sämtliche Flure, plus Pausenhalle; insgesamt 4735 qm! 12 Stunden können hier für nicht ausreichend sein.

Obwohl wir unseren "pädagogischen Auftrag" auch -und natürlich auch!- in Bezug auf 'Aufräumen, nach der Arbeit' (nach dem Frühstück, nach dem Basteln, nach dem Tuschen, nach dem Arbeiten mit Knete, mit Wachsmalern, mit unterschiedlichsten Naturmaterialien: Erde, Sand, Ton, Wasser, Seife, Kastanien, usw.) sehr wohl begreifen, haben wir ein Problem! Nicht nur die mangelnde Sauberkeit, sondern schlicht mangelhafte hygienische Verhältnisse und dadurch bedingt eine Häufung von Hausstauballergien, Infekten, sämtlichen Viruserkrankungen, Pilzinfektionen, etc.

Wir sind eine Grundschule; d.h. unsere Klassenräume sind nicht steril gestaltet! Wir haben Bilder an den Wänden, Poster an den Türen, Pflanzen auf der Fensterbank und kleben ab und an auch etwas an die Fenster! Wir könnten das ändern, aber Neue Curricula würden wir damit sicher nicht so ganz erfüllen!
Wir versuchen den Kindern eine liebevolle, ordentliche und sorgsame Gestaltung von Lebensräumen vorzuleben. Kinder brauchen das Vorbild!
Und so geht es nicht:
* 1. Klässler schaffen es gelegentlich nicht zur Toilette! Was bedeutet "Sichtreinigung"?
* Grundschüler übergeben sich manchmal! Was glauben Sie, wer das aufwischt?
* Grundschüler sitzen nicht 4 Jahre auf demselben Platz!
* Wir wischen unsere Lehrertische selbst! Schon lange!
* Wir bestellen Kakao/Milch und da kippt auch mal was um, oder läuft aus. Kinder wischen auf und Lehrer auch. Aber gut riechen tut es nicht!
* Grundschüler, auch 1. Klässler (mit ergonomischem Mobiliar!) stellen 4 x in der Woche die Stühle hoch; Freitag nicht!! Hat man es 1x mal vergessen, erfolgt 2 Wochen keine Reinigung der Tische!!

* Wir alle sind mittlerweile 'auf Hausschuhe im Klassenraum umgestiegen' und wir fegen selbst; dennoch ist alles verdreckt und verstaubt.
* Was ist mit den Fachräumen? Sollten wir die jetzt auch putzen? Es wäre dringend nötig.
* Auch Erst- und Zweitklässler heben 2x täglich sehr schweres (ergonom.)Mobiliar, Stühle mit Metallfuß.

Bitte haben Sie Verständnis, wenn wir den unterschwelligen Vorwurf: Die Lehrkräfte an unserer Schule würden Ihren "pädagogischen Auftrag" nicht wahrnehmen, als Affront empfinden.

Wir werden uns hiermit auch an die seit Sommer 2007 beauftragte Firma wenden, aber wir wenden uns auch erneut an Sie. Hier liegt ein wirklicher Missstand vor. Und wir bitten Sie, dies zur Kenntnis und unser Anliegen ernst zu nehmen. Grundschulen haben im Moment immer mehr und immer neue Aufgaben zu erfüllen; sehen Sie dieses Schreiben bitte auch als einen Teil unseres Engagements.

Wir sorgen nicht für uns als Lehrer und auch nicht für unsere Bequemlichkeit, wenn wir schildern, wie die Reinigungssituation in der Realität aussieht!
(z.B. Klassen mit fast 50% Krankheitsstand!) Wir bitten dringend um Unterstützung von Ihrer Seite: Ein verbindliches "Leistungsverzeichnis" (teilweise erweitert, teilweise auch reduziert…!) in Zusammenarbeit mit uns (?) und die Gewährleistung der Einhaltung der vereinbarten Leistungen, bzw. eine Qualitätskontrolle der Arbeit, der von Ihnen neu beauftragten Firmen.

Wir bitten dringend um:
1) Tägliches (feucht) Wischen der Schülertische!
2) 1x wöchentlich (nass) richtig wischen der Klassenräume und auch der anderen Räume!
3) Bei Bedarf: Nicht nur "Sichtreinigung"!!
4) Rücksprache (der Firma) mit dem Kollegium: Wann sind Fensterbänke leer zu räumen, etc.Terminabsprache!
5) Entweder "Auf-", oder zumindest "Abstuhlung"
6) 2 x wöchentlich: Desinfektion der Türgriffe, Toilettensitze, etc.
7) Klare Absprachen nicht nur über den Preis der entsprechenden Firma, sondern auch über Reinigungszeit/Anzahl Personal bei xx qm zu reinigender Fläche!!!
8) spez. Reinigungskonditionen nach "Schulfesten" (Fasching, etc.): Absprache mit der betr. Reinigungsfirma in regelmäßigen Abständen.
9) Die Firma "Helms" hat sich bei uns noch nie vorgestellt.

Dies alles können wir nicht allein regeln. Wir brauchen Ihre Unterstützung. Wir wissen um unseren pädagogischen Auftrag und nehmen ihn längst nicht nur im Hinblick auf Unterricht und Erziehung wahr. Jedoch auch für uns gibt es Grenzen der Belastbarkeit; mindestens dort wo mangelnde hygienische Verhältnisse an öffentlichen Grundschulen herrschen. Von Elternseite wurde uns mitgeteilt, dass ein "Rahmen-Hygieneplan" für Schulen existiert, in dem "Tische nach Erfordernis, aber mind. jeden 2. Tag" gereinigt werden sollten; können Sie uns hierzu weitere Auskünfte geben?

Es geht uns nicht um die "Reinigung von Schrankinnenräumen" und auch nicht vorrangig um die "Fensterrahmenreinigung".

Der FB Bibliothek und Schule hat noch keinen Ortstermin mit uns vereinbart, wie dies für "Beginn des Jahres" in Ihrem Schreiben angekündigt war; wir bitten hiermit um einen Termin (nach den Osterferien) und möchten von unserer Seite dafür den 16. April, alternativ den 23. April anbieten.

Mit freundlichen Grüßen und der Bitte um die Weiterleitung an den Oberbürgermeister. Wir werden dieses Schreiben nachrichtlich an die "Elternvertretung" unserer Schule, an andere Grundschulen, den "AK - Grundschule", den Stadtelternrat, die kommunale Gebäudereinigung, den FB Bibliothek und Schule, die Firma "Helms", so wie an das Gesundheitsamt (FB Hygiene), Region Hannover weiterleiten.

Das Kollegium der Grundschule "Hägewiesen" ..>> Reinigung

 

HAZ, 07.12.2007

Lehrer fordern Putzkontrolle
HAZ, 07.12.2007 Lehrer fordern Putzkontrolle - Anweisung für Hausmeister Nachdem der Stadtelternrat die Sauberkeit an Hannovers Schulen kritisiert hat, melden sich jetzt auch Lehrer zu Wort. „Wenn man ernst nimmt, was im Leistungsverzeichnis zur Schulreinigung steht, sind die Arbeitszeiten zu knapp bemessen“, sagt ein Schulleiter. . .>>siehe unten ..>> Reinigung
HAZ, 04.12.2007 Eltern wollen Schultoiletten nicht malern. Die Elternvertreter lehnen den „Schönheitswettbewerb“ jedoch ab. Farbe allein helfe nicht mehr, wenn Trennwände kaputt seien, Schimmelpilz sich ausbreite oder die Türen nicht schließen, sagt Garnet Eichholz, Vorsitzende des Stadtelternrats. „Manche Schüler gehen deshalb nicht auf die Toilette.“ Die Eltern fordern deshalb, mit dem aufgestockten Etat kurzfristig die Grundausstattung mit Seifenspendern, Handtuchhaltern und Papier zu sichern sowie kleinere Reparaturen durch Hausmeister oder Fachfirmen machen zu lassen.
Außerdem wünscht der Stadtelternrat vom Fachbereich Gebäudewirtschaft einen Bericht über Baujahr, Zustand und Sanierungsbedarf der Schultoiletten ....>>siehe unten...>> Reinigung
HAZ, 28.09.2007 "Budget fürs Putzen ist zu gering" Interview mit der Vorsitzenden des Stadtelternrates Garnet Eichholz .>>siehe unten .. >> Reinigung
HAZ, 28.09.2007 Das stinkende Örtchen Veraltete Toilettenanlagen und Vandalismus der Schüler gehen oft Hand in Hand ..>>siehe unten..>> Reinigung
HAZ, 28.09.2007 Einmal am Tag reicht Hannovers Kultur- und Schuldezernent Harald Böhlmann (SPD) sieht keinen Grund, Schulen der Stadt in Zukunft öfter zu reinigen ...>>siehe unten. >> Reinigung
HAZ, 28.09.2007 Eintrittsgeld für mehr Service Manche Schulen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erheben seit einigen Jahren – im Gegensatz zur Integrierten Gesamtschule (IGS) List – bereits bei jedem einzelnen Toilettenbesuch eine Gebühr ...>>siehe unten. >> Reinigung
 

HAZ, 07.12.2007

Lehrer fordern Putzkontrolle - Anweisung für Hausmeister

Von Bärbel Hilbig
Nachdem der Stadtelternrat die Sauberkeit an Hannovers Schulen kritisiert hat, melden sich jetzt auch Lehrer zu Wort. „Wenn man ernst nimmt, was im Leistungsverzeichnis zur Schulreinigung steht, sind die Arbeitszeiten zu knapp bemessen“,
sagt ein Schulleiter. Er bemängelt, dass nicht klar geregelt sei, wer die Arbeit der Reinigungsfirmen kontrolliert. „Die Hausmeister müssten eine Dienstanweisung bekommen, was sie wie häufig überprüfen und wie sie Mängel melden“, meint der Pädagoge. Bisher hänge es stark vom Engagement des Hausmeisters ab, ob er das Arbeitsresultat der Reinigungstrupps kontrolliere. Auch die Reinigungsfirmen müssten in die Pflicht genommen werden, Vorarbeiter zur Kontrolle zu schicken. Die Stadt weist diese Forderungen zurück. Die Hausmeister müssten bereits am Ende jeden Monats die Reinigungsleistung der Fremdfirmen bestätigen. „Wenn sie das nicht gewissenhaft tun, kommen sie ihren Pflichten nicht nach“, sagt Stadtsprecherin Konstanze Kalmus. Den Firmen selbst könne die Stadt nicht vorschreiben, wie sie die Arbeit ihrer Mitarbeiter kontrollieren. Pro Jahr gibt die Stadt 8,6 Millionen Euro für die Schulreinigung aus.

 

HAZ, 04.12.2007

Eltern wollen Schultoiletten nicht malern

Von Bärbel Hilbig
Der Stadtelternrat will beim Thema Schultoiletten nicht locker lassen. Zwar ist sich die rot-grüne Ratskoalition seit einiger Zeit einig, 200 000 Euro extra für die Toilettensanierung bereitzustellen (nachdem zuerst von 400 000 Euro die Rede war). Doch ein weiteres Vorhaben von Rot-Grün missfällt den Eltern: Der Etat, aus dem Eltern, Lehrer und Schüler für Renovierungen in Eigenarbeit Farbe und Ähnliches kaufen konnten, wird um 52 000 Euro auf 125 000 Euro aufgestockt – damit Eltern damit die Schulklos verschönern.
„Wir sind es leid, die Ausputzer zu spielen“, sagt Richard Lochte, Elternvertreter im Schulausschuss
. Außerdem will die Ratskoalition mit dem Geld einen Wettbewerb für Schulklassen starten, in dem Schüler Entwürfe für die Toilettengestaltung machen. Für die besten Vorschläge soll es eine Prämie geben, mit der Dinge wie Farbe, Spiegel, Lampen und Ähnliches gekauft werden können. „Neben den notwendigen Sanierungsarbeiten durch Fachfirmen wollen wir die Schüler aktiv beteiligen“, sagt Regine Kramarek, schulpolitische Sprecherin der Grünen. Das fördere den verantwortungsvollen Umgang mit den sanitären Anlagen.
Die Elternvertreter lehnen den „Schönheitswettbewerb“ jedoch ab.
Farbe allein helfe nicht mehr, wenn Trennwände kaputt seien, Schimmelpilz sich ausbreite oder die Türen nicht schließen, sagt Garnet Eichholz, Vorsitzende des Stadtelternrats. „Manche Schüler gehen deshalb nicht auf die Toilette.“ Die Eltern fordern deshalb, mit dem aufgestockten Etat kurzfristig die Grundausstattung mit Seifenspendern, Handtuchhaltern und Papier zu sichern sowie kleinere Reparaturen durch Hausmeister oder Fachfirmen machen zu lassen.
Außerdem wünscht der Stadtelternrat vom Fachbereich Gebäudewirtschaft einen Bericht über Baujahr, Zustand und Sanierungsbedarf der Schultoiletten
. Bei einer Rangliste für den Sanierungszeitpunkt solle speziell auf Geruchsbelästigung und asbesthaltige Trockenurinale geachtet werden. Auch die Reinigung sei besonders in Ganztagsschulen oft nicht ausreichend, sagt Eichholz. „Wir wollen aber erst sehen, welche Schulen wirklich Bedarf haben, bevor wir weitere Forderungen stellen“, sagt Eichholz.

 

HAZ, 28.09.2007

„Budget fürs Putzen ist zu gering“

An der IGS List zahlen jetzt die Eltern fürs Kloputzen. Muss die Stadt nicht dafür sorgen?

Unbedingt. Stattdessen hat sie das Budget fürs Putzen immer mehr zusammengestrichen. Und sie berücksichtigt bei der Reinigung überhaupt nicht, ob Kinder einen halben oder einen ganzen Tag an der Schule sind.

Ist es in Ordnung, wenn Eltern die zweite Toilettenreinigung in einer Ganztagsschule finanzieren?

Das kann nicht grundsätzlich der richtige Weg sein. An der IGS List ist das aus der Not geboren. Es gibt immer mehr Schüler, die kein Geld für eine warme Mahlzeit haben. Wir diskutieren in Hannover über die Einrichtung eines Schulfonds, weil manche Kinder kein Geld für Schulmaterial haben. Und dann soll jetzt für ein Grundbedürfnis gezahlt werden? In anderen Städten zahlen Schüler bereits für jeden Gang zur Toilette. Da besteht die Gefahr einer Zwei-Klassen-Gesellschaft: Wer Geld hat, geht auf das gepflegte Klo, die anderen müssen die alte Toilette benutzen.

Eltern greifen in den Schulen auch selbst zum Putzlappen. Was machen sie?

Alle Dinge, die im Putzplan nicht oder zu selten vorkommen. Wir ziehen hinter der Heizung vergammelte Brote heraus, putzen Lampenschalen und Jalousien. Häufig räumen die Schüler zum Schuljahresende die Regale aus, und wir säubern sie in einer Putzaktion. Ich habe selbst erlebt, dass nach einer Sanierung noch Schuttberge in den Klassen lagen, die wir Eltern weggeräumt haben.

Verlagern Stadt und Land zu viel Arbeit auf die Eltern?

Es wird zu viel. In einer Behörde muss auch kein Mitarbeiter seine Familie zum Putzen mitbringen. Natürlich sollen Schüler ihren Arbeitsplatz in Ordnung halten und nach dem Unterricht den gröberen Dreck ausfegen. Aber die Grundreinigung ist Sache der Stadt. Eltern helfen bereits beim Lesenlernen, begleiten die Kinder zum Schwimmen, verkaufen Pausenbrote und vieles mehr. Ich hoffe, dass jetzt in der Politik das Bewusstsein dafür wächst.

Interview: Bärbel Hilbig

 

HAZ, 28.09.2007

Das stinkende Örtchen

Von Bärbel Hilbig

Der stechende Geruch, der Besuchern in der Jungentoilette der Grundschule Mengendamm entgegenströmt, verschlägt jedem den Atem. Automatisch tritt man einen Schritt zurück. Till Oberdorfer und Johannes Benning halten sich sofort die Nase zu. „Ja, das stinkt ziemlich. Deshalb gehe ich möglichst nicht aufs Klo“, sagt Johannes. „Ich auch nicht“, ergänzt Till. Der Gestank kommt aus der Pinkelrinne, obwohl sie gerade frisch gestrichen wurde, damit alles besser ablaufen kann. Ein Ventilator läuft im Dauerbetrieb, kann aber nichts ausrichten. Die beiden Viertklässler führen dann noch den Waschraum vor: Papierhandtücher fehlen, und die Seifenspender wurden bei der Sanierung abgebaut und nicht wieder ersetzt.

„Seifenspender sind in der Standardausstattung nicht mehr vorgesehen. Wir brauchen aber Seife“, sagt Schulleiterin Jutta Voß-Hadamla
. Till und Johannes legen aufs Händewaschen zwar nicht so viel Wert – aber viele ihrer Mitschüler beschwerten sich regelmäßig im wöchentlichen Schulplenum. Für die Schulleiterin sind die Urinale in der Grundschule ein Unding. Auch für Reinigungsfrau Uta Schmitz, die die gesamte Wand täglich einmal mit Wasser abspritzt: „Diejenigen, die dafür verantwortlich sind, sollen uns mal vormachen, wie sie das sauber machen würden.“ Die Papierhandtücher verteilt Schmitz nur sparsam in den Spendern – damit die Kinder sie nicht mit Wasser tränken und im Toilettenraum verteilen.

Mit ähnlichen Problemen hat nach Einschätzung des Stadtelternrats fast jede Schule zu kämpfen. Veraltete Toilettenanlagen und Vandalismus der Schüler gehen oft Hand in Hand
. „Es ist ganz wichtig, dass Schüler auf die Toilette gehen können, ohne sich zu ekeln. Da darf die Stadt sich nicht aus der Verantwortung ziehen“, sagt Christian Reichenstorfer, Konrektor der Peter-Petersen-Schule. Dort haben die Schüler im Frühjahr die Toiletten in Eigeninitiative gestrichen und damit jahrealte Graffiti überdeckt. Das Grundproblem seien jedoch die Pinkelrinnen. „Auf unser Reinigungspersonal lasse ich nichts kommen. Doch in den Toiletten hilft auch Putzen nicht mehr“, sagt Reichenstorfer.

An der Integrierten Gesamtschule List hatten Eltern, Lehrer und Schüler jetzt schließlich die Nase voll: Sie haben nach langen Diskussionen in einer „Toiletten-AG“ verschiedene Änderungen beschlossen.
Zum Beispiel zahlen die Eltern pro Schuljahr und Kind sechs Euro, mit denen sie für ihre Ganztagsschule eine zusätzliche Toilettenreinigung pro Tag finanzieren. Die Stadt hatte es abgelehnt, dafür aufzukommen. Früher hätten 400 Schüler halbtags die Schule besucht, jetzt sind es 670, die ganztags kommen, sagt Schulleiter Oswald Nachtwey. „Das ist doch ein himmelweiter Unterschied. Aber die Stadt berücksichtigt das nicht.“

Vorgesehen sei tatsächlich nur eine Toilettenreinigung pro Tag, bestätigt Ulrich Wermke von der Abteilung Gebäudereinigung. „Aber auch an großen Ganztagsschulen wie der IGS Roderbruch oder der IGS Mühlenberg gibt es deshalb keine Probleme.“

Schulelternratsvorsitzende Heike Fortmann legt viel Wert darauf, dass das Toilettengeld nur ein Teil der Änderungen ist. „Unsere Toilettenanlagen sind zum Teil frisch saniert. Und wir wollen diesen Zustand erhalten.“
Schüler und Eltern hatten ein Jahr lang verschiedene Vorschläge diskutiert. Die Schüler selbst wollten mehr soziale Kontrolle in den Toilettenräumen. Dafür sorgen sie nun abwechselnd mit einem Ordnungsdienst, der in den großen Pausen die Toiletten kontrolliert. „Ich fände es nicht okay zu putzen, aber nachzusehen ist in Ordnung. Warum sollen die Lehrer das machen?“, sagt die 14-jährige Charlotte Hagedorn und hebt ein Stück Papier vom Boden auf. Wenn zum Beispiel Handtücher oder Seife fehlen, sagen die Schüler dem Hausmeister Bescheid.

„Wir würden auch andere Kinder ansprechen, wenn die etwas kaputt machen“, sagt Charlotte.
Doch das hätten sie seit Einführung des Dienstes nicht mehr beobachtet. In den noch nicht sanierten Toiletten gibt es zum Teil zwar immer noch verzogene Türen und kaputte Schlösser. Aber die Mädchen finden, dass durch den Ordnungsdienst vieles besser geworden ist. „Mittags war es früher eklig. Da lag Papier rum. Manchmal waren auch die Toiletten damit verstopft“, sagt die 14-jährige Pauline Schulz. Meist seien sie mittags gar nicht mehr auf die Toilette gegangen oder, nach der Sanierung, auf die neuen Toiletten für die Fünftklässler, erzählt Lara Hoehne. „Ich denke, wir achten jetzt mehr darauf und würden auch was sagen, wenn wir gerade nicht Dienst haben“, meint Pauline.

Eltern, Schüler und Lehrer an der IGS List haben aber noch weitere Pläne: Sie wollen überlegen, wie sie die Toiletten ansprechender gestalten können.
Wahrscheinlich werden sie auch eine Toilettenordnung ausarbeiten. Das Toilettengeld wird im Oktober per Lastschriftverfahren eingezogen, wie die Schule es auch mit Kopiergeld und der Leihgebühr für die Schulbücher macht. Alle Eltern sind informiert, ihre Vertreter im Schulelternrat und in der Gesamtkonferenz hatten es so beschlossen. Bisher gab es keine Kritik. Doch die könne noch kommen, meint Schulelternratsvorsitzende Heike Fortmann. Schulleiter Nachtwey geht davon aus, dass sechs Euro pro Jahr für die meisten tragbar sind. „Wenn es Einzelne nicht zahlen, werden wir darauf verzichten.“

Regina Garcia, Mutter von zwei Sechstklässlern an der IGS List, hält die sechs Euro jedoch für gut angelegtes Geld
. Ihre Kinder seien von 8 bis 16 Uhr in der Schule. „Es wäre ungesund, wenn sie aufs Trinken verzichten, weil sie sich ekeln, auf die Toilette zu gehen.“

 

HAZ, 28.09.2007

„Einmal am Tag reicht“

Von Gunnar Menkens

Hannovers Kultur- und Schuldezernent Harald Böhlmann (SPD) sieht keinen Grund, Schulen der Stadt in Zukunft öfter zu reinigen. „Nur an einer einzigen Schule gibt es Probleme mit den Toiletten – und das ist die IGS List.“ Eine wesentliche Rolle beim Zustand sanitärer Anlagen spielten die Schulen selbst. Als Beispiel nannte er von Schülern organisierte Pausenaufsichten.

Der Gebäudewirtschaftsbetrieb, eigentlich zuständig für die Reinigung, wie der Schuldezernent gestern am Rande der Ratssitzung betonte, gibt jährlich 8,1 Millionen Euro aus, um Klassenräume, Flure und Toiletten sauberzuhalten. Unterrichtsräume werden zweimal in der Woche geputzt, Toiletten in jeder Schule täglich. Dies sei so geregelt und habe sich in der Vergangenheit als ausreichend erwiesen, sagte Böhlmann. „Einmal am Tag reicht aus. Wenn eine Schule eine zweite Reinigung will, muss sie selbst zahlen.“ Der Schuldezernent sieht keine Notwendigkeit, die Intervalle zu erhöhen. Was in der IGS List passiert sei, habe nichts mit Versäumnissen der Stadt zu tun.

 

HAZ, 28.09.2007

Klos mit Toilettenfrau: Eintrittsgeld für mehr Service

Von Bärbel Hilbig

Manche Schulen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erheben seit einigen Jahren – im Gegensatz zur Integrierten Gesamtschule (IGS) List – bereits bei jedem einzelnen Toilettenbesuch eine Gebühr. Mit dem Geld wird die Sauberkeit der Anlage finanziert. An der Integrierten Gesamtschule Wilhelmshaven kostet der Gang zum Klo fünf Cent. Gesamtschulen in Unna, Köln und im Ennepe-Ruhr-Kreis kassieren jeweils zehn Cent. An jeder der Schulen gibt es auch kostenfreie Toiletten, die jederzeit zugänglich sind – dort ist der Standard allerdings geringer. In den gebührenpflichtigen Klos wacht meist eine Toilettenfrau darüber, dass keiner der zahlenden Gäste die Anlage beschädigt.

Meist bieten die Toilettenanlagen für das Eintrittsgeld zusätzlichen Service
. In Wilhelmshaven und Unna gibt es Hygieneartikel gratis. Außerdem sind die Räume mit Bildern und anderer Dekoration ansprechend gestaltet. In Köln führte die IGS Holweide bereits 2001 eine gebührenpflichtige Kloanlage mit Toilettenfrau ein. Dort können die Schüler sich kostenfrei an Tampons, Binden, Haargel und Haarspray bedienen. Es läuft Musik, und in einer geräumigen Sitzecke im Eingangsbereich liegen Zeitschriften für die Kunden aus.

In Oldenburg will die IGS Helene-Lange-Schule nach der Sanierung ihrer Klos jetzt ebenfalls für eine von mehreren Toilettenanlagen Gebühren nehmen
. Die Schule hofft, damit dem Vandalismus vorbeugen. bil