BOTANISCHER SCHULGARTEN LINDEN - Doku des Stadtelternrates Hannover
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STADT-ANZEIGER WEST und NORD, 17.04.2003:   Schulbiologiezentrum / Botanischer Schulgarten Linden:   Wo die Feuerwanzen wuseln   Der strahlend-gelbe Winterling ist schon vergangen - jetzt ist der Lerchensporn mit seinen kleinen blauen Röhren an der Reihe. Das blaue Lungenkraut wird sich bald rosa verfärben, und silbern schimmern die Härchen der Küchenschellenblüten im klaren Gegenlicht der Frühlingssonne. Eine kleine Welt für sich ist der Botanische Schulgarten Linden, ein Querschnitt durch eine vielfältige Flora, die sich auf 14 000 Quadratmetern neben dem alten Friedhof den Lindener Berg hinabzieht.    mehr ...
STADT-ANZEIGER WEST UND NORD, 17.04.2003:   Schulbiologiezentrum / Botanischer Schulgarten Linden:   Garten mit Geschichte Schon 1892 war an der Göttinger Chaussee ein Schulgarten eingerichtet worden.  ... Ab den sechziger Jahren wurde der Biologieunterricht immer theoretischer, bis mit dem wachsenden Umweltbewusstsein die praktische Naturerfahrung erneut an Bedeutung gewann. "So sind wir heute wieder beim 'Lernen mit der Hand'."    mehr ...
Wo die Feuerwanzen wuseln
STADT-ANZEIGER WEST UND NORD, 17.04.2003:    Wo die Feuerwanzen wuseln    Der strahlend-gelbe Winterling ist schon vergangen - jetzt ist der Lerchensporn mit seinen kleinen blauen Röhren an der Reihe. Das blaue Lungenkraut wird sich bald rosa verfärben, und silbern schimmern die Härchen der Küchenschellenblüten im klaren Gegenlicht der Frühlingssonne. Eine kleine Welt für sich ist der Botanische Schulgarten Linden, ein Querschnitt durch eine vielfältige Flora, die sich auf 14 000 Quadratmetern neben dem alten Friedhof den Lindener Berg hinabzieht.  Doch nicht nur die Pflanzen erfüllen den Garten mit Leben: Von Frühjahr bis Herbst können die Schulkinder aus Linden und Umgebung hier gärtnern und experimenteren und selbst im Winter immer wieder Neues über die Natur erfahren.         Direkt hinter dem Zaun der vielbefahrenen Badenstedter Straße ist zum Beispiel der Lieblingsplatz der leuchtend roten Feuerwanzen, die in der Sonne auf alten Baumstämmen umherwuseln. "Bei den Kindern beliebt sind auch immer die Erklärungen zum Schöllkraut", erzählt Gabriele Neuhaus-Närmann, die zusammen mit Andreas Ebhardt den Botanischen Schulgarten Linden leitet. Den Saft der Pflanze haben heilkundige Frauen nämlich schon im Mittelalter gegen Warzen benutzt.           Zu den Mitarbeitern des Schulgartens, der dem Schulbiologiezentrum am Vinnhorster Weg im Stadtteil Burg angegliedert ist, zählen auch drei Gärtner und drei Auszubildende im Gartenbau. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass die Schüler hier jede Menge über die Natur lernen können - möglichst auch mit ihrer eigenen Arbeit. " Bei unseren Gartenpraxis-Kursen hilft immer ein Teil der Kinder eine Stunde den Gärtnern, während die anderen sich beispielsweise erzählen lassen, was alles im Kompost lebt", erläutert Neuhaus-Närmann.             Die umweltpädagogische Einrichtung liefert außerdem das Saatgut für die 70 Schulen im Stadtgebiet, die auf ihrem Gelände einen eigenen Garten haben, sowie das Anschauungsmaterial für spezielle Unterrichtsthemen. Viele Schulen haben auf dem Gelände aber auch eigene Beete. Eine Klasse aus der IGS Linden hat Kartoffeln gepflanzt, wie ein Schildchen  auf dem noch kahlen Erdreich beweist; Kinder aus der Grundschule Eleonorenstraße freuen sich auf ihre Sonnenblumen.           Um andere Dinge kümmern sich natürlich die Profi-Gärtner: Auf akkurat mit Buchsbaum umsäumten  Beeten wachsen Heilkräuter wie Spitzwegerich gegen Husten oder "Herzgespann", ein uraltes Stärkungsmittel für den Kreislauf. In der Nähe sind Emmer, Dinkel und Einkorn eingesät, aus denen der heutige Weizen entstand.          Mittendrin in dem Schulgarten dann ein ganz anderes Stück Natur: ein großer Teich, an dem Grasfrösche und Erdkröten zuhause sind. Eine Brücke über den tief eingeschnittenen Zulauf und hohe, dunkle Kiefern erinnern an eine Gebirgsschlucht. Auf der Sonnenseite des Gewässers das "Alpinum".  Klein und schüchtern zeigt in dem Steingarten die Pyrenäen-Aster ihre winzigen Blüten. Daneben ein Drahtspalier für Gutedel und Blauburgunder. Richtiger Wein - Lindener Berg, Westlage. "Ob man den trinken kann, wissen wir nicht", schmunzelt Andreas Ebhardt. Denn über die Trauben machen sich immer die Vögel her.      val       Der Botanische Schulgarten am Lindener Berg steht auch Spaziergängern offen: montags bis donnerstags von 7 bis 15:30 Uhr und freitags von 7 bis 13 Uhr.
Garten mit Geschichte
STADT-ANZEIGER WEST UND NORD, 17.04.2003:    Garten mit Geschichte    Schon 1892 war an der Göttinger Chaussee ein Schulgarten eingerichtet worden. Der Lindener Lehrerverein hatte darauf gedrängt: Denn durch die Industrialisierung und Verstädterung hatten die Kinder immer weniger Berührung mit der Natur. Um 1920 brauchte die Hanomag das Gelände für die Erweiterung ihrer Werksanlagen; der Schulgarten bekam seinen heutigen Standort am Lindener Berg.   Früher befand sich hier einer der Egestorffschen Stollen für Kalkabbau, der später mit Schutt verfüllt wurde.         Als "Gartenarbeitsschule" entstand in den zwanziger Jahren im Norden Hannovers die Anlage auf dem ehemaligen Gut Burg; ein älterer Schulgarten existierte zudem in Kirchrode. Schon die damalige Pädagogik entwickelte Ansätze zu ganzheitlichen Lernerfahrungen: "Lernen mit der Hand" hieß die Devise, die fortführte vom reinen Unterricht am Katheder. Leiter des Botanischen Schulgartens  in Linden war viele Jahre der Schulmann Hillebrecht, Direktor der Lindener Mittelschulen.       Den Anfang für den Schulgarten am Lindener Berg bildeten das alte Gärtnerhaus mit seinen zwei Säulen und eine Moorbeetanlage. In den dreißiger Jahren entstand aus einer ehemaligen Tongrube der Teich. Dort, wo heute der kleine Nadelwald aufragt, war einst die Endstation einer Drahtseilbahn. Als Schulgebäude bekam der Garten ein strohgedecktes Fachwerkhaus, das allerdings im Krieg abbrannte.     Die Nationalsozialisten stellten die Schulgärten in den Dienst einer "Erzeugungsschlacht", die Deutschland unabhängig von landwirtschaftlichen Importen machen sollte. zur Produktion von Fallschirmseide wurden im Schulgarten Linden sogar Maulbeerbäume gepflanzt, in denen sich Seidenraupen heimisch fühlen. Zwei davon stehen noch und sind mittlerweile imposante Baumriesen. "Unter anderem wegen der vorangegangenen Blut-und-Boden-Mythologie hatten die Schulgärten eine Zeit lang keinen guten Ruf", sagt Leiterin Gabriele Neuhaus-Närmann. Ab den sechziger Jahren wurde der Biologieunterricht immer theoretischer, bis mit dem wachsenden Umweltbewusstsein die praktische Naturerfahrung erneut an Bedeutung gewann. "So sind wir heute wieder beim 'Lernen mit der Hand'."

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