SCHWÄNZEN   -   Dokumentation des Stadtelternrates Hannover
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NP, 04.06.2003  Schwänzen: Schülerin schwänzt und fälscht Attest   Null Bock auf Schule – an einem Montag im September machte Ivonne G. (16, Name geändert) blau. Hätte sie geahnt, welchen Ärger sie sich mit Lehrern, Polizei  und Staatsanwaltschaft einhandelte, sie hätte es nicht getan.     mehr ...
Schwänzen:Schule: Pilotprojekt gegens Schwänzen
    Schulschwänzern soll es an den Kragen gehen. Das sieht ein Pilotprojekt des Landes vor. In Hannover machen 37 Schulen mit. Sie schließen Verträge mit den Eltern, werden stärker als bisher von der Polizei unterstützt. Lehrer sind skeptisch. ...  Jetzt ist der Startschuss gefallen: In Hannover machen 37 nach Zufallsprinzip ausgewählte Schulen mit. Außerdem dabei: Osnabrück, Delmenhorst, Friesland. Das Projekt geht bis 2004 und wird wissenschaftlich begleitet. Kosten: 130 000 Euro.
    Zur Intention sagt Projektleiter Bernd Strauch: „Wir wollen Kriminalität vorbeugen. 94,7 Prozent aller Straffälligen waren massive Schwänzer.” 
   So funktionierts: Die Schulen sollen mit den Eltern Verträge schließen. Lehrer verpflichten sich, sofort anzurufen, wenn ein Kind fehlt. Die Eltern sagen telefonische Erreichbarkeit zu.   HANNOVER, VON JULIA PENNIGSDORF NP, 28.02.2003     mehr ...
Schwänzen:   Selbst die Polizei findet die Schwänzer selten
       Bereits im März 2001 hatte Justizminister Pfeiffer medienwirksam ein neues Schulschwänzerprogramm angekündigt. Das Modellprojekt, bei dem vier Ministerien mitreden, scheint nun nach etlichen Verzögerungen zum kommenden Halbjahr am 1. Februar 2003 zu starten.
    „Ich habe Montag die Liste mit den Namen der Schulen bekommen“, sagt Projektkoordinator Bernd Strauch. „Die Schulen melden das Fehlen noch am selben Tag, und die Eltern verpflichten sich, während der Schulzeit erreichbar zu sein“, sagt Justizministeriumssprecher Frank Woesthoff und beschreibt so den Kern des Projekts. ...    Manche Eltern stehen dem Schulschwänzen hilflos gegenüber, sagt Heins. „Wir haben es schon erlebt, dass Eltern ihre Kinder hergebracht haben und diese nach einer Stunde wieder abgehauen sind.“ Und in etlichen der Spätaussiedlerfamilien, aus denen 50 Prozent der Schüler stammen, herrsche  Perspektivlosigkeit. Es bleibt abzuwarten, ob das Modellprojekt in diesen Fällen weiterhelfen kann. Es sieht vor, dass Teams aus Schulpsychologen,    Sozialarbeitern und Vertrauenslehrern Elternhäuser und Schulen unterstützen.     bil    Veröffentlicht 02.12.2002 21:52 UHR HAZ, 03.12.2003     mehr ...
Wer häufig Schule schwänzt: Bußgeld   Niedersachsen geht gegen Schulschwänzer vor: „Eltern werden künftig sofort per Telefon benachrichtigt, wenn ein Kind nicht in der Schule auftaucht”, kündigte Kultusministerin Renate Jürgens-Pieper (SPD) an.   (NP, 06.06.2002)    mehr ...
Wer zehnmal schwänzt- Was erlauben wir an unseren Schulen – und was können sich Schüler erlauben?   In der Landeshauptstadt werden beide Eltern und Schüler von 14 Jahren an mit  Bußgeldbescheiden zur Kasse gebeten – im vergangenen Jahr 721-mal. HAZ,  18.05.2002  mehr ...
Helfer besuchen Schulen - Justizminister Pfeiffer setzt Kampf gegen Schwänzen fort HAZ,  08.11.2001mehr ...
Niedersachsen - Nachrichten
Eine Schule nur für Schwänzer
   Das Projekt „Auszeit“ soll Modell für Niedersachsen sein. Oft decken die Eltern das Fernbleiben vom Unterricht 
 
 
 

Osnabrück. Henrik will weg. Er rennt aus der Klasse, klopft an die Bürotür der Sozialarbeiterin. „Ich geh’ jetzt“, verkündet er knapp. Doch er darf noch nicht gehen – erst in einer Stunde ist Unterrichtsschluss. Und Henrik, der chronische Schulschwänzer, soll doch lernen, sich nicht nach Lust und Laune davonzumachen. Die Sozialarbeiterin geht deshalb eine Weile mit dem unruhigen 16-Jährigen spazieren, setzt sich mit ihm auf eine Bank, redet mit dem Jungen über Gott und die Welt. Erst um 13 Uhr, am Ende der Unterrichtszeit, darf Henrik, wie seine neun Mitschüler bei „Auszeit“, nach Hause.

„Auszeit“ in Osnabrück ist zum einen eine Beratungsstelle für Schulschwänzer und deren Eltern und Lehrer, zum anderen eine Schule gerade für zehn solcher Kinder, die sich dem üblichen Schulbetrieb völlig verweigern. Mit intensiver Betreuung sollen sie in Klassenzimmer und Holzwerkstatt die Disziplin, aber auch das Selbstvertrauen gewinnen, das sie für eine Rückkehr an die „normale“ Schule benötigen – zehn weitere Jugendliche werden in Bramsche betreut. Vor einem Jahr hat die damalige Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) das Modellprojekt von Stadt und Kreis mit einem Zuschuss über knapp 200000 Euro für die ersten zwei Jahre auf den Weg gebracht. Das Hilfsangebot, sagte sie, könnte ein Modell für ganz Niedersachsen werden. 

Es richtet sich an Jugendliche wie Sue. Die 16-Jährige sollte eigentlich nur zwei Tage pro Woche zu „Auszeit“ kommen. Da sie an den anderen drei Tagen die Hauptschule aber weiter schwänzte, ist sie nun Vollzeit-Teilnehmerin beim Projekt. „An meiner Schule fand ich die Lehrer doof“, erzählt Sue. „Weil ich keinen Bock hatte, habe ich lieber hinter der Schule geraucht oder mit Freunden nach Klamotten geguckt.“ Auch Marihuana habe eine Rolle gespielt. Auf dem Zeugnis standen zum Schluss lauter Fünfen und Sechsen, damit wurde der Schulbesuch noch schwerer erträglich.

Bei „Auszeit“ nun sei es erlaubt, in der Pause Zigaretten zu rauchen, lobt Sue. Ein Mitschüler ergänzt: „Es ist alles hier lockerer, du darfst hier die Lehrer duzen.“ Vor allem aber komme er hier besser mit den Klassenkameraden zurecht: „An meiner Schule wurde ich gehänselt, weil ich dicker als die anderen war.“

„Auszeit“ will den Jugendlichen bis zu einem Jahr einen Schonraum bieten. So dürfen sie etwa selbst bestimmen, ob sie die Holzarbeiten im Auftrag eines Kindergartens für ein paar Wochen unterbrechen, wenn die Bastelei ihnen zu viel wird. Zum Konzept der Mitarbeiter gehört aber gleichzeitig, „zu nerven“, was die Ursachen des Schwänzens betrifft. „Meist liegt der Grund in der Familie“, meint Sozialarbeiter André Chladek. Es gehe kaum um Zuwandererfamilien, dort werde weit unter Durchschnitt geschwänzt. Vielmehr seien etliche Alleinerziehende, und auch Alkoholiker, mit ihrer Elternrolle überfordert. „Oft decken sie das Schwänzen, weil sie selbst lieber ausschlafen, weil sie Konflikte mit den Kindern scheuen oder weil die auf jüngere Geschwister aufpassen sollen.“ Hausbesuche, in Absprache mit dem Jugendamt, seien unerlässlich.

Über die Perspektiven der Schüler nach einigen Monaten „Auszeit“ lässt sich noch wenig sagen. Von zwei „Teilzeit-Schülern“, die an die Hauptschule zurückkehrten, ging es bei einem gut, beim anderen nicht. Die derzeitigen Teilnehmer werden fast alle auf die Berufsschule wechseln. Sue meint: „Mein Traumberuf war schon immer Friseurin. Ich schaffe das jetzt.“ Und Henrik sagt immerhin zu, zumindest am nächsten Morgen pünktlich zu „Auszeit“ zu kommen. 
 

Gabriele Schulte

Veröffentlicht 24.06.2003 18:46 Uhr
HAZ 25.06.2003

Schülerin schwänzt und fälscht Attest
NP, 04.06.2003  Schwänzen: Schülerin schwänzt und fälscht Attest   Null Bock auf Schule – an einem Montag im September machte Ivonne G. (16, Name geändert) blau. Hätte sie geahnt, welchen Ärger sie sich mit Lehrern, Polizei
 und Staatsanwaltschaft einhandelte, sie hätte es nicht getan.     Als die Schülerin der IGS Linden am nächsten Tag wieder in der Schule erschien, verlangte ihr Lehrer eine Erklärung für ihr Fehlen. Ivonne log: Sie sei krank gewesen.  Eine Entschuldigung konnte sie nicht vorweisen.         Ihre Mutter wollte sie nicht in ihr Schulschwänzen einweihen – deshalb suchte die  16-Jährige Hilfe unter Mitschülern. Dort kursierte offenbar der Attest-Block einer  Kinderärztin. Die Vordrucke, auf denen Ärzte Schülern bestätigen, dass sie krank sind, waren aus der Praxis einer Kinderärztin gestohlen worden.       Einen Vordruck, auf dem sie sich selbst ihre Krankheit bestätigt hatte, legte Ivonne in der Schule vor – und flog auf. Ein Lehrer wurde misstrauisch, denn er hatte schon ein gefälschtes Attest von diesem Vordruck-Block bekommen. Um weiterem Missbrauch  vorzubeugen, griff die IGS Linden hart durch. Die Schule erstattete Strafanzeige wegen Urkundenfälschung. Die Schülerin wurde von der Polizei verhört.      „Dort hat sie gleich alles zugegeben”, so Staatsanwaltschafts-Sprecher Thomas Klinge. Es habe sich herausgestellt, dass sie die Schule zum ersten Mal geschwänzt hatte. Die 16-Jährige habe dann aber auch noch eine Vorladung von Staatsanwalt Stefan Dach bekommen.          Der neue Dezernent für Delikte in Schulen bei der hannoverschen Anklagebehörde machte der 16-Jährigen klar, dass Urkundenfälschung eine Straftat ist, mit der man sich seine Berufschancen verbauen könne. Die junge Dame, die mit ihrer Mutter erschien, habe sich einsichtig gezeigt, so Klinge. „Deshalb haben wir danach den Fall eingestellt.”        Das Ermittlungsverfahren bleibe aber im Erziehungsregister eingetragen. Wenn nochmal was passiert, sei die 16-Jährige „dran”.  VON ANNETTE ROSE
Schule: Pilotprojekt gegens Schwänzen
Schwänzen:Schule: Pilotprojekt gegens Schwänzen
    Schulschwänzern soll es an den Kragen gehen. Das sieht ein Pilotprojekt des Landes vor. In Hannover machen 37 Schulen mit. Sie schließen Verträge mit den Eltern, werden stärker als bisher von der Polizei unterstützt. Lehrer sind skeptisch.
   Bereits vor zwei Jahren hat Justizminister Christian Pfeiffer sein Schwänzer-Programm auf den Weg gebracht. Die CDU hatte den Antrag mitgetragen. Die Zahlen sprechen für sich: Lagen im Ordnungsamt der Stadt im Jahr 2000 noch 737 Anzeigen vor, waren es 2002 schon 842, Tendenz steigend.
   Jetzt ist der Startschuss gefallen: In Hannover machen 37 nach Zufallsprinzip ausgewählte Schulen mit. Außerdem dabei: Osnabrück, Delmenhorst, Friesland. Das Projekt geht bis 2004 und wird wissenschaftlich begleitet. Kosten: 130 000 Euro.
    Zur Intention sagt Projektleiter Bernd Strauch: „Wir wollen Kriminalität vorbeugen. 94,7 Prozent aller Straffälligen waren massive Schwänzer.” 
   So funktionierts: Die Schulen sollen mit den Eltern Verträge schließen. Lehrer verpflichten sich, sofort anzurufen, wenn ein Kind fehlt. Die Eltern sagen telefonische Erreichbarkeit zu. 
    Für Klausdieter Rosenberg von der Sonderschule Maximilian Kolbe in Kleefeld, die am Projekt teilnimmt, ist Schwänzen das größte Problem überhaupt: Allein an seiner Schule laufen sieben Anzeigen gegen Dauerschwänzer. „Es gibt Schüler, die habe ich noch nie gesehen.”
    Soziale Verhältnisse seien die Ursache. „Es gibt Familien, die haben sich mit ihrer Sozialhilfe gut eingerichtet. Die Kinder haben das verinnerlicht. Weder Eltern noch Kinder sehen ein, wozu sie lernen sollen.” 
   Doch obwohl Rosenberg Pfeiffers Vorstoß begrüßt, äußert er sich skeptisch über das Programm. „Da wird getan, als ob wir bisher untätig waren. Das sind alles Selbstverständlichkeiten”, sagt Rosenberg. Und zur Erreichbarkeit: „Die Klientel, um die es geht, hat keinen Festanschluss – nur Handys, die dauernd abgemeldet sind.” 
   Der Vertrag habe psychologische Wirkung, glaubt hingegen Strauch.
   Deshalb ist auch die Polizei beteiligt. Die fahndet seit 1999 in der City nach Schwänzern. „Jetzt dehnen wir das auf die Stadtteile aus”, sagt Kriminaloberkommissar Michael Huwald. 
   Die Polizisten ermahnen die Kids, in die Schule zu gehen. Sie hinbringen – wie in Bayern – dürfen sie nicht. „Die kriegen trotzdem einen Schreck, 95 Prozent gehen danach zum Unterricht.” Den Einsatz der Polizei hält Rosenberg für den sinnvollsten Teil des Projekts. „Diese 68er-geprägte Sozialarbeiter-Philosophie bringt nichts. Es muss gehandelt werden, konsequent und schnell.”   HANNOVER, VON JULIA PENNIGSDORF  NP, 28.02.2003
Selbst die Polizei findet die Schwänzer selten
Schwänzen:HANNOVER - NACHRICHTEN   Selbst die Polizei findet die Schwänzer selten
       Bereits im März 2001 hatte Justizminister Pfeiffer medienwirksam ein neues Schulschwänzerprogramm angekündigt. Das Modellprojekt, bei dem vier Ministerien mitreden, scheint nun nach etlichen Verzögerungen zum kommenden Halbjahr am 1. Februar 2003 zu starten.
    „Ich habe Montag die Liste mit den Namen der Schulen bekommen“, sagt Projektkoordinator Bernd Strauch. Die Uni Hamburg, die das Projekt wissenschaftlich untersucht, hat nach dem Zufallsprinzip ausgewählt, welche Schulen in den vier Projektgebieten mitmachen dürfen. In Hannover sind 38 Schulen aller Schulformen mit achten und neunten Jahrgängen dabei, außerdem zwei Berufsschulen. „Die Schulen melden das Fehlen noch am selben Tag, und die Eltern verpflichten sich, während der Schulzeit erreichbar zu sein“, sagt Justizministeriumssprecher Frank Woesthoff und beschreibt so den Kern des Projekts. 
   Doch wie schwierig dem Schulschwänzen beizukommen ist, zeigen die Erfahrungen an der Kronsbergschule. Im Normalfall sei es auch jetzt kein
   Problem, schnell Kontakt mit den Eltern aufzunehmen, wenn ein Schüler unentschuldigt fehlt, sagt Schulleiter Rüdiger Heins. „Aber gerade Eltern von
   problematischen Schülern sind telefonisch meist nicht erreichbar.“ Oft besäßen die Familien keinen Festnetzanschluss mehr und das Handy sei außer Betrieb. Die Schulsekretärin schicke den Eltern dann einen Brief. „Nicht selten fangen die Schüler diese Post ab“, sagt Heins. 
   Die Hauptschule in Bemerode arbeitet eng mit den Jugendkontaktbeamten der Polizei zusammen – das ist auch in dem neuen Modellprojekt vorgesehen. Seit einem Jahr kontrollieren die Beamten vormittags Spielplätze und Geschäfte mit Computerspielen. „Sie rufen bei uns an und fragen nach, ob der Schüler  tatsächlich erst zur dritten Stunde Unterricht hat.“ Doch bisher wären die Polizisten kaum fündig geworden, sagt der Schulleiter.
   Von den 200 Schülern der Schule schwänzten zwei bis drei hartnäckig. Das weitaus größere Problem seien Schüler, die stundenweise fehlen. „Beim Klassenlehrer sind sie im Unterricht. Wenn Kurse in kleinen Gruppen bei Fachlehrern stattfinden, wird geschwänzt“, sagt Heins. Das Prinzip sei einfach: Im Zeugnis erscheint es nur, wenn der Schüler ganze Tage unentschuldigt gefehlt hat. Die Fachlehrer melden jetzt jede Fehlstunde schriftlich dem Klassenlehrer. Gar keine Handhabe haben die Lehrer, wenn Schüler sich krankschreiben lassen. „Sie fehlen entschuldigt. Und von den Ärzten bekommen wir keine Informationen.“ 
   Manche Eltern stehen dem Schulschwänzen hilflos gegenüber, sagt Heins. „Wir haben es schon erlebt, dass Eltern ihre Kinder hergebracht haben und diese nach einer Stunde wieder abgehauen sind.“ Und in etlichen der Spätaussiedlerfamilien, aus denen 50 Prozent der Schüler stammen, herrsche
   Perspektivlosigkeit. Es bleibt abzuwarten, ob das Modellprojekt in diesen Fällen weiterhelfen kann. Es sieht vor, dass Teams aus Schulpsychologen,
   Sozialarbeitern und Vertrauenslehrern Elternhäuser und Schulen unterstützen.     bil    Veröffentlicht 02.12.2002 21:52 UHR HAZ, 03.12.2003
Wer häufig Schule schwänzt: Bußgeld
Schwänzen:Wer häufig Schule schwänzt: Bußgeld
   Niedersachsen geht gegen Schulschwänzer vor: „Eltern werden künftig sofort per Telefon benachrichtigt, wenn ein Kind nicht in der Schule auftaucht”, kündigte Kultusministerin Renate Jürgens-Pieper (SPD) an.
    Das eineinhalbjährige Modellprojekt startet ab 1. August – in den Kreisen Friesland und Osnabrück, sowie in Delmenhorst und Hannover. Hannovers Schüler sind landesweit Spitzenreiter beim Schuleschwänzen: 17,9 Prozent haben schon einmal den Unterricht sausen lassen. „Jede kriminelle Karriere beginnt mit Schwänzen”, warnte Justizminister Christian Pfeiffer (SPD), Mitinitiator des Projektes. Allein die Drohung, Eltern sofort anzurufen, wenn das Kind beim Zählappel in der Schule nicht da ist, senke die Schwänzer-Quote dramatisch. „Das zeigen Studien aus England deutlich.”
    Auch die Polizei ist in das Projekt eingebunden: Sie soll auf ihren Streifen herumstreunende Schüler aufsammeln. Eltern, gute Schüler oder Studenten sollen zudem ehrenamtlich Nachhilfe leisten, um schwache Schwänzer wieder in die Schule zu integrieren. Hartnäckige Schulverweigerer will Pfeiffer mit Bußgeldern zu Räson bringen – „aber nur als letztes Mittel”. 
   Laut Pfeiffer liegen Ursachen des Schwänzens in Leistungsängsten, Familienproblemen, Drogensucht oder Mobbing und Erpressung an Schulen. Im disziplinorientierten Osten schwänzten weniger Schüler als im Westen.
 HANNOVER, VON ALEXANDER DAHL  (NP, 06.06.2002)
Wer zehnmal schwänzt
Schwänzen:Wer zehnmal schwänzt
Was erlauben wir an unseren Schulen – und was können sich Schüler erlauben? Die Diskussion ist nicht erst seit den Todeschüssen von Erfurt entbrannt. In der Region Hannover haben es zumindest Schulschwänzer nicht so leicht. Ihnen droht ein hohes Bußgeld.
   Für die meisten Kommunen der Region ist es neu, Bußgelder für hartnäckige Schulverweigerer zu verhängen, weil das früher der Landkreis erledigte. Hannover hat sich seit jeher selbst um die Schwänzer gekümmert. „Wir haben uns in der Region abgestimmt, damit Nachbarn nicht völlig unterschiedliche Bußgelder zu zahlen haben”, sagt Klaus Dostatny, der im Ordnungsamt für Schulpflichtverletzungen zuständig ist. Die Städte hätten zumeist die Bußgeldsätze Hannovers übernommen. 
   In der Landeshauptstadt werden beide Eltern und Schüler von 14 Jahren an mit Bußgeldbescheiden zur Kasse gebeten – im vergangenen Jahr 721-mal. „Bei den Eltern gehen wir davon aus, dass sie fahrlässig gehandelt haben. Ein Schüler, der wegbleibt, macht das vorsätzlich”, sagt Dostatny. Schulschwänzen ist eine Ordnungswidrigkeit. Und wenn sie mit Vorsatz begangen wird, schreibt das Ordnungswidrigkeitengesetz fünf Euro als Mindestbuße vor. Eltern, die nur fahrlässig waren, zahlen pro Person drei Euro pro Tag, den ihr Kind unentschuldigt fehlt, Berufsschüler mit eigenem Einkommen sogar 25 Euro. Dazu kommen fünf Prozent des Bußgeldes als Verwaltungsgebühr und 5,62  Euro Zustellkosten.
   „Wenn ein Elternteil nicht im selben Haushalt wie das Kind lebt, erfährt er nicht unbedingt, ob sein Kind zur Schule geht”, sagt Dostatny. Dann wird er nicht belangt. Vielen Eltern gelinge es auch so, sich während des Verfahrens zu
entlasten. „Manche schicken ihre Kinder ja zur Schule und merken nicht, dass  sie dort nicht auftauchen.”
   Die Schulen sollten frühestens eine Meldung ans Ordnungsamt schicken, wenn ein Schüler zehn Tage geschwänzt hat. „Die Lehrer versuchen vorher zu ergründen, woran es liegt. Bei familiären Problemen wenden sie sich an den Sozialdienst. Eine Anzeige sollte eigentlich der letzte Weg sein”, sagt Dostatny. Nach beispielsweise zehn Fehltagen sind immerhin je 30 Euro Bußgeld für Vater und Mutter sowie 50 Euro für den Schüler aufgelaufen. Doch manchmal summieren sich die Bußgelder auf deutlich höhere Summen: Im vergangenen Jahr hat Dostatny in einigen Fällen den Bußgeldrahmen von 500 Euro ausgeschöpft. Wenn nicht gezahlt wird, können die Jugendlichen auch zu gemeinnützigen Arbeiten herangezogen oder die Eltern in Erzwingungshaft genommen werden. Das kommt durchaus vor. 
   Besonders in Berufsschulen, die Jugendliche ohne Ausbildungsplatz unterrichten, ist Schulverweigerung ein Problem, sagt Dostatny. Dort machten Sozialarbeiter Hausbesuche, sobald ein Schüler einen Tag fehlt. „Es ist allerdings schwierig, jemanden zu motivieren, der keinen Ausbildungsplatz hat, und trotzdem die Schulpflicht erfüllen soll.”     Bärbel Hilbig      Veröffentlicht 17.05.2002 21:18 UHR  (HAZ,  18.05.2002)
Helfer besuchen Schulen
Schwänzen:Helfer besuchen Schulen
Justizminister Pfeiffer setzt Kampf gegen Schwänzen fort
   CELLE ( gör)     14 Prozent der Schüler schwänzen fünf bis zehn Tage im Schuljahr den Unterricht, sechs Prozent gar mehr als 20 Tage - diese und viele andere Zahlen präsentierte  Justizminister Christian Pfeiffer am Mittwoch in Celle den 700 Teilnehmern einer Tagung zum Thema Gewaltprävention. Die Verantwortung für das unentschuldigte Fehlen gibt Pfeiffer zum Teil den Lehrern. "Die Hälfte der Schüler gab in einer Untersuchung des Kriminologischen Forschungsinstituts an, dass die Schule auf ihr Fernbleiben überhaupt nicht reagiert hat." Für den Justizminister ist das auch deshalb ein unhaltbarer Zustand, weil es einen Zusammenhang zwischen Schwänzen und Ladendiebstählen sowie Gewaltdelikten gebe.
    Mit der Frage, was gegen Jugendgewalt zu tun ist, beschäftigten sich seit sechs Jahren Präventionsräte in vielen Kommunen. Polizisten, Juristen, Lehrer, Sozialarbeiter und engagierte Bürger aus diesen mittlerweile 120 niedersächsischen Präventionsräten informierten sich in Celle über mögliche Lösungen.
    Sechs Prozent aller deutschen und 24 Prozent alle türkischen Kinder und Jugendlichen gaben bei der von Pfeiffer präsentierten Befragung an, von den Eltern misshandelt worden zu sein. "Wer mit Gewalt aufwächst, hat ein niedriges Selbstwertgefühl und versucht seine Probleme eher als andere auch mit Gewalt zu lösen." Nur ganz wenige der misshandelten Kinder wendeten sich an Lehrer, Behörden oder den Kinderschutzbund - aus Angst davor, dass die Eltern alles erfahren und sie noch mehr schlagen. HAZ,  08.11.2001 

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