dpa-Dienst für Kulturpolitik       Donnerstag, 23. November 2000
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Bildungspolitik/SPD/Schulzeit     dpa-Dienst für Kulturpolitik  49/2000   04.12.2000
SPD: Für gute Schüler Abitur künftig nach zwölf Jahren
Potsdam (dpa) – Die SPD-geführten Bundesländer wollen begabten Schülern künftig bundesweit das Abitur bereits nach zwölf Schuljahren ermöglichen. Eine generelle Verkürzung der Schulzeit von 13 auf zwölf Jahre für alle Schüler lehnen sie jedoch wegen des individuell unterschiedlichen Lerntempos ab. Darauf verständigten sich die SPD-Schulminister und die bildungspolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktionen am 24./25. November bei einem Treffen in Potsdam.
Durch die Verkürzung um ein Jahr dürfe auf keinen Fall die Qualität des Abiturs gesenkt werden, sagte der SPD-Bildungssprecher, der rheinland-pfälzische Bildungsminister Jürgen Zöllner. Auch dürfe die Zahl der Abiturienten nicht vermindert werden, weil durch das schnellere Lerntempo nicht alle folgen könnten. Die Bundesrepublik brauche angesichts des Fachkräftemangels und des Trends auf dem Arbeitsmarkt zu immer höherer Qualifikation nicht weniger sondern „deutlich mehr Abiturienten“.
Für die leistungsstarken Schüler – Zöllner sprach von etwa 20 Prozent eines Jahrgangs – soll in allen SPD-Bundesländern nach dem Beschluss ein „flächendeckendes“ Angebot für das Abitur nach zwölf Jahren geschaffen werden. Dies könne mit „Schnellläuferklassen“ geschehen, die bereits in Rheinland-Pfalz und in einigen anderen Ländern parallel zu den 13-jährigen Bildungsgängen eingerichtet wurden, oder durch erleichtertes Überspringen der elften Klasse – wie in Nordrhein-Westfalen. Die elfte Klasse dient in der Regel vor allem der Orientierung für Überwechsler von der Haupt- und Realschule zum Gymnasium und der Wiederholung des zuvor in der Mittelstufe gelernten Stoffes.
Gleichzeitig wollen die SPD-Länder durch bessere Abstimmung zwischen Abiturtermin, Bundeswehreintritt oder Studienstart unnötige „Leerzeiten“ für die jungen Menschen vermieden. In Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und künftig auch in Berlin ist ohnehin nur noch eine zwölfeinhalbjährige Schulzeit bis zum Abitur vorgesehen. Die Schulentlassung erfolgt dort rechtzeitig Ende März. Durch ein solches Konzept könne besonders leistungsstarken Schülern das Abitur sogar schon nach elfeinhalb Jahren ermöglicht werden, sagte Zöllner.
Solche „flexiblen Lösungen“ bei der Schulzeit seien besser als die „apodiktische Entscheidung für zwölf oder für 13 Jahre“, sagte Zöllner. Zudem werde durch die starre Festlegung auf zwölf Jahre das Überwechseln von guten Haupt- und Realschülern zum Gymnasium erschwert und „damit die Durchlässigkeit des gegliederten Schulsystems in Frage gestellt“.
Nach dem Schulzeit-Beschluss der Kultusminister von 1995 wird ein Abitur bundesweit dann anerkannt, wenn von der fünften Klasse bis zur Reifeprüfung mindestens 265 Unterrichts-Wochenstunden erteilt worden sind. Als einzige Bundesländer hatten Sachsen und Thüringen nach der Wende an der in der DDR üblichen Schulzeit von zwölf Jahren bis zum Abitur festgehalten. In jüngster Zeit waren aus der Wirtschaft und auch aus der CDU wiederholt Rufe nach einer generellen Schulzeitverkürzung laut geworden. In dem neuen CDU- Bildungsprogramm, dass Mitte November in Stuttgart verabschiedet wurde, wird die flächendeckende Einführung von zwölfjährigen Bildungsgängen gefordert.

Neue Diskussion in Sachsen-Anhalt
Unterdessen löste der Beschluss der SPD-Bildungspolitiker in Sachsen-Anhalt eine neue Diskussion um die Schulzeit aus. CDU und auch die nicht im Landtag vertretene FDP forderten am 27. November eine Rückkehr zum Abitur nach zwölf Jahren. Die Entscheidung für ein Abitur nach 13 Jahren auch in Sachsen-Anhalt sei ein schwerer Fehler und führe das Land in die bildungspolitische Isolation, sagte die CDU-Politikerin Eva Feußner. Kultusminister Gerd Harms müsse sich nun dazu äußern, ob er so genannte Schnellläuferklassen unterstütze. FDP-Landeschefin Cornelia Pieper plädierte für ein generelles Abitur nach zwölf Jahren, schließlich sei das auch in anderen Ländern möglich. Auch ein „sozialdemokratischer Mischmasch“ aus zwölf und 13 Jahren führe nicht weiter.
Die Sprecherin Harms, Brigitte Deckstein, sagte dazu, die Linie Sachsen-Anhalts sei auf der Konferenz voll bestätigt worden. Wenn der zurzeit an einigen Schulen laufende Modellversuch „13 kompakt“, also das Abitur nach zwölfeinhalb Jahren, erfolgreich verlaufe, könne es in einigen Jahren flächendeckend umgesetzt werden. Erklärtes Ziel sei es zudem, durch eine flexible Schuleingangsphase mehr geeignete Schüler dazu zu bringen, ein Schuljahr zu überspringen.

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