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Von
Anika Falke
Esther-Marie Kröger hat es ganz genau ausgerechnet. 30 Wochenstunden
umfasst der Stundenplan der Studienanfängerin, die in Hannover an
der Fachhochschule Innenarchitektur studiert. Dazu kommen Hausarbeiten,
Projektvorbereitungen und Materialbeschaffung: etwa weitere 20 Stunden
pro Woche. Zehn Stunden schließlich jobbt die 22-Jährige nebenbei.
Ich habe also, wenn ich mein Studium richtig ernst nehme, eine 60-Stunden-Woche,
zieht sie Bilanz. Würde die Studentin jetzt noch etwas dazuverdienen
wollen, für einen Urlaub etwa, würde sie auf 70 Wochenstunden
kommen. Mit einem lockeren Studentenleben hat das wohl nichts zu
tun, meint sie.
Kröger arbeitet bei einem Catering-Unternehmen und bedient die
Logengäste bei Heimspielen von Hannover 96. Leben kann sie von
dem Verdienst allein jedoch nicht. Miete, Material und die in diesem Semester
eingeführten Studiengebühren: Ich finanziere mich vor
allem vom Unterhalt, den meine Eltern zahlen, und vom Kindergeld. Ich
hätte ja auch gar nicht die Zeit, noch mehr zu arbeiten, sagt
sie.
Vor
dem Studium hat die 22-Jährige eine Ausbildung zur Tischlerin gemacht.
Da gab es noch eine Ausbildungsvergütung. Jetzt muss sie zahlen,
um zu lernen, sagt sie. Zu den rund 230 Euro Semestergebühren, die
die Serviceleistungen der Universitäten und Fachhochschulen wie beispielsweise
Semesterticket und Studentenwerksbeiträge umfasst, kommen seit diesem
Semester 500 Euro Studiengebühren hinzu. Die machen sich am
meisten bemerkbar, findet Kröger, das sind insgesamt
730 Euro im halben Jahr, nur dafür gehe ich arbeiten.
Jobben parallel zum Studium für viele Studenten ist das so
selbstverständlich wie Mensa und Hausarbeit. Glücklich sind
diejenigen, die fachbezogen jobben, und dabei Erfahrungen für ihren
späteren Beruf sammeln. Doch die meisten Jungakademiker können
gar nicht anders, als zu kellnern, Taxi zu fahren oder zu putzen, um sich
ein paar Euro zum Leben dazuzuverdienen. Dazu gehört auch Julia Karrasch.
Die 20-jährige Hannoveranerin studiert American Studies, Wirtschafts-
und Sozialgeschichte in Göttingen und pendelt zwischen ihrem Wohn-
und Studienort. Freitagnachmittag verwandelt sie sich dann in eine Tanzlehrerin,
die in der St.-Paulus-Gemeinde in Langenhagen vier- bis zehnjährigen
Mädchen Ballettschritte beibringt.
Eigentlich hat die 20-Jährige Glück: Ihre Eltern unterstützen
sie finanziell. Sie erzählt von Studienkollegen, die weniger
oder keine familiäre Hilfe bekommen und weitaus größere
Probleme hätten. Viele von denen sind jetzt erst umgezogen
und suchen noch einen Job ich glaube nicht, dass die ohne Arbeit
klarkommen, meint Karrasch.
Wer keinen Job findet und auch sonst keine Unterstützung erhält,
für den ist oft nur ein Studienkredit die letzte Lösung.
Allerdings halte sich die Nachfrage noch in Grenzen, sagt Sabine Kiel,
Sprecherin des Studentenwerks. Die Einrichtung vermittelt ein Kreditmodell,
das von der KfW-Förderbank angeboten und mit 5,15 Prozent verzinst
wird. Bisher hätten von rund 4500 Studienanfängern an Hannovers
Hochschulen nur rund 70 den Kredit beantragt, sagt Kiel. Die Studenten
versuchen zunächst, die Gebühren anderweitig zu finanzieren,
weil sie sich nicht verschulden wollen.
Und so gibt es für Linda Wilken zurzeit viel zu tun. Die Abteilungsleiterin
für Soziales und Internationales im Studentenwerk bietet Beratung
in allen Finanzierungsfragen. Diese Fragen haben stark zugenommen,
vor allem die Themen Jobben, Kredite und die neuen Studiengebühren,
sagt sie.
Um eine Stelle zu finden, rät Karen Tepel, Sozialarbeiterin beim
Studentenwerk, den Studierenden, Eigeninitiative zu entwickeln. Tageszeitungen,
Messe- und Kurzarbeitsagenturen sowie die Jobvermittlung der Agentur für
Arbeit seien gute Quellen. Oder einfach mal in eine Kneipe reingehen
und fragen. Nicht zuletzt sollten Studenten ihre Kenntnisse nutzen,
um mit ihrem Wissen ein paar Euro zu verdienen. Ob es der Medizinstudent
ist, der im Krankenhaus jobbt oder der Sozialpädagoge, der im Jugendheim
aushilft fachbezogene Nebenjobs bessern nicht nur den Kontostand
auf, sondern machen sich auch gut im Lebenslauf.
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