GEWALT-PRÄVENTION   -   Dokumentation des Stadtelternrates Hannover
-> Homepage    ->Initiativen gegen Gewalt   -> Bürgerstiftung Hannover-> Erfurt   ->Förderung, Schulpsychologie    ->     Konfliktlotsen   ->    Kürzung im schulpsychologischen Dienst    ->  Mitternachtssport   ->  Prügelstrafe   ->  Schwänzen    ->  Ernährung   ->  Jugend forscht    -> Musik    ->  Planspiel Börse    -> PISA  ->  Rauchen    ->  Rollenspiel    ->  Schwänzen-> Schulreform   ->  Theater ->  Umwelt ->  Umweltschulen in Hannover   - > Qualität von Schule  ->  Zirkus
Homepage der Bürgerstiftung Hannover Kommunaler Kriminalpräventionsrat Hannover  -Geschäftsstelle- Rathaus, Trammplatz 2 30159 Hannover, Frau Annette Spremberg,  Tel: 0511 / 168 - 40167,  Fax: 0511 / 168 - 45096, Mail: kkp@hannover-stadt.de 
Homepage des KKP:  www.hannover.de/deutsch/buerger/lhh/kkpstart.htm

 

>> siehe über aktuelle Berichte zur Gewaltprävention

 
HAZ, 16.01.2004  Gewalt:  Leere Drohungen nützen keinem    ... Da reihen sich schwere Straftaten wie Raub, Körperverletzung und Einbrüche aneinander.  ...  Dabei hatten die für Recht und Ordnung Verantwortlichen vor eineinhalb Jahren die richtige Idee, wie sie mit jungen Kriminellen umgehen wollen. Sie bündelten die Kräfte von Strafverfolgung und Sozialarbeit und setzen sich seitdem regelmäßig an einen Tisch. In so genannten Fallkonferenzen wird über jeden einzelnen  Intensivtäter beraten, wie die besonders kriminellen Jungen und Mädchen genannt werden.   mehr ...  

NP, 11.09.2003   Gewalt:  Staatsanwaltschaft sucht jetzt Gespräch mit Lehrern ...    Für Lehrer sei es wichtig zu erfahren, wenn gegen einen Schüler Verfahren auch außerhalb der Schule laufen und was dabei herauskommt   mehr ...  

Stadt-Anzeiger West,  Donnerstag, 6. April 1999   Konfliktlotsen:   Konfliktlotsen sollen Streit unter Schülern schlichten Mit einem neuen PROJEKT will die IGS LINDEN der zunehmenden Gewaltbereitschaft begegnen.   mehr ...

HAZ, 04.04.2006:  "Lehrer haben zu lange stillgehalten"
Eine Schule gerät außer Kontrolle – der Fall aus Berlin beschäftigt auch die Lehrer hannoverscher Hauptschulen. Die Kollegen in der Hauptstadt hätten eher reagieren müssen, meinen einige. Und alle glauben, dass es in Hannover so weit gar nicht erst kommen würde.  Von Bärbel Hilbig
Die Zustände an der Berliner Rütli-Hauptschule, in der Lehrer vor der Aggressivität der Schüler kapitulierten, sind Gesprächsthema unter Hannovers Pädagogen. „Die Lehrer haben zu lange stillgehalten und gestattet, dass die Schüler bestimmen, wo es lang geht“, sagt Renate Bauschke, Leiterin der Hauptschule im Schulzentrum Ahlem. Auch Thomas Fitzner, Leiter der Hauptschule im Schulzentrum Badenstedt, kann die Situation in Berlin nicht nachvollziehen. „Da hätte viel früher was passieren müssen. Es gibt inzwischen doch eine ganze Menge Unterstützung für Hauptschulen.“ In Hannover, meinen beide, würde es so weit wie in Berlin gar nicht erst kommen.
Fitzner geht davon aus, dass die meisten Hauptschulleiter inzwischen so wie er eng mit der Polizei zusammenarbeiten. Wenn Schüler sich prügeln, bestellt Fitzner die Eltern zu einem Gespräch mit dem Kontaktbeamten in die Schule. „Wir wollen nicht, dass Konflikte sich hochschaukeln und Familien das selbst in die Hand nehmen.“ Die Fünftklässler der Schule lernen ein Jahr lang in einem Sozialtraining, wie sie auf Beschimpfungen angemessen reagieren.
Dennoch sind die Verpflichtung auf gemeinsame Regeln oder gute Deutschkenntnisse kein Selbstläufer. Von gut 300 Schülern an der Hauptschule Badenstedt kommt je ein Drittel aus einheimischen deutschen Familien und aus türkischen Elternhäusern. Von den übrigen Schülern sind etwa die Hälfte Aussiedler, die anderen stammen aus etlichen verschiedenen Ländern. Wie an anderen Hauptschulen auch müssen Eltern und Schüler sich deshalb per Schulvertrag etwa zu friedlicher Konfliktlösung, Pünktlichkeit oder zum Anfertigen von Hausaufgaben verpflichten. Schüler, die Mitschüler beschimpfen, müssen eine Erziehungs-AG bei einem der beiden Sozialpädagogen besuchen. An der Lindener Hauptschule Fössefeld schicken Lehrer Schüler, die stören, direkt aus dem Unterricht in einen Sozialtrainingsraum. Renate Bauschke in Ahlem lässt sich den Schulvertrag sogar jedes Jahr von jedem Schüler per Handschlag bestätigen.
„Ich denke, wir haben das Gewaltproblem einigermaßen unter Kontrolle“, sagt Fitzner. Doch es gibt grundlegende Schwierigkeiten, die die Lehrer jeden Tag beschäftigen. „Bei manchen Schülern klappt es in Deutsch und Mathe einfach nicht gut“, sagt Bauschke. Mehr Förderstunden und Parallelunterricht von zwei Lehrern seien deshalb eigentlich dringend notwendig, meinen die Schulleiter. Da Ausbildungsplätze speziell für Hauptschüler fehlen, beackern die Schulen benachbarte Betriebe. Und die Lehrer versuchen – oft mit wenig Erfolg – Schüler zu motivieren, deren Familien manchmal schon seit langem von staatlicher Unterstützung leben. „Wir wollen ihnen deutlich machen, dass sie ihr eigenes Leben gestalten können, wenn sie sich anstrengen“, sagt Fitzner. Manchen erscheine der Rückzug in die Familie und den Freundeskreis jedoch einfacher.
HAZ, 04.04.2006:  Jede Straftat wird angezeigt
Gewaltexzesse wie an der Berliner Hauptschule befürchtet die Polizei in der Region Hannover nicht. Zwar ist die Kriminalitätsrate bei den Jugendlichen im vergangenen Jahr um 1085 auf 5183 Fälle gestiegen. „Aber das liegt vor allem daran, dass mehr Taten angezeigt werden“, sagt Jörg Pinski von der Abteilung Jugend- und Präventionsarbeit. Ein Grund dafür sei der Erlass von 2003 für eine bessere Zusammenarbeit zwischen Staatsanwaltschaft, Polizei und Schulen. „Seitdem sind Lehrer dazu verpflichtet, jede Straftat anzuzeigen – ansonsten drohen ihnen disziplinarrechtliche Konsequenzen.“ Dieses Netzwerk werde durch Präventionsteams unterstützt.
Nachdem mehrere Gewalttaten an Schulen in die Schlagzeilen gerieten, sei die Öffentlichkeit sensibilisiert, meint Pinski. Schon eher kleine Raufereien würden angezeigt, dies habe gerade die Zahl der registrierten Körperverletzungen ansteigen lassen. Ein besonderes Auge habe die Polizei auf Problemschulen – meist Haupt-, Berufs- und Sonderschulen an sozialen Brennpunkten – sowie auf die derzeit registrierten 26 jugendlichen Intensivtäter.
Problematisch wäre es Pinski zufolge, wenn sich der Trend des „Happy Slappings“, bei dem Jugendliche ihre Gewalttaten auf Handy aufnehmen, weiter ausbreitet. Die Gefahr drohe, dass sich Banden bilden, die ihr Opfer über einen längeren Zeitraum drangsalierten. Zu einem generellen Verbot von Handys oder pauschalen Waffenkontrollen rät er aber nicht. „Das verlagert die Probleme nur auf den Heimweg.“ Vielmehr sollte es mehr niedrigschwellige Angebote geben, die möglichen Opfern oder Zeugen helfen, sich zu offenbaren. so

NP, 04.04.2006:  Union fordert Durchgreifen und Integrationsgipfel. Schünemann will Deutschkurse ausweiten.
In der Debatte um Gewalt an Schulen wird der Ruf nach härterem Durchgreifen immer lauter.
VON NINA ROSENBERGER

BERLIN. Seit dem Hilferuf der Berliner Rütli-Schule steht das Thema Gewalt im Brennpunkt der Öffentlichkeit. Experten warnen zwar vor einer Überzeichnung des Problems, Politiker fordern aber Durchgreifen. Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) will aggressive Schüler notfalls in Internaten unterbringen. In Bayern sollen Kinder mit mangelhaften Deutschkenntnissen vom nächsten Schuljahr an nicht mehr regulär eingeschult werden. Wer nach einem Deutschkurs im Kindergarten noch Defizite hat, komme in eine Sprachklasse oder in die Sonderschule.
SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler wies dieses Ansinnen des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) scharf zurück. „Der Stoiber-Vorschlag ist ein typischer Schnellschuss, und heraus kommt Dünnpfiff“, sagte er. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wandte sich gegen die in Bayern erhobene Forderung nach einer Kürzung von Sozialleistungen für integrationsunwillige Ausländer. „Dann verhungern die Kinder, das ist doch Schwachsinn“, sagte er.
Die Union verlangt zudem einen Integrationsgipfel bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Vertreter von Bund und Ländern sowie gesellschaftlichen Gruppen sollten teilnehmen, sagte Fraktionschef Volker Kauder. Ziel seien verbindliche Maßnahmen unter anderem in den Bereichen Bildung, Wirtschaft, Jugendstrafrecht und Zuwanderungspolitik.
Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) kündigte eine Bundesratsinitiative an. „Der im Zuwanderungsgesetz festgelegte Deutschunterricht muss für junge Menschen bis 27 Jahre von 600 auf 900 Stunden erhöht werden“, sagte er der Tageszeitung „Die Welt“. Zudem sollen Ausländer, die schon sehr lange in Deutschland leben, gesetzlich zur Teilnahme an Integrationskursen verpflichtet werden.
Für die Gewalt an der Rütli-Schule im Berliner Problem-Bezirk Neukölln sind nach Ansicht ihrer langjährigen Leiterin Brigitte Pick allerdings in erster Linie soziale Probleme verantwortlich. Das eigentliche Problem liege nicht in der arabischen, türkischen oder serbischen, sondern in der sozialen Herkunft der Schüler und ihren mangelnden Perspektiven, schrieb Pick im Berliner „Tagesspiegel“. „So hat im letzten Ausbildungsjahr kein Schüler einen Ausbildungsplatz erhalten.“
NP, 04.04.2006:  Käßmann: Integration in Kitas
HANNOVER. Die Integration ausländischer Kinder in die Gesellschaft muss nach Ansicht der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann bereits im Kindergarten erfolgen.
„Kindertagesstätten müssten viel mehr zu Familienzentren werden, in denen es Beratung und Kurse gibt, wo offen über Konflikte mit den Kindern gesprochen werden kann“, sagte Käßmann. Angesichts der Gewalt unter Schülern forderte die Bischöfin Konflikttraining an den Schulen, auch mit den Lehrkräften. Gewaltfreie Lösungsansätze könnten über Plan- und Rollenspiele sowie Theaterstücke erlernt werden. „Im Umgang mit Konflikten ist auch mehr Gesprächskontakt zwischen Elternhaus, Schule und anderen Bereichen des Lebens wichtig.“
Vorschläge aus der Union, der Gewaltbereitschaft mit „Schnupperkursen im Knast“ entgegenzuwirken, sind für sie nicht der richtige Weg. „Pure Abschreckung hilft nicht, sondern nur das klare Einüben von Regeln und das Sanktionieren von Regelbruch.“ dpa
NP, 04.04.2006:  Niederlande: Kameras, Ausweise, Kontrollen
Drohungen, Fäuste, Waffen – an Schulen in den Niederlanden gehört Gewalt fast zum Alltag. Fast zehn Prozent der Schüler, so ergab eine Untersuchung, nehmen eine Waffe mit in den Unterricht. Gut die Hälfte aller Lehrer hat wiederholt mit Gewalt zu tun, an etwa 40 Prozent der Schulen sind Tätlichkeiten eine übliche Form der Auseinandersetzung.
Häufig werden Vorfälle unter den Teppich gekehrt. Doch das Tabu der Gewalt wird mittlerweile gebrochen. In zahlreichen Kampagnen lernen Schüler zum Beispiel „Bewaffne dich mit Worten“ oder „Stopp Drohungen im Internet“. Kameras, Spezialausweise und Kontrollen zählen in mancher Schule zum Üblichen. Die Regierung hat alle Schulen verpflichtet, Leitlinien zur Sicherheit zu entwickeln. Bildungsministerin Maria van der Hoeven erwägt darüber hinaus eine Pflicht zur Anzeige von Zwischenfällen.
dpa
NP, 04.04.2006:  Dänemark: Höchstens ein Drittel Ausländer
In der Kopenhagener Trabantenstadt Albertslund haben sozialdemokratische Kommunalpolitiker auf eigene Faust und zeitweise sogar gesetzwidrig ein eigenes Modell zur Lösung akuter Schulprobleme mit Zuwandererkindern verwirklicht: Um die massive Konzentration auf einzelne Schulen zu verhindern, werden Kinder aus „neudänischen“ Familien bei Sprachkenntnissen unter dem Durchschnitt zwangsweise so auf Schulen verteilt, dass der Anteil dieser Kinder nirgendwo ein knappes Drittel (31 Prozent) übersteigt.
Das Modell wurde zunächst massiv als ausländerfeindliche Einschränkung des Rechtes auf freie Schulwahl kritisiert. Inzwischen wirbt aber auch die Kopenhagener Oberbürgermeisterin Ritt Bjerregaard für ein ähnliches Modell in der ganzen dänischen Hauptstadt. In Dänemark ist die Gesamtschule von der ersten bis zur neunten Klasse Pflicht. dpa
NP, 04.04.2006:  Frankreich: Alltag voller Aggressionen
Immer wieder werfen brutale Gewaltakte in französischen Schulen ein Schlaglicht auf den Alltag oftmals rassistisch oder sexistisch gefärbter Aggression. Immer wieder streiken Lehrer, die mehr Mittel und Personal gegen gewaltbereite Schüler fordern. Und immer wieder macht sich die Politik dafür stark, Polizisten an Problemschulen zu postieren, was viele Lehrer aber ablehnen. Jugendkrawalle in Vorstädten und Schüleraufruhr gegen Reformen sind die kollektiven Signale wachsender Unruhe.
Mit Messern, Stühlen, Knüppeln oder anderen Waffen griffen Schüler 2005 nicht weniger als 129 Lehrer an.
Mehr als 1000 Fälle körperlicher Aggressionen gab es, 600 demolierte Lehrerautos. „Soziale Aggressionen, Familien ohne Väter und fehlende Jobs führen dazu, dass Jugendliche haltlos werden“, erklärt ein Schuldirektor in einem Pariser Vorort. dpa

HAZ, 17.03.2006:  Tatort Pausenhof
GewaltGewalt unter Kindern ist an vielen Schulen ein Problem, dem schwer beizukommen ist. In der Grundschule am Grimsehlweg werfen Eltern dem Rektor vor, es gar nicht ernsthaft zu versuchen . Von Hans-Peter Wiechers
Es ist einer von vielen Fällen, die aktenkundig wurden. Rüdiger wird von Sven, einem Schulkameraden, mehrmals verletzt. Der Arzt diagnostiziert Prellungen, ausgeschlagene Zähne, Strangulationsmale am Hals und schließlich, nach Tritten und einem anschließenden Sturz, ein schwer verletztes Knie. Rüdiger (beide Namen von der Redaktion geändert) ist nicht das einzige Opfer des aggressiven Schülers. Der Rektor der Schule am Grimsehlweg sieht aber kein Gewaltproblem in seinem Haus. Die Sache mit dem verletzten Knie sei ein Sportunfall gewesen wie er bedauerlicherweise nun mal vorkomme. Die Schulaufsichtsbehörde ist eingeschaltet, lässt aber durchblicken, dass dem Rektor nichts vorzuwerfen ist. Eine offizielle Stellungnahme steht noch aus.
Die Mutter des mehrmals verletzten Rüdiger hat sich für ihren Sohn stark gemacht und ihren Weg durch die Beschwerdeinstanzen aufgezeichnet. Nur eine „subjektive Wahrnehmung von Gewalt“, wie der Rektor sagt? „Im Sportunterricht der ersten Klasse treffen Rüdiger und Sven erstmals aufeinander. Sven schlägt Rüdiger dabei zwei Zähne aus“, beginnt das Protokoll der Mutter. Nur ein Unfall? Eine Rangelei unter Grundschülern? Der zweite Vorfall lässt keine Zweifel mehr zu: „Rüdiger flüchtet vor Sven auf einen Baum. Sven reißt ihn herunter. Rüdiger hat schwere Prellungen und Abschürfungen.“
Rüdigers Mutter redet mit Svens Mutter. Die weiß von den immer wiederkehrenden Wutausbrüchen ihres Sohnes. Sie verspricht zu handeln. Die Lehrerin wird informiert. Auch sie weiß um die Probleme mit Sven. Sie praktiziert eine behutsame Therapie. Für jeden Tag, an dem er kein anderes Kind schlägt, wird für ihn ein Herz an die Tafel gemalt.
Dann wird Rüdiger das dritte Mal ein Opfer von Svens Aggressionen. Ein Auszug aus der Unfallanzeige macht die Dimensionen klar: „Rüdiger wurde von seinem Mitschüler geschlagen und getreten. Zum Schluss wurde er mit Schlamm eingerieben. Da Rüdiger sich wehrte, strangulierte der Schüler ihn durch Zusammenziehen des Halsausschnittes des T-Shirts, bis dieses zerriss.“ Danach hat Rüdiger schwere Albträume.
Nach einem vierten Vorfall, der Rüdiger zur Behandlung ins Krankenhaus bringt, wird der Rektor der Schule informiert. Der Schulleiter bestätigt, dass er von Svens Gewaltausbrüchen weiß, er verspricht zu handeln. Es gibt eine Klassenkonferenz, die ohne einen Eintrag in die Akte und damit folgenlos bleibt.
Sven wird sogar noch aggressiver. Er droht: „Beim nächsten Mal schlage ich dir alle Zähne aus. Mit einem Schlag ins Gesicht töte ich dich.“ Rüdigers Eltern sind alarmiert und in Angst. Der Rektor wird informiert. Er sieht aber keinen weitergehenden Handlungsbedarf. Für ihn ist die Bedrohung nur eine unbedachte Äußerung eines Zehnjährigen, der noch nicht recht weiß, was er sagt. Svens Mutter beteuert, es gebe keine gravierenden Vorfälle: „Ich habe kein Gewaltproblem mit meinem Kind.“
Rüdigers Eltern haben ein Telefongespräch mit Sven geführt und ein Protokoll aufgezeichnet. Sven: „Es fing an, dass ich im Klassenraum über Rüdiger gestolpert bin.“ „Gestolpert?“ „Na ja, ich habe auf ihm gestanden, aber er hat nicht vor Schmerz gebrüllt. Dann kam die Lehrerin rein und ich bin runtergestiegen und rausgerannt. Danach habe ich Rüdiger zweimal gestellt und gehauen, und er hat nur gelacht. Ich habe mich selbst gewundert, dass er nicht geweint hat. Beim dritten Mal hat er gesagt, dass ich aufhören soll. Beim vierten Mal konnte ich nicht mehr aufhören.“
Weil in der Schule ihrer Meinung nach nichts Angemessenes passiert, formulieren Rüdigers Eltern schließlich eine Dienstaufsichtsbeschwerde, in der sie die Untätigkeit der Schule anprangern. Es folgen nach diversen Anläufen Gespräche mit dem zuständigen Dezernenten – mal mehr, mal weniger freundlich. Die Eltern haben das Gefühl, dass auch diese Gespräche folgenlos bleiben. Sie haben Vorfälle aufgezeichnet, Protokolle gemacht, Kontakt aufgenommen zum Kriminologischen Forschungsinstitut und zu anderen Fachleuten. Inzwischen ist ihre Arbeit zu einem kleinen Bündel angeschwollen. Sie haben das Gefühl, dass ihre Hartnäckigkeit und Gründlichkeit bei Schule und Schulbehörden zu einer Dramatisierung umgedeutet wird. Sie fühlen sich als Querulanten abgestempelt, nur weil sie sich nicht abwimmeln lassen wollen.
Die Schule am Grimsehlweg behauptete im vergangenen Jahr noch, es gebe nur bei „einer Elternseite“ eine subjektive Wahrnehmung von Gewalt, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun habe. Das stimmt heute nicht mehr. Inzwischen haben sich häufiger Eltern beschwert. Sie fordern, das Thema Gewalt auf die Tagesordnung eines Gesamtelternabends zu setzen.
Einen solchen Termin gibt es bisher noch nicht. Schule und Teile der Elternschaft liegen manchmal weit auseinander, wenn es um die Deutung von Zwischenfällen geht. Da wurde in einer Pause ein Kind im Schulsandkasten fast bis an die Schulter eingegraben. Das Opfer schrie. Die Kinder wussten sich nicht zu helfen. Es war keine Pausenaufsicht greifbar. Bis dem Kind endlich geholfen wurde, verging fast eine ganze Schulstunde.
Auch dieser Vorfall ist aktenkundig und liegt bei der Schulaufsichtsbehörde mit dem Vermerk des Rektors, dass das Kind gerade einmal bis zu den Knieen eingegraben war. Warum hat es sich dann nicht selbst befreien können? „Den Vorfall hat keiner beobachtet“, sagt der Rektor in einem kurzen Gespräch mit der HAZ-Redaktion. Das stimmt nur bedingt. Kinder haben den Vorfall sehr wohl beobachtet. Ein Junge hat lange vergeblich eine Lehrerin gesucht, die helfen sollte und später tief betroffen seiner Mutter davon erzählt. Auch diese Frau ist entrüstet über die Reaktion der Schule.
Die Aufsichtsbehörde wird über die Beschwerden nach Aktenlage entscheiden. „Wir können ja nicht in die Schule gehen und die Kinder verhören“, sagt eine Sprecherin. Viele Eltern hoffen jetzt, dass der geforderte Gesamtelternabend Wirklichkeit wird, bei dem der Umgang mit Gewalt in der Schule am Grimsehlweg offen diskutiert werden kann. Sie wollen keine einzelnen Schüler an den Pranger stellen, aber sie wollen ihre Besorgnisse äußern dürfen. Sie wollen ernst genommen werden und sie wollen endlich einen Vertrauenslehrer.

Wenn Kinder auf  Schulhöfen Hilfe vor  gewalttätigen Mitschülern brauchen, ist die Pausenaufsicht oft weit weg.  Auch Rüdiger war in der Grundschule im Grimsehlweg allein, als er die  Schläge eines Mitschülers einstecken musste. Thomas

Bilanz des Schwänzer-Projekts
HAZ,28.02.2004  Gewaltprävention:    Bilanz des Schwänzer-Projekts      Eine Schule stieg aus. Erfolg an der BBS 6. Experten tauschen sich aus.     VON JULIA PENNIGSDORF      HANNOVER. Breite Front gegen Schulschwänzer: In der Nord/LB tauschten Vertreter der 16 Kultusministerien ihre Erfahrungen aus. Und: Vor einem Jahr fiel in 37 hannoverschen Schulen der Startschuss für ein Pilotprojekt.           Die Schulen schlossen Verträge mit den Eltern, arbeiten eng mit der Polizei zusammen. Die Zwischenbilanz fällt unterschiedlich aus. Eine Schule stieg ganz aus aus, eine andere verbuchte erste Erfolge. An die wirklich harten Fälle, da sind sich alle einig, komme man aber nicht heran.           Auslöser für das 130 000 Euro teure Projekt waren ansteigende Schwänzerzahlen und der Zusammenhang zwischen Dauerschwänzen und Kriminalität. „94,7 Prozent aller Straftäter waren Schwänzer“, so Projektleiter Bernd Strauch. Aber schon vor dem Start äußerten sich Lehrer skeptisch. „Wir wussten, dass es wenig Sinn macht“, so Klausdieter Rosenberg, Leiter der Maximilian-Kolbe-Schule. Jetzt ist die Sonderschule ausgestiegen. „Es brachte gar nichts, außer viel heißer Luft“, so Rosenberg.         Drei Säulen hat das Projekt: Lehrer verpflichten sich, Eltern sofort anzurufen, wenn ein Kind fehlt, Eltern sagen telefonische Erreichbarkeit zu. Bei Problemen steigt der Kommunale Sozialdienst mit ein. Außerdem fahndet die Polizei nach Schwänzern. Die Eltern zu benachrichtigen, ist für Rosenberg selbstverständlich. „Dazu brauche ich kein Projekt.“ Das Problem sei die Klientel, die nur über Handys mit wechselnden Nummern verfüge.          Das bestätigt auch Christa Lüdemann von der Ada-Lessing-Hauptschule. „Eltern rufen häufig nicht zurück. Und ich habe schon aus Kostengründen keine Lust, abends privat den Eltern auf ihren Handys hinterherzutelefonieren.“           Besser liefs bei der BBS 6. Lehrer Heinz Straßmann wertet das Projekt als Erfolg. Die Anwesenheitsquote habe sich erhöht.        Strauch räumte Probleme ein. Erfolgreich laufe aber die Arbeit der Polizei. Konkrete Daten konnte Strauch aber nicht nennen.            KOMMENTAR        Absentismus heißt das neue Wort fürs Schwänzen, das in der Nord/ LB die Runde machte. Vertreter aus den 16 Schulministerien tauschten Erfahrungen aus. Sie kamen im Rahmen eines EU-Projektes zusammen. „Der Akzent liegt auf Prävention. Wir dürfen nicht erst eingreifen, wenn das Kind schon im Brunnen liegt“, sagte Rolf-Peter Berndt vom Niedersächsischen Landesamt für Schulentwicklung. In Hannover laufen bereits viele Schwänzer-Programme. Zum Beispiel ein Projekt der Arbeiterwohlfahrt. „Das ist für die harten Fälle“, so Hauptschulrektor Thomas Fitzner. Die Schüler haben praktischen Unterricht, trinken morgens erst einmal eine Tasse Kaffee, bevor es losgeht. „Damit sie sich überhaupt wieder an regelmäßige Abläufe gewöhnen.“
Was tun mit Mashy ?
NP,11.02.2004  Gewaltprävention: Was tun mit Mashy ?        unterm strich         Der Fall des gerade erst 15-jährigen Messerstechers Mashy K. hat es an den Tag gebracht. Bei der Bekämpfung der Jugendkriminalität ziehen in Hannover immer noch nicht alle Behörden an einem Strang, meint Stefan Wittke.         Was soll man machen mit einem wie Mashy? Mit einem 15-jährigen Afghanen, der reihenweise Einbrüche begeht, der immer wieder Jugendliche bedroht und erpresst, der mit anderen „Intensivtätern“ herumzieht und seinen Altersgenossen Angst einjagt? Was hilft noch bei einem Jungen, dessen Vater sich umgebracht hat, der mit seiner Familie im Problemstadtteil Linden-Süd seit langem intensiv von Sozialarbeitern betreut wird, der gerade erst vier Monate in Untersuchungshaft war, Mitte Dezember zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde und schon in der Silvesternacht die nächsten Einbrüche begeht. Wie kann man umgehen mit einem, der sich bei Polizeibeamten mit höhnischem Unterton erkundigt, wann er denn endlich „richtig“ ins Gefängnis kommt? Jetzt ist er da, hinter Gittern in Hameln, und er wird wohl so bald nicht mehr herauskommen. Denn alles spricht dafür, dass Mashy am Dienstagnachmittag mit zwei Messerstichen auf offener Straße einen 17-jährigen Mitschüler fast umgebracht hätte.                 Wie kann Mashy vor sich selbst geschützt werden und andere vor ihm? Manch einer wird am Stammtisch die einfachen Lösungen fordern: Wegsperren, am besten für immer. Ausweisen - und die ganzen Familie gleich mit. Angesichts der Fülle von Hilfsangeboten für Mashy und Repressionen gegen ihn könnte man glauben, dass tatsächlich alles Menschenmögliche schon getan wurde. Aber so einfach ist es nicht. Der Fall Mashy hat offenbart, dass es in Hannover immer noch eklatante Schwächen und Versäumnisse bei der Bekämpfung der Jugendkriminalität gibt, auch wenn sich vor eineinhalb Jahren Polizei, Justiz und Jugendamt zusammen auf den richtigen Weg gemacht haben. Damals waren spektakuläre Fälle bekannt geworden, besonders der zwölfjährige „Artur“ sorgte für Aufsehen. Die Landesregierung wurde in aller Eile aktiv, auch in der Stadt rauften sich die Behörden endlich zusammen, die zuvor nicht miteinander, sondern nebeneinander her gearbeitet hatten.             Bei „Intensivtätern“ etwa, den Serienkriminellen unter den Jugendlichen, treffen sich die Behörden seither zu Fallkonferenzen: Gemeinsam wird beraten, wie in jedem Einzelfall am besten zu verfahren ist. Intensivtätern soll zudem binnen vier Wochen nach der jüngsten Strafe der Prozess gemacht werden, damit die Jugendlichen nicht „vergessen“, wofür sie eigentlich vor Gericht stehen. Zusätzlich haben im Oktober die drei zuständigen Ministerien landesweit Schulen, Polizei und Justiz mit einem Runderlass verpflichtet, sich gegenseitig über Fälle wie Mashy zu informieren. Das ist lobenswert, aber die Richtlinie muss auch konsequent umgesetzt werden. Doch die Justiz hatte im Dezember weder Mashys Schulleiter noch die Polizei informiert, dass der Junge nach viermonatiger Untersuchungshaft wieder freigekommen war und demnach auch wieder hätte in die Schule gehen müssen. Staatsanwaltschaft und Amtsgericht sind sich sogar bis heute nicht einig, wer eigentlich informieren muss.            Zudem sitzen die Schulen bei den Fallkonferenzen nicht am Tisch. Sie können dort ihr Wissen nicht einbringen, und sie erfahren auch nichts über die getroffenen Entscheidungen. Ausgerechnet die Schulen, von denen verlangt wird, dass sie auch den ganz schwierigen Jugendlichen noch Werte und Erziehung vermitteln, bleiben vielfach ausgesperrt. Das ist falsch verstandener Datenschutz.              Man kann sicher mit guten Gründen strengere Gesetze fordern und mehr Opferschutz. Man mag sich bei einem Jugendlichen wie Mashy auch fragen, ob ihm überhaupt noch zu helfen ist. Beantworten kann man die Frage mit gutem Gewissen allerdings erst, wenn man wirklich alles versucht. Das ist in Hannover leider noch immer nicht der Fall..  
Mashys Bruder schlägt zu
HAZ, 28.02.2004  Gewaltprävention: Mashys Bruder schlägt zu    Unruhe um Jugendlichen in Linden hält an          Der Verletzte ist außer Lebensgefahr, der Angreifer ist in Haft - aber trotzdem kommt noch immer keine Ruhe in den Fall des erst 15-jährigen, mutmaßlichen Messerstechers Mashy K. aus Linden-Süd. Am Donnerstag nahm die Polizei auf der Limmerstraße Mustafa K., Mashys 18 Jahre alten Bruder, vorläufig fest. Er war gegen 15 Uhr zusammen mit einem Begleiter an zwei handgreiflichen Auseinandersetzungen beteiligt gewesen. Dabei soll Mustafas Bekannter einen anderen Jugendlichen mit einem Totschläger attackiert haben, der 17-jährige Afghane schlug offenbar mit den Fäusten zu.            Gegen 17 Uhr verhinderte die Polizei auf der Limmerstraße mit knapper Not eine Schlägerei zwischen zwei Gruppen von Jugendlichen; unter den Streithähnen war wiederum Mustafa, nach dem die Polizei bereits fahndete. Ermittler befürchten nun, dass der polizeibekannte 17-Jährige, der bislang nicht als so genannter Intensivtäter gilt, Streit sucht mit allen, die schlecht über seinen inhaftierten Bruder reden.        Unterdessen sind auch weitere Einzelheiten über Mashys Familie bekannt geworden. Familie K. kam vor etwa zehn Jahren aus Afghanistan nach Deutschland - Flüchtlinge, die in ihrer Heimat etliche Gewalterfahrungen gemacht haben sollen. Mashys Vater soll kein gutes Vorbild gewesen sein. Wie es heißt, brachten ihn Ermittler der Polizei sogar mit organisierter Kriminalität in Deutschland in Verbindung, es soll ihm allerdings nie etwas nachgewiesen worden sein. Das Oberhaupt der afghanischen Familie, die seit längerem auch von städtischen Sozialarbeitern betreut wird, nahm sich im Juli 2002 in Hannover durch einen Sprung vom Ihme-Zentrum das Leben.            Während Mustafa trotzdem auf einen Schulabschluss zusteuert und auch die drei Schwestern ihr Leben offenbar ohne Konflikte mit den Behörden meistern, warf der Tod des Vaters Mashy offenbar endgültig aus der Bahn. sw          
Pfeiffer: "hoher Pegel alltäglicher Gewalt"
NP,11.02.2004  Gewaltprävention: Pfeiffer: Lehrer können schwer urteilen "bei hohem Pegel alltäglicher Gewalt"     Die Folter eines Schülers an der BBS 6 - die NP sprach mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer.       Wo liegen die Ursachen solcher Gewalttaten?       Zunächst in der „Kultur der Ehre“. Jugendliche aus Migrantenfamilien haben ein ausgeprägtes Machogehabe. Sie fühlen sich den Männlichkeitsidealen stark verpflichtet. Außerdem erleben sie erhebliche innerfamiliäre Gewalt und sind deshalb gewaltbereiter. Hinzu kommt eine Medienverwahrlosung. Die Hälfte aller Hauptschüler sitzt pro Tag mehr als drei Stunden vor dem Fernseher. Plus eineinhalb Stunden vor dem Computer. Sie identifizieren sich mit den Machovorbildern aus Filmen und den Spielen. In jeder vierten Familie stellen Eltern Sechsjährigen einen Fernseher ins Zimmer - die Playstation folgt         Was kann sofort gegen die Gewalt getan werden?          Man kann nur organisieren, dass in Schulen eine höhere Sensibilität für solche Probleme entsteht. Und dass den Tätern bewusst wird: Euer Risiko aufzufliegen ist höher, als ihr denkt. Außerdem ist schnelles Einschreiten der Polizei und zügige Strafverfolgung wichtig.         Und langfristig?        Soziale Nähe ist zentral - die wird am besten über Kindergärten hergestellt. Wir lassen es zu, dass sich dort gesonderte Migranten-Gruppen bilden. Ich plane ein Projekt, wo wir in Linden, Laatzen und Lehrte Kindergärten überzeugen, ausländische Kinder nach kanadischem Vorbild gleichmäßig auf Einrichtungen zu verteilen. Der Effekt: Migrantenkinder lernen spielend Deutsch.        Das fördert die Integration?         Kommen deutsche und ausländische Kinder gut klar, werden sie auch am Wochenende zusammen spielen. Kinder in dem Alter kennen keine Rassenvorurteile. Die eingesparten Gelder für Kindersprachkurse können dann für Mütter-Sprachkurse eingesetzt werden. So wird das Zentrum ausländischer Familien sprechfähig. Und so so kann vermieden werden, dass Migranten zu Schulversagern werden und vor Frust und Ärger nur Schwierigkeiten machen. Wenn das Projekt gut läuft, werden wir dem Land eine Änderung des Kindergartengesetzes empfehlen.         Sind Lehrer gegen die Gewalt abgestumpft?       Es ist in Haupt- und Berufsschulen ungeheuer schwer zu unterscheiden zwischen dem hohen Pegel alltäglicher Gewalt oder ob einer unter die Räder kommt. Ich warne davor, schnell zu sagen, die Lehrer sind schuld. Entscheidend ist immer die familiäre Situation der Schüler.  
"Kaum zu kontrollieren"
HAZ,11.02.2004 Gewaltprävention:   „Kaum zu kontrollieren“   Die Nachrichten von den Gewalttaten an den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Hannover und Hildesheim sind mit Erschrecken auch an anderen Schulen aufgenommen worden. „Je größer ein Schulsystem ist, desto anfälliger ist es für solche Ereignisse“, sagt Thomas Wedemeyer, Schulleiter der Heinrich-Heine-Schule. Um solchen Taten vorzubeugen, werden an der Hauptschule seit Jahren Präventionsprojekte wie eine Streitschlichtungs-AG für Schüler angeboten.        „Was in dunklen Ecken passiert, ist schwer zu kontrollieren“, meint auch Jürgen Hein, Leiter der Haupt- und Realschule im Fössefeld. Auch dort gibt es Projekte zum Thema Gewalt, Zivilcourage oder Konfliktbewältigungen. Jedoch darf nach Ansicht von Hein der Grund für Gewalt nicht allein an der Schule gesucht werden. „Ich finde es besonders schlimm, dass das 17-jährige Opfer von der BBS 6 offenbar keinen Ansprechpartner in seiner Familie oder im Freundeskreis hatte.“         Ein weiteres Problem sehen Hein und Bernd Steinkamp, Schulleiter der Integrierten Gesamtschule Roderbruch (IGS), in der sozialen Struktur der Klassen des Berufsgrundbildungsjahres (BGJ). „Wenn mehrere Schüler ohne Hauptschulabschluss und mit geringer Zukunftsperspektive in eine Gruppe ausgesondert werden, verschärft sich das soziale Klima“, sagt Steinkamp. „Ich denke nicht, dass sich solch ein Vorfall an einem Gymnasium oder an einer Realschule ereignen würde.“          Brigitta Franke, Schulleiterin der Kooperativen Gesamtschule Ronnenberg (KGS) in Empelde, ist da anderer Ansicht: „Ich glaube nicht, dass die Gewalttaten auf die Schulform zurückzuführen sind“, sagt sie und verweist auf den Amoklauf des 19-jährigen Schülers, der an einem Erfurter Gymnasium 2002 18 Menschen tötete.         Wie viele ihrer Kollegen setzt Renate Bauschke, Leiterin der Hauptschule im Schulzentrum Ahlem, vor allem auf Vorbeugung. Um das Gefühl für gesellschaftliche Verantwortung zu stärken, hatte eine 8. Klasse mit Senioren gearbeitet: Die Schüler kauften für die alten Menschen ein, gingen mit ihnen spazieren oder lasen Blinden vor. „Wir sollten uns aber nicht der Illusion hingeben, dass es irgendwann keine Gewalt mehr an Schulen gibt“, sagt Bauschke.    
Leere Drohunen nützen keinem
HAZ, 17.01.2004    Leere Drohungen nützen keinem  Unterm Strich    Viele Male hat die Polizei drei junge Kriminelle erwischt - aber einen Haftbefehl gab es trotzdem nicht. Ein verheerendes Signal, meint Jens Hauschke - und ein Schlag ins Gesicht für Polizisten und Sozialarbeiter, die ein gefährliches Problem zu lösen versuchen.         Mindestens einmal in der Woche müssen drei der kriminellsten Lindener Jugendlichen auf dem Polizeirevier antreten. Die drei sind meist ziemlich gut gelaunt, weil sie wissen, dass ihnen die Polizei trotz ihrer dicken Strafakten nicht viel anhaben kann. Der 15-jährige Afghane Mashy K. und seine Freunde tragen bei ihren Besuchen teure Markenkleidung. Wenn die Beamten in die Taschen der Jungs schauen, finden sie bei annähernd jeder Überprüfung viel Bargeld, meist mehrere hundert Euro.       Die drei sind seit Monaten als schwere Straftäter bekannt - trotzdem hat ein Amtsrichter vor wenigen Tagen einen Haftbefehl gegen die Jungen verweigert. Man kann verstehen, dass die Polizisten sauer sind. Und dass sich viele Bürger dieser Stadt von der Justiz im Stich gelassen fühlen.     Grundsätzlich ist es richtig, dass es das Gesetz besonders schwer macht, einen Jugendlichen einzusperren. Oftmals werden die Jungen und Mädchen hinter Gittern noch krimineller, als sie es vorher schon waren. Daher haben alle - Polizei, Staatsanwälte und Richter - die Pflicht, sich jeden Einzelfall genau anzuschauen. Doch haben im Fall von Mashy K. und seinen Freunden auch wirklich alle genau hingesehen?       Der 15-jährige Mashy K. gilt als einer der kriminellsten Jugendlichen der Stadt. Er hält sich nicht an Bewährungsauflagen und lehnt jegliche soziale Hilfe ab. Seine Eltern wissen nicht mehr weiter und suchen selber immer wieder die Hilfe der Polizei. Ein ehemaliger Lehrer spricht von einem „unverbesserlichen“ und in keiner Phase kooperativen Schüler. Mashys Akte bei der Polizei ist so dick wie bei einem Berufskriminellen. Und es ist darin nicht von Ladendiebstahl oder Schwarzfahren die Rede. Da reihen sich schwere Straftaten wie Raub, Körperverletzung und Einbrüche aneinander. Beamte hatten während einer Schulrazzia sogar Waffen bei K. gefunden. Wer dann noch die allgemein gültige Dunkelzifferberechnung anwendet, nach der bei Gewohnheitskriminellen auf eine entdeckte Tat zehn unentdeckte kommen, der kann nur darüber verzweifeln, dass Mashy und seine Freunde, bei denen es sich ähnlich verhält, noch immer frei durch die Stadt spazieren dürfen.        Dabei hatten die für Recht und Ordnung Verantwortlichen vor eineinhalb Jahren die richtige Idee, wie sie mit jungen Kriminellen umgehen wollen. Sie bündelten die Kräfte von Strafverfolgung und Sozialarbeit und setzen sich seitdem regelmäßig an einen Tisch. In so genannten Fallkonferenzen wird über jeden einzelnen Intensivtäter beraten, wie die besonders kriminellen Jungen und Mädchen genannt werden. Auch im Fall der drei Lindener hat es diese Konferenz gegeben - nachdem alle drei Ende vergangenen Jahres zum wiederholten Male Bewährungsstrafen kassiert hatten.        Für alle Teilnehmer der „Fallkonferenz“, auch für die Sozialarbeiter, stand fest: Das war der letzte Warnschuss, bei der nächsten Tat müssen die drei Jungen in Haft. Diese Besprechung war am Nachmittag des 18. Dezember. Am Silvestertag versuchten die drei erst in einen Kiosk und dann in einen Schreibwarenladen einzubrechen. Sie wurden auf frischer Tat ertappt. Und die Konsequenz? Wie abgesprochen, ein Haftbefehl? Mitnichten.          Ein Amtsrichter sagte nein. Er schätzt die Wiederholungsgefahr als nicht so hoch ein, dass sie einen Haftbefehl rechtfertigen würde - diese Meinung dürfte er exklusiv haben. Auch die Staatsanwaltschaft will sich damit nicht zufrieden geben. Die Anklagebehörde hat Beschwerde gegen das Urteil eingelegt. Sollte der Amtsrichter bei seiner Meinung bleiben, wird demnächst das Landgericht über einen Haftbefehl entscheiden.           Eines ist klar: Ein Richter muss unabhängig entscheiden. Er muss Polizei und Staatsanwaltschaft auf die Finger schauen, und sollte sich nicht von ihnen bei seiner Meinungsbildung beeinflussen lassen. Nur: Wenn es im Vorfeld klare Absprachen gibt, wenn alle Beteiligten zigmal miteinander diskutiert und den Fall erörtert haben - dann ist so eine Entscheidung nicht mehr nachzuvollziehen. Wozu dann überhaupt „Fallkonferenzen“? Warum werden die Intensivtäter dann überhaupt anders als andere Kriminelle behandelt? Das neu geschaffene System ist überflüssig, wenn nicht alle Instanzen mitspielen. Und das Signal, das von diesem Fall an die jungen Kriminellen geht, ist verheerend: Die Drohungen von Polizei und Sozialarbeitern haben keine Konsequenzen. Die drei Lindener Jungen müssen sich in ihrem Glauben bestärkt fühlen, dass sie sich einfach alles erlauben können.       Mashy K. war an den Tagen nach seiner jüngsten Tat von sich aus auf dem Polizeirevier, und hat gefragt, wie denn die Dinge so stünden. Er sei schon überrascht, sagte er, dass er noch immer auf freiem Fuß sei.
Staatsanwaltschaft sucht Gespräch mit Lehrern

NEUE PRESSE, 11.09.2003   Gewalt:  Staatsanwaltschaft sucht jetzt Gespräch mit Lehrern  Bei der Anklagebehörde gibt es erstmals Spezialisten für Schüler-Verfahren        Diebstähle, Raub und Gewalt an Schulen - jetzt sucht die Staatsanwaltschaft Hannover den Dialog mit Lehrern.   VON ANNETTE ROSE       HANNOVER. Der Leiter der Staatsanwaltschaft Hannover, Manfred Wendt, hat gestern alle Schulleiter zum Dialog mit der Staatsanwaltschaft aufgerufen, „da es viel Informationsbedarf bei Lehrern und Schulverwaltungen gibt.“ Das hätten Gewalttaten an Schulen in den vergangenen Wochen gezeigt.      Gleichzeitig stellte Wendt die Staatsanwälte Julia Jeschieniak und Stefan Dach als Ansprechpartner für die Schulleiter vor. Beide wurden vor einem halben Jahr mit dem „Sonderdezernat Schule“ beauftragt und ermitteln in allen Verfahren aus Schulen und dem Umfeld von Schulveranstaltungen, Jugendspielen, Sport oder Klassenfahrten.      Derzeit gebe es bei den Lehrern noch viele Berührungsängste. „Die wollen wir abbauen“, so Wendt. Während die Anklagebehörde mit den Jugendfachbereichen der Städte schon gut „vernetzt“ sei, müsse man mit den Lehrern erst noch ins Gespräch kommen. Wendt: „Es muss jetzt öffentlich darüber diskutiert werden, was an Informationen ausgetauscht werden kann.“ Insbesondere welche Informationen die Staatsanwaltschaft an Schulen weitergeben darf.        Für Lehrer sei es wichtig zu erfahren, wenn gegen einen Schüler Verfahren auch außerhalb der Schule laufen und was dabei herauskommt. Dann seien sie womöglich eher bereit, Anzeigen zu erstatten. Bisher sei der Staatsanwaltschaft die Weitergabe solcher Informationen aus Datenschutzgründen nicht erlaubt.       Die Anzahl der Verfahren gegen Jugendliche hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Die 18 Jugendstaatsanwälte hätten 2002 in fast 20 000 Fällen ermittelt, 500 Verfahren betrafen Schüler. „Von denen waren zehn Prozent unter 14 und damit Kinder, da mussten wir die Akten zuklappen“. Die Vorgänge seien an die Jugendhilfe weitergeleitet worden. Ein Drittel der Jugendverfahren seien Rangeleien, kleinere Körperverletzungen. Ein weiteres Drittel betreffe das Stehlen oder Rauben von Handys, berichtete Dach. Die Objekte der Begierde seien „klein, silbern und neu“, so Staatsanwalt Dach. Die Ankläger stellten klar: Wer ein Handy abpresst oder raubt, wird angeklagt. Das ende meist mit einem Wochenende in der Arrestzelle.   

Konfliktlotsen sollen Streit unter Schülern schlichten 
Stadt-Anzeiger West,  Donnerstag, 6. April 1999  Konfliktlotsen:   Konfliktlotsen sollen Streit unter Schülern schlichten Mit einem neuen PROJEKT will die IGS LINDEN der zunehmenden Gewaltbereitschaft begegnen. Fairneßregeln werden kaum noch beachtet          Jeder dritte Schüler bewaffnet sich mit Messer, Schlagring oder ähnlichem, jedes vierte Kind wird Opfer von Jugendkriminalität. Zu diesem beunruhigenden Ergebnis ist das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen vor einiger Zeit gekommen. Einen drastischen Zuwachs von Gewalt konnte der Schulsozialpädagoge Detlef Mauer in den mehr als 20 Jahren seiner Tätigkeit an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Linden zwar nicht beobachten. Aber die Umgangsformen seien anders geworden, sagt er. "Heute gibt es weniger allgemein anerkannte Fairneßregeln, was sich allerdings nicht auf die Schule allein beschränkt, sondern ein gesamtgesellschaftliches Phänomen ist."     mehr ...
„Gewalt ist normal“
HAZ, 01.03.2003  Gewaltprävention: „Gewalt ist normal“    Ein Viertel aller Schüler wird zu Opfern   Es gebe Kinder, denen man ihre Chancenlosigkeit ansehen könne. „Wenn die anfangen zu prügeln, dann prügeln sie verzweifelt drauf los“, sagt Christoph Walther, Schulleiter der IGS Linden. Er lehnt es ab, das Thema Gewalt an Schulen „aus Angst vor öffentlicher Diskriminierung unbearbeitet unter der Decke zu halten“, wie er jetzt bei einer Podiumsdiskussion des Kriminologischen  Forschungsinstitutes Niedersachsen (KFN) im Leibnizhaus betonte.     In seinem Vortrag räumte der Schulleiter ein, dass Schulen einen kleinen Kreis jugendlicher „Intensivtäter“, deren Zahl in Hannover auf etwa 100 geschätzt  wird, kaum noch erreichen können. Es ist nach Einschätzung Walthers „unredlich zu behaupten, die Schule verfüge über Instrumente, sie zu integrieren.“ Im Interesse der anderen Schüler bleibe nur die Möglichkeit, diesen Kindern deutlich Grenzen aufzuzeigen, ihnen strenge Sanktionen aufzuerlegen und notfalls die Polizei einzuschalten. Walther verschwieg auch nicht, dass ein Großteil dieser Jungen einen „Migrationshintergrund“ haben – also aus Ausländer- oder Aussiedlerfamilien kommen, in denen wiederum Gewalt häufig an der Tagesordnung ist.      Die Erfahrungen Walthers bestätigte KFN-Forscher Dirk Enzmann, der mit seinen Mitarbeitern von 1998 bis 2000 mehr als zehntausend Schüler in  Hannover, Hamburg, Leipzig, München und Friesland befragt hat. So hätten etwa 25 Prozent aller türkischen Schüler in den Interviews angegeben, dass sie zu Hause regelmäßig massiv misshandelt werden, bei den deutschen Kindern liegt diese Rate bei sechs Prozent – unter den Gewalttätern an Schulen wiederum erlebt fast die Hälfte Gewalt auch zu Hause. Enzmann bezeichnete Gewalt an Schulen als „fast schon normal“, ein Viertel aller befragten Schüler gab an, dass sie in den Monaten zuvor entweder geschlagen, massiv gehänselt, erpresst oder mit einer Waffe bedroht worden waren – oder dass Mitschüler zumindest ihr Eigentum zerstört hatten.   Walther betonte jedoch, dass die Schule nicht in erster Linie Schauplatz von Gewalttaten sei. Die IGS Linden habe inzwischen ein Programm entwickelt, dass  bundesweit beachtet werde: mit Unterrichtsstunden in den fünften Klassen, in  denen Konfliktsituationen simuliert werden, mit Klassenfahrten und Projekttagen – und der Ausbildung von Schülern zu Streitschlichtern.   sw   Veröffentlicht 28.02.2003 20:32 UHR  (HAZ, 01.03.2003)
Weitere Adressen und Artikel
Gewaltprävention:„Gewalt ist normal“Ein Viertel aller Schüler wird zu Opfern   Es gebe Kinder, denen man ihre Chancenlosigkeit ansehen könne. „Wenn die anfangen zu prügeln, dann prügeln sie verzweifelt drauf los“, sagt Christoph Walther, Schulleiter der IGS Linden. ...   In seinem Vortrag räumte der Schulleiter ein, dass Schulen einen kleinen Kreis jugendlicher „Intensivtäter“, deren Zahl in Hannover auf etwa 100 geschätzt   wird, kaum noch erreichen können. ...    Die Erfahrungen Walthers bestätigte KFN-Forscher Dirk Enzmann, der mit seinen Mitarbeitern von 1998 bis 2000 mehr als zehntausend Schüler in  Hannover, Hamburg, Leipzig, München und Friesland befragt hat. So hätten etwa 25 Prozent aller türkischen Schüler in den Interviews angegeben, dass sie zu Hause regelmäßig massiv misshandelt werden, bei den deutschen Kindern liegt diese Rate bei sechs Prozent unter den Gewalttätern an Schulen wiederum erlebt fast die Hälfte Gewalt auch zu Hause. ...    Walther betonte jedoch, dass die Schule nicht in erster Linie Schauplatz von Gewalttaten sei. Die IGS Linden habe inzwischen ein Programm entwickelt, dass  bundesweit beachtet werde: mit Unterrichtsstunden in den fünften Klassen, in  denen Konfliktsituationen simuliert werden, mit Klassenfahrten und Projekttagen – und der Ausbildung von Schülern zu Streitschlichtern.    sw   Veröffentlicht 28.02.2003 20:32 UHR   (HAZ, 01.03.2003)
Schwänzen:Schule: Pilotprojekt gegens Schwänzen    Schulschwänzern soll es an den Kragen gehen. Das sieht ein Pilotprojekt des Landes vor. In Hannover machen 37 Schulen mit.  Zur Intention sagt Projektleiter Bernd Strauch: „Wir wollen Kriminalität vorbeugen. 94,7 Prozent aller Straffälligen waren massive Schwänzer.”  So funktionierts: Die Schulen sollen mit den Eltern Verträge schließen. Lehrer verpflichten sich, sofort anzurufen, wenn ein Kind fehlt. Die Eltern sagen telefonische Erreichbarkeit zu.  ...  HANNOVER, VON JULIA PENNIGSDORF NP, 28.02.2003     mehr ...
08.11.2001 Helfer besuchen Schulen - Justizminister Pfeiffer setzt Kampf gegen Schwänzen fort ->Schwänzen
12.06.2001 Bürgerstiftung:In jeder Klasse gibt es Aussenseiter (NP)
19.12.2000 Gewaltprävention: Es knallt, wo es keiner erwartet (HAZ)
30.11.2000 Schulpsychologen:"Elternrat gegen Stellenkürzungen"(HAZ)
29.11.2000 Schulpsychologen:"Land will 25 Prozent der Stellen für Schulpsychologen streichen" (Wochenblatt, 29.11.2000)
18.11.2000 Schulpsychologen:An die Landtagsfraktionen: Kürzung des Landes beim schulpsychologischen ienst (18.11.)
18.11.2000 Schulpsychologen:Stadtelternrat protestiert gegen Streichung jeder 4. Schulpsychologenstelle (HAZ, 13.11.2000, Presseerklärung und Anschreiben)
13.11.2000 Schulpsychologen:  Anhang dpa-Meldung: Regierung will jede vierte Schulpsychologen-Stelle streichen (13.11.)
13.11.2000 Schulpsychologen:  Anhang dpa-Meldung: Verband: Es gibt zu wenig Schulpsychologen in Deutschland
08.01.2000 Prügelstrafe:  England: "Britische Eltern wollen Prügelstrafe an Schulen" (HAZ)
02.02.2000 Gewaltprävention: "IGS Linden gibt Handbuch gegen Gewalt heraus"(NP)
15.04.1999 Mitternachtssport:Am Trampolin bleibt die Erotik außen vor   (HAZ, 15.4.99)
08.04.1999 Konfliktlotsen:Konfliktlotsen sollen Streit unter Schülern schlichten  ( HAZ, 8.4.99)
Laatzen: Mädchen jagen 15-Jährige
NP, 24.10.2002:    Laatzen: Mädchen jagen 15-Jährige  Jagdszenen in Laatzen: Eine Schülerin (15) wird am Dienstag von 16 Mädchen (15 bis 17) bedroht und durch die Straßen gehetzt. Der Höhepunkt von Auseinandersetzungen zwischen Mädchen im und um das Erich-Kästner-Schulzentrum Laatzen, die derzeit die Polizei beschäftigen.
   Mädchen als brutale Schläger und Straftäter – dazu Polizeisprecher Lothar Zierke: „Viele Kinder osteuropäischer Familien fühlen sich ausgegrenzt. Einige bewältigen mit solchen Aktionen Frust. Von 462 jugendlichen Gewalttätern waren im vergangenen Jahr immerhin 68 Mädchen.”   Die Beteiligten an der Hetzjagd vom Dienstag waren Mitschülerinnen an der Realschule und Gymnasiasten. Zwei von ihnen müssen sich wegen Bedrohung und Beleidigung verantworten. Sie kommen aus Osteuropa.  Das Opfer war gerade auf dem Weg nach Hause, als sie der aggressiven Gruppe in die Hände fiel. Sie rettete sich schließlich in die elterliche Wohnung. Motiv der Täterinnen: Langeweile. Nach der Hetze flüchteten sie. Dabei wurde ein Mädchen (14) von einem Auto angefahren und leicht verletzt. Für Realschul-Direktorin Barbara Conrad ist das Ganze eine Aktion wie in „einem schlechten Krimi.”    Fünf Tage zuvor hatten drei osteuropäische Mädchen eine Realschülerin zusammengeschlagen. Aus Angst erstatteten die Eltern keine Anzeige. Jetzt ermittelt die Polizei dennoch.
Laatzen: Mädchen jagen 15-Jährige
NP, 24.10.2002:  Stadthagen: Klage gegen 36 Jugendliche
   Die Justiz greift endlich durch: Nach exzessiven Prügeleien an der Stadthäger „Schule am Schlosspark” hat die Staatsanwaltschaft Bückeburg Anklage gegen 36 Schüler erhoben.
    Den 35 Jungen und einem Mädchen zwischen 14 und 15 Jahren drohen Strafen wegen Körperverletzung und anderen Delikten wie Nötigung. Laut Staatsanwaltschaft sei aber nur in hartnäckigen Fällen mit Arreststrafen zu rechnen, der
 „Erziehungsgedanke” der Verfahren stehe im Vordergrund. 
    Rektor Rudolf Krewer lobte den Einsatz der Ermittler: „Die haben sich richtig reingekniet.” Lob auch von Niedersachsens Innenminister Heiner Bartling (SPD): „Ich begrüße es, dass konsequent gegen Gewalttäter durchgegriffen wird.” 
   An der Schule hatte es über Jahre Gewaltrituale gegeben. Mitschüler verprügelten andere Kinder und Jugendliche, wenn sie Geburtstag hatten oder gute Noten erhielten. „Die Verfahren werden nun vor den örtlich zuständigen Schöffengerichten oder Jugendrichtern verhandelt”, sagte Wolfgang Jäger, Sprecher der Staatsanwaltschaft.  Insgesamt sei gegen 65 Jugendliche ermittelt worden. Drei Verfahren seien eingestellt worden.
Pfeiffer will wachrütteln
HAZ, 18.10.2002:    Pfeiffer will wachrütteln
         Vortrag des Justizministers zu Prügelritualen wird in Stadthagen verteilt.
   Hannover. Trotz Protesten örtlicher Kommunalpolitiker sieht Justizminister Christian Pfeiffer (SPD) keinen Anlass, sich bei der Kommune Stadthagen (Kreis Schaumburg) zu entschuldigen. Pfeiffer hatte vor vier Tagen auf einer Diskussionsveranstaltung in einer Haupt- und Realschule erhebliche Integrationsprobleme mit jungen Türken in der Stadt beklagt, vor allem im Kindergartenbereich. Pfeiffer betonte gegenüber dieser Zeitung: „Ich habe niemanden in Stadthagen beschuldigt oder angeklagt – nur den Überbringer schlechter Botschaften liebt man hier wohl nicht.“
   Stadthagen machte durch die so genannten Prügelrituale an der Schule „Am Schlosspark“ Schlagzeilen. Hier hatte Pfeiffer vor allem vor türkischen Eltern  über die Ursachen solcher Gewaltakte gesprochen. Er sieht sie in einer Art „Männerritual“ und in der weitgehenden Trennung der deutschen und türkischen Bevölkerung, vor allem in den Kindergartengruppen. „Ich wollte die Bürger wachrütteln, dass etwas schief läuft. Wenn sich unter 700 Gymnasiasten nur ein männlicher türkischer Schüler befindet, ist das offensichtlich“, sagte Pfeiffer.
   Sein Vortrag werde jetzt ins Türkische übersetzt und verteilt.
   Stadthagens Bürgermeister Jürgen Hoffmann klagte gestern, Pfeiffer hätte sich zuerst an die Verantwortlichen der Stadt wenden sollen, bevor er die  Kindergarten-Praxis kritisiere.   mbb    Veröffentlicht 17.10.2002 19:42 UHR
Hannovers Lehrer warten auf Fragen der Schüler
Gewalt:HAZ, 29.04.2002  Hannovers Lehrer warten auf Fragen der Schüler  von Elisabeth Voss
Hannover. In Gedenkminuten und  Gebeten, in Schülervollversammlungen und Diskussionsveranstaltungen werden sich vor allem Lehrer und Schüler von Gymnasien und Realschulen in Hannover mit dem Geschehen in Erfurt auseinandersetzen. Die meisten Schulleiter wollen heute früh erst einmal erfahren, was von den Schülern an Fragen und Wünschen kommt. Leiter von Grundschulen äußerten sich gestern verhalten. Es sei ein schmaler Grat, hieß es, mit Kindern über das schreckliche Geschehen zu sprechen, ohne sie zusätzlich zu ängstigen.
    "Man kann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", sagt Christoph Walther, Schulleiter der Integrierten Gesamtschule (IGS) Linden. Aber man müsse sehen, was von den Schülern komme. Die Schule, die sich besonders mit Fragen der Gewalt auseinandergesetzt hat und dafür ausgezeichnet worden ist, werde sich mit dem Geschehen sicher sehr intensiv beschäftigen, meint Walther. Heute in der ersten großen Pause wird die Schülervertretung zusammengerufen. Dann werde auch entschieden, was man tue, um die Betroffenheit der jungen Menschen aufzunehmen. Analog zu den Trauerfeiern für die Opfer könnte es einen Schulgottesdienst und Schweigeminuten geben, meint Walther. Auch unter den Lehrern müssten die Ereignisse besprochen werden.
    Gleich in der ersten Unterrichtsstunde werden die Lehrer mit den Schülern über den Amoklauf reden, sagt Uwe Rademacher, der Leiter des Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasiums. Voraussichtlich am Freitag werde es ein Plenum für die ganze Schule geben. Während Schüler und Lehrer nach den Terroranschlägen des 11. September gleich zu einem Gedenkgottesdienst in die Friedenskirche gegangen waren, wolle man jetzt erst die Reaktion von Schülern abwarten. "Man kann das nicht einschätzen", sagt Rademacher.
    Eine Viertelstunde zum Gedenken wird es am Morgen in derFreiherr-von-Stein-Schule, einer Realschule im Stadtteil Bemerode, geben. Die Religionslehrerin werde das Vaterunser beten, sagt Schulleiterin Renate Höfling. Für die zahlreichen moslemischen Schüler werden Suren aus dem Koran gelesen. Zum Gedenken an die Opfer werden 17 Kerzen angezündet. Das sei wichtig, sagt die Pädagogin, um Emotionen auszudrücken. Es gebe einen großen Bedarf, sich zu äußern.
    Mit schweigendem Gedenken wird auch der Schultag für das Humboldt-Gymnasium beginnen. Zu Beginn der ersten Stunde will Schulleiter Peter Fischer dazu eine Schulversammlung einberufen, danach werde das unfassbare Geschehen in den einzelnen Klassen thematisiert. Was die Kinder äußern oder fragen, soll in den Grundschulen Richtschnur dafür sein, wie das Thema behandelt wird.
"Schulen sind für uns keine Brennpunkte"
HAZ und NP   24.11.2001 
Gewalt in Schulen.  "Schulen sind für uns keine Brennpunkte", sagt der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion West,Gerd Lewin . Von 827 Ermittlungen gegen Jugendliche sind nur 11 an Schulen gewesen. Mit der IGS Linden hatten die Fahnder in der Vergangenheit so gut wie nie Probleme. "Die Schule ist federführend in Sachen Gewaltprävention", weiß der Jugendbeauftragte Thomas Ganz. (NP 24.11.2001). "Keine Angst vor Mitschülern" betont auch Ronja Rosenau, Schülerin der IGS Linden, in einem Leserbrief. (NP 24.11.2001). In der KGS Hemmingen werden Schüler zu Konfliktlotsen ausgebildet ("Kampf dem täglichen Kleinkrieg", NP 24.11.2001) 
Hannovers Lehrer warten auf Fragen der Schüler
Hannovers Lehrer warten auf Fragen der Schüler von Elisabeth Voss
    "Man kann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", sagt Christoph Walther, Schulleiter der Integrierten Gesamtschule (IGS) Linden. Aber man müsse sehen, was von den Schülern komme. Die Schule, die sich besonders mit Fragen der Gewalt auseinandergesetzt hat und dafür ausgezeichnet worden ist, werde sich mit dem Geschehen sicher sehr intensiv beschäftigen, meint Walther. Heute in der ersten großen Pause wird die Schülervertretung zusammengerufen. Dann werde auch entschieden, was man tue, um die Betroffenheit der jungen Menschen aufzunehmen. Analog zu den Trauerfeiern für die Opfer könnte es einen Schulgottesdienst und Schweigeminuten geben, meint Walther. Auch unter den Lehrern müssten die Ereignisse besprochen werden. HAZ, 29.04.2002
"Wut und wieder gut!"
05.-09.11.2001   Gewaltpräventionswoche der AG Kinder und Jugend in Linden-Süd
Mo, 05.11., 19:30 Uhr Auftaktveransaltung "Konfliktlösungsstrategien" im Treffpunkt Allerweg, Allerweg 3-7 Großer Saal
Di-Do, 06.11.-08.11.
9:00-12.00 Uhr
Projektwoche Egestorffschule in der Egestorffschule, Petristr.4, für 2.-4. Jahrgang mit Schwarzlichttheater, Musical, Taido, Schulgestaltung, Jungen. und Mädchenarbeit, Selbstbehauptungstraining, Stadtteilreporter
Di, 06.11. Theateraufführung "Mach ihn fertig" in der IGS Linden im Forum, Am Lindener Berge 11, Theater Company Rhein und Ruhr, Eintritt 3 DM / 6 DM
Mi, 07.11., 15:30 Uhr Gemeinsamer Gottesdienst in der Erlöserkirche zum Thema Gewaltprävention
Do, 08.11. Tag der Horte, gemeinsamer Aktionstag im Hort Erlöser, Hort St Godehard 1, Hort St. Godehard II
Mo-Fr, 05.11.-09.11.
14:00 - 18:00 Uhr
"Sucht und Gewalt", öffentliche Ausstellung im Jugendtreff Villa Anna, Allerweg 3-7
Mo-Do, 14:00-16:00 Uhr Workshop Malprojekt mit Künsterin Jule Ehlers im Verein Lebenskunst, Deisterstr. 73
Mo-Do, 14:00-16:00 Uhr Workshop "finde deinen beat", Trommeln im AWO-Keller mit CD-Produktion, AWO, Freizeitkeller, Deisterstr. 85
Mo-Do, 14:00-16:00 Uhr Spieleworkshop zur Gewaltprävention für 6-13 jährige, Gemeinwesenarbeit, Computertreff, Deisterstr.85
Mi-Do, 14:00-16:00 Uhr Wir machen einen Videofilm "Wut und wieder gut" im Spielpark Linden, Kirchstr. 25 im Von-Alten-Garten, Workshop mit Talkshow und Interview
Fr, 09.11., ab 14:00 Uhr Gemeinsame Abschlussveranstaltung in der Egestorffschule, Petristr. 4, Infomarkt mit AWO-Jobbörse, Streitschlichter- und Gernie-Projekt der IGS Linden, Jugendzentrum Posthornstr., Jugendgerichtshilfe, Haupt- und Realschule am Fössefeld, Gesellschaft zur Förderung ausländischer Jugendlicher, Verband Allein Erziehender und Instrumentenausstellung "Fremdes und Bekanntes"
Fr, 09.11., ab 14:00 Uhr Cafeteria in der Egestorffschule, Petristr.4
Fr, 09.11., ab 14:00 Uhr Begleitprogramm mit Videopräsentation, Taido-Vorführung, Schwarzlichttheater, Musical, Trommelsession in der Egestorffschule und
Fr, 09.11., 16:00 Uhr Gemeinsame Luftballonaktion in der Egestorffschule
Kontaktadresse: Gemeinwesenarbeit Linden-Süd, Allerweg 3-7, 30449 Hannover, Mercedes Menke und Siggi Rohloff, Tel. 76 00 443 / 444
e-mail: gwa.linden.suead@awo-hannover.de
Sprecher: Ferdinand Holst / Elternvertreter und Margaretha Kirschmann / Soz.Päd Egestorffschule

"In jeder Klasse gibt es Außenseiter"
NP, 12.06.2001 "In jeder Klasse gibt es Außenseiter"
Bürgerstiftung bietet Lehrer-Seminar zur Konfliktlösung in Schulen an / Volksbank unterstützt Projekt finanziell
In jeder Klasse gebe es dickes Kind, oder ein hässliches oder eines, dass aus anderen Gründen von lalen ausgegrenzt werde, sagt Eva Busch. Der Konflikt ist typisch für den Schulalltag - professionell damit umgehen können viele Lehrer nicht.     mehr ...

Lehrerfortbildung "Konfliktbearbeitung in der Schule"
Lehrerfortbildung "Konfliktbearbeitung in der Schule" - Schulentwicklung und Gewaltprävention -
    Die Bürgerstiftung Hannover führt im Großraum Berenbostel einen weiteren Fortbildungsgang "Konfliktbearbeitung in der Schule" für 20 Lehrkräfte aus dem Schulzentrum Berenbostel und Schulen der Umgebung durch.
    Vom allgemeinen "Supertrend", an niedersächsischen Schulen Prävention zu betreiben, unterscheidet sich diese Fortbildung durch ein umfassendes und fachlich fundiertes Konzept. Statt der im Bildungswesen häufig kontraproduktiven Einzelmaßnahmen wie eintägige isolierte Fortbildungen, Streitschlichterprogramme, Präventionspuppentheater usw. wird in der Lehrerausbildung der Bürgerstiftung Hannover die Schule als Ort sozialer Beziehungen verstanden und entsprechend behandelt.
    Prof. Dr. Manfred Bönsch, Dr. Eva Busch und Frank Winter führen als Team der Bürgerstiftung Hannover auch diesen Ausbildungsgang durch.       mehr ...       Homepage der Bürgerstiftung Hannover


"Es knallt, wo es keiner erwartet"

HAZ,19.12.2000
"Es knallt, wo es keiner erwartet"
Eugen, Stefan und Dennis haben sich in der kleinen  Pause schon wieder geschlagen", berichtet Arzu (zehn  Jahre) mit fester Stimme, "und Stefan hat auch noch  Schulbücher von Denise vom Tisch geschmissen." Die  Schülerinnen sind sich einig: So geht es nicht. "Was  können wir machen?" fragt Larissa (zwölf Jahre). Schnell  ist die Runde sich einig: Stefan ist Wiederholungstäter  und wird daher die kleine Pause für einige Wochen  außerhalb des Gebäudes verbringen. Larissa schreibt  dies ins Protokoll. Lehrerin Claudia Gogoll wird Stefan  dazu hören und ihm den Entschluss mitteilen. Seit  sieben Jahren setzen sich alle Klassen der  Orientierungsstufe Sahlkamp einmal in der Woche in  einer Tischgruppe zusammen - Mädchen und Jungen  getrennt. In einer Stunde werden die Probleme der  abgelaufenen Woche besprochen. Die Gesprächskultur  der Kinder ist beeindruckend. So unterhalten sich  manche Erwachsene nicht, wenn sie Probleme  miteinander haben. "Unsere Kinder lernen so von klein  auf, dass Probleme mit Worten und nicht mit Fäusten  gelöst werden können", bestätigt Schulleiter Karl-Hermann Heuser.
"So stelle ich mir die Vorbeugung gegen Gewalt an  Schulen vor", sagt auch Rolf Peuke aus dem  Schulpolitischen Arbeitskreis Hannover/Bremen. Der 49-jährige kritisiert seit Jahren den Umgang mit Gewaltprävention als zu theoretisch und praxisfern. Und daher geht er schon länger neue Wege. Der Mann arbeitet nicht vorrangig mit Schülern, die durch Gewalt  auffällig geworden sind, sondern mit den Lehrern. Der  Grund? Um Gewalt an den Schulen wirkungsvoll eindämmen zu können, müssen nach Peukes Ansicht erst einmal die Lehrer besser ausgebildet werden.
    "Wenn sie sehen, dass die pädagogische Ausbildung der  Lehrer nicht länger dauert als die von Polizeibeamten, ist  eigentlich schon alles gesagt", ärgert sich Peuke, der lange Zeit im Krimonologischen Forschungsinstitut Niedersachsen gearbeitet hat.
Dabei seien manchmal nur kleine Handgriffe nötig, meint der 49-Jährige und nennt ein Beispiel aus dem Sportunterricht. "Es muss den Lehrern gelingen, dass auch der kleine dicke Junge jede Woche sein Sportzeug mitbringt und nicht immer schwänzt, weil er Angst haben muss, wegen seiner Unsportlichkeit ausgelacht zu werden." In solchen Situationen würde die Gewalt ihre Wurzeln haben. "Der Lehrer muss den Bock eben etwas tiefer einstellen, dann kann auch der Dicke rüberspringen." Da Peuke - ausgebildeter Lehrer und Polizist - nicht darauf vertraut, dass die Ausbildung reformiert wird, versucht er selber etwas zu bewirken.
    Gemeinsam mit seinem Team geht er in die Schulen - bis zu 18 Monate lang wird dort beratend gearbeitet. Aber nicht er geht auf die Lehrer zu, sondern die kommen zu ihm. In der Regel aber erst dann, wenn der Leidensdruck durch die Schüler zu groß geworden ist. In seiner Gruppe arbeiten Lehrer, Wissenschaftler und Psychologen.
Viele Lehrer seien nicht bereit, sich nach vielen Berufsjahren noch mit diesen Sorgen auseinander zu setzen. "Es ist oft erschreckend, wie wenig die Lehrer miteinander über die Probleme in ihren Klassen reden und versuchen sich gegenseitig zu helfen", sagt Peuke, "außerdem denken viele, an ihrer Schule sei ohnehin alles in Ordnung". Doch das ist ein Trugschluss. "Es knallt dort, wo es keiner erwartet." Und nicht immer nur an den so genannten sozialen Brennpunkten. Mehr als 50 Schulleiter allein aus Hannover und Umgebung haben bisher den Kontakt mit Peuke aufgenommen. Auch in der Orientierungsstufe Sahlkamp war Peukers Gruppe bereits aktiv.
   "Dort brauchten wir nicht mehr viel zu helfen", freut sich Peuke - dass Modell mit den Tischgruppen war dort bereits eingeführt - von den Lehrern der Schule. Allerdings gibt es dafür vom Kultusministerium keine zusätzlichen Stunden oder gar Personal. "Deshalb steht und fällt der Erfolg mit der Überzeugung meiner Kollegen, über ihren normalen Dienst hinaus etwas zu machen", sagt Schulleiter Heuser. Eine Stunde Tischgruppe sei mindestens genau so wichtig ist wie eine Stunde Unterricht.
Wie gesagt, die Gesprächskultur ist beeindruckend. Wer ein Problem mit jemandem hat, muss einen Wunsch formulieren und seinen Gegenüber direkt ansprechen.
Lehrerin Claudia Gogoll ist einfaches Gruppenmitglied und hat nicht mehr Rechte als alle anderen. Die Gesprächsleitung übernimmt eine der Schülerinnen - und wenn die 40-jährige Gogoll etwas sagen möchte, muss auch sie sich melden. Protokollführerin Sophia schreibt alles mit. Und sollte Stefan noch einmal in der Pause die Schulbücher von Denise vom Tisch schmeißen, kann er nachlesen, dass er dafür bereits einmal bestraft wurde - und muß dann weiter allein auf dem Schulhof frieren."
Jens Hauschke, Hannover, 18.12.2000 19:26 Uhr
Elternrat gegen Stellenkürzungen
SCHULPSYCHOLOGEN   (HAZ, Donnerstag, 30.11.2000)  Elternrat gegen Stellenkürzungen
Gegen die Absicht der Landesregierung, mittelfristig ein Viertel aller Schulpsychologen-Stellen abzubauen, hat der Vorsitzende des hannoverschen Stadtelternrates protestiert. Um die steigenden Probleme zwischen Schülern und Lehrern in den Griff zu bekommen, sei sogar eine bessere Versorgung notwendig, betont Hans-Dieter Keil-Süllow. Die Begründung des Kultusministeriums, die Vorgaben zu Stelleneinsparungen müssten in allen Bereichen erfüllt werden, sei "eine Bankrotterklärung für jeden pädagogischen Anspruch", sagt Keil-Süllow. 
Das Kultusministerium hatte angekündigt, bis zum Jahr 2014 sollten 24 von derzeit 87 Stellen im land abgebaut werden.      he
IGS Linden gibt Handbuch gegen Gewalt heraus
NP, 02.02.2000:  IGS Linden gibt Handbuch gegen Gewalt heraus (NP, 02.02.2000)
Die IGS Linden erprobt seit drei Jahren das Projekt  GERNIE (Gewalt-Erkennen-Reagieren: Neuorientierung Integrativer Erziehung). Jetzt gibts ein Handbuch als Anregung für andere Schulen.
So funktioniert Gernie: Schüler der fünften Klasse nehmen an einem Sozialtraining teil. Sie lernen Konfliktbewältigung und soziales Verhalten. Und: Die IGS schult Vermittler aus höheren Klassen, die im Streitfall schlichten. "Die Gewalt an Schulen nimmt zu, wir wollen vorbeugen", erklärt Ulrich Stahl, stellvertretender Schulleiter. Erstes Ergebnis: "Die Kinder achten mehr aufeinander", so Lehrer Uwe Zietz.     ink ... mehr

 
 

Homepage des Bundeselternrates
Homepage des Landeselternrates
Homepage des Stadtelternrates Hannover
Homepage des Schulelternrates der IGS Hannover-Linden