| GEWALT-PRÄVENTION - Dokumentation des Stadtelternrates Hannover | ||
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| HAZ, 16.01.2004 Gewalt:
Leere
Drohungen nützen keinem ... Da reihen sich
schwere Straftaten wie Raub, Körperverletzung und Einbrüche
aneinander. ... Dabei hatten die für Recht und
Ordnung Verantwortlichen vor eineinhalb Jahren die richtige Idee, wie
sie mit jungen Kriminellen umgehen wollen. Sie bündelten die
Kräfte von Strafverfolgung und Sozialarbeit und setzen sich
seitdem regelmäßig an einen Tisch. In so genannten
Fallkonferenzen wird über jeden einzelnen Intensivtäter
beraten, wie die besonders kriminellen Jungen und Mädchen
genannt
werden. mehr ... |
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NP, 11.09.2003 Gewalt: Staatsanwaltschaft sucht jetzt Gespräch mit Lehrern ... Für Lehrer sei es wichtig zu erfahren, wenn gegen einen Schüler Verfahren auch außerhalb der Schule laufen und was dabei herauskommt. mehr ... |
| Stadt-Anzeiger West, Donnerstag, 6. April 1999
Konfliktlotsen:
Konfliktlotsen
sollen Streit unter Schülern schlichten Mit einem neuen PROJEKT will die IGS
LINDEN der zunehmenden Gewaltbereitschaft begegnen. mehr
... |
| HAZ, 04.04.2006: "Lehrer haben zu lange stillgehalten" |
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Eine
Schule gerät außer Kontrolle – der Fall aus Berlin
beschäftigt auch die
Lehrer hannoverscher Hauptschulen. Die Kollegen in der Hauptstadt
hätten eher reagieren müssen, meinen einige. Und alle
glauben, dass es
in Hannover so weit gar nicht erst kommen würde. Von Bärbel Hilbig
Die Zustände an der Berliner Rütli-Hauptschule, in der Lehrer vor der Aggressivität der Schüler kapitulierten, sind Gesprächsthema unter Hannovers Pädagogen. „Die Lehrer haben zu lange stillgehalten und gestattet, dass die Schüler bestimmen, wo es lang geht“, sagt Renate Bauschke, Leiterin der Hauptschule im Schulzentrum Ahlem. Auch Thomas Fitzner, Leiter der Hauptschule im Schulzentrum Badenstedt, kann die Situation in Berlin nicht nachvollziehen. „Da hätte viel früher was passieren müssen. Es gibt inzwischen doch eine ganze Menge Unterstützung für Hauptschulen.“ In Hannover, meinen beide, würde es so weit wie in Berlin gar nicht erst kommen. Fitzner geht davon aus, dass die meisten Hauptschulleiter inzwischen so wie er eng mit der Polizei zusammenarbeiten. Wenn Schüler sich prügeln, bestellt Fitzner die Eltern zu einem Gespräch mit dem Kontaktbeamten in die Schule. „Wir wollen nicht, dass Konflikte sich hochschaukeln und Familien das selbst in die Hand nehmen.“ Die Fünftklässler der Schule lernen ein Jahr lang in einem Sozialtraining, wie sie auf Beschimpfungen angemessen reagieren. Dennoch sind die Verpflichtung auf gemeinsame Regeln oder gute Deutschkenntnisse kein Selbstläufer. Von gut 300 Schülern an der Hauptschule Badenstedt kommt je ein Drittel aus einheimischen deutschen Familien und aus türkischen Elternhäusern. Von den übrigen Schülern sind etwa die Hälfte Aussiedler, die anderen stammen aus etlichen verschiedenen Ländern. Wie an anderen Hauptschulen auch müssen Eltern und Schüler sich deshalb per Schulvertrag etwa zu friedlicher Konfliktlösung, Pünktlichkeit oder zum Anfertigen von Hausaufgaben verpflichten. Schüler, die Mitschüler beschimpfen, müssen eine Erziehungs-AG bei einem der beiden Sozialpädagogen besuchen. An der Lindener Hauptschule Fössefeld schicken Lehrer Schüler, die stören, direkt aus dem Unterricht in einen Sozialtrainingsraum. Renate Bauschke in Ahlem lässt sich den Schulvertrag sogar jedes Jahr von jedem Schüler per Handschlag bestätigen. „Ich denke, wir haben das Gewaltproblem einigermaßen unter Kontrolle“, sagt Fitzner. Doch es gibt grundlegende Schwierigkeiten, die die Lehrer jeden Tag beschäftigen. „Bei manchen Schülern klappt es in Deutsch und Mathe einfach nicht gut“, sagt Bauschke. Mehr Förderstunden und Parallelunterricht von zwei Lehrern seien deshalb eigentlich dringend notwendig, meinen die Schulleiter. Da Ausbildungsplätze speziell für Hauptschüler fehlen, beackern die Schulen benachbarte Betriebe. Und die Lehrer versuchen – oft mit wenig Erfolg – Schüler zu motivieren, deren Familien manchmal schon seit langem von staatlicher Unterstützung leben. „Wir wollen ihnen deutlich machen, dass sie ihr eigenes Leben gestalten können, wenn sie sich anstrengen“, sagt Fitzner. Manchen erscheine der Rückzug in die Familie und den Freundeskreis jedoch einfacher. HAZ, 04.04.2006: Jede Straftat wird angezeigt Gewaltexzesse wie an der Berliner Hauptschule befürchtet die Polizei in der Region Hannover nicht. Zwar ist die Kriminalitätsrate bei den Jugendlichen im vergangenen Jahr um 1085 auf 5183 Fälle gestiegen. „Aber das liegt vor allem daran, dass mehr Taten angezeigt werden“, sagt Jörg Pinski von der Abteilung Jugend- und Präventionsarbeit. Ein Grund dafür sei der Erlass von 2003 für eine bessere Zusammenarbeit zwischen Staatsanwaltschaft, Polizei und Schulen. „Seitdem sind Lehrer dazu verpflichtet, jede Straftat anzuzeigen – ansonsten drohen ihnen disziplinarrechtliche Konsequenzen.“ Dieses Netzwerk werde durch Präventionsteams unterstützt. Nachdem mehrere Gewalttaten an Schulen in die Schlagzeilen gerieten, sei die Öffentlichkeit sensibilisiert, meint Pinski. Schon eher kleine Raufereien würden angezeigt, dies habe gerade die Zahl der registrierten Körperverletzungen ansteigen lassen. Ein besonderes Auge habe die Polizei auf Problemschulen – meist Haupt-, Berufs- und Sonderschulen an sozialen Brennpunkten – sowie auf die derzeit registrierten 26 jugendlichen Intensivtäter. Problematisch wäre es Pinski zufolge, wenn sich der Trend des „Happy Slappings“, bei dem Jugendliche ihre Gewalttaten auf Handy aufnehmen, weiter ausbreitet. Die Gefahr drohe, dass sich Banden bilden, die ihr Opfer über einen längeren Zeitraum drangsalierten. Zu einem generellen Verbot von Handys oder pauschalen Waffenkontrollen rät er aber nicht. „Das verlagert die Probleme nur auf den Heimweg.“ Vielmehr sollte es mehr niedrigschwellige Angebote geben, die möglichen Opfern oder Zeugen helfen, sich zu offenbaren. so |
| NP, 04.04.2006:
Union fordert
Durchgreifen und Integrationsgipfel. Schünemann will Deutschkurse
ausweiten. |
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In der Debatte um Gewalt an Schulen wird
der Ruf nach härterem Durchgreifen immer lauter.
VON NINA ROSENBERGER BERLIN. Seit dem Hilferuf der Berliner Rütli-Schule steht das Thema Gewalt im Brennpunkt der Öffentlichkeit. Experten warnen zwar vor einer Überzeichnung des Problems, Politiker fordern aber Durchgreifen. Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) will aggressive Schüler notfalls in Internaten unterbringen. In Bayern sollen Kinder mit mangelhaften Deutschkenntnissen vom nächsten Schuljahr an nicht mehr regulär eingeschult werden. Wer nach einem Deutschkurs im Kindergarten noch Defizite hat, komme in eine Sprachklasse oder in die Sonderschule. SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler wies dieses Ansinnen des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) scharf zurück. „Der Stoiber-Vorschlag ist ein typischer Schnellschuss, und heraus kommt Dünnpfiff“, sagte er. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wandte sich gegen die in Bayern erhobene Forderung nach einer Kürzung von Sozialleistungen für integrationsunwillige Ausländer. „Dann verhungern die Kinder, das ist doch Schwachsinn“, sagte er. Die Union verlangt zudem einen Integrationsgipfel bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Vertreter von Bund und Ländern sowie gesellschaftlichen Gruppen sollten teilnehmen, sagte Fraktionschef Volker Kauder. Ziel seien verbindliche Maßnahmen unter anderem in den Bereichen Bildung, Wirtschaft, Jugendstrafrecht und Zuwanderungspolitik. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) kündigte eine Bundesratsinitiative an. „Der im Zuwanderungsgesetz festgelegte Deutschunterricht muss für junge Menschen bis 27 Jahre von 600 auf 900 Stunden erhöht werden“, sagte er der Tageszeitung „Die Welt“. Zudem sollen Ausländer, die schon sehr lange in Deutschland leben, gesetzlich zur Teilnahme an Integrationskursen verpflichtet werden. Für die Gewalt an der Rütli-Schule im Berliner Problem-Bezirk Neukölln sind nach Ansicht ihrer langjährigen Leiterin Brigitte Pick allerdings in erster Linie soziale Probleme verantwortlich. Das eigentliche Problem liege nicht in der arabischen, türkischen oder serbischen, sondern in der sozialen Herkunft der Schüler und ihren mangelnden Perspektiven, schrieb Pick im Berliner „Tagesspiegel“. „So hat im letzten Ausbildungsjahr kein Schüler einen Ausbildungsplatz erhalten.“ NP, 04.04.2006: Käßmann: Integration in Kitas HANNOVER. Die Integration ausländischer Kinder in die Gesellschaft muss nach Ansicht der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann bereits im Kindergarten erfolgen. „Kindertagesstätten müssten viel mehr zu Familienzentren werden, in denen es Beratung und Kurse gibt, wo offen über Konflikte mit den Kindern gesprochen werden kann“, sagte Käßmann. Angesichts der Gewalt unter Schülern forderte die Bischöfin Konflikttraining an den Schulen, auch mit den Lehrkräften. Gewaltfreie Lösungsansätze könnten über Plan- und Rollenspiele sowie Theaterstücke erlernt werden. „Im Umgang mit Konflikten ist auch mehr Gesprächskontakt zwischen Elternhaus, Schule und anderen Bereichen des Lebens wichtig.“ Vorschläge aus der Union, der Gewaltbereitschaft mit „Schnupperkursen im Knast“ entgegenzuwirken, sind für sie nicht der richtige Weg. „Pure Abschreckung hilft nicht, sondern nur das klare Einüben von Regeln und das Sanktionieren von Regelbruch.“ dpa NP, 04.04.2006: Niederlande: Kameras, Ausweise, Kontrollen Drohungen, Fäuste, Waffen – an Schulen in den Niederlanden gehört Gewalt fast zum Alltag. Fast zehn Prozent der Schüler, so ergab eine Untersuchung, nehmen eine Waffe mit in den Unterricht. Gut die Hälfte aller Lehrer hat wiederholt mit Gewalt zu tun, an etwa 40 Prozent der Schulen sind Tätlichkeiten eine übliche Form der Auseinandersetzung. Häufig werden Vorfälle unter den Teppich gekehrt. Doch das Tabu der Gewalt wird mittlerweile gebrochen. In zahlreichen Kampagnen lernen Schüler zum Beispiel „Bewaffne dich mit Worten“ oder „Stopp Drohungen im Internet“. Kameras, Spezialausweise und Kontrollen zählen in mancher Schule zum Üblichen. Die Regierung hat alle Schulen verpflichtet, Leitlinien zur Sicherheit zu entwickeln. Bildungsministerin Maria van der Hoeven erwägt darüber hinaus eine Pflicht zur Anzeige von Zwischenfällen. dpa NP, 04.04.2006: Dänemark: Höchstens ein Drittel Ausländer In der Kopenhagener Trabantenstadt Albertslund haben sozialdemokratische Kommunalpolitiker auf eigene Faust und zeitweise sogar gesetzwidrig ein eigenes Modell zur Lösung akuter Schulprobleme mit Zuwandererkindern verwirklicht: Um die massive Konzentration auf einzelne Schulen zu verhindern, werden Kinder aus „neudänischen“ Familien bei Sprachkenntnissen unter dem Durchschnitt zwangsweise so auf Schulen verteilt, dass der Anteil dieser Kinder nirgendwo ein knappes Drittel (31 Prozent) übersteigt. Das Modell wurde zunächst massiv als ausländerfeindliche Einschränkung des Rechtes auf freie Schulwahl kritisiert. Inzwischen wirbt aber auch die Kopenhagener Oberbürgermeisterin Ritt Bjerregaard für ein ähnliches Modell in der ganzen dänischen Hauptstadt. In Dänemark ist die Gesamtschule von der ersten bis zur neunten Klasse Pflicht. dpa NP, 04.04.2006: Frankreich: Alltag voller Aggressionen Immer wieder werfen brutale Gewaltakte in französischen Schulen ein Schlaglicht auf den Alltag oftmals rassistisch oder sexistisch gefärbter Aggression. Immer wieder streiken Lehrer, die mehr Mittel und Personal gegen gewaltbereite Schüler fordern. Und immer wieder macht sich die Politik dafür stark, Polizisten an Problemschulen zu postieren, was viele Lehrer aber ablehnen. Jugendkrawalle in Vorstädten und Schüleraufruhr gegen Reformen sind die kollektiven Signale wachsender Unruhe. Mit Messern, Stühlen, Knüppeln oder anderen Waffen griffen Schüler 2005 nicht weniger als 129 Lehrer an. Mehr als 1000 Fälle körperlicher Aggressionen gab es, 600 demolierte Lehrerautos. „Soziale Aggressionen, Familien ohne Väter und fehlende Jobs führen dazu, dass Jugendliche haltlos werden“, erklärt ein Schuldirektor in einem Pariser Vorort. dpa |
| HAZ, 17.03.2006: Tatort Pausenhof |
Gewalt
unter Kindern ist an vielen Schulen ein Problem, dem schwer
beizukommen ist. In der Grundschule am Grimsehlweg werfen Eltern dem
Rektor vor, es gar nicht ernsthaft zu versuchen .
Von Hans-Peter WiechersEs ist einer von vielen Fällen, die aktenkundig wurden. Rüdiger wird von Sven, einem Schulkameraden, mehrmals verletzt. Der Arzt diagnostiziert Prellungen, ausgeschlagene Zähne, Strangulationsmale am Hals und schließlich, nach Tritten und einem anschließenden Sturz, ein schwer verletztes Knie. Rüdiger (beide Namen von der Redaktion geändert) ist nicht das einzige Opfer des aggressiven Schülers. Der Rektor der Schule am Grimsehlweg sieht aber kein Gewaltproblem in seinem Haus. Die Sache mit dem verletzten Knie sei ein Sportunfall gewesen wie er bedauerlicherweise nun mal vorkomme. Die Schulaufsichtsbehörde ist eingeschaltet, lässt aber durchblicken, dass dem Rektor nichts vorzuwerfen ist. Eine offizielle Stellungnahme steht noch aus. Die Mutter des mehrmals verletzten Rüdiger hat sich für ihren Sohn stark gemacht und ihren Weg durch die Beschwerdeinstanzen aufgezeichnet. Nur eine „subjektive Wahrnehmung von Gewalt“, wie der Rektor sagt? „Im Sportunterricht der ersten Klasse treffen Rüdiger und Sven erstmals aufeinander. Sven schlägt Rüdiger dabei zwei Zähne aus“, beginnt das Protokoll der Mutter. Nur ein Unfall? Eine Rangelei unter Grundschülern? Der zweite Vorfall lässt keine Zweifel mehr zu: „Rüdiger flüchtet vor Sven auf einen Baum. Sven reißt ihn herunter. Rüdiger hat schwere Prellungen und Abschürfungen.“ Rüdigers Mutter redet mit Svens Mutter. Die weiß von den immer wiederkehrenden Wutausbrüchen ihres Sohnes. Sie verspricht zu handeln. Die Lehrerin wird informiert. Auch sie weiß um die Probleme mit Sven. Sie praktiziert eine behutsame Therapie. Für jeden Tag, an dem er kein anderes Kind schlägt, wird für ihn ein Herz an die Tafel gemalt. Dann wird Rüdiger das dritte Mal ein Opfer von Svens Aggressionen. Ein Auszug aus der Unfallanzeige macht die Dimensionen klar: „Rüdiger wurde von seinem Mitschüler geschlagen und getreten. Zum Schluss wurde er mit Schlamm eingerieben. Da Rüdiger sich wehrte, strangulierte der Schüler ihn durch Zusammenziehen des Halsausschnittes des T-Shirts, bis dieses zerriss.“ Danach hat Rüdiger schwere Albträume. Nach einem vierten Vorfall, der Rüdiger zur Behandlung ins Krankenhaus bringt, wird der Rektor der Schule informiert. Der Schulleiter bestätigt, dass er von Svens Gewaltausbrüchen weiß, er verspricht zu handeln. Es gibt eine Klassenkonferenz, die ohne einen Eintrag in die Akte und damit folgenlos bleibt. Sven wird sogar noch aggressiver. Er droht: „Beim nächsten Mal schlage ich dir alle Zähne aus. Mit einem Schlag ins Gesicht töte ich dich.“ Rüdigers Eltern sind alarmiert und in Angst. Der Rektor wird informiert. Er sieht aber keinen weitergehenden Handlungsbedarf. Für ihn ist die Bedrohung nur eine unbedachte Äußerung eines Zehnjährigen, der noch nicht recht weiß, was er sagt. Svens Mutter beteuert, es gebe keine gravierenden Vorfälle: „Ich habe kein Gewaltproblem mit meinem Kind.“ Rüdigers Eltern haben ein Telefongespräch mit Sven geführt und ein Protokoll aufgezeichnet. Sven: „Es fing an, dass ich im Klassenraum über Rüdiger gestolpert bin.“ „Gestolpert?“ „Na ja, ich habe auf ihm gestanden, aber er hat nicht vor Schmerz gebrüllt. Dann kam die Lehrerin rein und ich bin runtergestiegen und rausgerannt. Danach habe ich Rüdiger zweimal gestellt und gehauen, und er hat nur gelacht. Ich habe mich selbst gewundert, dass er nicht geweint hat. Beim dritten Mal hat er gesagt, dass ich aufhören soll. Beim vierten Mal konnte ich nicht mehr aufhören.“ Weil in der Schule ihrer Meinung nach nichts Angemessenes passiert, formulieren Rüdigers Eltern schließlich eine Dienstaufsichtsbeschwerde, in der sie die Untätigkeit der Schule anprangern. Es folgen nach diversen Anläufen Gespräche mit dem zuständigen Dezernenten – mal mehr, mal weniger freundlich. Die Eltern haben das Gefühl, dass auch diese Gespräche folgenlos bleiben. Sie haben Vorfälle aufgezeichnet, Protokolle gemacht, Kontakt aufgenommen zum Kriminologischen Forschungsinstitut und zu anderen Fachleuten. Inzwischen ist ihre Arbeit zu einem kleinen Bündel angeschwollen. Sie haben das Gefühl, dass ihre Hartnäckigkeit und Gründlichkeit bei Schule und Schulbehörden zu einer Dramatisierung umgedeutet wird. Sie fühlen sich als Querulanten abgestempelt, nur weil sie sich nicht abwimmeln lassen wollen. Die Schule am Grimsehlweg behauptete im vergangenen Jahr noch, es gebe nur bei „einer Elternseite“ eine subjektive Wahrnehmung von Gewalt, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun habe. Das stimmt heute nicht mehr. Inzwischen haben sich häufiger Eltern beschwert. Sie fordern, das Thema Gewalt auf die Tagesordnung eines Gesamtelternabends zu setzen. Einen solchen Termin gibt es bisher noch nicht. Schule und Teile der Elternschaft liegen manchmal weit auseinander, wenn es um die Deutung von Zwischenfällen geht. Da wurde in einer Pause ein Kind im Schulsandkasten fast bis an die Schulter eingegraben. Das Opfer schrie. Die Kinder wussten sich nicht zu helfen. Es war keine Pausenaufsicht greifbar. Bis dem Kind endlich geholfen wurde, verging fast eine ganze Schulstunde. Auch dieser Vorfall ist aktenkundig und liegt bei der Schulaufsichtsbehörde mit dem Vermerk des Rektors, dass das Kind gerade einmal bis zu den Knieen eingegraben war. Warum hat es sich dann nicht selbst befreien können? „Den Vorfall hat keiner beobachtet“, sagt der Rektor in einem kurzen Gespräch mit der HAZ-Redaktion. Das stimmt nur bedingt. Kinder haben den Vorfall sehr wohl beobachtet. Ein Junge hat lange vergeblich eine Lehrerin gesucht, die helfen sollte und später tief betroffen seiner Mutter davon erzählt. Auch diese Frau ist entrüstet über die Reaktion der Schule. Die Aufsichtsbehörde wird über die Beschwerden nach Aktenlage entscheiden. „Wir können ja nicht in die Schule gehen und die Kinder verhören“, sagt eine Sprecherin. Viele Eltern hoffen jetzt, dass der geforderte Gesamtelternabend Wirklichkeit wird, bei dem der Umgang mit Gewalt in der Schule am Grimsehlweg offen diskutiert werden kann. Sie wollen keine einzelnen Schüler an den Pranger stellen, aber sie wollen ihre Besorgnisse äußern dürfen. Sie wollen ernst genommen werden und sie wollen endlich einen Vertrauenslehrer. Wenn Kinder auf Schulhöfen Hilfe vor gewalttätigen Mitschülern brauchen, ist die Pausenaufsicht oft weit weg. Auch Rüdiger war in der Grundschule im Grimsehlweg allein, als er die Schläge eines Mitschülers einstecken musste. Thomas |
Bilanz des Schwänzer-Projekts
| HAZ,28.02.2004 Gewaltprävention:
Bilanz des
Schwänzer-Projekts
Eine
Schule
stieg aus. Erfolg an der BBS 6. Experten tauschen sich
aus.
VON JULIA PENNIGSDORF HANNOVER.
Breite
Front gegen Schulschwänzer: In der Nord/LB tauschten Vertreter der
16
Kultusministerien ihre Erfahrungen aus. Und: Vor einem Jahr fiel in 37
hannoverschen
Schulen der Startschuss für ein
Pilotprojekt.
Die Schulen schlossen Verträge mit den Eltern, arbeiten eng mit
der
Polizei zusammen. Die Zwischenbilanz fällt unterschiedlich
aus.
Eine Schule stieg ganz aus aus, eine andere verbuchte erste Erfolge. An
die
wirklich harten Fälle, da sind sich alle einig, komme man aber
nicht
heran.
Auslöser
für das 130 000 Euro teure Projekt waren ansteigende
Schwänzerzahlen
und der Zusammenhang zwischen Dauerschwänzen und Kriminalität.
„94,7 Prozent aller Straftäter waren Schwänzer“, so
Projektleiter
Bernd Strauch. Aber schon vor dem Start äußerten sich Lehrer
skeptisch.
„Wir wussten, dass es wenig Sinn macht“, so Klausdieter
Rosenberg,
Leiter der Maximilian-Kolbe-Schule. Jetzt ist die Sonderschule
ausgestiegen.
„Es brachte gar nichts, außer viel heißer Luft“, so
Rosenberg.
Drei Säulen hat das Projekt: Lehrer verpflichten sich, Eltern
sofort
anzurufen, wenn ein Kind fehlt, Eltern sagen telefonische
Erreichbarkeit
zu. Bei Problemen steigt der Kommunale Sozialdienst mit ein.
Außerdem
fahndet die Polizei nach Schwänzern. Die Eltern zu
benachrichtigen,
ist für Rosenberg selbstverständlich. „Dazu brauche ich kein
Projekt.“
Das Problem sei die Klientel, die nur über Handys mit wechselnden
Nummern
verfüge. Das
bestätigt
auch Christa Lüdemann von der Ada-Lessing-Hauptschule.
„Eltern rufen häufig nicht zurück. Und ich habe
schon
aus Kostengründen keine Lust, abends privat den Eltern auf ihren
Handys
hinterherzutelefonieren.“
Besser liefs bei der BBS 6. Lehrer Heinz Straßmann wertet das
Projekt
als Erfolg. Die Anwesenheitsquote habe sich
erhöht.
Strauch räumte Probleme ein. Erfolgreich laufe aber die Arbeit der
Polizei.
Konkrete Daten konnte Strauch aber nicht
nennen.
KOMMENTAR Absentismus
heißt
das neue Wort fürs Schwänzen, das in der Nord/ LB die Runde
machte.
Vertreter aus den 16 Schulministerien tauschten Erfahrungen aus. Sie
kamen
im Rahmen eines EU-Projektes zusammen. „Der Akzent liegt auf
Prävention.
Wir dürfen nicht erst eingreifen, wenn das Kind schon im Brunnen
liegt“,
sagte Rolf-Peter Berndt vom Niedersächsischen Landesamt für
Schulentwicklung.
In Hannover laufen bereits viele Schwänzer-Programme. Zum
Beispiel
ein Projekt der Arbeiterwohlfahrt. „Das ist für die harten
Fälle“,
so Hauptschulrektor Thomas Fitzner. Die Schüler haben praktischen
Unterricht,
trinken morgens erst einmal eine Tasse Kaffee, bevor es losgeht. „Damit
sie
sich überhaupt wieder an regelmäßige Abläufe
gewöhnen.“ |
| NP,11.02.2004 Gewaltprävention: Was
tun mit Mashy ?
unterm strich Der
Fall
des gerade erst 15-jährigen Messerstechers Mashy K. hat es an den
Tag
gebracht. Bei der Bekämpfung der Jugendkriminalität ziehen in
Hannover
immer noch nicht alle Behörden an einem Strang, meint Stefan
Wittke. Was soll
man machen mit einem wie Mashy? Mit einem 15-jährigen
Afghanen, der reihenweise Einbrüche begeht, der immer wieder
Jugendliche
bedroht und erpresst, der mit anderen „Intensivtätern“ herumzieht
und
seinen Altersgenossen Angst einjagt? Was hilft noch bei einem
Jungen,
dessen Vater sich umgebracht hat, der mit seiner Familie im
Problemstadtteil
Linden-Süd seit langem intensiv von Sozialarbeitern betreut wird,
der
gerade erst vier Monate in Untersuchungshaft war, Mitte Dezember zu
einer
Bewährungsstrafe verurteilt wurde und schon in der Silvesternacht
die
nächsten Einbrüche begeht. Wie kann man umgehen mit einem,
der
sich bei Polizeibeamten mit höhnischem Unterton erkundigt, wann er
denn
endlich „richtig“ ins Gefängnis kommt? Jetzt ist er da, hinter
Gittern
in Hameln, und er wird wohl so bald nicht mehr herauskommen. Denn alles
spricht
dafür, dass Mashy am Dienstagnachmittag mit zwei Messerstichen auf
offener
Straße einen 17-jährigen Mitschüler fast umgebracht
hätte.
Wie kann Mashy vor sich selbst geschützt werden und
andere
vor ihm? Manch einer wird am Stammtisch die einfachen Lösungen
fordern:
Wegsperren, am besten für immer. Ausweisen - und die ganzen
Familie
gleich mit. Angesichts der Fülle von Hilfsangeboten für Mashy
und
Repressionen gegen ihn könnte man glauben, dass tatsächlich
alles
Menschenmögliche schon getan wurde. Aber so einfach ist es nicht.
Der
Fall Mashy hat offenbart, dass es in Hannover immer noch eklatante
Schwächen
und Versäumnisse bei der Bekämpfung der
Jugendkriminalität
gibt, auch wenn sich vor eineinhalb Jahren Polizei, Justiz und
Jugendamt
zusammen auf den richtigen Weg gemacht haben. Damals waren
spektakuläre
Fälle bekannt geworden, besonders der zwölfjährige
„Artur“
sorgte für Aufsehen. Die Landesregierung wurde in aller Eile
aktiv,
auch in der Stadt rauften sich die Behörden endlich zusammen, die
zuvor
nicht miteinander, sondern nebeneinander her gearbeitet
hatten.
Bei „Intensivtätern“ etwa, den Serienkriminellen unter den
Jugendlichen,
treffen sich die Behörden seither zu Fallkonferenzen: Gemeinsam
wird
beraten, wie in jedem Einzelfall am besten zu verfahren ist.
Intensivtätern
soll zudem binnen vier Wochen nach der jüngsten Strafe der Prozess
gemacht
werden, damit die Jugendlichen nicht „vergessen“, wofür sie
eigentlich
vor Gericht stehen. Zusätzlich haben im Oktober die drei
zuständigen
Ministerien landesweit Schulen, Polizei und Justiz mit einem Runderlass
verpflichtet,
sich gegenseitig über Fälle wie Mashy zu informieren. Das ist
lobenswert,
aber die Richtlinie muss auch konsequent umgesetzt werden. Doch die
Justiz
hatte im Dezember weder Mashys Schulleiter noch die Polizei informiert,
dass
der Junge nach viermonatiger Untersuchungshaft wieder freigekommen war
und
demnach auch wieder hätte in die Schule gehen müssen.
Staatsanwaltschaft
und Amtsgericht sind sich sogar bis heute nicht einig, wer eigentlich
informieren
muss.
Zudem sitzen die Schulen bei den Fallkonferenzen nicht am Tisch. Sie
können
dort ihr Wissen nicht einbringen, und sie erfahren auch nichts
über
die getroffenen Entscheidungen. Ausgerechnet die Schulen, von denen
verlangt
wird, dass sie auch den ganz schwierigen Jugendlichen noch Werte und
Erziehung
vermitteln, bleiben vielfach ausgesperrt. Das ist falsch verstandener
Datenschutz.
Man kann sicher mit guten Gründen strengere Gesetze
fordern
und mehr Opferschutz. Man mag sich bei einem Jugendlichen wie Mashy
auch
fragen, ob ihm überhaupt noch zu helfen ist. Beantworten kann man
die
Frage mit gutem Gewissen allerdings erst, wenn man wirklich alles
versucht.
Das ist in Hannover leider noch immer nicht der Fall.. |
| HAZ,
28.02.2004 Gewaltprävention: Mashys Bruder
schlägt
zu Unruhe um Jugendlichen in
Linden
hält an
Der
Verletzte ist außer Lebensgefahr, der Angreifer ist in Haft -
aber
trotzdem kommt noch immer keine Ruhe in den Fall des erst
15-jährigen,
mutmaßlichen Messerstechers Mashy K. aus Linden-Süd. Am
Donnerstag
nahm die Polizei auf der Limmerstraße Mustafa K., Mashys 18 Jahre
alten
Bruder, vorläufig fest. Er war gegen 15 Uhr zusammen mit einem
Begleiter
an zwei handgreiflichen Auseinandersetzungen beteiligt gewesen. Dabei
soll
Mustafas Bekannter einen anderen Jugendlichen mit einem
Totschläger
attackiert haben, der 17-jährige Afghane schlug offenbar mit den
Fäusten
zu.
Gegen 17 Uhr verhinderte die Polizei auf der Limmerstraße mit
knapper
Not eine Schlägerei zwischen zwei Gruppen von Jugendlichen; unter
den
Streithähnen war wiederum Mustafa, nach dem die Polizei bereits
fahndete.
Ermittler befürchten nun, dass der polizeibekannte
17-Jährige,
der bislang nicht als so genannter Intensivtäter gilt, Streit
sucht
mit allen, die schlecht über seinen inhaftierten Bruder
reden.
Unterdessen sind auch weitere Einzelheiten über Mashys Familie
bekannt
geworden. Familie K. kam vor etwa zehn Jahren aus Afghanistan nach
Deutschland
- Flüchtlinge, die in ihrer Heimat etliche Gewalterfahrungen
gemacht
haben sollen. Mashys Vater soll kein gutes Vorbild gewesen sein. Wie es
heißt,
brachten ihn Ermittler der Polizei sogar mit organisierter
Kriminalität
in Deutschland in Verbindung, es soll ihm allerdings nie etwas
nachgewiesen
worden sein. Das Oberhaupt der afghanischen Familie, die seit
längerem
auch von städtischen Sozialarbeitern betreut wird, nahm sich im
Juli
2002 in Hannover durch einen Sprung vom Ihme-Zentrum das
Leben.
Während Mustafa trotzdem auf einen Schulabschluss zusteuert und
auch
die drei Schwestern ihr Leben offenbar ohne Konflikte mit den
Behörden
meistern, warf der Tod des Vaters Mashy offenbar endgültig aus der
Bahn.
sw |
| NP,11.02.2004 Gewaltprävention:
Pfeiffer: Lehrer
können schwer urteilen "bei hohem Pegel alltäglicher Gewalt"“ Die
Folter eines Schülers an der BBS 6 - die NP sprach mit dem
Kriminologen Christian Pfeiffer. Wo liegen die
Ursachen solcher Gewalttaten?
Zunächst in der „Kultur der Ehre“. Jugendliche aus
Migrantenfamilien haben ein ausgeprägtes Machogehabe. Sie
fühlen sich den Männlichkeitsidealen stark verpflichtet.
Außerdem erleben sie erhebliche innerfamiliäre Gewalt und
sind deshalb gewaltbereiter. Hinzu kommt eine Medienverwahrlosung. Die
Hälfte aller Hauptschüler sitzt pro Tag mehr als drei Stunden
vor dem Fernseher. Plus eineinhalb Stunden vor dem Computer. Sie
identifizieren sich mit den Machovorbildern aus Filmen und den Spielen.
In jeder vierten Familie stellen Eltern Sechsjährigen einen
Fernseher ins Zimmer - die Playstation folgt
Was kann sofort gegen die Gewalt getan werden?
Man kann nur organisieren, dass in Schulen eine
höhere Sensibilität für solche Probleme entsteht. Und
dass den Tätern bewusst wird: Euer Risiko aufzufliegen ist
höher, als ihr denkt. Außerdem ist schnelles Einschreiten
der Polizei und zügige Strafverfolgung wichtig.
Und langfristig?
Soziale Nähe ist zentral - die wird am besten über
Kindergärten
hergestellt. Wir lassen es zu, dass sich dort gesonderte
Migranten-Gruppen
bilden. Ich plane ein Projekt, wo wir in Linden, Laatzen und Lehrte
Kindergärten überzeugen, ausländische Kinder nach
kanadischem Vorbild gleichmäßig auf Einrichtungen zu
verteilen. Der Effekt: Migrantenkinder lernen spielend Deutsch.
Das fördert die Integration?
Kommen deutsche und ausländische Kinder gut klar,
werden sie auch am Wochenende zusammen spielen. Kinder in dem Alter
kennen keine Rassenvorurteile. Die eingesparten Gelder für
Kindersprachkurse können dann für Mütter-Sprachkurse
eingesetzt werden. So wird das Zentrum ausländischer Familien
sprechfähig. Und so so kann vermieden
werden, dass Migranten zu Schulversagern werden und vor Frust und
Ärger
nur Schwierigkeiten machen. Wenn das Projekt gut läuft, werden wir
dem
Land eine Änderung des Kindergartengesetzes empfehlen.
Sind Lehrer gegen die Gewalt abgestumpft?
Es ist in Haupt- und Berufsschulen ungeheuer schwer zu
unterscheiden zwischen dem hohen Pegel alltäglicher Gewalt oder ob
einer unter die Räder kommt. Ich warne davor, schnell zu sagen,
die Lehrer sind schuld. Entscheidend ist immer die familiäre
Situation der Schüler. |
| HAZ,11.02.2004 Gewaltprävention:
„Kaum zu
kontrollieren“ Die Nachrichten von den
Gewalttaten an den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Hannover und
Hildesheim sind mit Erschrecken auch an anderen Schulen aufgenommen
worden. „Je größer ein Schulsystem ist, desto
anfälliger ist es für solche Ereignisse“, sagt Thomas
Wedemeyer, Schulleiter der Heinrich-Heine-Schule. Um solchen
Taten vorzubeugen, werden an der Hauptschule seit Jahren
Präventionsprojekte wie eine Streitschlichtungs-AG für
Schüler angeboten. „Was in dunklen
Ecken passiert, ist schwer zu kontrollieren“, meint auch Jürgen
Hein, Leiter der Haupt- und Realschule im Fössefeld. Auch
dort gibt es Projekte zum Thema Gewalt, Zivilcourage oder
Konfliktbewältigungen. Jedoch darf nach Ansicht von Hein der Grund
für Gewalt nicht allein an der Schule gesucht werden. „Ich finde
es besonders schlimm, dass das 17-jährige Opfer von der BBS 6
offenbar keinen Ansprechpartner in seiner Familie oder im Freundeskreis
hatte.“ Ein weiteres Problem sehen Hein und
Bernd Steinkamp, Schulleiter der Integrierten Gesamtschule
Roderbruch (IGS), in der sozialen Struktur der Klassen des
Berufsgrundbildungsjahres (BGJ). „Wenn mehrere Schüler ohne
Hauptschulabschluss und mit geringer Zukunftsperspektive in eine Gruppe
ausgesondert werden, verschärft sich das soziale Klima“, sagt
Steinkamp. „Ich denke nicht, dass sich solch ein Vorfall an einem
Gymnasium oder an einer Realschule ereignen würde.“
Brigitta Franke, Schulleiterin der
Kooperativen Gesamtschule Ronnenberg (KGS) in Empelde, ist da
anderer Ansicht: „Ich glaube nicht, dass die Gewalttaten auf die
Schulform zurückzuführen sind“, sagt sie und verweist auf
den Amoklauf des 19-jährigen Schülers, der an einem Erfurter
Gymnasium 2002 18 Menschen tötete. Wie
viele ihrer Kollegen setzt Renate Bauschke, Leiterin der
Hauptschule im Schulzentrum Ahlem, vor allem auf Vorbeugung. Um
das Gefühl für gesellschaftliche Verantwortung zu
stärken, hatte eine 8. Klasse mit Senioren gearbeitet: Die
Schüler kauften für die alten Menschen ein, gingen mit ihnen
spazieren oder lasen Blinden vor. „Wir sollten uns aber nicht der
Illusion hingeben, dass es irgendwann keine Gewalt mehr an Schulen
gibt“, sagt Bauschke. |
| HAZ, 17.01.2004 Leere
Drohungen nützen keinem Unterm Strich
Viele
Male hat die Polizei drei junge Kriminelle erwischt - aber einen
Haftbefehl
gab es trotzdem nicht. Ein verheerendes Signal, meint Jens Hauschke -
und
ein Schlag ins Gesicht für Polizisten und Sozialarbeiter, die ein
gefährliches Problem zu lösen
versuchen.
Mindestens einmal in der Woche müssen drei der kriminellsten
Lindener Jugendlichen auf dem Polizeirevier antreten. Die drei sind
meist ziemlich gut gelaunt, weil sie wissen, dass ihnen die Polizei
trotz ihrer dicken
Strafakten nicht viel anhaben kann. Der 15-jährige Afghane
Mashy
K. und seine Freunde tragen bei ihren Besuchen teure Markenkleidung.
Wenn
die Beamten in die Taschen der Jungs schauen, finden sie bei
annähernd
jeder Überprüfung viel Bargeld, meist mehrere hundert
Euro. Die drei sind seit
Monaten als schwere Straftäter bekannt
- trotzdem hat ein Amtsrichter vor wenigen Tagen einen Haftbefehl gegen
die Jungen verweigert. Man kann verstehen, dass die Polizisten
sauer
sind. Und dass sich viele Bürger dieser Stadt von der Justiz im
Stich
gelassen fühlen. Grundsätzlich
ist
es richtig, dass es das Gesetz besonders schwer macht, einen
Jugendlichen
einzusperren. Oftmals werden die Jungen und Mädchen hinter Gittern
noch krimineller, als sie es vorher schon waren. Daher haben alle -
Polizei, Staatsanwälte und Richter - die Pflicht, sich jeden
Einzelfall
genau anzuschauen. Doch haben im Fall von Mashy K. und seinen Freunden
auch
wirklich alle genau hingesehen? Der
15-jährige Mashy K. gilt als einer der kriminellsten Jugendlichen
der Stadt. Er hält sich nicht an Bewährungsauflagen und lehnt
jegliche soziale Hilfe ab. Seine Eltern wissen nicht mehr weiter
und
suchen selber immer wieder die Hilfe der Polizei. Ein ehemaliger Lehrer
spricht von einem „unverbesserlichen“ und in keiner Phase kooperativen
Schüler.
Mashys Akte bei der Polizei ist so dick wie bei einem
Berufskriminellen.
Und es ist darin nicht von Ladendiebstahl oder Schwarzfahren die Rede.
Da reihen sich schwere Straftaten wie Raub, Körperverletzung und
Einbrüche
aneinander. Beamte hatten während einer Schulrazzia sogar
Waffen
bei K. gefunden. Wer dann noch die allgemein gültige
Dunkelzifferberechnung
anwendet, nach der bei Gewohnheitskriminellen auf eine entdeckte Tat
zehn
unentdeckte kommen, der kann nur darüber verzweifeln, dass Mashy
und
seine Freunde, bei denen es sich ähnlich verhält, noch immer
frei
durch die Stadt spazieren
dürfen.
Dabei hatten die für Recht und Ordnung Verantwortlichen vor
eineinhalb
Jahren die richtige Idee, wie sie mit jungen Kriminellen umgehen wollen.
Sie bündelten die Kräfte von Strafverfolgung und Sozialarbeit
und
setzen sich seitdem regelmäßig an einen Tisch. In so
genannten
Fallkonferenzen wird über jeden einzelnen Intensivtäter
beraten,
wie die besonders kriminellen Jungen und Mädchen genannt werden.
Auch
im Fall der drei Lindener hat es diese Konferenz gegeben - nachdem alle
drei
Ende vergangenen Jahres zum wiederholten Male Bewährungsstrafen
kassiert
hatten. Für alle
Teilnehmer
der „Fallkonferenz“, auch für die Sozialarbeiter, stand fest: Das
war
der letzte Warnschuss, bei der nächsten Tat müssen die
drei
Jungen in Haft. Diese Besprechung war am Nachmittag des 18. Dezember.
Am
Silvestertag versuchten die drei erst in einen Kiosk und dann in einen
Schreibwarenladen
einzubrechen. Sie wurden auf frischer Tat ertappt. Und die Konsequenz?
Wie
abgesprochen, ein Haftbefehl?
Mitnichten.
Ein Amtsrichter sagte nein. Er schätzt die Wiederholungsgefahr als
nicht so hoch ein, dass sie einen Haftbefehl rechtfertigen würde
- diese Meinung dürfte er exklusiv haben. Auch die
Staatsanwaltschaft
will sich damit nicht zufrieden geben. Die Anklagebehörde hat
Beschwerde
gegen das Urteil eingelegt. Sollte der Amtsrichter bei seiner Meinung
bleiben,
wird demnächst das Landgericht über einen Haftbefehl
entscheiden.
Eines ist klar: Ein Richter muss unabhängig entscheiden. Er
muss Polizei und Staatsanwaltschaft auf die Finger schauen, und sollte
sich nicht von ihnen bei seiner Meinungsbildung beeinflussen lassen. Nur:
Wenn es im Vorfeld klare Absprachen gibt, wenn alle Beteiligten zigmal
miteinander diskutiert und den Fall erörtert haben - dann ist so
eine Entscheidung nicht mehr nachzuvollziehen. Wozu dann
überhaupt „Fallkonferenzen“? Warum werden die Intensivtäter
dann überhaupt anders als andere Kriminelle behandelt? Das neu
geschaffene System ist überflüssig, wenn nicht alle Instanzen
mitspielen. Und das Signal, das von diesem Fall an die jungen
Kriminellen geht, ist verheerend: Die Drohungen von Polizei und
Sozialarbeitern haben keine Konsequenzen. Die drei Lindener Jungen
müssen sich in ihrem Glauben bestärkt fühlen, dass sie
sich einfach alles erlauben
können.
Mashy K. war an den Tagen nach seiner jüngsten Tat von sich aus
auf
dem Polizeirevier, und hat gefragt, wie denn die Dinge so stünden.
Er sei schon überrascht, sagte er, dass er noch immer auf freiem
Fuß
sei. |
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NEUE PRESSE, 11.09.2003 Gewalt: Staatsanwaltschaft sucht jetzt Gespräch mit Lehrern Bei der Anklagebehörde gibt es erstmals Spezialisten für Schüler-Verfahren Diebstähle, Raub und Gewalt an Schulen - jetzt sucht die Staatsanwaltschaft Hannover den Dialog mit Lehrern. VON ANNETTE ROSE HANNOVER. Der Leiter der Staatsanwaltschaft Hannover, Manfred Wendt, hat gestern alle Schulleiter zum Dialog mit der Staatsanwaltschaft aufgerufen, „da es viel Informationsbedarf bei Lehrern und Schulverwaltungen gibt.“ Das hätten Gewalttaten an Schulen in den vergangenen Wochen gezeigt. Gleichzeitig stellte Wendt die Staatsanwälte Julia Jeschieniak und Stefan Dach als Ansprechpartner für die Schulleiter vor. Beide wurden vor einem halben Jahr mit dem „Sonderdezernat Schule“ beauftragt und ermitteln in allen Verfahren aus Schulen und dem Umfeld von Schulveranstaltungen, Jugendspielen, Sport oder Klassenfahrten. Derzeit gebe es bei den Lehrern noch viele Berührungsängste. „Die wollen wir abbauen“, so Wendt. Während die Anklagebehörde mit den Jugendfachbereichen der Städte schon gut „vernetzt“ sei, müsse man mit den Lehrern erst noch ins Gespräch kommen. Wendt: „Es muss jetzt öffentlich darüber diskutiert werden, was an Informationen ausgetauscht werden kann.“ Insbesondere welche Informationen die Staatsanwaltschaft an Schulen weitergeben darf. Für Lehrer sei es wichtig zu erfahren, wenn gegen einen Schüler Verfahren auch außerhalb der Schule laufen und was dabei herauskommt. Dann seien sie womöglich eher bereit, Anzeigen zu erstatten. Bisher sei der Staatsanwaltschaft die Weitergabe solcher Informationen aus Datenschutzgründen nicht erlaubt. Die Anzahl der Verfahren gegen Jugendliche hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Die 18 Jugendstaatsanwälte hätten 2002 in fast 20 000 Fällen ermittelt, 500 Verfahren betrafen Schüler. „Von denen waren zehn Prozent unter 14 und damit Kinder, da mussten wir die Akten zuklappen“. Die Vorgänge seien an die Jugendhilfe weitergeleitet worden. Ein Drittel der Jugendverfahren seien Rangeleien, kleinere Körperverletzungen. Ein weiteres Drittel betreffe das Stehlen oder Rauben von Handys, berichtete Dach. Die Objekte der Begierde seien „klein, silbern und neu“, so Staatsanwalt Dach. Die Ankläger stellten klar: Wer ein Handy abpresst oder raubt, wird angeklagt. Das ende meist mit einem Wochenende in der Arrestzelle. |
| Stadt-Anzeiger West, Donnerstag, 6. April 1999 Konfliktlotsen: Konfliktlotsen sollen Streit unter Schülern schlichten Mit einem neuen PROJEKT will die IGS LINDEN der zunehmenden Gewaltbereitschaft begegnen. Fairneßregeln werden kaum noch beachtet Jeder dritte Schüler bewaffnet sich mit Messer, Schlagring oder ähnlichem, jedes vierte Kind wird Opfer von Jugendkriminalität. Zu diesem beunruhigenden Ergebnis ist das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen vor einiger Zeit gekommen. Einen drastischen Zuwachs von Gewalt konnte der Schulsozialpädagoge Detlef Mauer in den mehr als 20 Jahren seiner Tätigkeit an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Linden zwar nicht beobachten. Aber die Umgangsformen seien anders geworden, sagt er. "Heute gibt es weniger allgemein anerkannte Fairneßregeln, was sich allerdings nicht auf die Schule allein beschränkt, sondern ein gesamtgesellschaftliches Phänomen ist." mehr ... |
| HAZ, 01.03.2003 Gewaltprävention: „Gewalt ist normal“ Ein Viertel aller Schüler wird zu Opfern Es gebe Kinder, denen man ihre Chancenlosigkeit ansehen könne. „Wenn die anfangen zu prügeln, dann prügeln sie verzweifelt drauf los“, sagt Christoph Walther, Schulleiter der IGS Linden. Er lehnt es ab, das Thema Gewalt an Schulen „aus Angst vor öffentlicher Diskriminierung unbearbeitet unter der Decke zu halten“, wie er jetzt bei einer Podiumsdiskussion des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen (KFN) im Leibnizhaus betonte. In seinem Vortrag räumte der Schulleiter ein, dass Schulen einen kleinen Kreis jugendlicher „Intensivtäter“, deren Zahl in Hannover auf etwa 100 geschätzt wird, kaum noch erreichen können. Es ist nach Einschätzung Walthers „unredlich zu behaupten, die Schule verfüge über Instrumente, sie zu integrieren.“ Im Interesse der anderen Schüler bleibe nur die Möglichkeit, diesen Kindern deutlich Grenzen aufzuzeigen, ihnen strenge Sanktionen aufzuerlegen und notfalls die Polizei einzuschalten. Walther verschwieg auch nicht, dass ein Großteil dieser Jungen einen „Migrationshintergrund“ haben – also aus Ausländer- oder Aussiedlerfamilien kommen, in denen wiederum Gewalt häufig an der Tagesordnung ist. Die Erfahrungen Walthers bestätigte KFN-Forscher Dirk Enzmann, der mit seinen Mitarbeitern von 1998 bis 2000 mehr als zehntausend Schüler in Hannover, Hamburg, Leipzig, München und Friesland befragt hat. So hätten etwa 25 Prozent aller türkischen Schüler in den Interviews angegeben, dass sie zu Hause regelmäßig massiv misshandelt werden, bei den deutschen Kindern liegt diese Rate bei sechs Prozent – unter den Gewalttätern an Schulen wiederum erlebt fast die Hälfte Gewalt auch zu Hause. Enzmann bezeichnete Gewalt an Schulen als „fast schon normal“, ein Viertel aller befragten Schüler gab an, dass sie in den Monaten zuvor entweder geschlagen, massiv gehänselt, erpresst oder mit einer Waffe bedroht worden waren – oder dass Mitschüler zumindest ihr Eigentum zerstört hatten. Walther betonte jedoch, dass die Schule nicht in erster Linie Schauplatz von Gewalttaten sei. Die IGS Linden habe inzwischen ein Programm entwickelt, dass bundesweit beachtet werde: mit Unterrichtsstunden in den fünften Klassen, in denen Konfliktsituationen simuliert werden, mit Klassenfahrten und Projekttagen – und der Ausbildung von Schülern zu Streitschlichtern. sw Veröffentlicht 28.02.2003 20:32 UHR (HAZ, 01.03.2003) |
| Weitere Adressen und Artikel |
| Gewaltprävention:„Gewalt ist normal“Ein Viertel aller Schüler wird zu Opfern Es gebe Kinder, denen man ihre Chancenlosigkeit ansehen könne. „Wenn die anfangen zu prügeln, dann prügeln sie verzweifelt drauf los“, sagt Christoph Walther, Schulleiter der IGS Linden. ... In seinem Vortrag räumte der Schulleiter ein, dass Schulen einen kleinen Kreis jugendlicher „Intensivtäter“, deren Zahl in Hannover auf etwa 100 geschätzt wird, kaum noch erreichen können. ... Die Erfahrungen Walthers bestätigte KFN-Forscher Dirk Enzmann, der mit seinen Mitarbeitern von 1998 bis 2000 mehr als zehntausend Schüler in Hannover, Hamburg, Leipzig, München und Friesland befragt hat. So hätten etwa 25 Prozent aller türkischen Schüler in den Interviews angegeben, dass sie zu Hause regelmäßig massiv misshandelt werden, bei den deutschen Kindern liegt diese Rate bei sechs Prozent – unter den Gewalttätern an Schulen wiederum erlebt fast die Hälfte Gewalt auch zu Hause. ... Walther betonte jedoch, dass die Schule nicht in erster Linie Schauplatz von Gewalttaten sei. Die IGS Linden habe inzwischen ein Programm entwickelt, dass bundesweit beachtet werde: mit Unterrichtsstunden in den fünften Klassen, in denen Konfliktsituationen simuliert werden, mit Klassenfahrten und Projekttagen – und der Ausbildung von Schülern zu Streitschlichtern. sw Veröffentlicht 28.02.2003 20:32 UHR (HAZ, 01.03.2003) |
| Schwänzen:Schule: Pilotprojekt gegens Schwänzen Schulschwänzern soll es an den Kragen gehen. Das sieht ein Pilotprojekt des Landes vor. In Hannover machen 37 Schulen mit. Zur Intention sagt Projektleiter Bernd Strauch: „Wir wollen Kriminalität vorbeugen. 94,7 Prozent aller Straffälligen waren massive Schwänzer.” So funktionierts: Die Schulen sollen mit den Eltern Verträge schließen. Lehrer verpflichten sich, sofort anzurufen, wenn ein Kind fehlt. Die Eltern sagen telefonische Erreichbarkeit zu. ... HANNOVER, VON JULIA PENNIGSDORF NP, 28.02.2003 mehr ... |
| Gewalt:HAZ,
29.04.2002 Hannovers
Lehrer warten auf Fragen der Schüler von
Elisabeth Voss Hannover. In Gedenkminuten und Gebeten, in Schülervollversammlungen und Diskussionsveranstaltungen werden sich vor allem Lehrer und Schüler von Gymnasien und Realschulen in Hannover mit dem Geschehen in Erfurt auseinandersetzen. Die meisten Schulleiter wollen heute früh erst einmal erfahren, was von den Schülern an Fragen und Wünschen kommt. Leiter von Grundschulen äußerten sich gestern verhalten. Es sei ein schmaler Grat, hieß es, mit Kindern über das schreckliche Geschehen zu sprechen, ohne sie zusätzlich zu ängstigen. "Man kann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", sagt Christoph Walther, Schulleiter der Integrierten Gesamtschule (IGS) Linden. Aber man müsse sehen, was von den Schülern komme. Die Schule, die sich besonders mit Fragen der Gewalt auseinandergesetzt hat und dafür ausgezeichnet worden ist, werde sich mit dem Geschehen sicher sehr intensiv beschäftigen, meint Walther. Heute in der ersten großen Pause wird die Schülervertretung zusammengerufen. Dann werde auch entschieden, was man tue, um die Betroffenheit der jungen Menschen aufzunehmen. Analog zu den Trauerfeiern für die Opfer könnte es einen Schulgottesdienst und Schweigeminuten geben, meint Walther. Auch unter den Lehrern müssten die Ereignisse besprochen werden. Gleich in der ersten Unterrichtsstunde werden die Lehrer mit den Schülern über den Amoklauf reden, sagt Uwe Rademacher, der Leiter des Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasiums. Voraussichtlich am Freitag werde es ein Plenum für die ganze Schule geben. Während Schüler und Lehrer nach den Terroranschlägen des 11. September gleich zu einem Gedenkgottesdienst in die Friedenskirche gegangen waren, wolle man jetzt erst die Reaktion von Schülern abwarten. "Man kann das nicht einschätzen", sagt Rademacher. Eine Viertelstunde zum Gedenken wird es am Morgen in derFreiherr-von-Stein-Schule, einer Realschule im Stadtteil Bemerode, geben. Die Religionslehrerin werde das Vaterunser beten, sagt Schulleiterin Renate Höfling. Für die zahlreichen moslemischen Schüler werden Suren aus dem Koran gelesen. Zum Gedenken an die Opfer werden 17 Kerzen angezündet. Das sei wichtig, sagt die Pädagogin, um Emotionen auszudrücken. Es gebe einen großen Bedarf, sich zu äußern. Mit schweigendem Gedenken wird auch der Schultag für das Humboldt-Gymnasium beginnen. Zu Beginn der ersten Stunde will Schulleiter Peter Fischer dazu eine Schulversammlung einberufen, danach werde das unfassbare Geschehen in den einzelnen Klassen thematisiert. Was die Kinder äußern oder fragen, soll in den Grundschulen Richtschnur dafür sein, wie das Thema behandelt wird. |
| HAZ und NP 24.11.2001
Gewalt in Schulen. "Schulen sind für uns keine Brennpunkte", sagt der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion West,Gerd Lewin . Von 827 Ermittlungen gegen Jugendliche sind nur 11 an Schulen gewesen. Mit der IGS Linden hatten die Fahnder in der Vergangenheit so gut wie nie Probleme. "Die Schule ist federführend in Sachen Gewaltprävention", weiß der Jugendbeauftragte Thomas Ganz. (NP 24.11.2001). "Keine Angst vor Mitschülern" betont auch Ronja Rosenau, Schülerin der IGS Linden, in einem Leserbrief. (NP 24.11.2001). In der KGS Hemmingen werden Schüler zu Konfliktlotsen ausgebildet ("Kampf dem täglichen Kleinkrieg", NP 24.11.2001) |
| Hannovers Lehrer warten auf Fragen
der Schüler von
Elisabeth Voss "Man kann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", sagt Christoph Walther, Schulleiter der Integrierten Gesamtschule (IGS) Linden. Aber man müsse sehen, was von den Schülern komme. Die Schule, die sich besonders mit Fragen der Gewalt auseinandergesetzt hat und dafür ausgezeichnet worden ist, werde sich mit dem Geschehen sicher sehr intensiv beschäftigen, meint Walther. Heute in der ersten großen Pause wird die Schülervertretung zusammengerufen. Dann werde auch entschieden, was man tue, um die Betroffenheit der jungen Menschen aufzunehmen. Analog zu den Trauerfeiern für die Opfer könnte es einen Schulgottesdienst und Schweigeminuten geben, meint Walther. Auch unter den Lehrern müssten die Ereignisse besprochen werden. HAZ, 29.04.2002 |
| Mo, 05.11., 19:30 Uhr | Auftaktveransaltung "Konfliktlösungsstrategien" im Treffpunkt Allerweg, Allerweg 3-7 Großer Saal |
| Di-Do, 06.11.-08.11.
9:00-12.00 Uhr |
Projektwoche Egestorffschule in der Egestorffschule, Petristr.4, für 2.-4. Jahrgang mit Schwarzlichttheater, Musical, Taido, Schulgestaltung, Jungen. und Mädchenarbeit, Selbstbehauptungstraining, Stadtteilreporter |
| Di, 06.11. | Theateraufführung "Mach ihn fertig" in der IGS Linden im Forum, Am Lindener Berge 11, Theater Company Rhein und Ruhr, Eintritt 3 DM / 6 DM |
| Mi, 07.11., 15:30 Uhr | Gemeinsamer Gottesdienst in der Erlöserkirche zum Thema Gewaltprävention |
| Do, 08.11. | Tag der Horte, gemeinsamer Aktionstag im Hort Erlöser, Hort St Godehard 1, Hort St. Godehard II |
| Mo-Fr, 05.11.-09.11.
14:00 - 18:00 Uhr |
"Sucht und Gewalt", öffentliche Ausstellung im Jugendtreff Villa Anna, Allerweg 3-7 |
| Mo-Do, 14:00-16:00 Uhr | Workshop Malprojekt mit Künsterin Jule Ehlers im Verein Lebenskunst, Deisterstr. 73 |
| Mo-Do, 14:00-16:00 Uhr | Workshop "finde deinen beat", Trommeln im AWO-Keller mit CD-Produktion, AWO, Freizeitkeller, Deisterstr. 85 |
| Mo-Do, 14:00-16:00 Uhr | Spieleworkshop zur Gewaltprävention für 6-13 jährige, Gemeinwesenarbeit, Computertreff, Deisterstr.85 |
| Mi-Do, 14:00-16:00 Uhr | Wir machen einen Videofilm "Wut und wieder gut" im Spielpark Linden, Kirchstr. 25 im Von-Alten-Garten, Workshop mit Talkshow und Interview |
| Fr, 09.11., ab 14:00 Uhr | Gemeinsame Abschlussveranstaltung in der Egestorffschule, Petristr. 4, Infomarkt mit AWO-Jobbörse, Streitschlichter- und Gernie-Projekt der IGS Linden, Jugendzentrum Posthornstr., Jugendgerichtshilfe, Haupt- und Realschule am Fössefeld, Gesellschaft zur Förderung ausländischer Jugendlicher, Verband Allein Erziehender und Instrumentenausstellung "Fremdes und Bekanntes" |
| Fr, 09.11., ab 14:00 Uhr | Cafeteria in der Egestorffschule, Petristr.4 |
| Fr, 09.11., ab 14:00 Uhr | Begleitprogramm mit Videopräsentation, Taido-Vorführung, Schwarzlichttheater, Musical, Trommelsession in der Egestorffschule und |
| Fr, 09.11., 16:00 Uhr | Gemeinsame Luftballonaktion in der Egestorffschule |
"In jeder Klasse gibt es Außenseiter"
NP, 12.06.2001
"In jeder Klasse gibt es
Außenseiter" Bürgerstiftung bietet Lehrer-Seminar zur Konfliktlösung in Schulen an / Volksbank unterstützt Projekt finanziell In jeder Klasse gebe es dickes Kind, oder ein hässliches oder eines, dass aus anderen Gründen von lalen ausgegrenzt werde, sagt Eva Busch. Der Konflikt ist typisch für den Schulalltag - professionell damit umgehen können viele Lehrer nicht. mehr ... |
Lehrerfortbildung "Konfliktbearbeitung in der Schule"
| Lehrerfortbildung "Konfliktbearbeitung
in der Schule" - Schulentwicklung und Gewaltprävention -
Die Bürgerstiftung Hannover führt im Großraum Berenbostel einen weiteren Fortbildungsgang "Konfliktbearbeitung in der Schule" für 20 Lehrkräfte aus dem Schulzentrum Berenbostel und Schulen der Umgebung durch. Vom allgemeinen "Supertrend", an niedersächsischen Schulen Prävention zu betreiben, unterscheidet sich diese Fortbildung durch ein umfassendes und fachlich fundiertes Konzept. Statt der im Bildungswesen häufig kontraproduktiven Einzelmaßnahmen wie eintägige isolierte Fortbildungen, Streitschlichterprogramme, Präventionspuppentheater usw. wird in der Lehrerausbildung der Bürgerstiftung Hannover die Schule als Ort sozialer Beziehungen verstanden und entsprechend behandelt. Prof. Dr. Manfred Bönsch, Dr. Eva Busch und Frank Winter führen als Team der Bürgerstiftung Hannover auch diesen Ausbildungsgang durch. mehr ... Homepage der Bürgerstiftung Hannover |
"Es knallt, wo es keiner erwartet"
NP, 02.02.2000: IGS Linden gibt Handbuch gegen Gewalt
heraus (NP,
02.02.2000) Die IGS Linden erprobt seit drei Jahren das Projekt GERNIE (Gewalt-Erkennen-Reagieren: Neuorientierung Integrativer Erziehung). Jetzt gibts ein Handbuch als Anregung für andere Schulen. So funktioniert Gernie: Schüler der fünften Klasse nehmen an einem Sozialtraining teil. Sie lernen Konfliktbewältigung und soziales Verhalten. Und: Die IGS schult Vermittler aus höheren Klassen, die im Streitfall schlichten. "Die Gewalt an Schulen nimmt zu, wir wollen vorbeugen", erklärt Ulrich Stahl, stellvertretender Schulleiter. Erstes Ergebnis: "Die Kinder achten mehr aufeinander", so Lehrer Uwe Zietz. ink ... mehr |
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Bundeselternrates
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Landeselternrates
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