| ZENTRALABITUR - Doku des Stadtelternrates Hannover |
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| 19.02.2010, HAZ | Zentralabitur soll gerechter werden |
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Hannover. Die Aufgaben beim Zentralabitur sind überall gleich. Die Benotung kann aber unterschiedlich sein, je nachdem, was ein Gymnasium oder eine Gesamtschule von Schülern an Leistung erwartet. Wer an einer Lehranstalt mit hohem Anspruch die Hochschulreife erwirbt, kann bei der Bewerbung um einen an Noten gebundenen Studienplatz die schlechteren Karten haben. Im Kultusministerium wird jetzt überlegt, nach 2011 für Prüfungsarbeiten unabhängige Fremdgutachter einzusetzen - das berichten übereinstimmend Vertreter verschiedener Fachverbände. Einen Schwenk gibt es auch im Philologenverband, der die in manchen Bundesländern übliche Praxis lange als bevormundend abgelehnt hat: In einer neuen "Arbeitsgemeinschaft zur Vergleichbarkeit der Leistungen in der Oberstufe" haben die Gymnasiallehrer einen entsprechenden Vorstoß gewagt. Ein Sprecher von Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) sagte zwar auf Anfrage: "Eine Veränderung ist nicht geplant." Das heißt jedoch nicht, dass es nicht schon Signale an die Verbände gegeben hat, beim Zentralabitur nachbessern zu wollen. Denn für viele Schüler ist es ernüchternd zu sehen, wie auf Nachbarschulen - sei es ein anderes (Fach-)Gymnasium oder eine Gesamtschule - gewechselte Klassenkameraden plötzlich und anscheinend ohne Mühe ihre Noten verbessern. Korrektoren von fremden Schulen, die wie etwa in Baden-Württemberg anonym vorgelegte Prüfungsarbeiten gegenlesen, könnten möglicherweise zu einer Angleichung von Anforderungen beitragen. Zurzeit begutachten zwei Lehrer derselben Schule die Arbeiten, die Landesschulbehörde nimmt nur stichprobenhaft Einblick. Nicht zuletzt der auf die Durchschnittsnoten bezogene landesweit veröffentlichte Vergleich, genannt "Ranking", kann dazu führen, dass bestimmte Schulen um eine gute Benotung besonders bemüht sind - spielt diese doch für viele Eltern und Schüler bei der Schulauswahl eine bedeutende Rolle. Gerichtsbekannt geworden ist das Beispiel eines Schulleiters im südlichen Niedersachsen, der einer Fachlehrerin vorschrieb: "Fünfen gibt es hier nicht." Die Abschlussprüfung selbst spielt für den Abiturdurchschnitt allerdings eine untergeordnete Rolle. "Sie macht nur rund zwölf Prozent an der Gesamtnote aus", sagt Roland Neßler, Geschäftsführer des Philologenverbands in Hannover. Im Verband werde deshalb nicht nur über die Fremdkorrektoren, sondern auch über Vergleichsarbeiten in der Oberstufe neu nachgedacht, ebenso über Möglichkeiten, das Leistungsniveau stärker bei der Schulinspektion zu berücksichtigen. Keinesfalls dürfe der Wunsch nach mehr Abiturienten dazu führen, die in den vergangenen Jahrzehnten schon "erheblich gesunkenen" Anforderungen weiter herabzusetzen. "Wir müssen die Schüler in die Lage versetzen, mit Aussicht auf guten Erfolg ein Studium oder eine Ausbildung anfangen zu können", sagt der ehemalige Schulleiter des Gymnasiums in Gehrden. Die wachsenden Abbruchquoten an den Hochschulen zeigten, dass dies längst nicht immer der Fall sei. Die Veränderungen, die nach dem doppelten Abiturjahrgang eingeführt
werden könnten, stoßen auch auf Skepsis. "Fremdkorrektoren
können die Bedingungen des Lehrens und Lernens nicht berücksichtigen",
meint Henner Sauerland von der Lehrergewerkschaft GEW. Von "Scheinobjektivität"
spricht auch Sabine Hohagen vom Landeselternverband. Ihr Vorschlag: "Man
müsste weg vom Numerus clausus." |
| >> Gymnasien 2010 >> Zentralabi |
| 19.02.2010, HAZ | Kommentar: Ein mutiger Schritt |
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Es ist ein offenes Geheimnis: Manche Schulen benoten strenger als andere. Das gilt bei den zentralen Abiturprüfungen, deren Bewertung in vielen Fächern Spielräume lässt. Das gilt vor allem für die Jahre davor, die in die Abi-Note wesentlich einfließen. Zu leiden haben darunter Mädchen und Jungen, die wegen besonders hoher Anforderungen an ihrer Schule mit einem schlechteren Durchschnitt "bestraft" werden und an der Hürde des Numerus clausus scheitern. Zu leiden haben aber auch diejenigen, die an großzügig benotenden Schulen auf das Studium nicht ausreichend vorbereitet werden. Was nützt ihnen der "leichte Weg" durch die Oberstufe, wenn sie mit ihren Kommilitonen - auch aus anderen Bundesländern - an der Uni nicht mithalten können? Der Einsatz schulfremder Gutachter wäre ein mutiger Schritt Richtung Chancengleichheit. Gabriele Schulte |
| >> Gymnasien 2010 >> Zentralabi |
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NP + HAZ, 14.04.2007 |
Zentralabi startet mit Deutsch |
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HAZ, 14.04.2007 Büchner oder Schiller: Zentralabi startet mit Deutsch >> Zentralabitur 2007 |
| HAZ, 17.06.2006 | Schulleiter mauern bei Abi-Noten |
| Rektoren der Gymnasien wollen Ergebnisse des ersten Zentralabiturs geheim halten / Stadtelternrat übt Kritik |
| VON BÄRBEL HILBIG |
| Die Noten beim ersten landesweit einheitlichen
Abitur stehen noch nicht fest. Aber die Leiter der Gymnasien in Hannover
haben bereits verabredet, ausgerechnet diesmal keinen Jahrgangsschnitt ihrer
Abiturienten an die Öffentlichkeit dringen zu lassen. Auch die
Zahl der durchgefallenen Schüler soll diskret verschwiegen werden.
Im vergangenen Jahr hatte die HAZ beides veröffentlicht. Wir machen alle gute Arbeit, sagt Doris Espel, die seit kurzem im Team mit Winfried Baßmann für die Gymnasialleiter in Hannover spricht. Die Schulleiter fürchten ein Ranking: Eltern könnten die Schulen nur danach bewerten, wie gut das Abitur dort ausfällt. Für die Schulleiter sagt der Abi-Durchschnitt nur sehr begrenzt etwas über die Leistungsfähigkeit einer Schule. Und es gebe gute Gründe, warum an manchen Gymnasien die Durchschnittsnoten nicht so glänzend ausfallen wie an anderen. Wenn kein Schüler durchfällt, weil die Lehrer auch Wackelkandidaten genügend unterstützen, ist das doch eine Leistung, sagt Espel, Leiterin der Schillerschule. Aber natürlich senke das den Jahrgangsschnitt. Auch Schulen, die Einwandererkinder bis zum Abitur bringen, leisteten wichtige Arbeit, betont Baßmann. Manche Gymnasien nähmen im elften Jahrgang auch etliche Wechsler von Realschulen auf, die meist kein hervorragendes Abitur ablegten. Dahinter steckt aber viel Engagement der Schulen, sagt Baßmann, Leiter des Kurt-Schwitters-Gymnasiums. Baßmann hält deshalb die Ergebnisse der Schulinspektion besser für geeignet, die Qualität einer Schule zu beschreiben. Dort werden zahlreiche Kriterien wie Beratung der Schüler, pädagogisches Klima und Unterricht bewertet. Richard Lochte, Vorsitzender des Stadtelternrats, sieht das dennoch bisher nicht als Alternative an weil auch hier das Kultusministerium keine Veröffentlichung vorsieht. Natürlich posaunen Schulen, die gut abschneiden, das heraus. Aber wir bekommen keinen Überblick und können nicht vergleichen. Wir Eltern wollen einigermaßen objektive Werte über die Leistungsfähigkeit der Schulen an die Hand bekommen. Das Zentralabitur wäre dabei ein Baustein, sagt Lochte. Schulen, die viele Realschüler zum Abitur führen, könnten doch auch darüber informieren. Für Eltern gebe es im Übrigen zahlreiche Kriterien zur Beurteilung einer Schule, etwa die angebotenen Fächerprofile in der Oberstufe, die Schwerpunkte in der Unterstufe, die Größe und Wohnortnähe. Schulleiter können sich nicht darauf ausruhen, dass Eltern bei der Wahl eines Gymnasiums nur nach dem Abi-Schnitt entscheiden, sagt Lochte. |
| HAZ, 17.06.2006 | Kommentar: Mehr Mut |
| Es ist erstaunlich, wie sehr besorgt die Schulleiter um den Ruf ihrer Schule sind. Das Zentralabitur soll Leistungen besser vergleichbar machen. Dennoch wollen die Leiter der hannoverschen Gymnasien ausgerechnet dieses Jahr Notenschnitt und Zahl der durchgefallenen Abiturienten unter der Decke halten. Eltern, die ihr Kind auf ein Gymnasium schicken, sind meist nicht gerade auf den Kopf gefallen. Sie können sich ausrechnen, dass gute Noten jedes Jahr wieder von Schülern und Lehrern erarbeitet werden müssen und auch von den Voraussetzungen jedes einzelnen Schülers abhängen. Der Jahrgangsschnitt kann deshalb nicht mehr als eine Momentaufnahme sein. Diese Einsicht sollten Schulleiter Eltern zutrauen und auf Geheimniskrämerei verzichten, wenn sie auf die Mitarbeit der Eltern Wert legen. Bärbel Hilbig |
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HAZ,
25.04.2006: Ministerium verwechselt Plus und Minus
von BÄRBEL HILBIG |
| NP,
21.04.2006: Beim Zentral-Abi holperts noch VON
NORA LYSK HANNOVER. Gegen 13.30 Uhr fiel die erste Anspannung ab. 320 Minuten hatten in ganz Niedersachsen die ersten Abiturienten über den Fragestellungen im ersten landesweiten Zentralabitur gebrütet. Bis zum 5. Mai werden in der Region Hannover 3750 Schüler geprüft, landesweit sind es 25 500 Abiturienten, die das erste Zentralabitur schreiben werden. Der gestrige Donnerstag war für die Deutschklausuren reserviert. Zwei Aufgabenstellungen hatte das Kultusministerium zur Wahl gestellt. Entweder konnten die Schüler sich über den Freiheitsbegriff in Hilde Domins Gedicht Ich will dich und Urs Widmers Stück Top Dogs Gedanken machen oder über Fontanes Mathilde Möring und Hölderlins Brief an den Bruder grübeln. Das stieß auch auf Kritik. In dieser abwegigen Kombination hätte ich die Aufgaben nicht gestellt, so Elke Kantian, Deutschlehrerin und Oberstufenkoordiantorin an der Käthe-Kollwitz-Schule. Auch Schulleiter Martin Kronenberg nannte die Aufgaben künstlich und verkrampft. Die Schüler schienen zwar erschöpft, aber zufrieden. Auch wenn die Ungewissheit groß war, hatten uns unsere Lehrer doch gut vorbereitet, fand die 19-jährige Jennifer Bürgel. Am Erich-Kästner-Gymnasium in Laatzen waren Schüler und Lehrer kaum überrascht von den Aufgabenstellungen. Ich mache mir nur Gedanken, ob wir es hinkriegen, die Bilder für die Kunstklausuren aus dem Internet zu laden, sagte Schulleiter Hans-Ulrich Becker Teile von Laatzen verfügen nicht über die schnelle Datenleitung DSL. Bereits im Vorfeld hatte das Ministerium mitgeteilt, dass die Ladezeit mehr als eine Stunde betragen könnte. Diesen Verwaltungsaufwand halte ich für unnötig, kritisierte Elke Kantian. Am gelassensten war gestern die Stimmung der Ministeriumsmitarbeiter an der für Notfälle geschalteten Hotline. Nur wenige Schulen riefen an. Ernsthafte Probleme gab es nur, an einer Schule, die den Zugangsschlüssel zum Runterladen der Aufgaben verbaselt hatten, sagte Matthias Günther. Auch gestern hatten nach 50 Minuten bereits 85 Prozent aller Schulen die Englischaufgaben für die heutigen Prüfungen heruntergeladen. Schwierig wird es nur am 26. April, so Günther. Dann müssen die Schulleiter neun Klausurthemen in nur drei Stunden aus dem Internet laden. |
| NP,
20.04.2006: Abi-Aufgaben kommen aus dem Internet
VON NORA LYSK HANNOVER. Heute ist die Premiere, heute schreiben die Schüler das erste Zentralabitur in Niedersachsen. Gestern mussten die Aufgaben aus dem Internet geladen werden. Ausgestattet mit Pins und Tans, saßen zwischen 15 und 18 Uhr Schulleiter und Oberstufenkoordinatoren aufgeregt vor ihren Schulcomputern und luden die Aufgaben für die Deutschprüfung aus dem Internet. Wie beim Online-Banking, erklärte Oberstufenkoordinator Klaus Rockmann von der IGS Mühlenberg. Das begrenzte Zeitfenster und die Tans sorgen für die Sicherheit. Um 15.30 Uhr kannte Brigitte Schneider-Pachaly, Leiterin der Wilhelm-Raabe-Schule, die Aufgaben für die Deutschprüfung. Das dauerte gerade mal ein paar Minuten, sagte sie. Auch bei uns verlief alles reibungslos, meldete Schulleiter Winfried Baßmann vom Kurt-Schwitters-Gymnasium. Technisch sei das System einwandfrei. Nach dem Herunterladen wurden die Aufgaben, die übrigens durchaus unseren Erwartungen entsprechen, so Baßmann, im sicheren Schulsafe verstaut. Erst heute Vormittag können auch die Fachlehrer die Aufgaben einsehen. Wäre vorher was durchgesickert, würden heute in ganz Niedersachsen die Abi-Klausuren ausfallen, erklärt Rockmann. 13 Tage, auch sonnabends, wird sich dieses Prozedere jetzt täglich wiederholen jeden Tag ein anderes Fach. Niedersachsen ist das erste Bundesland, das die Aufgaben im Internet bereitstellt. In anderen Bundesländern lagern noch Kopiervorlagen in den Schulbehörden und werden im Koffer in die Schulen gebracht. Doch laut Kultusministerium war bereits die Generalprobe im Oktober ein Erfolg nur in Hannover verhinderte ein Virenschutzprogramm des städtischen Internetservers, dass die Prüfungsaufgaben auch auf den Schulcomputern landeten. Für solche Fälle hat das Kultusministerium jetzt eine Hotline geschaltet. Und auch inhaltliche Fragen zu den Prüfungsaufgaben können Lehrer am Beratungstelefon mit dem Ministerium klären |
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HAZ,
20.04.2006: Nur zwei Lehrer kennen die Fragen Foto: Schulleiter Henning Lawes verstaut die Aufgaben im Safe. Steiner |
| Bündnis 90/Die Grünen im niedersächsischen Landtag Antrag zur Schulzeitverkürzung"Durchlässigkeit erhalten und ausbauen - individuelle Schulzeitverkürzung erleichtern" Die erste Beratung dieses Antrages wird am 14. Mai 2003 stattfinden. |
HAZ,
25.01.2005 Neues
Abitur in Niedersachsen: Mehr Politik, weniger Auswahl Kabinett entscheidet
heute über Verordnung / Protest vom Landeselternrat ... Kultusminister Busemann erhofft
sich von der neuen Oberstufe, die zum 1. August eingeführt wird, generell
„mehr Verbindlichkeit und weniger Beliebigkeit“. Er nimmt dafür
auch einen Konflikt mit dem Landeselternrat und dem Landesschülerrat
in Kauf. Beide Gremien hatten in der Anhörung ihr Veto eingelegt, weil
sie die bisherige Wahlfreiheit der Abiturienten eingeschränkt sehen.
Mehr Vorgaben seien jedoch genau das Ziel der umfangreichsten Oberstufenreform
seit Jahrzehnten, heißt es im Kultusministerium. „Die Oberstufe
ist das Gütesiegel für das Schulwesen“, sagte Busemann.
Im Kurssystem hatten die Schüler bislang eine relativ große Wahlfreiheit
bei den Fächern. Sie wird zu Gunsten der Kernfächer eingeschränkt,
außerdem müssen sich die Schüler für bestimmte Schwerpunktkombinationen
bei den Fächern entscheiden. In vier Prüfungsfächern gibt
es eine schriftliche Abiturprüfung – und zwar künftig mit
landesweit einheitlichen Aufgabenstellungen. Ein Fach wird mündlich
geprüft. Die Opposition von SPD und Grünen im Landtag spricht
von einer „Rückkehr zur Oberstufe der sechziger Jahre“.
Stimmt das Kabinett heute, wie zu erwarten, der Oberstufenreform zu,
ist der Einspruch von Eltern- und Schülerrat abgewiesen. Das Vorhaben
kann dann zum 1. August in Kraft treten. Parallel dazu wird auch die Verkürzung
der Schulzeit bis zum Abitur von 13 auf zwölf Jahre eingeführt.
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| HAZ, 25.08.2005 , Leserbrief
zu den Artikeln "Gynasiasten büffeln für das Zentralabitur" und
dem Leitartikel "Der Härtetest": Wem nutzt eigentlich das Zentralabitur? Wenn meinem Kind demnächst im Zentralabitur bescheinigt wird, dass es den Anforderungen nicht vollständig genügt hat, wer ist dann Schuld. Ist mein Kind so schlecht oder war es nur auf der "falschen" Schule? Leider erfahre ich das erst dann, wenn ich es nicht mehr beeinflussen kann, öffentliche Rankings soll es ja nicht geben. Oder war es vielleicht nur im falschen Bundesland? Anforderungen an mein Kind werden zentralisiert, wo bleibt eigentlich die Förderung individuellen Leistungsvermögens? Welchen Stellenwert nehmen wichtige Qualifikationen wie Teamfähigkeit, soziale Kompetenz u. s. w. ein, die nicht zentral abgefragt werden können? In Zeiten gekürzter Unterrichtsversorgung (die vielleicht noch rechnerisch irgendwie stimmt)gibt es zudem keine zusätzliche individuelle Förderung und Differenzierung, mein Kind ist aber nicht zentralisierbar. Ich stelle fest, dass die Schulen den Weg zum Zentralabitur noch lange nicht konsequent beschreiten, denn dieses wird erfordern, dass dort auch einheitlich gelehrt wird. Selbst bei einer anderen Lehrreihenfolge ist jeder Schulwechsel, ja selbst ein Klassenwechsel nicht mehr möglich. An einen Wechsel des Bundeslandes brauchen wir überhaupt nicht denken. Wofür also für ein Zentralabitur büffeln? Für meine Kind offenbar nicht. Bleibt zu hoffen, dass die Erkenntnisse aus den Ergebnissen des Zentralabiturs wenigsten künftigen Kindern zu Gute kommen. Allerdings sollten die Erkenntnisse aus den PISA-Studien hier eher Grund zur Ernüchterung sein. So wird der Tatsache, dass die Ergebnisse wegen des ernsthafteren Herangehens aller Beteiligten besser geworden sind, erst mal unter "Erfolg" eines neuen Denkens verbucht. Mehr wird es nicht geben, wenn wir nicht bereit sind, in die Zukunft unserer Kinder zu investieren. Sind wir das? T. Prager, Ronnenberg |
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NP, 04.03.2004 So läuft das Zentralabitur Lehrer diskutieren über Schwerpunkte Das Zentralabitur nimmt Gestalt an. Die Themen, nach denen ab August unterrichtet werden muss, liegen vor. Die Lehrer sind geteilter Ansicht. VON JULIA PENNIGSDORF HANNOVER. 2006 ist es so weit. Landesweit schreiben Niedersachsens Gymnasiasten zum ersten Mal alle die gleiche Abiturprüfung. Als Erstes werden die jetzigen Elftklässler das Zentralabitur absolvieren. Was bisher schwammig war, wird jetzt konkret: Das Kultusministerium hat die verbindlichen Prüfungsschwerpunkte an die Leiter der Gymnasien verschickt. Drei bis vier Themen sind es für jedes Fach (siehe Kasten). „Unsere Fachkonferenzen erarbeiten aus den Vorgaben jetzt die Lehrpläne, die von August an gelten“, so Brigitte Helm von der Sophienschule im Zooviertel. Was genau sind die Unterschiede zu den bisherigen Vorgaben? „So groß sind die nicht. Die Rahmenrichtlinien bleiben“, sagt Doris Espel von der Schillerschule in Kleefeld. Die Direktorin ist mit den Inhalten zufrieden. Zwar werde die Freiheit der Lehrer, den Unterricht nach eigenen Interessen und denen der Schüler zu gestalten, eingeschränkt. Aber das sei in Ordnung. „Es kann schließlich nicht jeder seinem Hobby nachgehen.“ Helm bewertet die Situation ähnlich: „Die Vorgaben sind wesentlich konkreter als bisher. Das bedeutet im Umkehrschluss schon, dass wir weniger Zeit haben werden, Unterricht frei zu gestalten.“ Ein Aspekt, den Lutz Gecks, Oberstufenleiter der IGS Roderbruch, massiv kritisiert: Es gebe schon jetzt wahrlich genug verbindliche Kriterien. Die neuen Vorgaben führten zu einer Normierung des Unterrichts. „Die nackte Wissensvermittlung wird steigen, die Schulung der selbstständigen Urteilsbildung abnehmen“, befürchtet er. Die Pädagogen der IGS Roderbruch üben auch inhaltlich Kritik: „Bertold Brecht ist rausgeflogen, der Faschismus taucht nicht mehr auf, Europa wird am Mittelalter hochgezogen und Amerika nur bis zum 19. Jahrhundert behandelt – das kann man doch nicht mehr gutheißen“, sagt Gecks kopfschüttelnd. Helm geht davon aus, dass das Zentralabitur wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen wird als bisher. Bisher wurden die Leistungskurse an zwei Tagen, der Prüfungskurs am dritten Tag geschrieben. Helm rechnet ab 2006 mit einer Prüfungsdauer von 14 Tagen. „Anders lässt sich das bei den vielen Kombinationsmöglichkeiten der Prüfungsfächer und der nötigen Geheimhaltung nicht realisieren.“ Das Ministerium hat für jedes Fach Schwerpunkte formuliert, die in der Abiprüfung vorkommen können und deshalb im Kurssystem der Oberstufe behandelt werden müssen. Hier einige Auszüge: Deutsch: 1. Reflexion über Sprache, Lektüre: Hugo von Hofmannsthal, Ein Brief. 2. Der Einzelne und die Gesellschaft – Wirklichkeitserfahrungen am Ende des 20. Jahrhunderts. Lektüre: Urs Widmer, Top Dogs. 3. Traditionelle und moderne Form des Romans am Beispiel des Epochenumbruchs 1870/1930. Lektüre: Theodor Fontane, Mathilde Möhring. 4. Zwischen Ideal und Wirklichkeit – Schillers „Don Carlos“ im Kontext seines klassischen Dramenkonzepts. Mathe: 1. Analysis. 2. Wahrscheinlichkeitsrechnung. 3. Analytische Geometrie / Lineare Algebra. Geschichte: 1. Geschichte Deutschlands seit 1945. 2. Die Herausbildung Europas im Mittelalter. 3. Die USA – von der Staatsgründung bis Ende 19. Jahrhundert. Englisch: 1. The American Experience (Selbst- und Fremdbild der USA). Lektüre: T. C. Boyle, The Tortilla Curtain. 2. Britain – A country between tradition and change (gesellschaftliche Realitäten des modernen Großbritannien, Vergleiche zur eigenen Lebensrealität). Lektüre: Nick Hornby, About a Boy. |
| "Wir
sind nicht auf der Titanic"
Sigmar Gabriel, ohne Manuskript einer der feurigsten Redner der SPD, gibt
an diesem Freitag den Staatsmann. .... Gabriel wendet den stillen
Zorn vieler Delegierter über die Berliner Politik und die überaus
miesen Umfragewerte nach außen. Er fordert einen „neuen Lastenausgleich“
zwischen Reich und Arm, einen „New Deal“ wie einst der amerikanische
Präsident Theodor Roosevelt in den dreißiger Jahren des vergangenen
Jahrhunderts. Immer wieder gibt Gabriel den Klassenkämpfer, nur die
Baumwollpflücker fehlen. Er schimpft über Lobbyisten, die am Gesundheitssystem
gut verdient haben, sich jetzt aber gegen jede Veränderung sperrten,
er wendet sich gegen die Großindustrie (VW natürlich ausgenommen),
lobt dafür ausführlich den Mittelstand.
Und er verteidigt mit Nachdruck seinen Vorschlag, die Vermögenssteuer
wieder einzuführen, um dringend notwendige Bildungsaufgaben zu
finanzieren – an Kindergärten und Schulen. Ja, man könnte
bei der Einführung dieser Steuer auch am Ende der nächsten Landtagsperiode
über Entlastungen der Städte reden, im Kindergartenbereich beispielsweise.
Warum nicht die Gebühren halbieren? fragt der Ministerpräsident
und buchstabiert immer wieder die Bildungsfrage als Schlüssel, der
aus der Krise führen soll. „Laßt uns diese Auseinandersetzung zum zentralen Gegenstand des Wahlkampfes machen“, sagt Gabriel und macht eine einfache Rechnung auf: „Wir wollen wissen, ob die CDU in Niedersachsen die Interessen der Wohlhabenden in Niedersachsen vertritt oder die der Eltern und Kinder.“ Dann ruft er noch in den Saal, in dem diese Tonlage gut ankommt: „Sozialismus ist Champagner für alle und nicht Rotkäppchen-Sekt für wenige.“ Das steht nicht im Text und ist ein bißchen schief. Denn noch hat der Sekt aus der früheren DDR den Champagner nicht kaltgestellt. ... In aller Eile haben die Sozialdemokraten noch die Meisterung der Finanzkrise Niedersachsens an den Anfang ihres Wahlprogrammes gesetzt – auf 213 breiten Zeilen. Und einen sich anbahnenden Konflikt um die Einführung des Zentralabiturs, das einige Genossen aus dem Bezirk Hannover gar nicht schätzen, wurde durch geschickte Formulierungen der Antragskommission aus dem Saal verbannt. „Wir wollen hier je diskutieren und aber nicht streiten“, sagt der hannoversche Bezirksvorsitzende und Umweltminister Wolfgang Jüttner. Und die kleinen Streitereien unter den Genossen sind nur in Nuancen zu spüren, etwa wenn Gabriel in seiner Rede gegen Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn stichelt, die gar nichts von Studiengebühren hält, die Wissenschaftsminister Thomas Oppermann aber nach wie vor gut hält. Mit fast chinesischen Verhältnissen – 95,4 Prozent – wird der 43-jährige Politiker aus Goslar am Schluss seiner eineinhalbstündigen Rede gewählt. Auf Wahl per Akklamation hat er verzichtet, wollte die geheime Stimmabgabe. Der lange, lange Beifall zeigt ihm, dass diese Wahl ohne Risiko war. mbb Veröffentlicht 15.11.2002 20:31 UHR HAZ, 16.11.2002 |
Harsche Bildungskritik aus Finnland
| PISA / Zentralabitur / Schulreform
/ DGB:
Schulpolitik in "alter Tradition"
Harsche Bildungskritik aus Finnland - DGB fordert mehr Gesamtschulen
Vom Pisa-Sieger Finnland in Schulpolitik lernen ? Ja, sagt der Chef finnischer Volkshochshulen auf einem DGB-Kongress in Hannover. .. Kinder in begabte und weniger begabte zu trennen und in unterschiedliche Schulen zu schicken, sei eine "Tradition auf der Grundlage eines veralteten Menschenbildes ohne wissenschaftliche Begründung", die in Finnland seit mehr als 30 Jahren überwunden habe. " ... Finnland kennt nur Gesamtschulen, die alle Schüler bis Klasse neun besuchen. Danach wechseln 70 Prozent zur Oberschule und machen Abitur. ... Finnlands Schüler gelten als die weltweit schlauesten Köpfe. ... Auch der DGB warb auf dem Kongress für mehr Ganztagsschulen. DGB-Landeschef Hartmut Tölle verlangte eine neun- bis zehnjährige gemeinsame Schulzeit. Mit dem neuen Schulgesetz der SPD sei er daher nicht einverstanden. NP, 17.10.2002 mehr ... |
| DGB: Der Finne rät zur Gemeinschaftsschule Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ist mit der bisherigen Schulreform der Landesregierungen nicht einverstanden. ... Der DGB-Chef sprach sich für eine neun- bis zehnjährige gemeinsame Unterrichtung aller Kinder und für mehr Ganztagsschulen aus. Die Einführung des Zentralabiturs lehnte er ab. ... Als Kronzeugen für ein Schulmodell, das nicht auf Auslese, sondern auf mehr Gleichheit abzielt, hatte der DGB den Direktor der Finnischen Arbeiterakademie, Kari Kinnunen, auf ein Diskussionspodium eingeladen... Die Hamburger Professorin Ingrid Gogolin attestierte dem niedersächsischen Schulgesetz zwar, es sei "auf der Ebene der Willensbekundungen exakt an den Misständen orientiert, die es beseitigen soll". Doch habe sogar sie als Wissenschaftlerin Schwierigkeiten, bei den geplanten neuen Schulstrukturen durchzublicken - "sie scheinen undurchschaubar". Das Schulgesetz habe die frühzeitige "Selektion" von Schülern zum Regelfall erklärt, trotz aller verbalen Verklärungen. mehr ... |
| PISA / Zentralabitur : Zentralabitur: Jüttner soll „kleines Problem” lösen Das Zentralabitur kommt – dessen ist sich Ministerpräsident Gabriel (SPD) sicher. „Wir ziehen das durch”, betonte der 43-Jährige am Dienstag nach seiner Rückkehr von einer Nahost-Reise, obwohl der Vorstand des SPD-Bezirks Hannover sein Vorhaben torpediert hatte: Auf seiner Sitzung am 26. September war beschlossen worden, Gabriels Forderung wieder aus dem SPD-Programm zur Landtagswahl (2. Februar 2003) zu streichen. NP, 15.10.2002 mehr ... |
| PISA / Zentralabitur :
SPD-Bezirk kippt Zentralabitur von
Alexander Dahl
Hannover. Der SPD-Bezirk Hannover ist Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) bei der Bildungsreform in die Parade gefahren: Er hat die Einführung eines Zentralabiturs abgelehnt, obwohl dies bereits im Entwurf zum SPD-Wahlprogramm für die Landtagswahl 2003 verankert wurde. Gabriel hatte Mitte Juni die Einführung eine landesweit einheitlichen Abitur-Prüfung gefordert. NP, 12.10.2002 mehr ... |
| PISA / Zentralabitur : Beim Zentralabitur dreht CDU den Spieß um Gabriels neuer
Vorschlag soll auf die Probe gestellt werden / Lob von der Wirtschaft
/ Jürgens-Pieper spricht mit Eltern
Mit seinem Vorstoß zum Zentralabitur hat Ministerpräsident Sigmar Gabriel die CDU-Opposition überrascht, in der nächsten Landtagssitzung aber wollen die Christdemokraten den Spieß umdrehen. In einem Entschließungsantrag fordert die CDU die sofortige Einführung des Zentralabiturs in Niedersachsen – und rechnet mit einer zumindest uneinheitlichen Antwort aus der SPD-Fraktion. Bislang jedenfalls hielt man dort wenig vom Schulmodell aus dem Süden. ... Bei der Wirtschaft stieß der jüngste bildungspolitische Vorstoß der Landesregierung auf ein positives Echo. Die Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN) bezeichneten Zentralabitur und Leistungstest als „überfällig“ .... Dagegen lehnten die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Jusos zentrale Prüfungen strikt ab. Der SPD-Nachwuchs verlangte, die Vorschläge sofort zurück zu nehmen. HAZ, 22.06.2002 mehr ... |
| PISA / Zentralabitur : Zentralabitur lenkt ab vom Versagen des Schulsystems - GRÜNE gegen Gabriels neuen schulpolitischen Quickie "Gabriels neuester schulpolitischer Quickie löst die Probleme nicht. Wenn im Vorgriff auf PISA E von Bayern gelernt werden soll, dann sollte zunächst die Unterrichtsversorgung verbessert werden", sagte Litfin. Untersuchungen zeigten, dass die SchülerInnen in Bayern bis zum Ende der 9. Klasse 832 Wochenstunden Unterricht mehr erhalten als in Niedersachsen. Das sei eine Differenz von mehr als 9%. "Nur vom Wiegen wird keine Sau fett", so Litfin. Grüne, 20.06.2002 Presseerklärung mehr ... |
| Gabriel: Ab 2003 Abitur
für alle gleich Paukenschlag
in Niedersachsens Bildungspolitik: Das Land will bis spätestens 2007
das Zentralabitur einführen. Das kündigte am Donnerstag Ministerpräsident
Sigmar Gabriel (SPD) als Reaktion auf das schlechte Abschneiden des Landes
in der PISA-Studie an. Damit werden allen Schülern am gleichen Tag
landesweit im jeweiligen Prüfungsfach gleiche Fragen gestellt.
Am Ende der Klasse vier, sechs und acht werden zudem künftig zentrale Vergleichstests in allen Schulen geschrieben. „Qualitätschecks”, nennt sie Kultusministerin Renate Jürgens Pieper (SPD). ... Gabriel werde von der PISA-Panik getrieben, kopiere nur CDU-Vorstellungen, kritisierte Bernd Busemann, Unions-Fraktionsvize im Landtag. Die schulpolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte Litfin, sprach vom „schulpolitischen Quickie”, der Philologenverband von „Aktionismus”. NP, 21.06.2002 mehr ... |
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